Unser Papst wird musikalisch....

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agape
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shalom, shalom

#11 Beitrag von agape » 16.05.2009, 10:28

Lieber filippo,

das ist auch unheimlich schön. :D

Wenn es denn bloß alle Poren allen Lebens erfassen würde: Shalom!

In meiner (nicht-kath.) Gemeinde hat der Prediger während der Päpstlichen Pilgerzeit für den Papst gebetet.
Es betrifft uns alle als Christen. Das kann man allerdings nur sagen, wenn man von den kirchenpolitischen Überlegungen absieht.

Dass ausgerechnet der Papst (ohne Not !?) sich über konkret (indiziert) andere Kirchen äußert, die nach RKK-Maßstäben keine Kirchen seien, muss hier großräumig ausgeblendet werden.


Wie mal jemand so treffend sinngemäß sagte:

Wer sich auf eine Kanzel wagt, muss immer die ganze Welt meinen...
[->]
Zuletzt geändert von agape am 16.05.2009, 10:42, insgesamt 1-mal geändert.
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
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tosamasi
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#12 Beitrag von tosamasi » 16.05.2009, 10:39

filippo hat geschrieben:Es war eine sehr ungewöhnliche Szene: Ein jüdischer Rabbi, ein muslimischer Scheich und in der Mitte der Papst hielten sich an den Händen. Gemeinsam sangen sie ein Friedenslied: "Salam - Schalom, Herr, gib uns Frieden". So ging das zweite interreligiöse Treffen dieser Papstreise mit einer einträchtigen Geste zu Ende, die den Eklat des ersten Treffens vergessen machte.
Schade ist, dass diese bewegenden Momente in der Regel schnell vergessen werden.
Wenn es denn bloß alle Poren allen Lebens erfassen würde: Shalom!
wie agape schrieb.
Nur der Einfältige fürchtet die Vielfalt
tosamasi

abendstern_
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#13 Beitrag von abendstern_ » 16.05.2009, 10:49

Hallo filippo,

als ich vor zwei Tagen dieses Video sah, dachte ich - das ist so ein Moment, wo der Heilige Geist die Menschen berührt, das war mit Sicherheit im "Programm" so nicht vorgesehen, da hat sich etwas verselbständigt.

Es wäre schön, wenn das über die dort Anwesenden hineingetragen wird in die Gesellschaft und sie wirklich zu mehr Frieden findet, denn im Grunde wünscht sich doch jeder nur, in Frieden leben zu können.

Hannes

Re: shalom, shalom

#14 Beitrag von Hannes » 16.05.2009, 13:27

agape hat geschrieben:Es betrifft uns alle als Christen. Das kann man allerdings nur sagen, wenn man von den kirchenpolitischen Überlegungen absieht.

Dass ausgerechnet der Papst (ohne Not !?) sich über konkret (indiziert) andere Kirchen äußert, die nach RKK-Maßstäben keine Kirchen seien, muss hier großräumig ausgeblendet werden.
Liebe agape,

wie kann man von kirchenpolitischen Überlegungen absehen, wenn da ein geistliches wie politisches Oberhaupt in Personalunion steht? Ich kann und will das nicht.

Zum anderen ist dieser Papst nicht "mein" Sprecher bzw. Repräsentant! Und ich sehe mich als Christ von ihm nicht repräsentiert. Zu abgründig sind für mich die (menschenverachtenden) Haltungen und Pamphlete dieser Gemeinschaft, die dieser Papst massgeblich mitgestaltet hat. Homosexualität. Kondomverbot. Entwertung der anderen Kirchen und Religionen. Und so fort.

Und da täuscht mich solch eine Geste nicht. Da reichen sich Menschen für einen Augenblick die Hände und gehen dann zurück in ihre religiösen Gebäude, in denen laut ihren Statuten ausser den Ihrigen kein Andersgläubiger Platz findet.

Solche Gesten habe ich genug gesehen ... ich warte auf Taten und Richtungsänderungen, die greifbar sind.

Und: Ja, ich weiss, dass Mensch in der heutigen Zeit des medialen Wahnsinns und der schwer verständlichen politischen und kapitalistischen Weltlage oft nur noch solche Gesten als Hoffnungsschimmer des Menschlichen hat ... aber das trägt nicht.


LG - Hannes

filippo

#15 Beitrag von filippo » 16.05.2009, 23:25

Ich denke, hier ist mehr als nur eine nette Geste geschehen, bei der man sich mal eben nett lächelnd für ein oder zwei Minuten an den Händchen gehalten hat.

Immerhin war es in der Vergangenheit immer eine hochpolitische Diskussion, nicht nur von christlicher Seite aus, ob die verschiedenen Weltreligionen miteinander und zusammen beten können. Ob ein interreligiöses Gebet überhaupt möglich ist.

