Wo finde ich die "richtige" Kirche?

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Loreley 61
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Wo finde ich die "richtige" Kirche?

#1 Beitrag von Loreley 61 » 04.12.2007, 07:11

Guten Morgen zusammen,

in einem anderen Forum diskutierten wir u.a. über die Schuld der Kirchen. Sowohl in der Vergangenheit (z.B. Inquisition), als auch in der Gegenwart (Kennen wir alle). Daraus ergaben sich für mich folgende Fragen, die ich auch hier gerne zur Diskussion stellen würde.

Als ich damals aus der NAK ausgetreten bin, habe ich mich gefragt, was ich denn nun werden soll. Für mich kamen nur die beiden Großkirchen in Frage. Ich habe mich für die evangelische Kirche entschieden, wohlwissend > auch da gab es schon immer schuldhaftes Verhalten.

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass es bei allem Negativen auch die grundsätzlich positiven Seiten dieser beiden Großkirchen gibt. Zum Beispiel ihr Engagement (auch finanziell) in Kindergärten, Krankenhäusern usw.

Ich möchte hier auch nicht die Schuld und die Fehler (heute und gestern) der einzelnen Kirchen aufzählen. Dennoch bin ich Zweiflerin, vor allem was die Kirchen anbelangt. Ich frage mich, zu welcher Kirche könnte und würde sich Jesus eigentlich bekennen? Welche ist ohne Schuld geblieben? Gibt es eine? Oder könnte Jesus nur mit dem Kopf schütteln, wenn er die ganzen Fehlentscheidungen und Sünden der Kirchen (Mehrzahl) sieht? Was würde er uns raten, in welche Kirche wir gehen sollen, um ihm nahe zu sein? Ist es nicht so, dass dort wo Jesus tatsächlich der "Hausherr" wäre, wo also die "wahre Kirche" ist, das " wahre Werk Gottes", da dürfte es keine Schuld der jeweiligen Kirchenleitung geben. (Bezeichnen sich nicht vor allem die RKK und die NAK als einzig wahre Kirche?) Mir ist klar, dass wir alle Sünder sind, dass meine ich auch nicht. Menschen untereinander werden sich immer wieder gegenseitig schuldig machen. Ich meine, und das ist nur ein Bauchgefühl, dass dort wo Jesus sich zu einer Kirche bekennt, da würde er auf Leitungsebene (Päpste, Stammapostel usw.) dafür sorgen, dass dieses, sein Werk, keine Schuld auf sich läd, schließlich ist er der "Herr im Hause". Dies sind keine Feststellungen von mir, sondern Fragen, die ich mir auch selbst stelle. Müßten also nicht alle Entscheidungen einer Kirchenleitung (was die jeweilige Kirche betrifft) nicht tatsächlich und auch rückblickend unfehlbar sein? Damit meine ich nicht das private Leben der Kirchenoberen (da sind sie alle Sünder), sondern ihre Entscheidungen bezüglich ihrer Kirche (Dogmen ect.) Dort wo "Gottes Geist" weht, (Jesus regiert) kann es dort überhaupt Fehler/Schuld geben?

Zu Zeiten des alten Testamentes hatte sich Gott ja auch ein Volk erwählt. Immer wieder, so die Bibel, ist dieses Volk an seinem Gott schuldig geworden. (vergleichbar der Kirchen heute?) Gott hatte Geduld, hat ihnen immer wieder verziehn. Aber irgendwann hatte er anscheinend die Faxen dicke. Es begann die Zeit des neuen Testamentes und das Heil sollte plötzlich auch anderen Völkern zuteil werden. Wenn man das nun mal in Bezug zu den Kirchen setzt, kann es eigentlich keine "richtige" Kirche geben, oder doch? Diese Erkenntnis, vorausgesetzt sie ist richtig, bringt mich persönlich aber auch nicht weiter, denn ich weiß immer noch nicht, in welche Kirche ich gehen soll, wo er auch der "Hausherr" ist. Später könnte Jesus/Gott mir vorwerfen, dass ich in die falsche Kirche gegangen bin. Er nennt mir aber auch nicht die, die er noch für am besten hält. Oder ist ihm das egal? Oder bleibt man besser ganz zuhause, um nichts falsch zu machen und lebt seinen Glauben im stillen Kämmerlein? Gemäß dem Motto: Ich glaube an Gott, aber nicht an die Kirche(n).

