Ravensburger Erklärung zur gegenseitigen Gastfreundschaft ev. u kath. Gemeinde bei Abendmahl u. Eucharistie gescheitert

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Sollen gemeinsame Abendmahl- und Eucharistiefeiern grundsätzlich möglich sein?

Ja, aus meiner Sicht spricht nichts dagegen.
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Andreas Ponto
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Ravensburger Erklärung zur gegenseitigen Gastfreundschaft ev. u kath. Gemeinde bei Abendmahl u. Eucharistie gescheitert

#1 Beitrag von Andreas Ponto » 28.04.2019, 14:00

Rückschlag für ökumenische Annäherung:
Der katholische Bischof Fürst hat die bemerkenswerte Ravensburger Erklärung zu gegenseitigen Gastfreundschaft von evangelischen und katholischen Gemeinden bei Abendmahl und Eucharistie Ende 2018 aufgekündigt. Der katholische Pfarrer Hermann Riedle musste sich auf Weisung seines Bischofs von der von ihm zusammen mit dem evangelischen Pfarrer Martin Henzler-Hermann und dem Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp am 8. Oktober 2017 unterzeichneten Ravensburger Erklärung distanzieren.

Nach der Reformation wird Ravensburg 1649 eine sogenannte paritätische Reichsstadt. Durch viele gemischtkonfessionelle Ehen ist hier der Wunsch nach gegenseitiger Gastfreundschaft bei der jeweiligen Mahlfeier besonders groß. Nun ist das Projekt vorerst gescheitert und die Basis, die das Projekt mehrheitlich befürwortet entsprechen frustriert (24. Oktober 2018: Mehrheit will ökumenisches Abendmahl).
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Umfrage schwaebische Zeitung gemeinsames Abendmahl 2019.jpg
Umfrage der Schwäbischen Zeitung zur gegenseitigen Gastfreundschaft bei Abendmahlsfeiern.
Umfrage schwaebische Zeitung gemeinsames Abendmahl 2019.jpg (30.12 KiB) 528 mal betrachtet

Bischof Fürst hat Ende 2018 in einem Machtwort aus Anlass einer wieder anstehenden gemeinsamen Abendmahlsfeier diese von katholischer Seite aus untersagt. Siehe dazu auch die Berichte in Deutschlandfunk vom 01. November 2018: Gemeinsames ökumenisches Abendmahl sorgt für Streit.

Nun hat Bischof Fürst im März 2019 in Ravensburg vor ca. 400 interessierten Zuhörern Stellung bezogen und seine klare Haltung aus Sicht des Kirchenrechts bekräftigt (Berichte auf SWR, Domradio und Der Bischof bleibt beim Nein). Die evangelische Seite hält weiter daran fest und lädt alle Christen anderer Konfessionen die möchten weiterhin zum Abendmahl ein "Der evangelische Pfarrer Martin Henzler-Hermann ... werde weiterhin ganz offiziell "die Geschwister im Glauben" zum Abendmahl einladen.".

Ein Gedanke dazu. Beim ersten offiziell bekannten Abendmahl hat Jesus selbst den "Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir am Tisch"-Jünger nicht von der Feier ausgeschlossen. Auch hat Jesus bei allen anderen nicht gefragt, welche Confessiones sie jeweils vertreten oder vielleicht einmal später vertreten werden.

holytux
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Re: Ravensburger Erklärung zur gegenseitigen Gastfreundschaft ev. u kath. Gemeinde bei Abendmahl u. Eucharistie gescheit

#2 Beitrag von holytux » 28.04.2019, 16:54

Die Entwicklung kann niemanden ernstlich überraschen, der sich ein wenig mit der Thematik beschäftigt.
Zunächst einmal handelt es sich hier um eine lokale, letztlich "private" Initiative. Bei allem Respekt, da unterzeichnen zwei Pfarrer und ein Oberbürgermeister ein Papier und daraus soll dann eine kirchenrechtlich wirksame Konsequenz entstehen?

