NAK Süd: Die Wiederkunft Christi - Vortrag über theologische Eckpunkte und biblische Grundlagen

Alles rund um die Sondergemeinschaft Neuapostolische Kirche (NAK), die trotz bedenklicher Sonderlehren (u.a. Versiegelung, Entschlafenenwesen mit Totenmission, Totentaufe, Totenversiegelung und Totenabendmahl, Heilsnotwenigkeit der NAK-Apostel, Erstlingsschaft, ..), weiterhin "einem im Kern doch ... exklusiven Selbstverständnis", fehlendem Geschichtsbewusstsein und Aufarbeitungswillen, speziell für die Zeit des Dritten Reiches, der DDR, der Bischoffs-Botschaft ("... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. ..."), sowie ihrer jüngsten Vergangenheit und unter erheblichem Unmut ehemalicher NAK-Mitglieder, auch Aussteiger genannt, die unter den missbräuchlichen Strukturen und des auf allen Ebenen ausgeprägten Laienamtes der NAK gelitten haben, weiterhin leiden und für die die NAK nach wie vor eine Sekte darstellt, im April 2019 als Gastmitglied in die ACK Deutschland aufgenommen wird.
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Paul

#21 Beitrag von Paul » 07.10.2008, 10:48

Schön, daß hier wieder einigermaßen sachlich weitergeschrieben werden kann.

Die Beiträge von Tergram, Loreley und Filippo zeigen mir, daß meine Gedanken durchaus so verstanden werden können, wie ich sie gemeint habe. :wink:
filippo hat geschrieben:Wenn ich aber lehre, das Ende der Zeit ist nahe, und nur die kleine auserwählte Schar wird errettet während alle anderen dem Verderben das dann kommen wird anheimfallen, und bete dann gleichzeitig für den Weltfrieden, dann ist das in meinen Augen sehr wohl widersprüchlich, um nicht zu sagen schizophren.
Genau das ist der Knackpunkt: die deutlichen Unterschiede in den eschatologischen Lehren von der NAK und einigen Evangelikalen einerseits und der RKK und anderen Protestanten andererseits.
Bei den einen die Hoffnung auf Errettung vor der großen Trübsal und damit implizit eine gewisse Häme (hier paßt das Wort) über die Zurückgebliebenen, die durch große Wirren hindurch müssen.
Bei den anderen zwar auch das Beten um die Wiederkunft Christi, aber im Bewußtsein, daß die unseligen Zustände davor auch von den Christen durchlebt werden müssen - die im Ggs. zur NAK-Lehre auch nicht vom Jüngsten Gericht ausgenommen sind.
Damit macht es auch Sinn, für den Weltfriesen zu beten. Dieser Sinn fehlt aber, wenn man in schrecklichen Ereignissen wie Kriegen und Umweltzerstörung die heilsgeschichtlich unbedingt notwendigen (Vor-)Zeichen der eigenen Errettung sieht, verbunden mit der stillen Freude, daß es ja nur "die anderen" treffen wird, da man selbst glücklicherweise schon "weg ist", wenn es ganz schlimm wird.

Bei der NAK scheint sich nun eine Relativierung der Naherwartung anzudeuten, wie sie sich bei den meisten anderen Christen schon lange vollzogen hat. Letztere bereiten sich eben eher auf ihr individuelles Ableben vor, was für den einzelnen ja auch viel wahrscheinlicher ist als mit allerlei (manchmal diffusen) Hoffnungen auf eine Entrückung zu Lebzeiten zu hantieren und sich im Ernst Gedanken darüber zu machen, z.B. ob der von einem neuapostolischen Lokführer gesteuerte Zug gleich nach der Entrückung entgleisen wird oder doch noch sicher bis zum nächsten Bahnhof kommt. :shock:

Diese Relativierung der Naherwartung manifestiert sich auch in den Texten vieler alter Choräle (womit wir wieder beim Musikthema wären), wo Gott etwa um eine seliges Sterben gebeten wird. Und genau diese Strophen sind in den NAK-Gesangbücher regelmäßig nicht enthalten. Warum? Vielleicht, weil aus Sicht der NAK der Tod des einzelnen Christen nur eine Art "bedauernswerten Betriebsunfall" vor dem Eintritt der stündlich zu erwartenden Parusie darstellt?