Eine fragende
Lory

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Loreley 61
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#2 Beitrag von Loreley 61 » 04.12.2007, 07:36

Kleiner Zusatz noch, zum besseren Verständnis:

Wir sagen doch, dass Gott unfehlbar ist. Müßte demgemäß nicht auch "sein Werk", "seine Kirche" unfehlbar sein???

Engelchen

#3 Beitrag von Engelchen » 04.12.2007, 08:03

Guten Morgen Loreley,
ein schöner ausführlicher Beitrag.
Dabei wurde ich unwillkürlich an Mutter Theresa erinnert. Was sie dazu zu sagen hatte?


Mutter Teresa:

Mutter Teresa lebte ihr ganzes Leben in der katholischen Kirche.
Für sie selbst war diese Tatsache eine Selbstverständlichkeit, für viele andere jedoch zumindest ein Grund zum Staunen.
Wenn es um die Frage eines vorbildlichen Christen ging, wurde ihr Name so automatisch und oft auch ausschließlich genannt, dass man manchmal den Eindruck haben konnte, Mutter Teresa sei die letzte glaubwürdige Zeugin der gesamten gegenwärtigen Kirche.

Mutter Teresa war zumindest in den letzten fünfundzwanzig Jahren ihres Lebens in Bezug auf ihre weltweite Anerkennung eine wirkliche Ausnahmeerscheinung.
Papst Paul VI. bezeichnete die kleine Nonne im November 1976 bei einer Privataudienz als „seinen größten Trost in der Kirche“, und sie erhielt laufend Preise und Auszeichnungen von Vertretern der verschiedensten Religionen und Weltanschauungen.

Was ihren Ruhm nur noch förderte war die Tatsache, dass sie all diese Lobeshymnen scheinbar unberührt über sich ergehen ließ, um Jesus Christus und seiner Kirche einen Dienst zu erweisen.
Ohne sich jemals für einen fragwürdigen Triumphalismus vereinnahmen zu lassen, wusste Mutter Teresa sehr wohl, ihre Ausnahmestellung im Leib Christi in großer Verantwortlichkeit und Klugheit zum Wohl eben dieses Leibes zu nutzen.

Ohne Übertreibung lässt sich ihre besondere kirchliche Position mit der des heiligen Franziskus vergleichen.
Jeweils in einer Zeit der breiten und heftigen Kritik an der kirchlichen Hierarchie, insbesondere des Papstes, genossen diese beiden Menschen, trotz ihrer ausdrücklichen Anerkennung eben dieser Hierarchie, eine unvergleichliche Anerkennung und konnten ihren Einfluss im Sinne der Einheit der Kirche einsetzen.

Wenn Mutter Teresa beispielsweise über die Abtreibung sprach, so hatte dies in weiten Teilen der Öffentlichkeit zweifelsohne mehr Bedeutung, als wenn der Papst selbst dies tat, und doch bestärkte es natürlich gerade dessen Autorität in für ihn selbst nahezu verschlossenen Bereichen.

