Maria 2.0: Katholische Frauen treten ab heute in den Kirchenstreik

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Andreas Ponto
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Maria 2.0: Katholische Frauen treten ab heute in den Kirchenstreik

#1 Beitrag von Andreas Ponto » 11.05.2019, 12:05

Maria 2.0: Katholische Frauen treten ab heute in den Kirchenstreik

Sie wollen kein Gotteshaus betreten und keine Dienste tun: "Maria 2.0": Katholische Frauen treten in den Kirchenstreik. So titelt katholische.de.

Es rumort an der Basis.
Dir Katholische Kirche beschäftigt zur Zeit Themen wie Zölibat, Mißbrauchskandale, Weihe von Priesterinnen und nicht zuletzt der ökumenische Zwischenfall in Ravensburg zur gegenseitigen Eucharistie-/ Abendmahls-Einladung.

Katholikinnen in Münster rufen nun die katholischen Frauen in Deutschland dazu auf für eine Woche ihren Dienst ruhen zu lassen.
Auch die ARD berichtet dazu: Maria 2.0: Frauen beginnen mit Kirchenstreik

Und auf facebook ist die Aktion ebenso zu finden: "Maria 2.0".

Frauen in der Kirche lautet eine Doku auf ARD zum 1903 von katholischen Frauen in Köln gegründeten "Katholischen Deutschen Frauenbund".
"Die Gründerinnen erkannten schon damals, dass Bildung für Frauen der Schlüssel zum Erfolg ist."

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Re: Maria 2.0: Katholische Frauen treten ab heute in den Kirchenstreik

#2 Beitrag von Andreas Ponto » 11.05.2019, 15:47

So und nun bin ich auch bis zu der Initiative "Maria 2.0" unter http://www.mariazweipunktnull.de/, entstanden aus einem Lesekreis in der Gemeinde Heilig Kreuz in Münster vorgedrungen.

Dort ist alles über die Entstehung von "Maria 2.0" "Wie alles anfing und wie es dann weiter ging…", dem Offenem Brief an den Papst und die damit verbundene Online-Petition (scheint gerade en vogue), sowie dem Streikaufruf in der Woche vom 11. bis zum 18. Mai 2019 direkt nachzulesen.

Unter Echo http://www.mariazweipunktnull.de/archiv/ kann man die verschiedenen Reaktionen seit 10. Februar 2019 nachverfolgen.

Wer selbst in Aktion treten möchte findet dort auch Materialien als Download-Angebot unter http://www.mariazweipunktnull.de/downloads/ für die Arbeit und Aktivitäten vor Ort.

Und wer die Damen mal sehen möchte, findet hier ein paar Gesichter auf einer Pressekonferenz.

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Re: Maria 2.0: Katholische Frauen treten ab heute in den Kirchenstreik

#3 Beitrag von Andreas Ponto » 11.05.2019, 16:15

Dieses Plakat der Aktion finde ich cool: Vermisst - Apostelin Maria Magdalena, Diakonin Phoebe und Bischöfin Theodora
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Vermisst: Apostelin Maria Magdalena, Diakonin Phoebe und Bischöfin Theodora
59869789_322494228665735_4946299528820031488_n.jpg (73.5 KiB) 394 mal betrachtet
Quelle: Vermisst der Aktion Maria 2.0 auf facebook

Eine Adaption des Sliders der Womens's Ordination Conference.

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Andreas Ponto
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Re: Maria 2.0: Katholische Frauen treten ab heute in den Kirchenstreik

#4 Beitrag von Andreas Ponto » 17.05.2019, 12:02

Maria 2.0 findet nachhaltig Unterstützung in den Medien.

Hier ein Zitat aus dem aktuellen Artikel zum Kirchenstreik der Maria 2.0 Bewegung auf Tagesschau.de:
"...
Die stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Agnes Wuckelt, sagt voraus,
dass Frauen die katholische Kirche scharenweise verlassen werden, wenn die derzeitigen Proteste keine Wirkung zeigen.
..."

