FASZINATION BUCH...

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simpel

#41 Beitrag von simpel » 14.08.2009, 08:19

Ich bin dankbar, dass mich dieses Buch vor einer schwärmerischen Überspanntheit bewahrt hat.
Faszinierend und lehrreich!

Wärmste Empfehlung meinerseits:

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Veronika Peters

Was in zwei Koffer paßt
Klosterjahre

Was in zwei Koffer passt, ist mehr als ein Leben.
Veronika Peters gewährt einen faszinierenden Blick in ein unbekanntes Universum - die Welt eines benediktinischen Klosters. Als Veronika Peters 21 Jahre alt ist, gelangt sie zu einem ungewöhnlichen Entschluss: Sie geht ins Kloster. Motiviert von dem Bedürfnis, ihrem Leben einen tieferen Sinn zu geben, als nutzlose Dinge anzuhäufen, packt sie ihre Koffer und begibt sich in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. In ihrem faszinierenden Buch erzählt sie lakonisch und offen von den Licht- und Schattenseiten des klösterlichen Lebens - von den inneren und äußeren Konflikten, die sie zu bewältigen hat, und von den Herausforderungen, die ein Leben als Nonne mit sich bringt. Sie berichtet aber auch von den wunderbaren menschlichen Begegnungen, die ihr dort zuteil werden, von der Tiefe und Schönheit der religiösen Rituale und dem Glück der inneren Ruhe. Bis sie beinahe zwölf Jahre später wieder ihre Koffer packt - und in Berlin ein ganz neues Leben beginnt. Das ehrliche und authentische Selbstzeugnis einer jungen Frau auf der Suche nach Sinn und geistiger Erfüllung in ihrem Leben. Warum entschließt sich eine junge Frau, ins Kloster zu gehen? Ist es möglich, in der Abgeschlossenheit über seine Grenzen hinweg zu gehen? Und wer sind die Menschen, die einem dort begegnen? "Wahrscheinlich ist die Frage, warum man in ein Kloster eintritt genauso schwer oder unmöglich zu beantworten, wie die Frage, warum man sich in einen bestimmten Menschen verliebt und nicht in einen anderen, der vielleicht klüger, hübscher, reicher oder sonstwie besser ist. Vielleicht ist es die Faszination des 'alternativen Lebens', die Rückzugsmöglichkeit, der Wunsch etwas zu entdecken, das man nicht einfach so wegwischen kann, die Suche nach dem Grund des Daseins, nach etwas, das bleibt, der Kampf gegen die Auslöschung der eigenen Existenz. Die Priorin Germana hat in einem unserer ersten Gespräche zu mir gesagt: 'Im Kloster kommt man sehr bald an die eigenen Grenzen.' Umso besser. Da will ich hin, an die Grenze, und nach Möglichkeit darüber hinaus." Veronika Peters

Pritzebilsky

#42 Beitrag von Pritzebilsky » 14.08.2009, 09:47

Sie geht ins Kloster. Motiviert von dem Bedürfnis, ihrem Leben einen tieferen Sinn zu geben...
Ja, das quält viele, die offensichtliche Sinnlosigkeit eines Lebens, in dem sich alles an dem bemisst, was angehäuft werden kann - oder was an Einkommen erzielt wird oder an Status, was in unsrer Gesellschaft kaum voneinander zu trennen ist.
Ich denke aber, das "ins-Kloster-gehen", um dem eigenen Leben einen "tieferen Sinn" zu geben, ist schon im Ansatz falsch. Falsch, im Sinne von, nicht wirklich über "das Treiben dieser Welt" oder anders gesagt "dem Streben nach Profit" hinausführend. Weil der Versuch, dem eigenen Leben dadurch einen Sinn zu geben, dass ich versuche, ihn für mich zu finden nur ein weiterer Versuch ist, einen Profit zu erzielen, nämlich aus meinem Leben etwas für mich herauszuholen. Dass es hier der tiefere Sinn ist, der mich zufriedenstellen soll, ändert nichts an der egoistischen Ausrichtung solcher Dernkweise. Eine Aussteigerhaltung, in der ich im Grunde keinen Unterschied zum Versuch sehe, in einer Landkommune glücklich zu werden. Oder als Junkie (hier mal abgesehen von den möglichen Schäden, die andere dadurch erleiden). Oder mit der Haltung: "Für meine Familie alles, nach außen hin dichtmachen".