Ihre Zugehörigkeit zu dieser umstrittenen Kirche war derartig unumstritten, dass kein Mensch ernsthaft von ihr gefordert hätte, sich von ihr zu trennen.
Die ihr wohl oft gestellte Frage hingegen, was sich in der Kirche ändern müsste, beantwortete sie einem Journalisten gegenüber mit drei Worten: „Ich und Sie.“

„Die Kirche ist unsere Familie, und wie jede Familie müssen wir zusammen leben können...
Ich betrachte es nicht als Einschränkung, Katholikin zu sein und der katholischen Kirche anzugehören: Wir brauchen uns nur zu lieben und zu verstehen...
Wir dienen Christus. In unserem Haus ist er das Familienoberhaupt, und er trifft alle Entscheidungen. Für Christus ist die Kirche die gleiche, gestern, heute und morgen.
Für Gott ist alles einfach.
Gottes Liebe zu uns ist größer als all die Konflikte, die vorübergehen werden.“

„Ja, aber wer ist denn die Kirche? Das sind doch wir, Sie und ich!
Jesus brauchte keine Paläste, nur Menschen brauchen dies. Aber die Kirche, das sind die, die ihm nachfolgen, sonst nichts. Und dies versuche ich täglich von neuem...“
„Menschen aller Nationalitäten sind in unserer Gemeinschaft willkommen. Auch in dieser Hinsicht - wie in jeder andern - möchten wir Kinder unserer Mutter Kirche sein.
Nationalismus ist unvereinbar mit unseren Konstitutionen; wir würden dem Geist unserer Berufung untreu. Deshalb sollten wir nie eine schlechte Meinung von Leuten haben, die einer anderen Nation angehören; das zeugt von einem großen Mangel an Liebe.“

Engelchen

#4 Beitrag von Engelchen » 04.12.2007, 08:37

Mutter Teresa und Frere Roger haben im August 1976 in Taize gemeinsam ein Gebet gesprochen. Das möchte ich Dir nicht vorenthalten.

„O Gott, Vater aller,
Du bittest jeden von uns,
Liebe zu verbreiten, wo die Armen gedemütigt werden,
Freude, wo die Kirche erniedrigt wird,
Und Versöhnung, wo Menschen zerstritten sind...,
Vater gegen Sohn, Mutter gegen Tochter,
Ehemann gegen Ehefrau, Gläubige gegen Ungläubige,
Christen gegen ihre ungeliebten Christenbrüder.
Du öffnest diesen Weg für uns, so dass der verwundete Körper Jesu Christi, deine Kirche,
der Sauerteig der Kommunion für die Armen der Erde und in der ganzen Menschenfamilie sein möge.“

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Loreley 61
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#5 Beitrag von Loreley 61 » 04.12.2007, 09:46

Danke Engelchen, für deine Gedanken, die du niedergeschrieben hast. Ich hoffe, ich kann noch ausführlicher drauf eingehen. Aber ich habe heute vormittag noch einen Zahnarzttermin. *bibber*

Bis später - und lG, Lory

Engelchen

#6 Beitrag von Engelchen » 04.12.2007, 09:54

Loreley 61 hat geschrieben:Danke Engelchen, für deine Gedanken, die du niedergeschrieben hast. Ich hoffe, ich kann noch ausführlicher drauf eingehen. Aber ich habe heute vormittag noch einen Zahnarzttermin. *bibber*

Bis später - und lG, Lory
Na Du hast Mut!
Du erinnerst mich an meine schlimmsten Sünden......
Vielleicht könnte eine Vollnarkose meine Probleme lösen.....
:lol:

tergram

Re: Wo finde ich die "richtige" Kirche?

#7 Beitrag von tergram » 04.12.2007, 10:22

Loreley 61 hat geschrieben: Später könnte Jesus/Gott mir vorwerfen, dass ich in die falsche Kirche gegangen bin.
Liebe Loreley,

das glaubst du nicht wirklich, oder?

Wenn Jesus vorgehabt hätte, ein Kirche mit allem, was nach unserem menschlichen Verständnis dazugehört, zu gründen, dann hätte er es getan oder zumindest seinen Aposteln als Auftrag gegeben. Hat er aber nicht.

Jesus sagt, was er von uns erwartet; wir finden es leicht abgewandelt an mehreren Bibelstellen: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst. Daraus ergeben sich viele Konsequenzen für unser Handeln von selbst. Daraus ergibt sich aber auch, dass es keine komplizierten weiteren Verbote, Gebote (und Gebötlein :lol: ) gibt.