Auf der Home-Page der kfd titelt aktuell folgender Artikel: Erneuerung der Kirche dringender denn je.

So kurz vor Pfingsten komme ich in die Versuchung um Erleuchtung oder besser Bekehrung des Patriarchats zu bitten:
"Männer! Dankt ab und teilt endlich redlich!

Vielleicht geschieht ja doch noch ein Pfingstwunder 4.0, oder so.

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Re: Maria 2.0: Katholische Frauen treten ab heute in den Kirchenstreik

#5 Beitrag von holytux » 17.05.2019, 12:22

Freilich scheint es mir wichtiger zu sein, wie groß die Unterstützung INNERHALB der RKK-Basis ist, und nicht, wie sich diesbezüglich der Applaus säkularer Medien entwickelt.
Und da sieht es eher bescheiden aus.
Was die ganze Sache nicht besser macht: Grundsätzlich brechen bei solchen (durchaus verständlichen) Aktionen Dämme auf allen Seiten und es kommt zu Auswüchsen, die neue Gräben aufreißen und "fromme Gläubige" innerhalb der RKK (die aber genauso Respekt verdienen!) verletzen und das Grundanliegen zerstören. (zB. so: klick)

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Re: Maria 2.0: Katholische Frauen treten ab heute in den Kirchenstreik

#6 Beitrag von Andreas Ponto » 17.05.2019, 14:54

Hallo holytux,

wie ist dein Post zu verstehen. Wie ist deine persönliche Position?

Sollen Frauen auf die Ihnen auch innerhalb der Kirche zustehende Gleichberechtigung um des lieben Friedens willen oder mangels Mehrheit unter den Gläubigen auf ihren Anspruch verzichten?

Dürfen "fromme Gläubige" sich durch den natürlichen Anspruch der Frau verletzt fühlen?
Ist darauf deiner Meinung nach Rücksicht zu nehmen?

Oder ist im Sinne der Gesellschaft, der Aufklärung und der berechtigten Ansrpüche der Frau zu handeln?

Ist Reformation wie z.B. bei Luther ungut, weil sie Unfrieden stiftet?
Ist daher um des Friedens willen Unrecht zu ertragen?

Wie ist deine Lösung; wie denkst du, dass sich die Frauen deiner Meinung nach in dieser Frage verhalten sollten?

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Re: Maria 2.0: Katholische Frauen treten ab heute in den Kirchenstreik

#7 Beitrag von holytux » 17.05.2019, 16:04

wie ist dein Post zu verstehen. Wie ist deine persönliche Position?
Ich habe vorsichtige Bedenken geäußert und dies auch versucht an einem Link zu verdeutlichen. Nicht mehr und nicht weniger.
Sollen Frauen auf die Ihnen auch innerhalb der Kirche zustehende Gleichberechtigung um des lieben Friedens willen oder mangels Mehrheit unter den Gläubigen auf ihren Anspruch verzichten? Dürfen "fromme Gläubige" sich durch den natürlichen Anspruch der Frau verletzt fühlen?
Ist darauf deiner Meinung nach Rücksicht zu nehmen?
Dein Duktus befremdet mich.
Solltest Du der Meinung sein, es sei doch völlig in Ordnung, das eine Mariendarstellung wie auf dem von mir verlinkten Beispiel präsentiert wird, dann ist das eben so.
Wenn Du Dich allerdings ein wenig tiefer in die Entwicklung und Ausprägung der Marienfrömmigkeit in der Kirchengeschichte einlässt, wirst Du vielleicht manches ein wenig anders sehen. Dann würdest Du vielleicht etwas sensibler beurteilen, ob es denn richtig sei, eine Mariendarstellung mit Vulvengewand zu offerieren, um die römisch-katholische Kirche voranzubringen und möglichst viele Gläubige zu begeistern.
Ist Reformation wie z.B. bei Luther ungut, weil sie Unfrieden stiftet?
Umgekehrt: Reformation ist aus meiner Sicht dann gut, wenn das Ergebnis diese Bewertung rechtfertigt.
Mehr wage ich jetzt nicht zu sagen...
(Und gleichermaßen werde ich mir zu gegebener Zeit auch meine persönliche Meinung zu Maria 2.0 bilden)
Ist daher um des Friedens willen Unrecht zu ertragen?
Diese Frage werden Christen immer mit "JA" beantworten müssen, wenn sie das Evangelium ernstnehmen.
Wie ist deine Lösung; wie denkst du, dass sich die Frauen deiner Meinung nach in dieser Frage verhalten sollten?
Ich habe keine Lösung, das ist glücklicherweise auch nicht meine Aufgabe.
Ich weiß nur, dass ICH mich in den letzten Jahren glaubensmäßig sehr verändert habe und meine Kirche nicht annähernd mit dieser Änderung Schritt halten kann. Die Konsequenz wird darin bestehen, dass ich mir zu einem Zeitpunkt x (den ich mir wähle) eine andere geistige Heimat suchen werde.
Das würde ich jedem raten, der mit dem Tempo seiner Kirche nicht klar kommt.
Wenn jeder SEINE KIrche durchsetzen will, wird es am Ende keine Kirche mehr geben.

