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#1 Beitrag von autor » 03.08.2009, 01:19

Der NAK Neubau in Oranienburg (Bericht und PDF-Flyer)


http://www.nak-berlin-brandenburg.de/in ... af7c8913d1



Wie das aussieht

Wahrscheinlich gegen ihren Willen ist Frau Reimann gedrängt worden, dieser Kirche ihre Gestalt zu geben. Wie sonst ist dieses unsägliche Ding zu erklären, was dort in Oranienburg seinen Weg auf die grüne Wiese gefunden hat. Allzu augenscheinlich schämen sich die Verantwortlichen, denn, die Angst, ihr Unvermögen könnte, obwohl es für jeden sichtbar Gebäude geworden ist, zusätzlich auch noch ausgesprochen werden, oder gar Anlass zu leiser Kritik sein, zwingt sie zu einem verräterischen Redefluss. Und wahrlich schwierig ist es, pure Ignoranz, ein gestalterisches Vorgehen dessen einziges Werkzeug ästhetische Taubheit ist, gleichsam ein Missgestalten, nachträglich mit Sinn zu füllen. Ehrlich wäre es, zu sagen: „Es ist nun mal so geworden. Das Geld ist leider weg.“ Oder: „Gibt ja schlimmeres.“ Aber, weit gefehlt, man bedient sich eklatanten Geschwafels um den armen Menschen dieses Ding zu verkaufen, als wenn das alles so sein müsse.

Was, zum Kuckuck, kann eine Architektin drängen, mit einer Kirche zwischen Plattenbauten und Einfamilienhäusern vermitteln zu wollen, wie erkenne ich das an diesem Gebäude und worin liegt dabei irgendein Gewinn? Was, um Himmels Willen, bewegt eine Gestalterin solch einen schlecht proportionierten Sarg mit angedeutetem Vorbau und Garage als „Gebäudeensemble“ zu bezeichnen? Und welchen anderen Sinn haben die nirgendwo erkennbaren „auf den Schenkeln stehenden „U““ als im Erschrecktsein des Anblicks dieser dahingebauten Trostlosigkeit dem vor Verwunderung augenreibenden Betrachter irgendeinen genialen Gestaltungswillen vorzugaukeln? Wirklich frech ist es aber, im Innern der Kiste von einer, so Frau Reimann, „ehrfurchtsvollen Atmosphäre“ zu sprechen, womit sie die einfallsreich dekorierte Altarwand begründet.

Nein! Wer sich keine Gedanken gemacht hat soll dazu stehen. Kaum zu glauben, dass ein paar Wände mit Türen, Fenstern und einem Dach so schlecht geraten können. Mehr ist hier nicht fabriziert worden, aber auch nicht weniger, immerhin sieht es ja irgendwie ... aus.

a.
Zuletzt geändert von autor am 03.08.2009, 01:33, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Feuilleton

#2 Beitrag von autor » 03.08.2009, 01:30

hmpf - habe mich zitiert

abendstern_
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#3 Beitrag von abendstern_ » 03.08.2009, 06:02

Ich dachte beim ersten Betrachten der Fotos an einen Container. Aber, sehen wir es doch mal positiv, dieses Gebäude fügt sich wunderbar in seine Umgebung ein. Die Menschen aus den Plattenbauten fühlen sich darin vielleicht sogar wohl. Und das ganz positive: Das gesparte Geld reichte sogar noch für ein NAK-Info-Mobil. Was will man mehr?

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tosamasi
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#4 Beitrag von tosamasi » 03.08.2009, 11:04

Ich folge jetzt nicht dem Mainstream meiner Vorschreiber, denn ich finde den Bau nicht schlecht, und lobe den Mut zum schlichten Kreuz, nachdem es anderwärts ein Kreuz mit dem Kreuz gab.
Nur der Einfältige fürchtet die Vielfalt
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agape
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Transparenz gegen die Transparenz

#5 Beitrag von agape » 03.08.2009, 12:00

NAK BB, die Architektin:

"Die in Glas gehaltene Eingangsfront gestatte bewusst Einblicke ins Haus:

"Denn wo man Einblick hat, da traut man sich auch besser hinein", so die Architektin..."
Wohl wahr, was die Architektin da zum Besten gibt, aber genau das passiert im übertragenem Sinne ja eben nicht in der NAK.

Hier wird das Schaufenster in der Tat zum Schaufenster -
oder auch "Transparenz gegen die Transparenz"

abendstern_
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#6 Beitrag von abendstern_ » 03.08.2009, 12:14

tosamasi hat geschrieben:Ich folge jetzt nicht dem Mainstream meiner Vorschreiber, denn ich finde den Bau nicht schlecht, und lobe den Mut zum schlichten Kreuz, nachdem es anderwärts ein Kreuz mit dem Kreuz gab.
es gehört aber schon etwas Phantasie dazu, in dem Längs- und Querstreifen der die Wand hinter dem Altar teilt, ein christliches Kreuz zu sehen....

Hannes

#7 Beitrag von Hannes » 03.08.2009, 14:20

Als ich das Bild der neuen Kirche zum ersten Mal sah, dachte ich, es ist das "Vorher-Photo". Wirklich. Es ist für mich keine gelungene Architektur - aber es ist eine Architektur, die, wie agape bemerkte, gut zur NAK passt:

Kompakter Raum mit wenig Fenster, sprich kein direkter Kontakt nach aussen bzw. innen. Es wirkt auf mich wirklich wie ein Container. Ich habe die Assoziationen: eingeschlossen sein, Enge, bedrückend, klein, abgeschlossen.

Moderne Architektur geht für mich anders - sie bezieht den Menschen und seine Bedürfnisse mit ein. Aber vielleicht ist das hier geschehen und wir haben es mit einem Meisterwerk zu tun. :wink:

Hannes

Lobo

#8 Beitrag von Lobo » 03.08.2009, 15:15

Über Geschmack lässt sich nicht streiten... ...oder doch?

Engelchen

#9 Beitrag von Engelchen » 03.08.2009, 15:50

Als ich das Bild der neuen Kirche zum ersten Mal sah, dachte ich, es ist das "Vorher-Photo"
Ich auch..... :oops:

Hannes

#10 Beitrag von Hannes » 03.08.2009, 17:45

Lobo hat geschrieben:Über Geschmack lässt sich nicht streiten... ...oder doch?
Na klar lässt sich über Geschmack streiten, Lobo. Aber mir ging es erstmal nicht um Geschmack, sondern um architektonische Elemente, die wohl Auswirkungen auf Menschen haben. So wie es eine Farbenlehre gibt, gibt es auch eine Formenlehre.

Schau Dir einmal die Anziehung der Hundertwasser-Häuser an oder nähere Dich einmal einem Gebäude, das von Rudolf Steiner entworfen wurde oder von Gaudi - oder von Speer. Und dann schau Dir diesen NAK-Container ohne Fenster an ... wie gesagt: es ist ein Zweckbau und wohl inspiriert von der inneren Architektur der Auftraggeber ("wir sind die Einzigen" und so).

Oder so ... Hannes :wink:

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