Ist Jesus für unsere Sünden gestorben?

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abendstern_
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Ist Jesus für unsere Sünden gestorben?

#1 Beitrag von abendstern_ » 19.04.2009, 08:06

Hallo liebe Mitleser,

vielleicht habt ihr es in den letzten Wochen in den Medien gelesen, in der evangelischen Kirche ist ein Streit unter Theologen darüber ausgebrochen, ob wir heute den Tod Jesu am Kreuz noch als Opfertod bezeichnen dürfen. Nach Meinung einiger Theologen passt das Gottesbild, das Jesus vermittelt hat, nicht zu diesem Gottesbild, das ein blutiges Sühneopfer braucht, um sich mit der Menschheit zu versöhnen. Andere Deutungen lauten, Gott habe sich (in Jesus) selbst geopfert, aber auch da bleibt die Frage, warum ein allmächtiger Gott das nötig hat.

Manche sehen dieses Opfer als zentralen Mittelpunkt der christlichen Lehre und können sich ein Christentum ohne diese Lehre nicht vorstellen.

Ich persönlich neige seit vielen Jahren zu der Interpretation, dass Jesus am Kreuz für seine Sache, für seine Lehre gestorben ist. Sein Tod steht für mich stellvertretend für das viele Leiden und Sterben auf dieser Welt. Vor ihm und nach ihm wurden Millionen Menschen gequält und getötet und haben wie er gelitten. Und Menschen werden weiter leiden, die Passion reicht bis ans Ende der Welt.

Unser christliches Glaubensbekenntnis geht von der Geburt Jesu durch die Jungfrau Maria sofort zum Leiden und Sterben über. Das eigentliche Leben Jesu, seine Lehre ist im Glaubensbekenntnis nicht mal in einem Nebensatz erwähnt. Dürfen wir heute andere Schwerpunkte setzen? Ist das eher das Glaubensbekenntnis oder die Lehre Jesu Maßstab ist im Leben?

Dürfen frühchristliche Interpretationen hinterfragt werden? Oder ist das was die frühe Kirche festgelegt hat, für alle Zeit gültig? Muss sich jeder als Häretiker bezeichnen lassen, der darüber nachdenkt?

Ich setze hier mal ein paar Links (aus verschiedenen "Lagern" der evangelischen Kirche) ein. Hier können die Details nachgelesen werden.

NDR Kultur Glaubenssachen "Das Kreuz mit dem Kreuz"

Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Freikirchen "Christ sein ohne Glaube an Opfertod Jesu"

Jesus.de "Neue Debatte um Kernsatz des christlichen Glaubens"

Evangelischer Pressedeinst EPD "Neue theologische Debatte über Opfertod Christi"

Einen schönen Frühlingssonntag wünscht
abendstern_

Gaby

#2 Beitrag von Gaby » 19.04.2009, 12:03

Stellte die Predigt schon mehrmals ein ...

http://www.eberhard-gottsmann.de/Gottsmann/lj_c.pdf

Predigt >>Christkönigsfest<< fast ganz nach unten scrollen ... November 98

Interessante Gedanken zu dem Thema wie ich finde ... auch einige andere Predigten halte ich für lesenswert ...

Schönen Sonntag noch

Gaby

Maximin

CHRISTLICHE GLAUBENSFUNDAMENTE...

#3 Beitrag von Maximin » 19.04.2009, 16:28

:) Mein lieber Abenstern, gerne werde ich Dir antworten. Später, wenn ich ein wenig ausgeschnauft habe...
Micha grüßt :wink:
Zuletzt geändert von Maximin am 19.04.2009, 19:14, insgesamt 1-mal geändert.

Gaby

#4 Beitrag von Gaby » 19.04.2009, 19:09

klick

Ich frage mich nur warum mancher meint, man wäre kein "echter" Christ, wenn man nicht daran glauben mag, dass Gott dieses Sühneopfer verlangt hat? Warum schreibt einer dem anderen vor, was er/sie zu glauben hat? Wie man die Bibel auszulegen hat?Ist man ein schlechterer (oder gar kein :shock:) Christ, wenn man das Sühneopfer anzweifelt?

Zitat aus obigem Artikl: "Jesu Kreuzestod ist nicht eine zwangsläufig geschuldete Sühneleistung zur Besänftigung eines zornigen Gottes, sondern eine aus Freiheit um der Liebe Gottes vollzogene Selbsthingabe."

Wenn es denn so zuträfe, wäre die Lehre Jesu dann weniger wert???

Ich zweifele z. Bsp. auch an der Jungfrauengeburt klack sowie an einigen anderen Dingen, die die Kirchen so lehren ... Zweifel könnte von daher mein zweiter Name sein ;-)

Trotzdem glaube ich an Gott, glaube ich an Jesus ...