FG
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Maria 2.0: Katholische Frauen treten ab heute in den Kirchenstreik

#8 Beitrag von Andreas Ponto » 17.05.2019, 23:56

Lieber holytux,

die Darstellung der Vulva wird meines Wissens nach aktuell und seit dem Weltfrauentag im März diesen Jahres von der Befreiungstheologie als Plädoyer für die sexuelle Befreiung der Frau verwendet. Anlässlich des Weltfrauentages 2019 war ich selbst im März in Heidelberg im Kino, bei der anschließenden Diskussion und vorher in der theologischen Fakultät. Dort in der theologischen Fakultät standen zwei Stellwände mit Porträts bedeutender Theologinnen und eben auch eine Handzeichnung mit der Mariendarstellung inkl. Vulva analog zu der nun hier von dir verlinkten Darstellung. Sobald ich es gefunden habe, werde ich das Foto hier nachreichen.

Die Anliegen der Bewegung und des Films #female plesure (Trailer) und der Befreiungstheologie (http://www.befreiungstheologisches-netzwerk.de) sind meiner Meinung nach tiefgehend, begründet und ernst zu nehmen. Vor dem Hintergrund der elementaren Forderungen, dem Anliegen und der Jahrhunderte alten Dämonisierung sowie Negierung und Verleugnung der Frau, kann ich der Darstellung der Vulva als aufrüttelndes, anklagendes, provokantes und einforderndes Zeichen einiges an Sympathie abgewinnen.

Schau dir mal so manche Steinmetzarbeit an Kirchen an. Wer genauer hinsieht, sieht dort mehr Obszönes, als einem vielleicht lieb ist. Diese Obszönität dient hier aber einem aus meiner Sicht legitiemen Protest gegen die Unterdrückung der Frau; u.a. auch ihrer Sexualität.

Hier ein Zitat zum Film #female pleasure auf der Seite des Karlstorkinos in Heidelberg:
"...
Das älteste Unrecht der Welt: die Regisseurin Barbara Miller zeigt an fünf Beispielen, wie es Frauen gelingen kann, aus einer jahrhundertelangen Tradition oft religiös begründeter Unterdrückung durch das Patriarchat auszubrechen und zu einem unabhängigen Leben und einer selbstbestimmten Sexualität zu finden. Sie traf dabei eine jüdische Schriftstellerin, eine indische Human-Rights-Aktivistin, eine Katholikin, eine somalische Therapeutin und eine japanische Künstlerin. So verschieden wie sie als Persönlichkeiten sind, so einig sind sie im Kampf gegen Sexismus. Eine außergewöhnlich engagierte Dokumentation.
..."

