Abendmahlsliturgie

Gebet, Gottesdienstgestaltung, Liturgie
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Hannes

#41 Beitrag von Hannes » 15.10.2008, 06:38

organa hat geschrieben: Was bitte verstehst Du unter "Kirchenchristen"?
Guten Morgen organa,

als "Kirchenchristen" bezeichne ich Menschen, die einer speziellen christlichen Institution angehören und sich in den Interpretationen, Ritualen, Ge- und Verboten, Dogmen, usw. dieser Institution wiederfinden - und diese als "den (möglicherweise einzigen) Weg" und somit als "gegeben" anerkennen.

HG - Hannes

Maximin

#42 Beitrag von Maximin » 15.10.2008, 08:38

Lieben Freunde,
in meiner Evangelischen Gemeinde wird einmal monatlich hl. Abendmahl gefeiert. Der Handlung gehen regelmäßig Luthers Beichtgebet sowie der Zuspruch der Vergebung voraus.
Gruß vom Micha

Luthers Beichtgebet:
[ad altarem] Allmächtiger Gott, barmherziger Vater,
ich armer, elender, sündiger Mensch
bekenne dir alle meine Sünde und Missetat,
die ich begangen mit Gedanken, Worten und Werken,
womit ich Dich jemals erzürnt und Deine Strafe
zeitlich und ewiglich verdient habe.
Sie sind mir aber alle herzlich leid
und reuen mich sehr,
und ich bitte Dich um Deiner grundlosen Barmherzigkeit
und um des unschuldigen, bitteren Leidens und Sterbens
Deines lieben Sohnes Jesus Christus willen,
Du wollest mir armem sündhaftem Menschen
gnädig und barmherzig sein,
mir alle meine Sünden vergeben
und zu meiner Besserung Deines Geistes Kraft verleihen.
Amen.


Quelle: http://www.kirchenkreis-arnsberg.de/pas ... 261100.htm

organa

#43 Beitrag von organa » 15.10.2008, 11:51

Hallo abendstern, Dieter und 42,

danke für die Aufklärung :D - ich dachte es mir schon fast. Bei den lutherischen Gemeinden gibt es hie und dort kleine Unterschiede im Gottesdienst gegenüber "uns unierten", aber der andere Ort des Vaterunsers war mir bislang wirklich nicht aufgefallen.

Ich finde es nach dem Abendmahl genauso passend und schön wie vorher, und wenn es kein Abendmahl im GD gibt, kommt es ja auch bei uns im Anschluß an die Fürbitten. Es als "Antwort" auf die Einsetzungsworte vor dem Mahl zu beten, ist auch sinnvoll: Jesu Worten zum Mahl folgt dann das Gebet, das er selbst lehrte.

Ich finde beides schön. Es lebe die liturgische Vielfalt... :D

herzlich grüßt
organa

Maximin

#44 Beitrag von Maximin » 15.10.2008, 13:18

:wink:

Katze

#45 Beitrag von Katze » 15.10.2008, 18:30

Guten Abend,

darf ich mal ganz dumm fragen.... warum wird in manchen Gemeinden jeden Sonntag Heiliges Abendmahl gefeiert und in andern Gemeinden nur einmal im Monat?
Es gibt überhaupt viel unterschiedliches, in der Neuapostlischen Kirche z.B., wird in jedem Gottesdienst Heiliges Abendmahl gefeiert. Wie es in der Katholischen Kirche ist, weiß nicht genau. Als ich dort war wurde jedesmal Heiliges Abendmahl gefeiert.
Gibt es in der Bibel keine klar Aussage darüber(sorry, meine Kenntnisse sind diesbezüglich dürftig), vielleicht kann mir das Jemand beantworten?

lg Katze

42

#46 Beitrag von 42 » 15.10.2008, 20:49

In der katholischen Kirche wird die Eucharistie (mindestens?) jeden Sonntag gefeiert.

In der evangelischen Kirche gab es historisch verschiedene Regelungen, es ist auch derzeit nicht einheitlich.

