Reformationstag

Nachricht
Autor
shalom
Beiträge: 4295
Registriert: 11.12.2007, 16:41

Reformationstag

#1 Beitrag von shalom » 31.10.2009, 12:46

[=>Wikipedia]
Reformationstag

Der Reformationstag wird von evangelischen Christen in Deutschland am 31. Oktober im Gedenken an die Reformation der Kirche durch Martin Luther gefeiert. In der Schweiz gilt der erste Sonntag im November als Reformationstag, steht also, trotz des reformierten Bekenntnisses, ebenfalls in Beziehung zur Reformation in Wittenberg.

Ursprung und Geschichte
Laut der Überlieferung soll der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther am Tag vor Allerheiligen 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg 95 Thesen in lateinischer Sprache zu Ablass und Buße angeschlagen haben, um eine akademische Disputation herbeizuführen. Damit leitete er die Reformation der Kirche ein. Im Kern bestritt er die herrschende Ansicht, dass eine Erlösung von der Sünde durch einen Ablass in Form einer Geldzahlung möglich sei. Dies sei schon durch das Opfer Jesu am Kreuz geschehen. Luther hatte seine Thesen in Briefform mehreren geistlichen Würdenträgern und Bischöfen des Reiches zugesandt. Als die Bischöfe nicht reagierten, soll er die 95 Thesen an die Schlosskirche Wittenbergs angeschlagen haben. Ob der Thesenanschlag tatsächlich stattgefunden hat, ist jedoch nicht zweifelsfrei erwiesen.
…aus diesem Grund allseits und auch speziell einen lieben Gruß :wink: .

shalom

Benutzeravatar
evah pirazzi
Beiträge: 1076
Registriert: 25.11.2007, 01:01
Wohnort: Niedersachsen

#2 Beitrag von evah pirazzi » 01.11.2009, 22:39

Mit einigen sehr netten Fories sang ich im Reformationsgottesdienst auf der Wartburg bei Eisenach, auf historischem Grund mit hysterischem Mund, ergriffen den wohl bekanntesten Bekenntnis-Choral Martin Luthers: Ein' feste Burg ist unser Gott....

Der Predigt zu Grunde lagen die Seligpreisungen aus der "Bergpredigt" Jesu, wie sie im Matthäusevangelium 5 nachzulesen sind. Eine Superintendentin und ein Probst gestalteten den Gottesdienst und es ergab sich hinterher die Frage, ob beide, im Vergleich zur NAK-Hirarchie, etwa gleichen Ranges sind, der eine dem anderen über- bzw. untergeordnet ist, oder ob man solche Rangunterschiede in der Ev. Kirche gar nicht kennt.

Abendstern, die ein phänomenales Gedächtnis hat, hat zu dem Gd an anderer Stelle eine sehr gute Zusammenfassung erstellt, die sie hier hoffentlich noch einstellen wird. Ich möchte ihr nicht vorgreifen.

Es war - trotz einiger unruhiger Teilnehmer - ein bewegendes Erlebnis.
[i][size=75]"... Ich bin einerseits sehr froh, dass ich diesen Gedanken aussprechen kann, auf der anderen Seite fällt es mir auch nicht schwer..."
(Bap Klingler - Neujahrsgd 2009)[/size][/i]

abendstern_
Beiträge: 674
Registriert: 25.11.2007, 13:44

#3 Beitrag von abendstern_ » 02.11.2009, 06:49

Mit dem phänomenalen Gedächtnis ist es gar nicht so weit her, aber ich hatte einen Kugelschreiber dabei und auf dem Liedblatt die für mich markantesten Sätze notiert.... :)

Unvollständige Gedanken vom Reformationsgottesdienst auf der Wartburg

Festsaal auf der Wartburg

Predigt Probst Reinhard Werneburg, Liturgie Superintendentin Martina Berlich, mit Heiliger Taufe von Anna Rimbach