Quelle: Karlstorkino.de, zuletzt abgerufen 2019-05-18

Die Darstellung der Vulva ist hier eindeutig und klar als emanzipatorisches Element der Frau im kirchlichen Kontext zu verstehen. Dämonisierte weibliche Sexualität soll als natürlich, selbstbestimmt und von Gott gegeben dargestellt werden. Es ist auch und gerade im katholischen Kontext ein Aufschrei und Protest gegen den vielfach und Jahrhunderte lang durch die Institution Kirche und dem männlichen Klerus geduldeten und gedeckten sexuellen Missbrauch an Kinder und Frauen.

Der nicht dargestellte Missbrauch ist wesentlich ekelerregender und läuft in wunderbaren Gewändern durch die Hallen Gottes oder wird mit einem goldenen Handschlag still und heimlich entsorgt. Das ist der eigentliche Skandal!

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#9 Beitrag von Andreas Ponto » 18.05.2019, 00:10

holytux hat geschrieben:
17.05.2019, 16:04
...
Ist Reformation wie z.B. bei Luther ungut, weil sie Unfrieden stiftet?
Umgekehrt: Reformation ist aus meiner Sicht dann gut, wenn das Ergebnis diese Bewertung rechtfertigt.
Mehr wage ich jetzt nicht zu sagen...
(Und gleichermaßen werde ich mir zu gegebener Zeit auch meine persönliche Meinung zu Maria 2.0 bilden)
Ist daher um des Friedens willen Unrecht zu ertragen?
Diese Frage werden Christen immer mit "JA" beantworten müssen, wenn sie das Evangelium ernstnehmen.
...
Hier entgegne ich dir ausnahmsweise mal mit einem Abschnitt aus dem Matthäusevangelium:


Oder mit Martin Luther:
„Friede wenn möglich, aber die Wahrheit um jeden Preis."

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Re: Maria 2.0: Katholische Frauen treten ab heute in den Kirchenstreik

#10 Beitrag von Andreas Ponto » 18.05.2019, 00:23

holytux hat geschrieben:
17.05.2019, 16:04
...
Wie ist deine Lösung; wie denkst du, dass sich die Frauen deiner Meinung nach in dieser Frage verhalten sollten?
Ich habe keine Lösung, das ist glücklicherweise auch nicht meine Aufgabe.
Ich weiß nur, dass ICH mich in den letzten Jahren glaubensmäßig sehr verändert habe und meine Kirche nicht annähernd mit dieser Änderung Schritt halten kann. Die Konsequenz wird darin bestehen, dass ich mir zu einem Zeitpunkt x (den ich mir wähle) eine andere geistige Heimat suchen werde.
Das würde ich jedem raten, der mit dem Tempo seiner Kirche nicht klar kommt.
Wenn jeder SEINE KIrche durchsetzen will, wird es am Ende keine Kirche mehr geben.
...
Ist es nicht unsere Aufgabe als Christen den Unterdrückten, die feststellen, dass sie nicht länger als Unmündige behandelt werden wollen und daher gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung aufstehen, beizustehen?

Klar, ich habe es gemacht wie du. Als ich erkannt habe, dass diese Gemeinschaft nichts mehr für mich ist und ich damit so ziemlich alleine auf weiter Flur stehe, bin ich gegangen.

Hier geht es aber um eine breite und aktive Bewegung von Frauen, die nicht gehen wollen, sondern vielmehr ihr Anrecht einfordern in Ihrer geistigen Heimat als vollwertige und gleichberechtigte Glieder am Leib Christi angenommen zu werden.

Nicht diese Frauen müssen sich (ver-)ändern, sondern die rückständige, patriarchale Kirche muss sich öffnen, Toleranz und Gleichberechtigung lehren und leben lernen.

Frauen sind hier keinesfalls mit "jeder SEINE Kirche durchsetzen will" gleichzusetzen.
Frauen sind voll- und gleichwertiger Teil der Kirche Christi.

Sie fordern lediglich ihr unveräusserliches Grund- und Menschenrecht ein.

LG
Andreas

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