Heilsgeschichte bis heute

Für Zweifler und andere gute Christen
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Hannes

#21 Beitrag von Hannes » 28.03.2009, 12:01

Hallo tergram,

ja, das sind auch meine Fragen, die bis hierher noch weitestgehend unbeantwortet sind ... ich frage mich aber auch:

+ mit welcher Motivation bitten wir diesen Gott um Hilfe/Veränderung/Ausweg?

+ in meiner NAK-Zeit kam am Ende eines AT-Gebetes immer der Zusatz: "Aber nicht mein, sondern DEIN Wille geschehe". Und ich habe immer gefragt, warum das nicht gleich am Beginn des Gebetes gesagt wurde. Denn es wurde ja geglaubt, dass Gott weiss, was für mich "segensreich" ist und alles für mich lenkt.

Heute weiss ich, dass das "auf-die-Schnauze-fliegen" Mensch viel weiter bringt als dieses bedingungslose sich selbst überantworten. Und dass jeder Weg selbst gegangen werden muss und niemand mir etwas abnehmen kann. Kein Guru und keine Schamane und kein Gott. Alleine helfen können sie mir, mich begleiten und ab und an stützen.

+ warum erfüllen sich Wünsche bei den einen Menschen und bei den anderen eben nicht (wobei ich hier für mich eine Antwort gefunden habe)?

Trotzdem glaube ich an diesen Gott und seine Empathie. Weil eben auch sein Sohn, der wohl mehr wusste, auch am Kreuz schrie, als er erbärmlich und elend "verreckte": Mein Gott, warum hast DU mich verlassen!

LG - Hannes

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tosamasi
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Re: Heilsgeschichte bis heute

#22 Beitrag von tosamasi » 28.03.2009, 15:19

Lobo hat geschrieben:Bis heute ist es Kirche nicht gelungen, auf ganz einfache Fragen schlüssige Antworten zu geben.
Das Gott in der Heilgeschichte(Abraham/Mose/Jesus) gehandelt hat, wird in der Regel von Christen geglaubt.
Aber wie erleben wir Gott konkret im Alltag? Geht die Heilsgeschichte weiter, in unserem Leben, in heutiger Zeit? Wo sind die Erleben analog der Erzählungen aus der Bibel?
Mir stellt sich erst mal die Frage, warum Heilsgeschichte nötig ist.
Gott der alles von Anfang an wusste, hat seinen Geschöpfen einen freien Willen gegeben, damit sie in ihr -von ihm vorhergesehenes- Unglück laufen konnten, weshalb er sie dann mit der Opferung eines Gottes-Menschen-Sohnes mit dem Glauben daran erretten kann, für ein ewiges Leben.
Nur der Einfältige fürchtet die Vielfalt
tosamasi

Bedenkenträger

Re: Heilsgeschichte bis heute

#23 Beitrag von Bedenkenträger » 28.03.2009, 18:41

Lobo hat geschrieben:Bis heute ist es Kirche nicht gelungen, auf ganz einfache Fragen schlüssige Antworten zu geben.
[...]
Dies ist wohl war. Aber sollte denn »Kirche« überhaupt schlüssige Antworten geben? Ist dies Sinn und Zweck von »Kirche«?

»Kirche« ist doch kein Orakel von Delphi. Man kann doch nicht allen Ernstes erwarten, daß man dort auf alle seine Fragen eine passende Antwort, ja überhaupt eine Antwort bekommt. Mit solch einer Auffassung hätte man ein verqueres, verkürztes Verständnis davon, was »Kirche« ist.

»Kirche« soll - wenn wir uns an den Gründungauftrag Jesu erinnern (Mt 28, 16 - 20) - das Evangelium des Herrn über alle Zeiten bis ans Ende der Zeit verbreiten. Insofern findet man dort Trost, Kraft, Sinn und dergleichen, aber nicht unbedingt Antworten.

Oftmals vergißt es die »Kirche« aber selbst, daß sie keine Antworten auf alle Fragen hat. Da wird dann z. B. versucht, etwas zur Homosexualität zu sagen, wo man in den allermeisten Fällen aber nur mit dem Kopf schütteln kann, von früh bis abends, wenn man dann hört/liest, was dazu gesagt wird.

Man sollte von »Kirche« nicht zu viel verlangen, oder?

Damit einen lieben Abendgruß in diese Runde!

Engelchen

#24 Beitrag von Engelchen » 28.03.2009, 18:53

Trotzdem glaube ich an diesen Gott und seine Empathie. Weil eben auch sein Sohn, der wohl mehr wusste, auch am Kreuz schrie, als er erbärmlich und elend "verreckte": Mein Gott, warum hast DU mich verlassen!

Er hat wohl wenn ich das richtig verstanden habe in diesen Stunden die Psalmen gebetet.
Siehe Psalm 22
Ob Kirche auf alles eine Antwort hat? Nie und nimmer.

Bedenkenträger

Re: Heilsgeschichte bis heute

#25 Beitrag von Bedenkenträger » 28.03.2009, 19:52

tosamasi hat geschrieben:[...]