Von "in eine Kirche gehen" o.ä. ist an keiner Stelle die Rede. Kirchen haben sich aus den zunächst losen Gemeinschaften der ersten Christen entwickelt. Viele Menschen benötigen die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, um Religion zu leben und zu erfahren. Verbindlich notwendig für das Seelenheil des Einzelnen scheint mir das nicht.

Fazit: Es ergibt sich aus dem NT nicht, dass der Mensch Mitglied einer Kirche sein muss, um sein Seelenheil zu finden. Wenn der Mensch Kirche braucht, wenn ihm Glauben in der Gemeinschaft leichter fällt, spricht auf der Basis des NT nichts dagegen, so lange und so weit Kirche mit der Lehre Jesu übereinstimmt. Es gibt unter dieser Voraussetzung keine richtige und keine falsche Kirche.

Ergänzend: Ich kann mir einen vorwurfsvollen Heiland nicht vorstellen und finde dafür im NT auch keine Hinweise...

Lukullus

#8 Beitrag von Lukullus » 04.12.2007, 10:39

Werte tergram,

ob ´richtige´oder ´falsche´Kirche -
ohne Erziehung IN einer Kirche (egal, welcher), gäbe es für uns jetzt nicht das Problem, uns positionieren zu müssen/zu wollen.
Es gäbe auch keine Entscheidung gegen eine bestimmt bzw. Kirche allgemein.

Ein Mensch ohne religiöse Vergangenheit stellt sicherlich andere Fragen -

meint Lukullus

Engelchen

#9 Beitrag von Engelchen » 04.12.2007, 10:45

Lukullus hat geschrieben:Werte tergram,

ob ´richtige´oder ´falsche´Kirche -
ohne Erziehung IN einer Kirche (egal, welcher), gäbe es für uns jetzt nicht das Problem, uns positionieren zu müssen/zu wollen.
Es gäbe auch keine Entscheidung gegen eine bestimmt bzw. Kirche allgemein.

Ein Mensch ohne religiöse Vergangenheit stellt sicherlich andere Fragen -

meint Lukullus

Wobei sich mir bei Deinem Beitrag die Frage stellt, wo Du dich positionierst.

Gaby

#10 Beitrag von Gaby » 04.12.2007, 11:50

>>Viele Menschen benötigen die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, um Religion zu leben und zu erfahren. Verbindlich notwendig für das Seelenheil des Einzelnen scheint mir das nicht. <<

Amen liebe tergraM - Amen :wink:

Seit ich nicht mehr den Zwang verspüre mich einer Glaubensgemeinschaft anschließen zu MÜSSEN, hat sich mein Verhältnis zu den Kirchen wesentlich gebessert - sprich ich betrachte vieles wesentlich entspannter als vorher.

Die Institution Kirche wird immer von Menschen gestaltet, die nun einmal fehlerhaft sind und wohl auch bleiben - deshalb wird es DIE PERFEKTE KIRCHE m.E. nicht geben.

Vielleicht ist es deshalb gar nicht so schlecht, dass es so viele unterschiedliche Konfessionen gibt, hat doch da jeder die Möglichkeit eine Gemeinschaft zu finden, die zu ihm/ihr persönlich am Besten passt.

Bei einem Test im Internet wurde mir einmal geraten, ich solle mich der Reformierten Kirche oder aber den Quäkern anschließen ;) - weil ich dort mit meinen Glaubensüberzeugungen am Besten hineinpassen würde - leider konnte ich dies noch nicht testen, da es diese Gemeinschaften bei uns in der Nähe nicht gibt.

Also bleibt mir halt nur gelegentliche Stippvisiten hier vor Ort als Gast zu erleben, mit der Erkenntnis, dass ich für meinen Glauben keine Nachteile erkennen kann, wenn ich weiterhin Gast bleibe.

Ich schrieb es glaube ich schon einmal, Gäste sind immer gern gesehen 8) und werden zudem meist in Ruhe gelassen.

Liebe Grüße

Gaby

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