Google is your friend.
Die katholische Kirche feiert das Abendmahl täglich oder wenigstens wöchentlich in der Form der Messe. In der evangelischen Kirche wird das Abendmahl seltener gefeiert. Hat man zwischenzeitlich in unserer Landeskirche das Abendmahl höchstens viermal pro Jahr angeboten, so ist inzwischen ein Rhythmus von einer Abendmahlsfeier pro Monat in fast allen Kirchen üblich.
http://www.evkirche-rvstadt.de/abendmahl.htm

Oder:
Katholisch: Die katholische «Eucharistie» (Danksagung) ist neben der Taufe das zweite Hauptsakrament unter den sieben Sakramenten. Die Feier der Eucharistie mit der Erinnerung an das Opfer Christi am Kreuz («Messopfer») ist der Höhepunkt der Heiligen Messe. In katholischen Kirchen wird jeden Sonntag die Eucharistie gefeiert. Bei der Kommunion empfangen die Gläubigen dabei die Hostie. (*)
Evangelisch: Die evangelische Kirche kennt nur die beiden Sakramente Taufe und Abendmahl. Das Abendmahl gilt Protestanten als «Heimathafen jeden Glaubens». Gottesdienste mit Abendmahl werden in evangelischen Kirchen zunehmend öfters als einmal im Monat gefeiert.
http://www.kirche-mv.de/Abendmahl.1442.0.html
(*) Die Laien erhalten m.W. nur die Hostie, der Priester auch den Wein. Ob "Instant Wine" wie auf den Hostien in der NAK der Einsetzung des Abendmahls durch Jesus entspricht und dafuer die Loesung "in beiderlei Gestalt" ist, wissen wir nicht. Aber wir haben schoene Hinweise :wink: , z.B. in "Lehrverurteilungen - kirchentrennend?" (Herder / Vandenhoeck & Ruprecht, meiner Erinnerung nach in Band 4), wo auf das Fehlen des "Laienkelchs" beim Abendmahl Bezug genommen wird.

Reformiert:
Die Häufigkeit der Abendmahlsfeiern und deren Stellung im reformierten Gottesdienst haben sich über die Jahrhundert und zum Teil auch regional sehr unterschiedlich entwickelt. Während Calvin noch die wöchentliche Abendmahlsfeier forderte, gab es in Zeiten des reformierten Pietismus eine regelrechte Abendmahlsscheu und entsprechend seltene Gelegenheiten (bis hin zur nur einmal jährlichen Feier am Gründonnerstag). Inzwischen hat sich die Regelung der einmal monatlichen Abendmahlsfeier im Gottesdienst eingebürgert.
Je zwölf Gottesdienstbesucher sitzen mit der Pfarrerin / dem Pfarrer um den Abendmahlstisch (der ausdrücklich nicht als „Altar“ bezeichnet wird)
http://www.reformiert-info.de/side.php? ... =56&navi=3

Randnotiz zur Reformierten Kirche aus dem obigen link:
Wenn man in einer Kirche an Stelle des uns gewohnten Altars einen "Tisch" sieht, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ;-) um eine reformierte Kirche.

Die Auswahl derZiitate stellt keine Wertung dar, sondern ist der Priorisierung in Google geschuldet.

organa

#47 Beitrag von organa » 16.10.2008, 12:11

Hallo 42,

ich habe mir gerade die Quellen Deines Beitrages angeschaut.
Bei dieser hier: http://www.evkirche-rvstadt.de/abendmahl.htm

findet sich nun wirklich ein grober Schnitzer:
Evangelische Christinnen und Christen erhalten die Zulassung zum Abendmahl mit der Konfirmation. Dies ist deshalb sinnvoll, weil die Jugendlichen erst im Konfirmandenunterricht mit der Bedeutung des Abendmahls vertraut gemacht werden. Kinder, die mit ihren Eltern den Abendmahlsgottesdienst besuchen, können trotzdem mit vor den Altar treten. Die Pfarrerin oder der Pfarrer können ihnen einen Segen spenden oder einen geistlichen Wunsch mit auf den Weg geben.
Das ist seit Ewigkeiten nicht mehr der Fall (Mein Gedächtnis lässt nach - ich schätze aber, seit ca. 20 Jahren). Kinder und Jugendliche dürfen natürlich am AM teilnehmen, wenn sie zuvor darauf vorbereitet wurden.