Eine ausführlichere Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema hat M. Koch vor ein paar Jahren geleistet:
http://www.glaubenskultur.net/artikel-170.html

Tatyana

#22 Beitrag von Tatyana » 07.10.2008, 11:09

filippo hat geschrieben:Nö, umgekehrt wird ein Schuh draus. Ich hätte gerne von Dir Deine provokante These, die RKK hätte eine Naherwartung belegt. Mir ist kein entsprechendes offizielles Kirchendokument bekannt. Ich hab grad nochmal die entsprechenden Seiten im Katechismus gelesen, da steht nichts entsprechendes drin. Und eine entsprechende päpstliche Enzyklika ist mir ebenfalls nicht bekannt. An welchem offiziellem Kirchendokument der RKK kannst Du mir also belegen, die RKK hätte eine Naherwartung? - Ebenso bitte für Lutheraner, Reformierte etc.. Du hast diese These aufgestellt, also beweise sie bitte auch. Und zwar mit offiziellen Kirchendokumenten, nicht mit netten Geschichten was zu bestimmten Zeiten Menschen aus ihrem Glauben gemacht haben.
Ich warte auf einschlägige Beweise anhand der offiziellen Kirchendokumente, mit denen Du Deine Behauptung belegen kannst. Danke
Ich zitiere zu dem Thema jetzt einfach mal aus dem einschlägigen Wikipedia Artikel:
" Die Parusie

Im Frühchristentum der ersten zwei bis drei Jahrhunderte nach der Zeitenwende wurde diese zweite Ankunft möglicherweise für zeitlich nah erhofft, was als Naherwartung bezeichnet wird...
Dem Thema der Erwartung eines Wiederkommens Jesu ist im Christentum besonders der Advent gewidmet, was aus dem Lateinischen übersetzt Ankunft bedeutet....
Nach christlicher Auffassung werden dann alle Toten auferstehen. ...
Den Gläubigen ist zwar bekannt, dass – aber nicht wann – das Jüngste Gericht stattfinden wird...
Das Jüngste Gericht hat einen forensischen und einen heilsgeschichtlichen Aspekt. Der forensische Aspekt betrifft das Gericht und den Gläubigen selbst. Er weiß, dass nach seinem Tod am Jüngsten Tag das Jüngste Gericht stattfinden wird. In diesem Gericht werden die individuellen Taten jedes Einzelnen beurteilt, denn jeder Einzelne ist vor Gott verantwortlich (Röm 3,10 EU). Der heilsgeschichtliche Aspekt des Jüngsten Gerichts betrifft die gesamte Menschheit. Der Tag des Jüngsten Gerichts bedeutet die Zeitenwende, nach der ein paradiesischer Zustand, vergleichbar der Zeit vor dem Sündenfall, eintreten wird....
Die katholische Kirche stellt in ihrem Katechismus aus dem Jahre 2003 (lateinisch Vatikan 1997) ausdrücklich den Zusammenhang zwischen Parusie und Letztem Gericht her: „Das Letzte Gericht wird bei der herrlichen Wiederkunft Christi stattfinden.“...
Die katholischen Christen feiern das in der Apostelgeschichte beschriebene Wirken des Heiligen Geistes am Pfingstfest und erwarten die Wiederkunft Jesu als des Messias. Die Kenntnis über den Zeitpunkt dieser Wiederkunft ist Gott allein vorbehalten....
Der Reformator Martin Luther geht davon aus, dass mit der Wiederkunft Christi die Auferweckung der Toten anbricht. Hier ist für ihn kein Unterschied zwischen Menschen der Gegenwart und längst verstorbenen Menschen der Bibel....
Im Alten Testament finden sich bereits zahlreiche Hinweise auf das Jüngste Gericht...
Die präzise Schilderung des Jüngsten Gerichts im Matthäus-Evangelium (Mt 25,31 EU) stellt eine der wichtigsten biblischen Quellen dar. Darüber hinaus finden sich etwa in den Gleichnissen aller Evangelien fast durchgehend Gerichtsmetaphern,...
Diese klare Ethik wird in der Johannesapokalypse relativiert. Hier überkreuzt sich die Idee des Jüngsten Gerichts mit der zweiten eschatologischen Vision des Christentums: dem Tausendjährigen Reich Christi. Satan wird für tausend Jahre gefesselt werden und Christus wird zum ersten Mal wiederkommen, um während dieses Millenniums gemeinsam mit den Heiligen zu herrschen. Erst danach wird die zweite Wiederkehr Christi stattfinden, bei der er alle Lebenden und Toten zum Jüngsten Gericht ruft...



Quelle

filippo

#23 Beitrag von filippo » 07.10.2008, 11:24

erl.
Zuletzt geändert von filippo am 27.09.2009, 18:23, insgesamt 1-mal geändert.