Bischof Fürst konnte überhaupt nicht anders, vielmehr hat er am 25.03.19 versucht, etwas aus der Situation zu "retten". Man kann das alles nachlesen, sollte sich dabei aber auch vor Augen führen, dass die Sache mehr bedeuten kann, als gemeinsam eine Oblate zu verzehren. Und dass man enthusiastisch und durchaus mit Ernst über das Thema streiten kann, wissen beide Konfessionen auch aus Jahrhunderte alten Auseinandersetzungen, selbst intern. Da gibt es bis heute Trennungen, man sollte also nicht den Anschein erwecken, dass sei alles doch ganz einfach.

Es ist meine feste Überzeugung, dass die Eucharistiegemeinschaft kommt. Aber nicht als "Volksbegehren".
Die Situation ist theologisch so kompliziert, dass ein publikumswirksames Agieren aus meiner Sicht eher destruktiv wirkt. Wer in den letzten Jahren genau hingehört hat, was aus Rom für Zwischentöne gekommen sind, würde eventuell etwas diplomatischer vorgehen.
Vielleicht zum besseren Verständis:
BESUCH DER EVANGELISCH-LUTHERISCHEN KIRCHE IN ROM
Antworten des Heiligen Vaters auf die während der Begegnung vorgetragenen Fragen:
Sonntag, 15. November 2015
Ich heiße Anke de Bernardinis, und wie viele Menschen unserer Gemeinde bin ich mit einem Italiener verheiratet, einem römisch-katholischen Christen. Seit vielen Jahren leben wir glücklich miteinander und teilen Freud und Leid. Daher schmerzt es uns sehr, dass wir im Glauben getrennt sind und am Abendmahl des Herrn nicht gemeinsam teilnehmen können. Was können wir tun, um endlich die Gemeinschaft in diesem Punkt zu erlangen?

Danke, Frau de Bernardinis. Auf die Frage über das gemeinsame Abendmahl des Herrn zu antworten, ist nicht einfach für mich, vor allem vor einem Theologen wie Kardinal Kasper. Da „fürchte“ ich mich! Ich denke: Der Herr hat uns gesagt, als er diesen Auftrag gab: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Und wenn wir das Abendmahl des Herrn teilen, erinnern wir daran und ahmen wir nach, tun wir das Gleiche, was Jesus der Herr getan hat. Und das Mahl des Herrn wird es geben, das Hochzeitsmahl am Ende wird es geben, aber dieses wird das letzte sein. Unterwegs hingegen, frage ich mich – und ich weiß nicht, wie antworten, aber ich mache mir Ihre Frage zu Eigen – da frage ich mich: das Abendmahl des Herrn zu teilen ist das Ende eines Weges oder die Stärkung auf dem Weg, um gemeinsam voranzuschreiten? Ich überlasse die Frage den Theologen, denen, die es verstehen. Es stimmt, dass in einem gewissen Sinn teilen heißt, dass keine Unterschiede zwischen uns bestehen, dass wir die gleiche Lehre haben – ich unterstreiche das Wort, ein schwer zu verstehendes Wort –, doch frage ich mich: Aber haben wir nicht die gleiche Taufe? Und wenn wir die gleiche Taufe haben, müssen wir gemeinsam gehen. Sie sind ein Zeugnis eines auch tiefgründigen Weges, da es ein ehelicher Weg ist, ein Weg eben von Familie, menschlicher Liebe und geteiltem Glauben. Wir haben die gleiche Taufe. Wenn Sie sich als Sünderin fühlen – auch ich fühle mich sehr als Sünder –, wenn Ihr Gatte sich als Sünder fühlt, dann gehen Sie vor den Herrn und bitten um Vergebung; Ihr Gatte tut das Gleiche und geht zum Priester und bittet um die Lossprechung. Es sind Heilmittel, um die Taufe lebendig zu erhalten. Wenn Sie gemeinsam beten, dann wächst diese Taufe, wird sie stärker. Wenn Sie Ihre Kinder lehren, wer Jesus ist, warum Jesus gekommen ist, was Jesus uns getan hat, so tun Sie das Gleiche, mit lutherischer wie auch mit katholischer Sprache, doch ist es das Gleiche. Die Frage: „Und das Abendmahl?“ Es gibt Fragen, auf die man – nur wenn man ehrlich zu sich selbst ist und mit den wenigen theologischen „Lichtern“, die ich habe – ebenso antworten muss, Sie sehen es. „Das ist mein Leib, das ist mein Blut“, hat der Herr gesagt, „tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Und das ist eine Stärkung auf dem Weg, die uns voranzuschreiten hilft. Ich pflegte eine große Freundschaft mit einem Bischof der Episkopalkirche, 48 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, der diese große Unruhe hatte: die Frau katholisch, die Kinder katholisch, er Bischof. Sonntags begleitete er seine Frau und seine Kinder zur Messe, und dann ging er den Gottesdienst in seiner Gemeinde feiern. Es war ein Schritt der Teilnahme am Abendmahl des Herrn. Dann ging er weiter, der Herr hat ihn gerufen, einen gerechten Mann. Auf Ihre Frage antworte ich nur mit einer Frage: Wie kann ich es mit meinem Mann machen, damit das Abendmahl des Herrn mich auf meinem Weg begleitet? Es ist ein Problem, auf das jeder antworten muss. Ein befreundeter Pastor sagte mir jedoch: „Wir glauben, dass hier der Herr gegenwärtig ist“. Er ist gegenwärtig. Ihr glaubt, dass der Herr gegenwärtig ist. Was ist der Unterschied?“ – „Nun, es sind die Erklärungen, die Deutungen …“ Das Leben ist größer als Erklärungen und Deutungen. Nehmt immer auf die Taufe Bezug: „Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr“, sagt uns Paulus, und von daher zieht die Schlussfolgerungen. Ich werde nie wagen, Erlaubnis zu geben, dies zu tun, denn es ist nicht meine Kompetenz. Eine Taufe, ein Herr, ein Glaube. Sprecht mit dem Herrn und geht voran. Ich wage nicht mehr zu sagen.
(Nachzulesen auf der Seite des Vatikan)