Liebe Grüße

Gaby

_
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#5 Beitrag von _ » 20.04.2009, 12:41

hallo gaby!
Gaby hat geschrieben:Ich frage mich nur warum mancher meint, man wäre kein "echter" Christ, wenn man nicht daran glauben mag, dass Gott dieses Sühneopfer verlangt hat? Warum schreibt einer dem anderen vor, was er/sie zu glauben hat? Wie man die Bibel auszulegen hat?Ist man ein schlechterer (oder gar kein) Christ, wenn man das Sühneopfer anzweifelt?
versuch einer antwort, ganz wertneutral: weil das "christliche" am "christentum" eben nicht einfach nur jesu aussagen zum verhältnis untereinander (nächstenliebe) und zu gott sind.

ersteres finden wir auch in anderen religionen (z.b. buddhismus) und weltanschauungen (z.b. humanimus), letzteres zumindest bei den anderen beiden großen buch-religionen.

unterscheidungsmerkmal der "christen" ist eben, das jesus für sie der "christus" ist, also als gesalbten, als bevollmächtigten gottes und als heilsbringer. paulus fasst das am anfang von 1Kor15 zusammen: "christus ist für unsere sünden gestorben nach den schriften."

letztlich ist das attribut "christ" doch aber wieder eine menschliche schublade, die nur mittel ist, um zwischen "uns" und "den anderen" zu unterscheiden. mensch hat da gern ordnung. wer alles unter diese kategorie fällt, bleibt aber ansichtssache. ob man sich selbst da einsortiert wissen möchte, auch.

mfg, _

Gaby

#6 Beitrag von Gaby » 21.04.2009, 11:44

Hallo _

>>ob man sich selbst da einsortiert wissen möchte, auch. <<

Nun, mir persönlich ist es mittlerweile gleichgültig, ob mir jemand das Christ sein abspricht oder nicht ....
aber es gibt Menschen, die es sehr trifft .... und an ihren Zweifeln aus dem Grund "ver"zweifeln. Und ja, mich macht es fassungslos, wenn Christen anderen Christen das Christsein absprechen, nur weil man zu manchen Glaubensfragen halt eine andere Sicht hat.
Ist es besser man macht sich selbst vor daran zu glauben, anstatt zuzugeben, dass man wenn man ehrlich zu sich selbst ist diese Zweifel hat?
Im Übrigen, wie soll sich denn jemand nennen, der an Jesus Christus, sein Leben und Wirken und an dessen Lehre wie in der Bergpredigt dargestellt glaubt?
Aber eben Probleme hat sich Gott so unbarmherzig vorzustellen, dass er seinen Sohn opfert. Oder eben Probleme hat, zu glauben Jesus sei "von einer Jungfrau geboren". Was ist mit denen, die der Wissenschaft anhangen und den Glauben an den Kreationismus ablehnen?
Zudem gibt es in den verschiedenen Denominationen so viele verschiedene Auffassungen zu dem was in der Bibel steht, wo soll man da die Grenze ziehen, wer sich Christ nennen darf und wer nicht?
Ist es wirklich richtig Jesus nur auf sein "Opfer" zu reduzieren?
Warum sieht man immer nur das was trennt ... nicht das was einander im Glauben verbindet?

:roll:

Maximin

WER IST EIN CHRIST...?

#7 Beitrag von Maximin » 21.04.2009, 13:44

:) Meine liebe Gaby,

für mich ist jeder ein Christ bzw. die eine Christin, wer im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes mit Wasser getauft wurde und sich dazu bekennt. Als Beweis können dabei weder eine Taufkerze, auch nicht das begleitende Zeugnis von Taufpaten und auch keine Taufurkunde irgend eines Kirchenbetriebes meinen persönlichen Christenstand abschließend bestätigen. Denn, wer wollte sich erdreisten, darüber abschließend zu entscheiden, ob jemand Christ ist oder nicht als der, auf dessen Namen jemand getauft wurde.

Das lässt für mich nicht den Schluss zu: „Wir wissen es nicht.“ Christ sein ist für mich ein wenig ähnlich wie eine Ehe, eine verbindliche Lebensgemeinschaft und, ja das wohl auch, wie ein gesundes Eltern- Kindverhältnis.

Na klar sind alle diese Bindungen so oder so auflösbar. Einseitig oder sogar beidseitig. Entscheiden ist für mich, ob ich diese oder jene Bindung will, mich zu ihr bekenne oder nicht. Ob eine Ehe gelingt, das hängt doch nicht von irgend einem Standesamt ab. Davon gibt es schließlich tausende...

In einem alten Kirchenlied heißt es: „Bist du ein Christ nach dem Bekenntnis? Bist du es denn auch in der Tat?“ Was aber das bedeutet, das kann uns beispielsweise die Bergpredigt Jesu vermitteln und insbesondere unser Gewissen.

Leute wie wir haben, hinsichtlich unseres Christenstandes, gewiss ein Handykap. Man hat uns eingeimpft, dass Christ sein ohne Kirchenbetrieb nicht geht. Da liegt, das ist meine Überzeugung, ein grundlegender Webfehler im System.

Auf dieser Basis werde ich versuchen, auch Abendsterns Fragen nach zu gehen. Nur so viel mal schon vorab: Mir ist wurscht, ob gewisse evangelische Hochschullehrer so oder so über den Kreuzestod Jesu denken. Das macht mir meinen Christenstand nicht kaputt. Im Gegenteil!

In der Römisch-Katholischen Kirche würde man solche Leute schlicht und ergreifend rausschmeißen. In den evangelischen Lebens- und Glaubenswelten nicht.

Zweifel ist ein tragendes Fundament meines Glaubens. An Menschen kann ich zweifeln oder sogar verzweifeln und an bedrückenden Lebensumständen auch. An meinem Gott nicht.

Soweit mal vorerst und mit lieben Grüßen vom Micha :wink:

Gaby

#8 Beitrag von Gaby » 21.04.2009, 21:14

Lieber Micha, dann sind wir uns ja wieder mal einig :-)

Ich habe da noch eine andere Interpretation gefunden, die nicht vom "unbarmherzigen" Gott spricht der ein Opfer zur Besänftigung braucht ....

http://www.brunner24.com/der-suhnetod-j ... ein-opfer/

Damit könnte zumindest ich besser leben ;-)

Liebe Grüße

Gaby

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