Gegen die oekumenische Stagnation

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42

Gegen die oekumenische Stagnation

#1 Beitrag von 42 » 25.04.2008, 19:29

Ein Schwenk zu beiden grossen christlichen Konfessionen:

Anfang des Monats ist eine gemeinsame Veroeffentlichung katholischer und evangelischer Theologen mit dem Titel "Grund und Gegenstand des Glaubens nach roemisch-katholischer und evangelisch-lutherischer Lehre" erschienen, ISB-Nr. 978-3-16-149603-5. Das Neue an dieser Monographie ist, dass katholische Theologen die Grundlagen der evangelisch-lutherischen Lehre auslegen und umgekehrt. Das Projekt geht nicht auf eine Initiative der Kirchenleitungen zurueck, wird aber als Schritt gesehen, um die oekumenische Stagnation zu ueberwinden. Der Prorektor der Tuebinger Universitaet sieht in dem beispielhaften Ansatz die Chance, daraus vielversprechende Projekte fuer den religioesen und interkulturellen Dialog ableiten zu koennen.

Das Projekt entstand in einer Zusammenarbeit der Evangelisch-Theologischen Fakultaet an der Universitaet Tuebingen mit der Paepstlichen Lateran-Universitaet in Rom.

Quelle u.a.: epd (Evangelischer Pressedienst) 16/2008
Ev. Gemeindeblatt fuer Wuerttemberg 16/2008

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Stellen wir uns vor, Theologen beschreiben den Grund und Gegenstand des Glaubens nach neuapostolischer Lehre und umgekehrt. Es muss ja nicht gleich ein Theologieprofessor sein, einen Pilotlauf koennte ja vorerst "Cemper" bestreiten. :wink:

Oder stellen wir uns vor, die NAK und VAG beschreiben gegenseitig ihre Geschichte. Wie heisst es in einem Artikel aus dem Ev. Gemeindeblatt fuer Wuerttemberg, aus dem auch die Information oben stammt? "Die "methodische Empathie" - das Einfuehlen in die jeweils andere Denkweise - stellt sich als Erfolgsrezept des Projekts heraus.

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agape
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#2 Beitrag von agape » 14.10.2009, 19:03

Gegen die oekumenische Stagnation - 1,5 Jahre später

Wenn heutzutage die protestantische Basis den Grund und Gegenstand des Glaubens nach roemisch-katholischer Lehre formulieren müsste, wäre die ökumenische Stagnation beinahe besiegelt. :cry:

Die ökumenische Basis aller Konfessionen lässt sich aber nicht aufhalten. :D
In einigen Jahren wird man merken, was die Kirchenleitungen davon haben werden, wenn diese Kräfte links und rechts an ihnen vorbeilaufen.
Das kann schneller gehen, als ihnen lieb ist.

Davon abgesehen und zum aktuellen Fall "Gundlach": Man kann das Vorgehen als abgesprochenes Manöver zwischen allen im ökumenischen Dialog befindlichen Bischöfen verstehen. Eine andere Wahl haben Zollitsch und Müller und Marx kaum noch, als "in"-offiziell" angeschossen zu werden und damit "heulend" zur Glaubenskongregation zu rennen.

Ein Papst, der weiß (!) und sagt (!), wer alles "keine Kirche im Vollsinn" sei, hat doch schon im Vorfeld verloren.
Wer von der prot. Basis hat da noch Lust im ökum. Dialog zu "plaudern"?
Wer will diese "Lehre" weitertragen?

Über was darf und kann dann noch auf dem 2.ÖKT gesprochen werden?
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
Nach D.Sölle

42

#3 Beitrag von 42 » 14.10.2009, 19:49

Der Satz laesst mich auch nach mehr als einem Jahr nicht los:

Oder stellen wir uns vor, die NAK und VAG beschreiben gegenseitig ihre Geschichte - so lange, bis jeder zum anderen sagen kann: "Jetzt endlich habt ihr uns verstanden." Wie heisst es in einem Artikel aus dem Ev. Gemeindeblatt fuer Wuerttemberg, aus dem auch die Information oben stammt? "Die "methodische Empathie" - das Einfuehlen in die jeweils andere Denkweise - stellt sich als Erfolgsrezept des Projekts heraus.
Von Theologen koennen wir noch viel lernen. Selbst wenn es dort auch gelegentlich knirscht.

uhu-uli

#4 Beitrag von uhu-uli » 14.10.2009, 20:04

Hallo ihr Lieben,

ich sage es jetzt mal ganz platt ...

Ökumene kann für mich nur die Achtung des Glaubenszugang des anderen sein ... Wenn es dann möglich ist, gemeinsam Abendmahl zu feiern, ist es schön ... muss aber nicht ...

so wie es für mich schwer vorstellbar ist, an die Mutter Gottes zu beten, akzeptiere ich, dass jemand andere Vorstellungen hat, wie Abendmahl gefeiert wird, wie es im Himmel zugeht oder sein Gottesbild andere Facetten besitzt als mein eigenes Bild.

Für mich ist die Freiheit des persönlichen Zuganges, der Gottessuche und des persönlichen Gotterleben und Gottbeziehung ein wundervolles Geschenk ...

