Umgang mit Stress

Was sonst nirgends reinpassen würde
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abendstern_
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Umgang mit Stress

#1 Beitrag von abendstern_ » 03.04.2009, 12:09

Liebe Leute, vor allem ihr etwas Älteren.. :)

ich merke seit einiger Zeit, dass ich beruflichen Stress nicht mehr so gut wegstecke wie früher. Früher reichte eine halbe Stunde Gartenarbeit oder ein gemütlicher Kaffee und etwas Zeitungs- (oder Forums-) lektüre nach Büroschluss und ich war wieder im Lot.

Heute merke ich, dass ich auch am späteren Abend noch wie "unter Strom" stehe und ich leide darunter, dass ich nicht wirklich zur Ruhe komme.

Mir fällt auch auf, dass es Menschen in meinem persönlichen und beruflichen Umfeld ähnlich ergeht. Wir hängen alle in der Zeitfalle und beklagen uns über immer mehr Stress. Auch die Wochenenden leiden unter diesem Symptom.

Wie geht ihr damit um?
Habt ihr Methoden entwickelt, Tipps für mich?

LG
abendstern_

tergram

#2 Beitrag von tergram » 03.04.2009, 17:14

Nein, nicht wirklich, aber vielleicht... nur ein bißchen... manchmal klappt's...

Ich versuche, mir abzugewöhnen:
  • Den von der Werbemaschinerie angepriesenen Schnäppchen hinterherzurennen... weil kein Mensch davon reich wird, dass ein Riesenpaket Papiertaschentücher im Sonderangebot ist, und weil es nix bringt, 120 Rollen Sonderangebots-Tesafilm zu horten.
    Den günstigsten Handytarif (ergänze bedarfsweise durch: Stromtarif, Versicherungstarif, Bankgebühren, ..., ... ) der Welt zu ergattern.
Oft ist es am Ende preis-wert-er, den Dingen ihren Lauf zu lassen und sich nur für die Einsparungen zu engagieren, die Entscheidendes bringen.

Ich versuche, mir abzugewöhnen, Dinge unbedingt haben zu müssen.
  • Ferienwohnungs-Effekt: Man hat nur, was man im Koffer mitgebracht hat, Einrichtung und Aussattung entsprechen nicht der von Daheim gewohnten Üppigkeit - und trotzdem oder gerade deswegen geniesst man die freie Zeit, den Sonnenuntergang auf der Terrasse, das Glas Wein am Abend...
Warum nur in den Ferien? Wer weniger hat, muss sich um weniger kümmern, weniger pflegen und versorgen, aufräumen etc.

Ich muss nichts Wesentliches mehr ausprobieren, muss mir und Anderen nichts mehr beweisen. Vieles kann, aber wenig muss...

Ich versuche, nicht mehrere Dinge gleichzeitig zu machen: Mit dem IPod im Ohr auf dem Hometrainer die Schlagzeilen auf n-tv zu lesen, beispielsweise... Oder (das Telefon zwischen Ohr und Schulter eingeklemmt) mit einem Freund zu telefonieren und dabei zu bügeln, das Essen zu richten etc.

Ich muss nicht mehr überall dabei sein: Eine Theaterpremiere findet auch ohne mich statt und Tante Erna freut sich über einen Besuch zwischendurch mehr, als über den Pflichtbesuch zum Geburtstag, wenn ihre Wohnung sowieso rappelvoll Gäste ist.

Ich kann Arbeit liegen lassen: Die ungeputzten Fenster laufen nachweislich nicht davon. Den ersten herrlichen Frühlingstag sollte man geniessen, statt mit Eimer und Lappen bewaffnet durch die Wohnung zu hetzen. Es ist sogar möglich, die Gardinen nicht alle 2 Wochen zu waschen, ohne dass davon eine Gesundheitsgefahr für die Familie ausgeht.

Ich kann lächelnd aber bestimmt "NEIN" sagen. "Danke. Aber NEIN danke." Und kann es aushalten, wenn mein Gegenüber mit diesem NEIN nicht gerechnet hatte und etwas verschnupft ist. Lächelnd aushalten.