Tatyana

#24 Beitrag von Tatyana » 07.10.2008, 12:01

Wenn die offizielle Lesart heißt "wir wissen nicht, wann Christus kommt", wie kann es dann KEINE Naherwartung sein??? Weil es dann nämlich JEDERZEIT der Fall sein könnte. Also auch jetzt.
Dafür brauche ich keine offiziellen Dokumente bemühen, das ist simples Textverständnis. Obwohl in der Quelle auch Links, u.a. zu Geschriebenem des Papstes, angegeben sind.

"Wir wissen es nicht" scheint also durchaus nicht nur das Motto "meiner" Kirche zu sein...

filippo

#25 Beitrag von filippo » 07.10.2008, 12:20

erl.
Zuletzt geändert von filippo am 27.09.2009, 18:25, insgesamt 1-mal geändert.

Tatyana

#26 Beitrag von Tatyana » 07.10.2008, 12:45

215. Wann wird dieses Gericht stattfinden?

Dieses Gericht wird am Ende der Welt stattfinden, dessen Tag und Stunde Gott allein kennt.

Katechismus der Katholischen Kirche-Kompendium

Übrigens spannend zu lesen. Heilsexklusivität, zwingend notwendiger sonntäglicher Gottesdienstbesuch, opfern für die Entschlafenen, etc...*dumdidum*(Artikel 134,162,163,168,171,182,211,215,289...)

Tatyana

#27 Beitrag von Tatyana » 07.10.2008, 12:57

"Die fünf Gebote der Kirche

1. Am Sonntag und an den anderen gebotenen Feiertagen an der Messe teilnehmen und keine Arbeiten und Tätigkeiten verrichten, welche die Heiligung dieser Tage gefährden.

2. Wenigstens einmal im Jahr die eigenen Sünden beichten.

3. Wenigstens zu Ostern das Sakrament der Eucharistie empfangen.

4. Die von der Kirche gebotenen Fast- und Abstinenztage halten.

5. Im Rahmen der eigenen Möglichkeiten der Kirche in ihren materiellen Erfordernissen beistehen."

"Akt des Glaubens

Herr und Gott, ich glaube fest und bekenne alles und jedes, was die heilige katholische Kirche zu glauben lehrt. Denn du, o Gott, hast das alles geoffenbart, der du die ewige Wahrheit und Weisheit bist, die weder täuschen noch getäuscht werden kann. In diesem Glauben will ich leben und sterben. Amen."

Quelle siehe oben

shalom
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#28 Beitrag von shalom » 07.10.2008, 13:10

[->Der neue neuapostolische Glaube an die Wiederkunft Christi (Vortrag im Fassadenhof in der Variante vom 26.09.2008)]


…Die Gewissheit der Nähe der Wiederkunft führt dazu, dass ein jeder nun die Entscheidung für oder gegen Jesus Christus zu fällen hat. Es geht angesichts des nahenden Herrn um Heil oder Unheil (SEITE - 1 – Kapitel 1, Absatz 3).

…Gerade dann, so macht Jesus hier deutlich, geschieht seine Wiederkunft, wenn sie keiner erwartet… (SEITE -2- Kapitel 1, Absatz 6.

…Der urchristlichen Hoffnung, dass Jesus Christus nicht nur Mensch geworden ist, dass er nicht nur in den Himmel gefahren ist, sondern dass er ebenso wiederkommen wird, spielt in der Verkündigung vieler christlichen Kirchen – es wurde schon darauf hingewiesen – keine oder nur eine nebensächliche Rolle (SEITE -4 – Kapitel 4, Absatz 1)

…Zunächst ist hier die Auferstehung, Verwandlung und die Entrückung derjenigen zu nennen, die dem Ruf Christi gefolgt sind und sich von den Aposteln in Wort und Sakrament entsprechend haben ausrüsten lassen. Daraufhin folgt die himmlische Vereinigung von Christus und diesen Menschen, den Lebenden und den Toten, die mit dem Begriff „Hochzeit des Lammes“ umschrieben wird… .
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5Vgl. Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben. Hrsg. Neuapostolische Kirche International, Zürich. Frankfurt/Main o.J. [1992]. S.121. (=Frage 251).
6Ebd., S. 108.

Werte DiskursteilnehmerInnen,

„Der Glaube an die Wiederkunft Christi“ aus dem Munde eines privatdozierenden Cheftheologen für „Apostologistik“ beim VFB birgt schon einige interessante Aspekte, die gerade für die Träger des neuen neuapostolischen Glaubens spätestens ab 2010 nicht mehr unwesentlich sein dürften… .

Schon auf Seite 1 geht es schon um Heil und Unheil. Dann, auf Seite 2 definiert der Cheftheologe für neue neuapostolische Aposto-Logistik, dass die Wiederkunft geschähe, wenn sie keiner (!) erwarten würde. Auf Seite 4 wird „vielen christlichen Kirchen“ in pauschaler Sippenhaft vorgeworfen, dass bei ihnen die Erwartung des Herrn „keine oder nur eine nebensächliche Rolle“ spielen würde.