Alles Liebe
Eure Uli

42

#5 Beitrag von 42 » 14.10.2009, 20:20

Ökumene kann für mich nur die Achtung des Glaubenszugang des anderen sein ...
Ja, diese Achtung oder der Respekt muessen beiderseits vorhanden sein, sonst "funktioniert" Oekumene nicht. (Peng).

Wie koennte sich diese Achtung besser ausdruecken als darin, dass man den anderen verstanden hat? Das bedeutet nicht, dass man seine Glaubensauffassung teilt. Genau dies war das Ergebnis des eingangs geschilderten Projekts.

Cemper

Re: Gegen die oekumenische Stagnation

#6 Beitrag von Cemper » 14.10.2009, 20:31

42 hat geschrieben: Stellen wir uns vor, Theologen beschreiben den Grund und Gegenstand des Glaubens nach neuapostolischer Lehre und umgekehrt. Es muss ja nicht gleich ein Theologieprofessor sein, einen Pilotlauf koennte ja vorerst "Cemper" bestreiten. :wink:
42 -

ich hatte einige Zeit viel mit Theologieprofessoren und Praxistheologen zu tun. Einige Male - eher selten - habe ich versucht, mit ihnen über die Neuap. Kirche zu sprechen. Um es konkret zu beschreiben: Einer der Professoren wohnt in Sichtnähe einer NA-Kirche. Ich habe ihn gefragt, ob er schon mal den Gedanken hatte, dort einen Gottesdienst zu besuchen. Der Mann hat mich etwas irritiert angeschaut - etwa so, als hätte ich gefragt, ob er ... Ein anderer Fall: Ich saß nachmittags mit einer Pastorin im Dienstzimmer beim Tee. Das Telefon klingelte. Die Pastorin telefonierte einige Zeit. Dann kam sie zurück und sagte: "Das war eine ältere Frau aus der Neuapostolischen Kirche; sie hat gefragt, ob sie mal mit mir reden könnte. Weißt Du, was das ist: Neuapostolische Kirche?" Ein drittes Beispiel: Ich habe einem Pastor den im Internet abrufbaren kurzen Filmbericht von der Ordination des Stammapostels der NAK - Dr. Leber - gezeigt. Der Pastor hat zwei Minuten hingeschaut. Dann sagte er: "Was es alles gibt ..." Dann nahm er ein Buch aus dem Regal und ging in ein anderes Zimmer.

Suchen Sie mal einen Theologieprofessor oder Theologen, der sich auf Ihren Plan - Ihren Gedanken - einlässt. Wenn Sie einen gefunden haben, schicke ich einen Karton Bordeaux der besseren Art.

Ich bedaure, dass das so ist; aber es ist so.

Cemper

42

#7 Beitrag von 42 » 14.10.2009, 21:11

Ich weiss, dass ich diesen Bordeaux leider nicht werde einfordern koennen, Herr Cemper :wink: Deshalb habe ich ja auch nur einen "Pilotlauf" vorgeschlagen. Ich bitte uebrigens nachtraeglich um Nachsicht, wenn ich ohne vorherige Rueckfrage laut an Sie gedacht hatte, auch wenn ich diesen Gedanken an eine analoge Umsetzung aus den von Ihnen genannten Gruenden - denen ich meinen Erfahrungen zufolge nur zustimmen kann - nicht wirklich ernst gemeint hatte. Fazit: der Lerneffekt, der sich beim katholisch-evangelischen Projekt den Berichten zufolge eingestellt hat, wird sich nicht auf die NAK uebertragen lassen.

Den Gedanken mit der historischen Aufarbeitung kann ich mir jedoch vorstellen. Ob das die Kirchenleitungen ebenfalls koennten, sei dahingestellt.

_
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Re: Gegen die oekumenische Stagnation

#8 Beitrag von _ » 15.10.2009, 10:02

@cemper

die drei angeführten beispiele zeigen deutlich, dass die nak im theologischen umfeld selbst in ihrem ursprungsland keinerlei relevanz besitzt. zurecht, wie ich meine, denn die nak war bis vor kurzem nahezu vollkommen bar jeder durchgängigen theologie. nach der abspaltung von der kag wurden ja nur noch neue flicken auf's alte kleid genäht, resultat siehe mt9,16. mittlerweile versucht man sich ja immerhin (so hörte ich jedenfalls) an einer mit heißer nadel selbstgestrickten synthetischen gnadendecke, die allerdings bisher nur die form eines feigenblatts mit der goldprägung "der neue glaube" oder so erreicht hat (shalom weiß da mehr). für sowas würde ich mich wohl auch kaum interessieren als theologe. oder interessieren sich staatsrechtler etwa intensiv für die verfassung der principality of sealand?

Cemper hat geschrieben:Ich bedaure, dass das so ist; aber es ist so.
ich für meinen teil bedaure das nicht, sondern bin froh, dass sich christliche theologen mit wichtigerem beschäftigen als den überresten der hirngespinste und wunschträume seniler altnazis von vor 60 jahren.

mfg, _

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