Ich kann Aufgaben abgeben. Ohne Kontrollzwang. (Aber daran muss ich noch arbeiten... :oops: ) Ich muss nichts perfekt machen. Gut - ja. Perfekt - nein. Ich darf Fehler haben und Fehler machen. Ich darf auch mal etwas nicht können. Und ich darf um Hilfe bitten. Es schadet nichts, wenn einem dabei ein Zacken aus der Krone fällt. So eine ordentliche Krone hat eine Menge Zacken. :lol:

Ja, das war's im Wesentlichen. Wie gesagt: Manchmal funktioniert's... Manchmal. 8)

Adler

#3 Beitrag von Adler » 03.04.2009, 17:46

Was du heute kannst verschieben,
dass besorge lieber morgen!

Das mein` ich völlig ernst.

LG Adler

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tosamasi
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#4 Beitrag von tosamasi » 03.04.2009, 17:50

Adller, ich helfe dir mal gereimt auf die Flügel:

Was du heut nicht willst besorgen
das verschieb getrost auf morgen. :lol:
Nur der Einfältige fürchtet die Vielfalt
tosamasi

Adler

#5 Beitrag von Adler » 03.04.2009, 17:53

Wenn ich nicht will, dass ich was tu,
dann schieb ich`s einem And`dren zu.

So geht das!

LG Adler

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#6 Beitrag von tosamasi » 03.04.2009, 17:54

:lol:
Nur der Einfältige fürchtet die Vielfalt
tosamasi

Adler

#7 Beitrag von Adler » 03.04.2009, 18:09

Hallo tergram,

deinen Ausführungen kann ich voll zustimmen.

Dabei fällt mit spontan ein Fragment aus einem NAK-Lied ein, wo es heist: "... das mir werde klein das Kleine und das Große groß erscheine ... "

LG Adler

Engelchen

#8 Beitrag von Engelchen » 03.04.2009, 19:41

Au weia....
Ich muß noch schwer an mir arbeiten. :oops: :lol:

Aber ich habe es geschaftt das meine Kids heute den Balkon geschrubbt haben.

Hannes

#9 Beitrag von Hannes » 04.04.2009, 08:00

Guten Morgen abendstern_,

ja, ich weiss, wovon Du sprichst ... :?

tergram und die anderen haben ja schon beschrieben, wie man dem Leben einen "neuen" Sinn geben kann, wenn man Werte und Gegenstände und Menschen und Termine im Leben zurechtrückt und einen neuen Platz gibt. Und das hilft ja auch ...

Aber bei Dir (und mir auch) geht es ja um das vorher. Heisst, wie kann ich mit diesem beruflichen Stress umgehen. Wie ihn verhindern oder zumindest minimieren ... und genau das frage ich mich auch mehr und mehr. Es ist schwierig, hier Tipps zu geben. Und trotzdem ein paar Gedankensplitter:

- Ich mache mir die Dinge bewusst. Egal ob Schmerz oder Stress oder Dankbarkeit. Ich halte eine Zeit inne, gehe in eine stille Ecke und spreche laut mit mir. Ich sage mir: "Hannes, Du kannst gerade nicht mehr". "Hannes, Du schaffst das gerade nicht." "Hannes, das hat nichts mit Dir zu tun, das sind die Probleme des Gegenübers." Das bringt mich zu mir und meinen Möglichkeiten und Ressourcen zurück, die ja da sind. Und dann kommuniziere ich das mit den betreffenden Menschen.

- Yoga als Beispiel fällt mir ein. Da trainiert man innere und äussere Haltungen und lernt seinen Körper wahrzunehmen und einzusetzen, was auf das Innen abstrahlt.

- Singen ... das hat mir vor zig Jahren z.B. "das Leben gerettet".

- Ernährung ... lies mal Thich Nhat Hanh oder Deepak Chopra oder ein ayurvedisches Buch ... da findest Du viele AHA-Erlebnisse bezüglich des Einflusses der Ernährung auf den Menschen und seine Psyche.