Wenn dann hier http://www.katholisch.de/Nachricht.aspx?NId=1188 steht:
Nachdem das Kirchenoberhaupt wieder auf seinen Platz zwischen Rabbi und Scheich zurückgekehrt war, ergriff Alon Goschen-Gottstein das Mikrofon, eine der großen Persönlichkeiten des interreligiösen Dialogs im Land. "Wir haben nun viel über den Frieden gesprochen", sagte er, "nun sollten wir für den Frieden beten." Da sie aber kein gemeinsames Gebet hätten, schlug der Rabbiner vor, die einfachen Worte "Salam - Schalom, Herr, gib uns Frieden" zu singen. Und stimmte an.
(Hervorhebung von mir)

Wenn dann ausgerechnet der Papst bei dem Lied-Gebet aufsteht und die Hände reicht, in einer Haltung, wie es manchmal in Gottesdiensten beim Vater-unser, also einem Gebet geschieht, dann halte ich das für ein durchaus auch "politisches Zeichen", das m.E. in den entsprechenden Kreisen auch so angekommen ist.

Bei den anderen am Rande gestreiften Themen gilt m.E.: Es macht schon einen Unterschied, mit welchem Wissensstand man eine Sache betrachtet. Je tiefer man sich in eine Materie hineinarbeitet und je mehr Wissen man über eine Sache und die Hintergründe hat, desto mehr verändert sich das Bild. Und das setzt nicht voraus, das man seinen gesunden Menschenverstand irgendwo an der Garderobe oder so abgibt oder kritisches Denken oder Hinterfragen aufgibt.

Hannes

#16 Beitrag von Hannes » 17.05.2009, 00:00

filippo hat geschrieben: Immerhin war es in der Vergangenheit immer eine hochpolitische Diskussion, nicht nur von christlicher Seite aus, ob die verschiedenen Weltreligionen miteinander und zusammen beten können. Ob ein interreligiöses Gebet überhaupt möglich ist.
Lieber filippo,

zu wem haben die Männer da gebetet? Zu welchem Gott? Zu dem einen Gott? Ist das derselbe Gott zu dem die da gebetet haben? Wenn ja, warum ging das vorher nicht?

Versetzen wir uns einmal in die Lage dieses Gottes ... der hat echt ein Problem. Er wird von den Kirchenmännern seziert - um dann in irgendwelchen Aktionen scheinbar wieder zusammengesetzt zu werden. Das ist irgendwie ...

filippo, ich verstehe Dein Anliegen schon. Aber es ist für mich eine innerkirchliche Sichtweise, die ich schon in der NAK nicht akzeptieren konnte. Vom Regen in die Traufe - das will doch niemand. Die spirituelle Welt ist so viel weiter und grösser. Sie ist die Summe aller dieser Pamphlete, hinter denen sich die Mitglieder der einzelnen Gemeinschaften wie in Suppentassen verstecken.

Diese Gesamtwelt ist für mich ein Abbild Gottes. Und eben dieses Gesamtbild wird es niemals geben, weil eben doch jeder den rechten und einzigen Weg für sich gebucht hat und diesen immer verteidigen wird - machen wir uns doch nichts vor. Und so bleibt diese Geste eben nur eine Geste. Und Gesten sind in diesem Kontext ... ein emotional aufgeblasenes Nichts.

LG - Hannes

filippo

#17 Beitrag von filippo » 17.05.2009, 11:30

Hannes hat geschrieben:
filippo hat geschrieben: Immerhin war es in der Vergangenheit immer eine hochpolitische Diskussion, nicht nur von christlicher Seite aus, ob die verschiedenen Weltreligionen miteinander und zusammen beten können. Ob ein interreligiöses Gebet überhaupt möglich ist.
Lieber filippo,

zu wem haben die Männer da gebetet? Zu welchem Gott? Zu dem einen Gott? Ist das derselbe Gott zu dem die da gebetet haben? Wenn ja, warum ging das vorher nicht?

Juden, Muslime und Christen glauben bekanntermassen an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Erst an der Göttlichkeit Jesu und der Trinität scheiden sich die Geister. Warum so ein Gebet nicht vorher möglich war, diese Frage solltest Du den Personen stellen, die in den jeweiligen Religionen Ansprechpartner für den interreligiösen Dialog sind, ich bin da definitiv der falsche Ansprechpartner.

