2. Ökumenischer Kirchentag - 12.-16. Mai 2010 in München

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agape
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Re: 2. Ökumenischer Kirchentag - 12.-16. Mai 2010 in Münche

#41 Beitrag von agape » 09.04.2010, 16:25

Ich greife deshalb im Jahr 2010 anstelle jeder Polemik auf Ironie zurück und sage: Ich habe als evangelischer Christ keine Schwierigkeiten, die römisch-katholische Kirche in vollem Sinne als Kirche anzuerkennen. Und ich möchte gern erwarten, dass wir – wenn wir Ökumene ernst nehmen – auch von den katholischen Geschwistern in vollem Sinne als eine Kirche Jesu Christi verstanden werden. Alles andere ist römische Anmaßung. Und die – so scheint es – gilt leider auch immer noch bei diesem Münchner »Kirchentag von oben«.
Er hat m.E. selbstverständlich recht.
Ein ev. Theologieprofessor sagte einmal bei einer großen ökum. Veranstaltung,
dass er bei seinen Vorträgen "nie so richtig reinhaut", weil ihm die katholischen ÖkumenikerInnen
immer etwas leid tun.
Ich beobachte seit vielen Jahren, dass die einige Mitglieder der katholischen Basisbewegung "Wir sind Kirche"
von Jahr zu Jahr depremierten und frustrierter dreinschauen. immer nach Rom und zum ZDK schielend, was
von dort kommt.
Jeder weiß aber, dass das Schielen nach Rom diesbezüglich nichts - aber auch rein gar nichts - nützt.
Oft dachte ich, es wäre besser, wenn die Basisbewegung mit ihrer theol. Kompetenz etwas anderes anfangen könnte.
Die globale RKK lässt sich weit weniger anschieben, als jede winzige NAK, und da sieht man ja schon die Widerstände,
die nun im theologischen Gespräch nicht zu überbrücken sind. Bei Konfessionen, die im weitesten, wie im nahesten Sinne exklusiv unterwegs sind, ist oft Hopfen und Malz verloren. Kirchen- und Machtpolitisch mag das durchaus anders aussehen.
Leider.

Trotzdem werde ich natürlich hinfahren. ;)
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
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Heidewolf
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Re: 2. Ökumenischer Kirchentag - 12.-16. Mai 2010 in München

#42 Beitrag von Heidewolf » 09.04.2010, 18:08

Nach Rom??
Das sind die Weisen,
Die durch Irrtum zur Wahrheit reisen.
Die bei dem Irrtum verharren,
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holytux
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Re: 2. Ökumenischer Kirchentag - 12.-16. Mai 2010 in München

#43 Beitrag von holytux » 09.04.2010, 18:10

So verständlich ich die Reaktion Schorlemmers auch finde, es hat keine Wirkung.
Wenn sich nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort bedeutende Menschen mit entsprechender Außenwirkung befinden, können noch so viele ökumenische Reissäcke umfallen, es tut sich nichts!
Es ist wie in der Politik. Ohne den einen Gorbatschow wäre heute noch voll der Ostblock. Auch wenn das viele Möchtegernrevolutionäre anders sehen (wollen).
Ohne den richtigen Papst zur richtigen Zeit hätte es das Zweite Konzil nicht gegeben. Und ohne einen zukünftigen Papst, der endlich die einseitige Rezeption dieses Konzils beendet, wird der Geist der Erneuerung im Sand der "Bewahrer" steckenbleiben. (So wichtig die Bewahrung auch sein mag!)
Diese entscheidenden Menschen können möglicherweise nur von "oben" installiert werden.
Hoffentlich.
:?
"Wenn alle Liebe Ewigkeit will - Gottes Liebe will sie nicht nur, sondern wirkt und ist sie."
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tergram

Re: 2. Ökumenischer Kirchentag - 12.-16. Mai 2010 in München

#44 Beitrag von tergram » 10.04.2010, 06:44

holytux hat geschrieben:Diese entscheidenden Menschen können möglicherweise nur von "oben" installiert werden.
Lieber holytux,

gerade das von dir genannte Beispiel (Michail Gorbatschow) zeigt das Gegenteil. Er wurde nicht "von oben" installiert, sondern kam "von unten", wenn du so willst auch "von innen", aus dem bestehenden System heraus. Gerade Gorbatschow's Werdegenag ist ein überzeugendes Beispiel, wie herausragende und neue Wege öffnende Menschen sich entwickeln. "Gorbi" war Teil der Nomenklatura, u.a. Leiter des berüchtigten KGB. Er war getreuer Diener des Systems. Nur so konnte er im Zeitvelrauf eine zunächst innere, persönliche Entwicklung nutzen, um das System zu verändern, letztlich abzuschaffen. Weil er im System akzeptiert war, nahm man seine Gedanken an - und liess ihn am Leben... Er wurde insbesondere durch das Vertrauen, das der damalige UdSSR-Chef Andropow ihm entgegenbrachte, gestützt. Er löste auch die Riege der seit Jahrzehnten herrschenden schwerkranken alten Männer in der Kreml-Führung ab. Die Zeit war reif dafür.

Vieles lässt sich gedanklich auf die RKK übertragen. Es bleibt zu hoffen, dass auch im System RKK jemand heranwächst, der... endlich... mutig... neue Wege... Die Zeit ist schon lange reif dafür. Überreif.