FG
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Joseph Ratzinger

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Re: Ravensburger Erklärung zur gegenseitigen Gastfreundschaft ev. u kath. Gemeinde bei Abendmahl u. Eucharistie gescheit

#3 Beitrag von Andreas Ponto » 28.04.2019, 19:28

holytux hat geschrieben:
28.04.2019, 16:54
...
Es ist meine feste Überzeugung, dass die Eucharistiegemeinschaft kommt. Aber nicht als "Volksbegehren".
...
Und warum nicht?
Ist man doch schon auf dem Weg unter bestimmten Voraussetzungen konfessionsverschiedenen Paaren die Teilnahme an der Eucharistie zu erlauben (2018-02-23: "... Die katholischen Bischöfe wollen konfessionsverschiedenen Ehepaaren in bestimmten Fällen die gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie ermöglichen. ... ").

Wenn die katholische Kirche bei nicht katholischen Ehepartnern von einer Gesinnungsprüfung abhängig machen möchte, ob diese im Einzelfall zugelassen werden ("... Der Priester solle im Einzelfall beurteilen, ob "der Glaube der katholischen Kirche" geteilt wird, sagte Marx. ..."), müsste dann nicht bei jedem einzelnen katholischen Eucharistie-Teilnehmer vorher ebenfalls die Gesinnung geprüft werden?

Denn mir ist nicht verständlich, wie man bei einer Volkskirche davon ausgehen kann, dass alle, die quasi aufgrund einer Familien- und Regions-Zugehörigkeit in eine Volkskirche hineingeboren wurden, das Verständnis zur Eucharistie 1:1 teilen. Dies anzunehmen ist aus meiner Sicht an Ignoranz nicht zu überbieten.

Wer Volkskirche sein möchte (oder muss) sollte sich bewusst sein, dass selbst innerhalb der Gemeinschaft große Unterschiede bzgl. der konkreten Glaubensüberzeugungen herrschen. Mich wundert, wie diese Kirche in der Lage war all die vielen volkstümlichen Brauchtümer zu integrieren, ohne dass die Inquisition eingeschritten ist und ganze Landstriche exkommuniziert hat.

Und warum wird der katholischen Seite eines Paares von der katholischen Kirche selbst untersagt, beim evangelischen Abendmahl teilzunehmen, wenn es doch ohnehin ungültig ist?