Versetzen wir uns einmal in die Lage dieses Gottes ... Das darfst Du gerne tun, ich halte es aber zu vermessen mich in die Situation Gottes hineinzuversetzen, ich halte es da mit Thomas von Aquin der sagte, man könne Gott wohl anrühren, aber niemals ganz erfassen. Ich sehe mich in meiner Geschaffenheit als zu berschränkt an, um mich in die Situation Gottes hineinversetzten zu können ... wenn Dir das möglich ist, Hut ab ... .... der hat echt ein Problem. Was nichts neues wäre, ... seitdem er Menschen geschaffen hat, hat er immer wieder mal so seine Probleme mit ihnen. .....Er wird von den Kirchenmännern seziert - um dann in irgendwelchen Aktionen scheinbar wieder zusammengesetzt zu werden. Das ist irgendwie ... anthropologisch das normalste von der Welt .... die ganze Bibel ist ein Beleg dafür, das Menschen sich entgegen dem Bilderverbot ein Gottesbild machen, und das hier Menschen auf dem Weg zur Umkehr und Versöhnung sind finde ich sehr begrüßenswert .

filippo, ich verstehe Dein Anliegen schon. Aber es ist für mich eine innerkirchliche Sichtweise, die ich schon in der NAK nicht akzeptieren konnte. Vom Regen in die Traufe - das will doch niemand. Die spirituelle Welt ist so viel weiter und grösser. Sie ist die Summe aller dieser Pamphlete, hinter denen sich die Mitglieder der einzelnen Gemeinschaften wie in Suppentassen verstecken. Dein Menschenbild, was hier hervorscheint, finde ich sehr traurig. Man könnte ja fast meinen, alle Menschen, die irgendwie religiös sind, würden sich in eine Art Suppentasse verkriechen. Zum Glück kenne ich da genügend andere Beispiele aus der großen bunten religiösen Welt.

Diese Gesamtwelt ist für mich ein Abbild Gottes. Und eben dieses Gesamtbild wird es niemals geben, weil eben doch jeder den rechten und einzigen Weg für sich gebucht hat und diesen immer verteidigen wird - machen wir uns doch nichts vor. Und so bleibt diese Geste eben nur eine Geste. Und Gesten sind in diesem Kontext ... ein emotional aufgeblasenes Nichts. Sie sind das oder bleiben das, wenn wir gerührt vorm Fernseher sitzen, uns ein Tränlein aus dem Auge wischen oder sinnlose und zeitverschwendende Diskussionen in Internetforen dazu führen. Wenn sie allerdings ankommen und was bewegen und einzelne zu Veränderung führen, dann waren sie mehr. Es liegt allerdings an jedem Einzelnen, ob er da was rausnimmt und umsetzt oder lieber alles schlechtredet, totdiskutiert, und in seiner Suppentasse bleibt und darin dumpf rummosert und lamentiert.

LG - Hannes

Dieter

#18 Beitrag von Dieter » 17.05.2009, 21:24

Ich bin bekennender evangelischer Christ und denke nicht, daß ich mich in einer Suppentasse befinde. Aber ich finde es großartig, wenn sich diese Männer die Hände reichen können und gemeinsam in ein Gebet mit einstimmen. Das macht mir zumindest Hoffnung, daß noch nicht alles verlorengegangen ist, was die großen monotheistischen Religionen in ihrem Kern gemeinsam haben.
Und wenn diese Gemeinsamkeiten mehr hervorgehoben würden anstatt daß das Trennende betont wird, hätten wir sicher schon mehr erlebt, was zur Erfüllung dieses Friedensgebetes betragen würde.

Dieter

Hannes

#19 Beitrag von Hannes » 18.05.2009, 03:00

Ich frage mich gerade, wer diese Gräben des Unfriedens gegraben hat, für die diese Männer in der letzten Woche in ihrem gemeinsamen Friedensgebet gebetet haben. Sind diese Gräben von selbst erstanden? Oder hat Gott sie geschaffen?

Dieter, Dein Wunsch nach Gemeinsamkeiten in Ehren - aber wie sollen diese Gemeinsamkeiten denn aussehen? Wenn die Gemeinsamkeiten meinen, dass man sich nicht wehtut und sich ab und an einmal die Hand reicht, dann ist das für mich Augenwischerei und zu wenig. Viel zu wenig. Aber mehr kann und wird es somit nicht geben. Es wird bei Gesten bleiben ...

Und filippo, wenn Du sagst: "und das hier Menschen auf dem Weg zur Umkehr und Versöhnung sind finde ich sehr begrüßenswert", dann frage ich mich, wie man es schafft auf/von einem Weg "umzukehren", den man als den "einzig richtigen" betrachtet. Und vor allen Dingen: wer von den Dreien muss auf welchem Weg umkehren?

Ich bleibe dabei: das war eine herzige Veranstaltung ... von der Mann nach Hause geht und sich wieder in seiner Suppentasse verkriecht und diese verteidigt bis zu nächsten medienwirksamen oder gefühlsduseligen Auftritt.

Hannes

filippo hat geschrieben:Sie sind das oder bleiben das, wenn wir gerührt vorm Fernseher sitzen, uns ein Tränlein aus dem Auge wischen oder sinnlose und zeitverschwendende Diskussionen in Internetforen dazu führen. (...) oder lieber alles schlechtredet, totdiskutiert, und in seiner Suppentasse bleibt und darin dumpf rummosert und lamentiert.
Mach das nicht, das bringt nichts! :wink:

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