Alles verständlich, aber angesichts des Horrors in der Welt seltsam kleinkariert und auch zu kurz gedacht, weil sich das eigene kleine Glück eben nicht wirklich im Umkreis von Not und Elend errichten läßt. Höchstens als Perversion des Glücks, eben als egozentrisches Genießen. Und das Not und Elend in Deutschland, verglichen mit dem, was sich woanders abspielt, zu relativieren sind, ändert einerseits nichts an Not und Elend hier und erklärt mir andrerseits Versuche, sich z.B. in ein Kloster zurückzuziehen, um all dem zu entfliehen, da es sich ja nicht ausschließlich um materielle Not und materielles Elend handelt.

Auch die Art der Suche nach Sinn ist eben zeitabhängig, sprich den sozioökonomischen Zuständen geschuldet. Und so gab es in den 60ern die Suche nach gesellschaftlich herzustellendem Sinn, danach die Propagierung der ganz persönlichen Selbstverwirklichung und heute eine scheinbare Abgeklärtheit, was politische und soziale Verbesserungsmöglichkeiten angeht und im Zeitalter der digitalen Vereinzelung die erneute Frage nach dem "tieferen Sinn" oder dem "Flow" oder was immer.

Mir scheinen solche Suchen voll am Mitmenschen (um mich mal christlich-jugendslangisch auszudrücken) und an den eigentlichen Problemen vorbeizugehen, obwohl diese immer mehr Leute zu spüren bekommen. Wenn ich mir anhöre, was die Leute in Deutschland bewegt, aber sehe, dass die Zusammensetzung des nächsten Bundestags nur die 50ste Variation des Immergleichen ist, obwohl doch jeder meint, irgendwie mit seiner Stimme was verändern zu können, kann ich solche "Klosterversuche" sogar verstehen.

Was bringt es aber, ob ich ins Kloster, in die NAK oder in die Selbstfindungsgruppe gehe? Das kann nicht das sein, was dem Jesus, der Außenseiter in Schutz nahm und die Geldhändler vertrieb, vorschwebte, als er vom Reich Gottes sprach, mit dem er, m.E. sehr wohl eines meinte, das er gern auf der Erde verwirklicht gesehen hätte, wenn auch nicht als eines "von dieser Welt"

Na ja, nur ein paar unausgegorene Gedanken (aber ernsthafte, da ich hier sonst meist nur über Fußball blubbere oder mit Prolle scherze) zu der Buchvorstellung, aber solche Selbstverwirklichungstrips haben für mich, so sehr sie einzelnen helfen mögen, als Modell etwas unheimlich ödes und klägliches an sich.

Noch etwas: ich will hier bestimmt keine politische Diskussion führen, da walte Hugo!

Gruß
Pritze

simpel

#43 Beitrag von simpel » 14.08.2009, 12:51

Selbstgebrannter – gern in zwiefacher Ausführung -, dazu die einsame Stille einer Klause, würde ich als ideale Voraussetzung für einen gedeihlichen Diskurs (solange die Sinne noch KLAR sind) über diese Thematik ansehen.

Einzige Bedingung: Bitte vorher das Buch lesen. *g*

Gruß,
simpel

Pritzebilsky

#44 Beitrag von Pritzebilsky » 14.08.2009, 14:25

Nette Antwort! :)

simpel

#45 Beitrag von simpel » 22.09.2009, 12:36

Friedrich Schorlemmer
"Ich habe keinen Gott. Aber Gott hat mich."


Ich muss mich immer wieder bei der Lektüre dieses Buches zusammennehmen, um nicht in den Ruf einzustimmen: >>Hilfe, ich werde evangelisch!<< 8) :D

(Schrecklich, diese Sekundarliteratur!) :P

Engelchen

#46 Beitrag von Engelchen » 11.10.2009, 19:32

Gerade gelesen und sehr interessant gefunden.

http://www.berlinerliteraturkritik.de/d ... leben.html

Engelchen

#47 Beitrag von Engelchen » 13.10.2009, 11:04

Bei diesem Buch hat sich die bekannte katholische Theologin Ranke-Heinemann ziemlich ausgetobt. Ihr Giftnatterncharme ist bekannt.
Eine Fleißarbeit dieses Buch zu schreiben, war es mit Sicherheit.
Interessant ist es obendrein. Ein Klassiker....



http://www.amazon.de/Eunuchen-Himmelrei ... 3453165055

Lobo

#48 Beitrag von Lobo » 13.10.2009, 16:40

Engelchen hat geschrieben:Gerade gelesen und sehr interessant gefunden.
http://www.berlinerliteraturkritik.de/d ... leben.html
Klack!

abendstern_
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Registriert: 25.11.2007, 13:44

#49 Beitrag von abendstern_ » 13.10.2009, 16:52

Lobo hat geschrieben:
Klack!
ja Wahnsinn! Danke für diesen Hinweis!

Dieter

#50 Beitrag von Dieter » 14.10.2009, 06:42


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