Das mit Theologie zu begründen ist aus meiner Sicht vorgeschoben. Hier geht es um Macht: Wir, die katholische Kirche sind wahre und einzige Kirche.
Da nützt alle ökumenische Eierfärberei nicht.

Worum es mir aber in der Diskussion eigentlich geht ist die zunehmende Entfremdung von (Noch-)Volkskirche und säkularer Gesellschaft. Kirche verliert den Anschluss - katholisch wie evangelisch. Und das nur, weil man nicht verstanden hat, dass man den Menschen zwar ein Glaubensangebot unterbreiten, aber ihnen eben nicht mehr vorschreiben kann, was davon sie wie annehmen und umsetzen. Die Sturheit der Kirchenoberen, nicht der Theologen, richtet Kirche in Europa zugrunde und versagt so den Menschen ihre seelsorgerliche Gegenwart.

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Re: Ravensburger Erklärung zur gegenseitigen Gastfreundschaft ev. u kath. Gemeinde bei Abendmahl u. Eucharistie gescheit

#4 Beitrag von holytux » 28.04.2019, 20:48

Worum es mir aber in der Diskussion eigentlich geht ist die zunehmende Entfremdung von (Noch-)Volkskirche und säkularer Gesellschaft. Kirche verliert den Anschluss - katholisch wie evangelisch. Und das nur, weil man nicht verstanden hat, dass man den Menschen zwar ein Glaubensangebot unterbreiten, aber ihnen eben nicht mehr vorschreiben kann, was davon sie wie annehmen und umsetzen. Die Sturheit der Kirchenoberen, nicht der Theologen, richtet Kirche in Europa zugrunde und versagt so den Menschen ihre seelsorgerliche Gegenwart.
Ich teile Deine Sorgen voll und ganz, kann aber den Zusammenhang nicht erkennen.
Soll die Kirche nur noch die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, in der dann jeder seine spirituelle Wohlfühlecke einrichtet?
Aus meiner Sicht ist das Evangelium kein Spaß, sondern es geht um viel, es geht um Alles!
Es scheint mir zu einfach "die da Oben" für den Niedergang der Kirche in Europa als ursächlich auszumachen. Und wenn der Niedergang gerade darin besteht, das der christliche Glaube zu Wellness-Oasen umgestaltet wird?
Ist es nicht gerade so, dass gerade im christlich-evangelikalen Bereich erhebliches Wachstum (zumindest zahlenmäßig) zu verzeichnen ist. Gerade dort, wo es eher konservativ/streng zugeht? Gleiches lässt sich übrigens auch im katholischen Umfeld beobachten. (Ich bewerte das nicht, aber es ist so)
Gibt es auch nur den kleinsten Anlass, anzunehmen, es wird in Deutschland eine Neubelebung der Volkskirchen stattfinden, wenn die "Lieblingsthemen" der progressiven Fraktionen abgearbeitet werden (ohne die jetzt alle benennen zu wollen)?
Es ist wirklich kompliziert und ich habe auch keine Rezepte.
Was ich aber mittlerweile wahrzunehmen glaube, ist, das noch keine "Modernisierung" zum großen "Weckruf" geführt hat.
Insofern hat das "gemeinsame Abendmahl" gewiss eine innerkirchliche Bedeutung, und die Öffentlichkeit wird sagen: "Fein gemacht!" Auf das von Dir thematisierte grundsätzliche Problem hat es keinerlei Auswirkung, befürchte ich.

Grüße
H.
"Wenn alle Liebe Ewigkeit will - Gottes Liebe will sie nicht nur, sondern wirkt und ist sie."
Joseph Ratzinger

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Re: Ravensburger Erklärung zur gegenseitigen Gastfreundschaft ev. u kath. Gemeinde bei Abendmahl u. Eucharistie gescheit

#5 Beitrag von holytux » 20.05.2019, 17:08

Es gibt erfreulicherweise auch Positives:

KLICK
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Re: Ravensburger Erklärung zur gegenseitigen Gastfreundschaft ev. u kath. Gemeinde bei Abendmahl u. Eucharistie gescheit

#6 Beitrag von Andreas Ponto » 20.05.2019, 22:12

Hallo holytux,

vielen Dank!

Hab das etwas aufbereitet: Regensburger Religionsgespräch 2019.

LG
Andreas

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