SUCHTFAKTOR - N

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abendstern_
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#21 Beitrag von abendstern_ » 23.07.2009, 06:10

Adler hat geschrieben:Ach ja, da war ja noch der zweite Teil der "Sucht".

Auch hier zeigt sich bei mir noch eine gewisse Abhängigkeit. Es ist wie so ein seidener Faden, der noch eine gewisse Verbindung herstellt und aufrecht erhält. Ich denke, dass dieser Faden auch dann noch "bindet" wenn bereits der Austritt vollzogen worden ist. Ich habe allerdings diesen Schritt noch nicht vollzogen. Wohl habe ich aufgrund vieler negativer Erlebnisse, meinen Amtsauftrag niedergelegt und besuche nur noch sporadisch die GD`s. Aber manchmal ... wenn aus der Erinnerung der eine und andere GD -selbst gehalten oder nur als Zuhörer erlebt- wieder auftaucht, dann steht das damalige Erleben wieder in seiner ganzen Lebendigkeit vor dem inneren Auge ... da kann dann auch mal das "äußere" Auge feucht werden ...

LG Adler
Guten Morgen Adler,

Unsere NAK-Vergangenheit, egal wie weit sie zurück liegt, wird immer Teil von uns sein. Wir können sie nicht einfach ablegen, indem wir "austreten". Sie hat uns nachhaltig geprägt. Dass wir immer mal wieder erinnert werden, manchmal vielleicht auch mit einem tränenden Auge, hat nichts mit Sucht zu tun, sondern mit Verarbeitung. Das muss sein, das gehört dazu, sonst holt uns die Vergangenheit eines Tages ein. Ich habe Jahre gebraucht, um diese prägende Erfahrung aufzuarbeiten. Man warf mir vor, ich würde mich viel zu viel mit dem Thema beschäftigen, ich solle doch endlich einen Schlussstrich ziehen. Bei diesem Thema gibt es keinen Schlussstrich, es gibt eher ein langsames Abseilen. Heute denke ich, wenn ich mal Gelegenheit habe, in einer "Familie" zu blättern, "was ist denn das für ein komischer Verein, dem sollst du mal angehört haben? Das muss in einem anderen Leben gewesen sein..."

Zeit heilt Wunden, das ist das schöne, und wenn das Thema NAK dir igendwann nur noch ein leises Gähnen hervorlockt, hast du es geschafft.... :)

Gruß
abendstern_
Zuletzt geändert von abendstern_ am 23.07.2009, 07:00, insgesamt 1-mal geändert.

abendstern_
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#22 Beitrag von abendstern_ » 23.07.2009, 06:31

Micha, danke für deinen mutigen Beitrag. Ich muss gestehen, ich habe damit nie kämpfen müssen. Die paar Zigaretten, die ich in meinem Leben mehr aus Solidarität geraucht habe, passen wahrscheinlich in eine Schachtel. Dafür gibts andere Dinge, die mich begleiten, jeder hat so seine Süchte...

Wenn alle Leute das Rauchen aufgegeben hätten, die Allan Carr gelesen haben, würde es nur noch Nichtraucher geben. Das funktioniert scheinbar doch nicht ganz so einfach.

Vielleicht einfach mal etwas reduzieren? Heute sich 10 % weniger Zigaretten als üblich zugestehen. Nächsten Woche wieder 10 % weniger. Die Kunst der kleinen Schritte.... Hast du das schon versucht? Manchmal muss man sich selbst austricksen...

Wir haben verlenrt (oder nie gelernt), unsere Bedürfnisse richtig wahrzunehmen. Wenn der Körper meldet "Achtung Stress" greifen die einen zur Zigarette, die anderen zum starken Kaffee, die dritten zur Schokolade. Eigentlich wäre aber ein kurzer Spazierganz angesagt, Abstand, Durchatmen... Ersetze Stress durch Frust, Langeweile, Ärger, Wut, alles wird gedämpft mit den Suchtmitteln, die es ja gleich um die Ecke zu kaufen gibt.

LG
abendstern_

abendstern_
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#23 Beitrag von abendstern_ » 23.07.2009, 06:38

PS ich mag Friedhöfe, besondes ganz alte. Besonders jüdische. Sie lehren mich mehr als manches lebhafte Geschrei und Gezänk in den Foren...

Philippus

#24 Beitrag von Philippus » 23.07.2009, 09:52

Danke, Abendstern, für den Beitrag weiter oben (7:10); ich sehe das ganz ähnlich.

@ Maximin

Danke für Deine hohe Meinung über mich. :)

Lieber Michael, ich muss seit gestern wieder an einen Freund von meinem früheren Stammtisch denken, der mir immer wieder gesagt hat, mit dem Rauchen aufzuhören sei reine Kopfsache. Irgendwie is da was dran. - Aber eben nur irgendwie und nicht immer. Dieser Freund, ausgebildeter Facharzt, muss ja schließlich wissen, was er sagt. Und in gewisser Hinsicht hat er auch Recht behalten.