- Sprechen und sich anmelden und genau seinen "Zustand" kommunizieren. Weil so oft das alles nicht ausgesprochen und somit auch nicht wahrgenommen wird.

Es geht wohl immer um unsere Haltung. Und darum, wie wir Situationen einschätzen und bewerten. Und das ist mein Ansatzpunkt. In dem ich innehalte und Dinge anders sehe (dankbar), verändert sich da auch etwas in mir.

Das einfach mal so ins Unreine gesprochen. Was ich an Deiner Stelle aber unbedingt in Betracht ziehen würde ist eine Kur. Da bekommst Du unzählige Möglichkeiten aufgezeigt und hast die Möglichkeit, Deinen Weg zu finden, mit dem Alltag umzugehen.

Viel Ruhe wünsche ich Dir. :)

LG - Hannes

abendstern_
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#10 Beitrag von abendstern_ » 05.04.2009, 10:32

Einen wunderschönen Sonntagmorgen ihr Lieben,

danke für eure Antworten. Wieder mal stelle ich fest, dass ein Problem, wenn es mal ausgesprochen ist, schon die halbe Lösung ist. Seit ich über meine Stressprobleme hier geschrieben hatte, ist meine Aufmerksamkeit viel öfter bei mir und der Frage, fühle ich mich gerade gestresst?

Wir sind da wohl auf einem ähnlichen Weg, was das Entrümpeln des eigenen Lebens und Lebensumfeldes betrifft. Das scheint ein Bedürfnis zu sein, das zum Älterwerden gehört. Ich war allerdings noch nie ein Schnäppchenjäger und den Begriff "shoppen" kenne ich aus meinem eigenen Tun auch nicht. Ich kaufe das, was ich brauche und nicht mehr. Auch in meinem Haushalt habe ich in den letzten Jahren ziemlich ausgemistet und umgebe mich nur mit den Dingen, die ich mag und die ich brauche. Termine absagen fällt mir nicht mehr so schwer wie früher und im Arbeit liegen lassen bin ich inzwischen Weltmeister! Ich verrate jetzt nicht, wann ich zum letzten Mal die Fenster geputzt habe...

Aaaber. Selbst wenn ich mir einen relaxten Abend genehmige, völlig ohne Programm, fühle ich diese innere Unruhe in mir. Selbst am Wochenende, wenn überhaupt kein äußerer Stress angesagt ist, stehe ich oft "unter Strom".

Deinen Rat tergram, nicht mehrere Dinge gleichzeitig tun zu wollen, nehme ich allerdings gerne an. Das ist wirklich ein Arbeitsfeld, wo es etwas zu tun gibt für mich. Konzentration, Achtsamkeit. Dieses Thema holt mich sozusagen immer wieder ein, egal in welchem Bereich. Selbst wenn ich nicht mehrere Dinge gleichzeitig tue, bin ich oft in Gedanken bereits bei den nächsten drei Aufgaben, die in der nächsten Stunde noch anstehen. Meine Kollegen behaupten immer, ich sei die Ruhe selbst, nach außen ist dieses Gestresstsein also scheinbar nicht bemerkbar. Innerlich empfinde ich den Stress jedoch als äußerst störend und auch körperlich belastend.

Und auch deine Gedanken, Hannes, nehme ich mit. Sich selbst beobachten, hinspüren, wenn der Stress entsteht und dann heraustreten aus der Situation und erstmal zu sich selbst kommen. So habe ich dich verstanden. Mit Yoga habe ich mich noch nicht beschäftigt, aber dass Singen Leib und Seele gut tut, weiß ich nur zu gut. Ich fühle mich selten so gut wie Mittwochabends um 22 Uhr nach der Chorprobe. Da bin ich fit, wach und "ganz bei mir".

Eine Kur? Klingt gut, aber momentan bin ich glücklich, einen Abeitsplatz zu haben und ich merke wie negativ über Kollegen gedacht wird, die öfter krank sind und fehlen. Das ist auch so ein Stressfaktor.

Die innere Haltung ist wohl das einzige, was wir wirklich beeinflussen können. Ich nehme eure wertvollen Gedanken mit in die Karwoche...

liebe Grüße
abendstern_

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