Die Konfirmation ist natürlich NICHT Bedingung für die Teilnahme (was auch theologisch sehr fragwürdig war und wäre; gut, daß es die Korrektur gab). Bei uns wird bei jedem AM darauf hingewiesen, daß ALLE eingeladen sind.

Nachtrag: Gerade entdecke ich auf den Seiten der bayerisch-lutherischen Landeskirche, daß es Gemeinden gibt, wo Kindern und Jugendlichen Brot und Wein nicht gereicht werden (scheint aber die Ausnahme zu sein) - in diesem Fall findet eine Segnung statt.

Typisch evangelisch: in jeder Landekirche ne Extrawurst... :?

Falsch bleibt`s trotzdem, "evangelische Christinnen und Christen.." schreibt der Verfasser oben. Da schliesst mal wieder jemand von seiner Zwergengemeinde auf die große, weite Welt.

Also: Die Regel (mit wenigen Ausnahmen) dürfte in der EKD inzwischen sein, daß ALLE eingeladen sind, auch Kinder und Jugendliche und weitere, nicht-konfirmierte Menschen.

herzlich grüßt
organa

Steppenwolf

#48 Beitrag von Steppenwolf » 16.10.2008, 13:03

Typisch evangelisch: in jeder Landekirche ne Extrawurst...
Ja - es ist einfach nur schlimm! :shock:

Bin ich froh, dass ich... :mrgreen:

Föhliche Grüße aus guter Deckung heraus -
Steppi :lol:

abendstern_
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Registriert: 25.11.2007, 13:44

#49 Beitrag von abendstern_ » 16.10.2008, 13:27

Protestanti in flagranti.... :D

Steppenwolf

#50 Beitrag von Steppenwolf » 16.10.2008, 14:06

abendstern_ hat geschrieben:Protestanti in flagranti.... :D
Erwischt! :oops: :lol:

Das muss ich euch erzählen (hat mit dem Thema zu tun):
Bin ich doch unlängst in die ev. Kirche "fremdgegangen"... Mein damals erster Besuch in diesem Gotteshaus.
War just nicht auch GD mit Hl. Abendmahl? Ich dachte, dass ist wie in der NAK immer am Sonntag, naja...

Ich natürlich Null Ahnung, was mich erwartet, mutig der kommenden Dinge harrend...
Jedenfalls kam im Verlauf noch vor dem Hl. AM die Aufforderung der Pfarrerin ans Kirchenvolk, dass doch jeder seinem Nachbarn die Hand reichen und Frieden wünschen möge. Vollkommen überraschend für mich stand plötzlich eine ansehnliche junge Frau vom anderen Ende der Bank auf, kam auf mich zugestürzt und murmelte was von "Friede sei mit dir"... Zuerst dachte ich: "Hab´ ich irgendwas Schlimmes gemacht?", bis mir die Erkenntnis kam, das dies wohl Usus ist (sorry, bei mir dauert immer alles ein wenig länger :oops: ).

Es war wohl nur Reflex, dass ich ihr auch meinen Frieden mit auf den Weg gab... :)

Nun ja - plötzlich stürmten fast alle Besucher in den Altarraum und stellten sich im Halbkreis auf; gesplittet in eine Saft-und Weinfraktion. Was genau dann passierte, konnte ich nicht erkennen, da ich zu weit hinten saß und außerdem den Friedenswunsch noch verarbeiten musste... :P

Insgesamt war es aber sehr schön, fast so schön wie bei uns. :wink:

Wie schon der alte Gottesmann sagte: Andere Kirchen können noch viel von uns lernen. 8)

:lol:

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