Beste Voraussetzungen – Wiederkunft dann, wenn keiner sie erwartet – für eine Wiederkunft. Ausgerechnet die heutigen Apostel mit ihrem neuen neuapostolischen Glauben – von ihrem Cheftheologen für „Aposto-Logistik“ untermauert – wären es mit ihrer Erwartungshaltung, die das Wiederkommen ad absurdum führen… :wink:.

Auf Seite 6 ist hervorzuheben, dass sich die theologische Argumentation auch nach dem Studientag in wesentlichen Punkten ausgerechnet auf den abgefackelten Vorläuferkatechismus stützt. Evtl. war der na-amtlich erwähnte „Scheiterhaufen“ auch nur eine temporäre Attitüde der Männer voll des Feuers des Hl. Geistes. Die F&A scheinen wie aus einem Feuerofen, Ende September wieder unverletzt hervorgekommen zu sein. Das gibt dem theologischen Denken schon zu glauben!

Inhaltlich kann der geneigte Leser den Eindruck gewinnen, dass der Schwenk großer Vorläuferkirchen – weg vom Exklusivismus hin zum Inklusivismus – sowohl in der neuen nauapostolischen Apostologistik wie auch im Glauben, noch nicht so recht nachvollzogen worden ist („Daraufhin folgt die himmlische Vereinigung von Christus und diesen Menschen…“). Nun gut, in diesem Fall wäre das Heil inklusive.

Lassen sie mich noch einen anderen Aspekt ansprechen. Gerade in jüngster Zeit wurde seitens unserer neuen neuapostolischen Apostel (nicht vom alten Stp. Niehaus) betont, dass die „Kirche“ (gemeint ist die neue Neuapostolische Kirche auch nach 2010) eine Kirche unter Leitung von „Nicht-Theologen“ (Aposteln) wäre. Obwohl die Apostel finanziell eher das Erbe der „Priester und Leviten“ angetreten haben und sich in dieser Tradition gesehen haben wollen (Bap. Klingler am mitteldeutschen Erntedankopferfesttag), handelt es sich um eine typische „Laienkirche“ mit vielen ehrenamtlichen Helfern und Amateuren. Entsprechend sind Lehre und Glauben (Botschaften) auch um einiges „temporärer“ als in den großen Kirchen, wo wichtige Dinge in die Hände von Profis gelegt sind. Schaut man z. B. bei Wikipedia unter dem Stichwort [->„Profi“] nach, wird man feststellen, dass dort der Profi dem Amateur / Dilettanten gegenübergestellt wird. Unter einem Dilettanten wird: „(delectare „sich ergötzen“) ein Nicht-Fachmann, Amateur oder Laie“ verstanden, also lediglich jemand, der keine entsprechende Ausbildung absolviert hat. Nichts anderes wurde von Ap. Kühnle auf dem Studientag für seine "Kirche" reklamiert.

Wie auf dem Studientag Anfang September deutlich wurde, bezieht sich die „Beständigkeit in der Apostellehre“ auf ausschließlich Temporäres, worunter sicher wohl auch die, in verschiedenen Varianten angedeutete Exklusivität des Heils für den nontemporären Zeitabschnitt vor uns subsumiert werden kann.

Prost Mahlzeit! Prost Paulaner! Auf die „Kirche“ unter Leitung von „Nicht-Theologen“ (alles inklusive :wink:).

shalom

filippo

#29 Beitrag von filippo » 07.10.2008, 13:22

erl.
Zuletzt geändert von filippo am 27.09.2009, 18:26, insgesamt 1-mal geändert.

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#30 Beitrag von tosamasi » 07.10.2008, 15:10

tergram schrieb:
ich erinnere mich beispielsweise an die 80-er Jahre und die damals aufkommende Umweltschutz-Bewegung und Diskussionen. Dazu hieß es am Jugendtag in NRW von Seiten des StAp: "Gotteskinder brauchen keinen Umweltschutz. Im Gegenteil: Lasst diese alte Erde doch endlich untergehen - um so eher kommt der Herr und holt uns heim." Ich war damals jung, euphorisch, in Umweltbewegungen aktiv - und vollkommen geschockt von dieser Aussage.
Das ist doch der Punkt, zumindest im Hinblick auf die Thesen der NAK.
Es gab eine Naherwartungszeit die zeitlich gerahmt war, eng gerahmt.
Nur der Einfältige fürchtet die Vielfalt
tosamasi

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