Mir stellt sich erst mal die Frage, warum Heilsgeschichte nötig ist.

[...]
Diese Fragestellung verstehe ich nicht ganz.

Da könnte man ja auch fragen, ob Geschichte nötig ist.

Darauf wird man aber keine passende Antwort bekommen. Eine Frage nach einer Notwendigkeit von Geschichte stellt sich nämlich gar nicht. Geschichte ist real und ereignet sich "einfach" und es interessiert dabei nicht, ob es eine Notwendigkeit für sie gibt oder nicht.

Aber letztlich geht die Fragestellung hier ja noch einen Schritt weiter, nämlich dahin, was die Heilsgeschichte denn eigentlich ist bzw. ob man dort einen Sinn finden kann.

Darüber könnte man an dieser Stelle nun noch ein paar Seiten lang laut nachdenken.

Nochmals einen lieben Abendgruß an alle hier!

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#26 Beitrag von tosamasi » 28.03.2009, 20:06

Die Heilsgeschichte ist ja keine Geschichte im Sinne von Historie.
Es ist eine 'unendliche' Geschichte, die nicht fassbar -im Sinne von Materie- und auch ihrer Notwendigkeit ist, weil der Ursprung eigentlich unfassbar ist.
So jedenfalls stellt sich das mir dar.
Nur der Einfältige fürchtet die Vielfalt
tosamasi

Bedenkenträger

#27 Beitrag von Bedenkenträger » 28.03.2009, 20:28

tosamasi hat geschrieben:Die Heilsgeschichte ist ja keine Geschichte im Sinne von Historie.
Es ist eine 'unendliche' Geschichte, die nicht fassbar -im Sinne von Materie- und auch ihrer Notwendigkeit ist, weil der Ursprung eigentlich unfassbar ist.
So jedenfalls stellt sich das mir dar.
Nun, Geschichte ist - so der Konsens in der Geisteswissenschaft - letztlich auch nicht wirklich faßbar, mithin ist Geschichte (oder meinetwegen Historie) eine Art Abstraktum, also gibt es per definitionem keine gravierenden Unterschiede zwischen Geschichte und der »Heils«-Geschichte. Im Gegenteil: Gott trat ja - ich erwähnte es hier unlängst - durch Jesus Christus in die Geschichte, in diese Welt und ihren Zeiten(ab-)lauf ein.

Aber damit haben wir ja sozusagen den "Salat". Die Geschichte wurde hier zur Heilsgeschichte oder war schon immer eine Heilsgeschichte oder wie, oder was ...

Einen philosophischen Abendgruß! :wink:

tergram

#28 Beitrag von tergram » 28.03.2009, 22:29

Macht es die Diskussion einfacher, wenn wir uns vom Begriff der "Heilsgeschichte" lösen und statt dessen von einem göttlichen "Plan" sprechen?

Lobo

Re: Heilsgeschichte bis heute

#29 Beitrag von Lobo » 29.03.2009, 07:38

Bedenkenträger hat geschrieben:...»Kirche« ist doch kein Orakel von Delphi. Man kann doch nicht allen Ernstes erwarten, daß man dort auf alle seine Fragen eine passende Antwort, ja überhaupt eine Antwort bekommt. Mit solch einer Auffassung hätte man ein verqueres, verkürztes Verständnis davon, was »Kirche« ist...
Dann sollte Kirche aber nicht so tun, als hätte sie auf alle großen Fragen dieser Welt eine Antwort.
Die Erwartungshaltung der Gläubigen wird doch durch Aussagen wie: ...Gott spricht zu uns...
...der Heilige Geist hat uns gesagt... ...als sprechender Mund Gottes sage ich euch...
genährt.
Somit hat die Erwartungshaltung der Gläubigen für mich nichts mit einem verqueren und verkürzten Verständnis von Kirche zu tun.
Bedenkenträger hat geschrieben:...Insofern findet man dort Trost, Kraft, Sinn und dergleichen, aber nicht unbedingt Antworten...
Sind Trost, Kraft, Sinn etc. denn keine Antworten?
Bedenkenträger hat geschrieben:...Oftmals vergißt es die »Kirche« aber selbst, daß sie keine Antworten auf alle Fragen hat...

Ich glaube nicht, dass Kirche das vergisst. Die Anmaßung der Kirche, über die Dinge des Lebens zu reden, ist bei vielen ihrer Antworten schon bezeichnend.
Bedenkenträger hat geschrieben:...Man sollte von »Kirche« nicht zu viel verlangen, oder?...

Aber auch nicht weniger, oder? :)

Hannes

#30 Beitrag von Hannes » 29.03.2009, 07:57

Ja, lieber Lobo, das sehe ich auch so ähnlich ...

Kirche ist für mich eine Organisation, die sich selbst als Interpretation einer Idee erschaffen hat, um sich dann selbst zu interpretieren ... wenn Du verstehst :wink: . Sehen wir es ihr/ihnen (es gibt ja auch noch so viele davon) im Sinne James Deans nach ... :oops:

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Dir einen beeindruckenden Sonntag.

LG - Hannes

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