Als ich meinen Schatz kennenlernte, verließ ich den Stammtisch um bei (mittlerweile) unserem Gospelchor mitsingen und in die Übungsstunde mitgehen zu können, also aus rein terminlichen Gründen.
Als ich das Rauchen etwa zeitgleich aufgab, tat ich das um IHR zu gefallen - hat auch funktioniert, jedenfalls bis heute.
Als ich die NAK verließ, hatte ich dafür - wie ich meinte - gute Gründe. Aber ich musste feststellen, daß meine Vergangenheit mich doch nicht loslässt.
Hier gebe ich Abendstern recht; ich kann nicht einfach austreten und annehmen, das wärs dann gewesen. - Denkste.

Ähnlich wie das Rauchenaufgeben ist auch der Kirchenaustritt Kopfsache (jaaa, er ist auch ein bischen Herzenssache). Ich muss wissen Warum, Wie und Wohin!
Die Beantwortung der ersten Frage ist zwingend, die zweite wichtig und die dritte hat m.E. etwas (!) Zeit.

Manches Mal habe ich den Fehler gamacht (auch in anderen Belangen), zu fragen "Wo komm ich her?" vielleicht sogar "Wie konnte es soweit kommen?" Dabei geriet ich sehr schnell in Selbstmitleid und fing an (mich) im Kreis zu drehen. Der dadurch entstehende Strudel hat mich dann in schöner Regelmäßigkeit ziemlich nach unten gezogen und ich fand nicht mehr zurück ... ich schreibe das ganz wertfrei. Dieses Phänomen kann man aber in den diversen Foren bei unterschiedlichesten Menschen immer wieder beobachten.

Es ging mir ebenso regelmäßig aber nicht unwesentlich besser, wenn ich nach einer Antwort auf die Frage suchte "wo will ich eigentlich hin?" oder "wie komme ich jetzt dahin?"

Die eine Fragestellung ist problemorientiert und wird mich deshalb auch immer wieder nur zu meinem Problem zurückführen. Von Loslassen kann also hier keine Rede sein. Die zweite Fragestellung ist lösungsorientiert und eröffnet mir möglicherweise ganz neue Aussichten, fordert aber auch von mir, doch endlich loszulassen und mich selbst neu zu orientieren. Die von Abendstern schon angemahnte Verarbeitung ist angesagt - weniger Handarbeit, dafür umso mehr Stille, Überlegung und Nachdenken. Es mag allerdings auch sein, daß man dabei manche heilige Kuh schlachten und manchen alten Zopf abschneiden muss. Doch es winken immerhin amüsante Erlebnisse und rückblickend allerlei ebensolche Einsichten, wenn man mal wieder mit der Alten Heimat konfrontiert wird - "Jaja, die Alten Zeiten"

Übrigens: Wer loslässt, hat die Hände wieder frei - für was auch immer. ;-)

Liebe Grüße

Frank

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tosamasi
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#25 Beitrag von tosamasi » 23.07.2009, 10:26

abendstern_ hat geschrieben:
Wenn alle Leute das Rauchen aufgegeben hätten, die Allan Carr gelesen haben, würde es nur noch Nichtraucher geben. Das funktioniert scheinbar doch nicht ganz so einfach.
Seit längerem stehen auf den Schachteln nette Sprüche mit dem Hinweis auf Gesundheits- und Lebensgefahr. Ich habe mir auch die 'hübsche' Raucherlunge in Körperwelten angesehen, und mir draußen sofort eine Zigarette angezündet.
Manche rauchen trotz schwerer Erkrankung weiter, der Suchtfaktor ist oft höher, als die Vernunft.
Nur der Einfältige fürchtet die Vielfalt
tosamasi

tergram

#26 Beitrag von tergram » 23.07.2009, 11:02

abendstern_ hat geschrieben:... als manches lebhafte Geschrei und Gezänk in den Foren...
Du bist in den falschen Foren unterwegs. :lol:

shalom
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#27 Beitrag von shalom » 23.07.2009, 11:47

Maximin hat geschrieben::) Lieben Freunde,

Suchtfaktor - N... lautet mein Titel. Gibt´s da etwa Parallelitäten...?

Liebe Grüße, landauf und landab, von Eurem Micha :wink:
Suchtfaktor N…akotin :wink:

Nakotin kann nakotisch wirken. Selbst ein, unter amtlicher Aufsicht verabreichter Placeboglaube muss nicht immer ungefährlich sein. Aus einer noch nicht allzu fernen Glaubenslebenswelt der letzten Jahre lassen sich heute noch gut erhaltene Botschaften finden, welche die nakotisierende Wirkung auf den Amtskörper belegen und Anlass zur Vermutung geben, dass dieser immer noch nicht wieder „clean“ ist. Der Apostelamtskörper fühlt sich selbst – auch ohne neuen Glauben – vermutlich heute schon [-> großartig] und meint evtl. über sich selbst auch noch: [->“Gott sei Dank“]… dass wir heute Apostel („uns“) haben… .