Taufsprüche von Anna Rimbach:
Psalm 145 Vers 8 "Gnädig und barmherzig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.
Psalm 37,37 "Bleibe fromm und halte dich recht; denn solchem wird's zuletzt wohl gehen"

Die kleine Anna Rimbach konnte sich zwischen diesen beiden Sprüchen nicht entscheiden. Sie wollte beide Sprüche als Taufsprüche. Unser Leben findet zwischen diesen Sprüchen statt, die wie Leitplanken sind: Psalm 37.37 sagt aus, was wir selbst tun können, Psalm145, 8 gibt uns die Zusage, was Gott dazu tun wird.

Predigttext: Matthäus 5, die Seligpreisungen
Wem gilt die Bergpredigt? Allen die mit Gott im Einklang leben wollen.
Wer sind geistlich arme Menschen?
Die, die eine neue Sprache suchen. Die Suchenden, die nicht alles bereits in fertigen Tüten haben.
Was Jesus als selig preist, gehört nicht unbedingt zu den "top 10" unserer heutigen Lebensplanung (Glück, Gesundheit, Wohlstand, Erfolg, Sicherheit....). Das sind eher die Werte am Rande, aber an den Rändern zeigt sich, wie es um das Ganze steht!

Kirche ist im Reformprozess zu einer Kirche der Freiheit. Woran erkennt man das? Sie hat keine festgelegten Antworten auf das Leben, sondern sucht immer wieder nach neuen Antworten, das befreit im Denken und verhindert dogmatische Enge. (Bild vom Vogel im Käfig mit der offenen Käfigtür). Die freie Kirche ist aber trotzdem eine gebundene Kirche, gebunden an das Wort der hl. Schrift.

Sinn der Reformation war es nicht, die Kirche zu spalten, sondern dem Glauben Raum zu schaffen.

Glaube muss ins Gespräch mit der Vernunft gebracht werden. Glaube braucht den Austausch mit anderen, sonst ist der Weg zum Fanatismus kurz.

Die Botschaft der Bibel gilt allen, nicht nur einer kleinen auserwählten Gruppe

PS. weil die Frage auftauchte:
Der Probst ist der Stellvertreter des Bischofs bzw. ein Regionalbischof für eine bestimmte Region
Der Superintendent ist in einigen evangelischen Landeskirchen der leitende Geistliche eines Kirchenbezirks, vergleichbar dem Dekan in anderen Landeskirchen.



_________________
Gehen Sie ab und zu mit einem gutem Buch ins Bett - oder wenigstens mit jemandem, der kürzlich eines gelesen hat.[/url]

Dieter

#4 Beitrag von Dieter » 02.11.2009, 08:19

Was mich besonders bewegt hat, war die Taufhandlung an der ca. 9-10-jährigen Anna. Bevor die Taufe begann, hat der Probst Anna mit dem Kreuzzeichen gesegnet und diese Segnung durch ein nachfolgendes Gebet bekräftigt. Erst nach diesem Gebet wurde die eigentliche Taufe durchgeführt. Dabei wurde nicht mit einem angefeuchteten Finger nur ein Kreuz über dem Täufling gemacht, sondern dreimal eine Handvoll Wasser über die Stirn gegossen.
Das Ganze hatte für mich einen so hohen und erhabenen feierlichen Rahmen, daß ich - ich gestehe - Tränen der Ergriffenheit aus den Augen wischte.
Aber auch die Predigt fand ich sehr beeindruckend. Für mich waren es vor allem zwei Sätze, die mir hängengeblieben sind:
- Wenn sich der Glaube nicht mit dem Verstand auseinandersetzen darf, besteht die Gefahr, daß er fanatisch wird.
- Wie eine Gemeinschaft mit ihren Rändern umgeht (siehe die Seligpreisungen der Armen im Geiste, Mühseligen, Trauernden etc.) läßt einen Rückschluß zu, wie es in ihrem Innern um sie bestellt ist.
Vor allem Letzteres will ich mir noch mehr zu eigen machen, denn ich denke, man kann anstelle der Gemeinschaft auch sich selbst sehen. Wie gehe ich mit den Menschen am Rande um? Das lässt Rückschlüsse auch auf mein Inneres zu.