Und nur unter uns beiden: Ich glaube weder, dass Gott sich für die Folgen menschlicher Fehlleistungen interessiert, noch gar, dass er korrigierend eingreift. (Wenn es ihn nach Korrekturen gelüstete, könnte ich ihm weitreichende Betätigungsfelder zeigen. Bisher sehe ich im Verlauf der menschlichen Geschichte da keinen Ansatz.) "Von oben" kommt nach meiner Erfahrung nix. Es kommt immer nur "von uns und in uns" - das Gute und das Entsetzliche.

Liebe Grüße,
t.

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agape
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Wahres Leben im falschen System

#45 Beitrag von agape » 10.04.2010, 18:07

Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
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Re: 2. Ökumenischer Kirchentag - 12.-16. Mai 2010 in München

#46 Beitrag von holytux » 10.04.2010, 20:54

@agape
Da bin ich übrigens wieder ganz bei Schorlemmer... :wink:

@tergram
Du hast (leider) recht.
Mein "Gejammer" hat wohl auch noch etwas mit eigener "unbewältigter" (kirchlicher) Gegenwart zu tun.
Einfach mit der Erfahrung, dass "kleine Lichter" herumtoben können, so viel sie wollen.

Das sich der da "oben" tatsächlich in den Weltenlauf niemals "einmischt", mag wohl denkbar sein, entspricht allerdings nicht meinem hoffenden Glauben.
Ich nehme Deine persönlichen Erfahrungen ernst, die Dich einen "passiven" (wenn überhaupt) Gott annehmen lassen.
Gott ist aber Mensch geworden. Deswegen hast Du völlig recht, dass nur "von uns und in uns" das Gute kommen kann. Das Entsetzliche auch, aber leider existiert das auch außerhalb vom Menschen. Das ist der dramatische Unterschied, der den Glauben so schwer werden lässt...

Liebe Grüße h.
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Re: 2. Ökumenischer Kirchentag - 12.-16. Mai 2010 in München

#47 Beitrag von agape » 10.04.2010, 21:19

holytux hat geschrieben:@agape
Da bin ich übrigens wieder ganz bei Schorlemmer... :wink:
Das dachte ich mir doch... ;)
ich versteh´ nämlich auch ostdeutsch :- )))))

Er sagt ja Einiges, was man fast 1:1 übertragen könnte... :- )

Lieben Gruß,
a.
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Re: 2. Ökumenischer Kirchentag - 12.-16. Mai 2010 in München

#48 Beitrag von Heidewolf » 11.04.2010, 00:20

Papst Benedikt, der XVI erteilt der Einheit der Kirchen als Ergebnis von (ökumenischen) Verhandlungen eine Absage. Auch ein gemeinsames Abendmahl sieht er nicht. Rom, 14.3.2010

Zitat:
Daß wir dennoch in wesentlichen Dingen, in der Feier der heiligen Eucharistie nicht den gleichen Kelch trinken können, nicht am gleichen Altar stehen, muß uns mit der Trauer erfüllen, daß wir Schuld auf uns laden, daß wir das Zeugnis verdunkeln; es muß uns innerlich unruhig machen, auf dem Weg zu mehr Einheit zu sein in dem Wissen, daß zuletzt nur er sie schenken kann, denn eine Einheit, die wir selbst aushandeln würden, wäre menschengemacht und so brüchig, wie alles, was Menschen machen.

Hier die ganze Rede.
http://www.zenit.org/article-20110?l=german

Ist hinter den blumigen Worten nicht brutaler Dogmatismus versteckt?
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Re: 2. Ökumenischer Kirchentag - 12.-16. Mai 2010 in München

#49 Beitrag von Heidewolf » 11.04.2010, 00:32

Lieber holytux,
Gott scheint tatsächlich, zumindest für den Normalsterblichen, nicht sichtbar in den Lauf dieser Welt einzugreifen.
Warum sollte er auch. Sogar seinen Sohn hat man hingerichtet.
Die Hoffnung auf ein Eingreifen hatten schon die Israeliten unter römischer Herrschaft und wurden enttäuscht.
Scheinbar sammelt er ganz einfach nur seine Anhänger. Hier sei es erlaubt, für den Endkampf, die Endzeit.

Und vielleicht entsteht ja weitgehend unbemerkt schon in der Menschheit das Reich Gottes.
In den Menschen.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag,
Heidewolf
Das sind die Weisen,
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Re: 2. Ökumenischer Kirchentag - 12.-16. Mai 2010 in München

#50 Beitrag von shalom » 11.04.2010, 07:21

Danke für diesen Lichtpunkt am Glaubensfirmament!

Er ermutigt zur Freiheit. Zu einer Freiheit, die sich innerlich und äußerlich viele evangelische und katholische Christen längst nehmen und sogar hie und da auch immer mehr versiegelte Geschwister :wink: .

Inspiriert von dem Artikel habe ich mir die Frage gestellt: Sitzen die BaVi-Apostel in den Züricher BaVi-Austragungsorten (März 2010 war Dortmund dran gewesen) immer »wie die Nullen da«, wie Martin Luther einst über die katholischen Konzilien polemisch vermerkte? Allein zu einer inhaltlichen Berichterstattung über das BaVi-Konzil (ein Deutscher ist momentan Stammapostel) sah sich die BaVi nicht in der Lage. Tenor: „ist derzeit nicht möglich“ (Sorgfältige Desinformation) . Unmöglich!

„Die Praktiker der Ökumene haben gute Gründe auf ihrer Seite, den theologischen Einigungsprozess vor sich her – und damit voran – zu treiben…“ . :wink:

Guten Morgen und shalom

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