Lieb retourgrüßend und shalom
_____________
Die Botschaft hör ich wohl, allein es fehlt der neue Glaube

Maximin

RECHT AUF HEIMWEH...?

#28 Beitrag von Maximin » 02.08.2009, 16:14

Lieben Freunde,
das wird jetzt eine Themenvermischung aus Suchtfaktor - N und NAK-Infomobil. Schlimm? Vorsorglich bitte ich schon mal um Nachsicht und milde Beurteilung. Gewährt? Danke! Und falls nicht, einfach ungelesen weiterklicken...

Kennen Sie die südbrandenburgischen Städtchen Baruth und Golßen? Nein? Macht nichts. Sie haben wenig versäumt. Aber zwischen diesen beiden Orten kenne ich herrliche Wälder, in den ich schon oft Maronen, Pfifferlinge, Steinpilze und auch mal das Riesenexemplar einer Krausen Glucke fand.

Nun hatte es hier lange reichlich Regen und seit einigen Tagen auch wieder viel lieben Sonnenschein. Pilzsaison eröffnet? Kennen Sie das beglückende Gefühl, während eines längeren Waldspaziergangs in grünem Moos einen dicken fetten Pfifferling leuchten zu sehen? Das macht süchtig nach dem nächsten.

Bei meinen Waldspaziergängen kommen in mir dann manchmal auch Erinnerungen hoch. Als ich meine Pfifferlinge leuchten sah, da fiel mir ein Lied aus meiner Kinderkirche in den Sinn. Es ging so: „O Liebe, goldner Sonnenschein... “ (AGB Nr. 434).

Nun war mein Körbchen zwar noch nicht voller Pfifferlinge, aber immerhin würde es für ein bescheidenes Omelett mit Speck und Zwiebeln reichen. Also rein in meinen kleinen Toyota und zurück nach Baruth. Unterwegs wieder Erinnerungen. In Berlin-Kreuzberg gibt es eine Baruther Straße und dort eine kleine NAK-Gemeinde. 1993 haben sie mich da zum Priester gemacht. Als ich nach dem Gottesdienst meinen alten Evangelisten-Vater besuchte meinte der augenzwinkernd milde: „Schön, aber Du kannst weiterhin zum lieben Gott Du sagen.“

In Baruth-City angekommen steht da am Straßenrand eine Bekanntmachungstafel. Kleine Pause mit eine Bockwurst aus der gegenüberliegenden Landfleischerei Gebhardt. So´ne knackige Bockwurst gibt es in ganz Berlin nicht.

Die Bekanntmachungstafel war mit den üblichem Mitteilungen einer Kleinstadt vollgepappt. Und dann hing da ein DIN A 4 Plakat mit dem Erkennungszeichen der NAK. Herzliche Einladung zum Tag der Offenen Tür, am Sonnabend, den 1. August 09, in der Gemeinde Golßen. Beginn: 10:00 Uhr. Peng!

Was hat mich nun veranlasst, einen Augenblick lang darüber nachzudenken, ob ich da nicht hinfahren sollte? Die herzliche Einladung mit der gewissen Erwartung auf derart übliche Programmgestaltungen und der verlockenden Aussicht, dabei wiedereinmal eine der schönen alten Sauerorgeln hören zu können? Ich weiß es nicht genau. Aber der entscheidende Impuls ging vom Kreuz mit den Sonnenstrahlen und den Wasserwellen aus. Suchtfaktor – N.

Vielleicht versteht mich hier niemand richtig. Vielleicht wird mir entgegengehalten, dass ich, inzwischen wieder evangelisch, wie ein Türke in Berlin-Kreuzberg von Anatolien träume und mein Hintern leider zu klein ist, um gleichzeitig mit einer Backe in Anatolien und mit der anderen in Kreuzberg zu sitzen. Solche breiten Stühle gibt´ s ja gar nicht. Was es aber gibt ist ein Recht auf Heimweh. Jedenfalls manchmal...

Liebe Grüße, landauf und landab, von Eurem Micha

Adler

#29 Beitrag von Adler » 02.08.2009, 16:44

Lieber Micha,

einem Heimwehkranken hilft nur Eins; ganz schnell heimgehen ... ah ... -fahren :mrgreen:

LG Adler

P.S. Spaß bei Seite: Ich kann dich sehr gut verstehen!

Maximin

#30 Beitrag von Maximin » 02.08.2009, 17:59

:wink:

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