Die Liturgie war mir etwas fremd, denn die vielen liturgischen Gesänge sind hier in der württembergischen Landeskirche eher unbekannt. Das tat aber dem Gottesdienst für mich keinen Abbruch.
Im übrigen noch ein Hinweis: Die Predigt eines Bischofs, Probstes oder sonstigen "höheren" Amtsträgers in der evangelischen Kirche erhebt keinen Anspruch auf einen höheren geistigen Gehalt. Die Predigt eines einfachen Dorfpfarrers hat innerhalb der Kirche denselben Stellenwert. Die Amtsbezeichnungen beziehen sich mehr auf den organisatorischen Teil.

Allen eine schöne Woche!
Dieter (mit einem lieben Morgengruß von Renate)
Zuletzt geändert von Dieter am 02.11.2009, 09:38, insgesamt 1-mal geändert.

Gaby

#5 Beitrag von Gaby » 02.11.2009, 09:22

Es gab auch die Diskussion darüber, wie das Abendmahlsverständnis in der lutherischen Kirche denn nun genau ist.

Habe etwas darüber gefunden.

Luther lehnte zwar die Transsubstationslehre der katholischen Kirche ab, aber für ihn ist es auch kein reines Gedächtnismahl, deshalb sein Streit mit Calvin und Zwingli.

klick

Zitat: >>Der Wittenberger lehrte, dass Christus „in, mit und unter“ Brot und Wein gegenwärtig sei (Konsubstantiation), während der Zürcher Reformator im Brot und Wein blosse Zeichen sah, die daran erinnerten, dass Christus seinen Leib und sein Blut hingegeben hatte. Während der Abendmahlsfeier sei Christus im Glauben, keineswegs jedoch in den Elementen präsent.<<

klack

ab Seite 324 Punkt 13 >>Abendmahl<<

Nur mal so als info ...


P.S.

Vom Gottesdienst selbst ist mir zudem noch haften geblieben, dass wir uns selbst nicht "erlösen" können, ganz gleich wie sehr wir uns auch anstrengen mögen und dass Besitztümer (bzw. die Erfüllung so mancher Wünsche) allein auch nicht glücklich machen ... hat man etwas was man wollte bekommen, will man dann etwas anderes ... das ist ein Weg ohne Ende.

Mir fiel dazu Paulus ein.

Philipper 4

11Nicht sage ich das des Mangels halben; denn ich habe gelernt, worin ich bin, mir genügen zu lassen. 12Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; ich bin in allen Dingen und bei allen geschickt, beides, satt sein und hungern, beides, übrighaben und Mangel leiden.13Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus.

Mit Gottvertrauen haben wir die Möglichkeit in jeder Lebenssituation glücklich und zufrieden zu sein.

_

#6 Beitrag von _ » 02.11.2009, 09:46

ich habe mir anlässlich des reformationstages am letzten wochenende die letzte "geo epoche" in gänze zu gemüte geführt.

sonntag morgen habe ich dann in unserer örtlichen baptistengemeinde einen schönen gottesdienst über beziehungen zu gott, zu mitmenschen und zu sich selbst gehört, basierend auf joh.5,1-18.

ja, abendmahl gab's auch. 8)

mfg, _

Gaby

#7 Beitrag von Gaby » 02.11.2009, 10:19

Die Baptisten ;-)

Zitat:
Zusammenfassung
Unbeschadet einer gewissen Bandbreite an Abendmahlsvorstellungen im deutschen
Baptismus lassen sich folgende charakteristische Elemente festhalten:
􏰁 Herr und Gastgeber der Mahlfeier ist Jesus Christus, der „keine Torwächter aufgestellt
hat“, sondern die Teilnahme der Selbstprüfung des/der Einzelnen anheimstellt.
Konfessionszugehörigkeit oder eine Taufe nach baptistischem Verständnis sind nicht
(mehr) Bedingung.
􏰁 Das Abendmahl gewährt keine Sündenvergebung. Es setzt sie (und die Versöhnung mit
den Nächsten) voraus. Andererseits erfahren die Gläubigen beim Abendmahl die
geschehene Annahme durch Christus und die geschenkte Vergebung erneut.
􏰁 Das Gesamtgeschehen der Mahlfeier - nicht die Elemente, auch wenn der sinnlich
erfahrbare Charakter der Christusgegenwart gelegentlich betont wird - stärkt die
Gläubigen sowohl in ihrer Glaubensgewissheit als auch für ihre Sendung in die Welt.
􏰁 Das Abendmahl ist Gedächtnismahl. Beim Gedächtnis tritt die Auferstehung i.d.R. fast
gänzlich hinter der Passion zurück.
􏰁 Das Abendmahl ist Gemeinschaftsmahl. Die Gemeinschaft wird sowohl horizontal als
vertikal verstanden. Der Gemeinschaftscharakter soll eine formale Entsprechung in der
Gestaltung der Feier haben.
􏰁 Das Abendmahl ist Bekenntnismahl. Gerade als bekennende Gemeinde ist die sich
versammelnde Gemeinde das eigentliche „feiernde Subjekt“.
􏰁 Die Gestaltung der Abendmahlsfeier wie des Gottesdienstes überhaupt ist von dem
Wunsch geprägt, liturgische Elemente zu vermeiden, insofern sie dem persönlichen
Charakter der Beziehung zwischen Gott bzw. Jesus Christus und den Gläubigen nicht
entsprechen.

Quelle: klick

Benutzeravatar
agape
Beiträge: 1040
Registriert: 30.11.2007, 08:39
Wohnort: Bei Fischen mit Brot und Wein

#8 Beitrag von agape » 02.11.2009, 10:21

Sehr schön zu lesen, was ihr schreibt!!

Anfänglich habe ich die luth Liturgie auch nicht sofort begriffen, interessanterweise aber schnell verinnerlicht, mittlerweile möchte ich sie nicht mehr missen.
Als trad. NAKler war man Liturgie ja nie gewohnt, ich brauchte ca ein/zwei Jahre (ein ganzes Kirchenjahr) um den tiefen Sinn der luth Liturgie zu erfassen. Ich habe zusätzlich viel gelesen und besuchte viele Glaubensseminare, die die Kirche selbst anbot.

Es gibt ja im Protestantentum viele Frömmigkeitsstile, wahrscheinlich kämen etliche Evangelen auch mit verschiedenen Stilen gleichzeitig zurecht, auch mit sog "reinen Wortgottesdiensten". Ich bin ganz froh, dass die luth. Kirche die Liturgie bewahrt hat, sie stellt auch ein Verbindungsglied zur katholischen Kirche dar.
(Nur mit dem besonderen Unterschied, dass in allen ev. Kirchen eben das Prinzip "Priestertum aller Gläubigen" gilt. :- )))
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
Nach D.Sölle

Dieter

#9 Beitrag von Dieter » 02.11.2009, 10:23

Nachtrag zu meinem obigen Beitrag:

Die Liturgie als solche war mir nicht fremd, denn die ist in der Kirche hier bei uns fast diesselbe. Mir war nur fremd, daß die liturgischen Texte nicht gesprochen sondern gesungen worden sind.

Benutzeravatar
agape
Beiträge: 1040
Registriert: 30.11.2007, 08:39
Wohnort: Bei Fischen mit Brot und Wein

#10 Beitrag von agape » 02.11.2009, 10:50

Mal sehen, ob es irgendwo noch einen Predigttext von Bischöfin Käßmann gibt. ;)
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
Nach D.Sölle

Zurück zu „Reformationsfest“