Image - Zwischen Selbstbild, Scheinbild & Erwartungsdruc

Für Zweifler und andere gute Christen
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uhu-uli

Image - Zwischen Selbstbild, Scheinbild & Erwartungsdruc

#1 Beitrag von uhu-uli » 14.04.2008, 10:15

Hallo zusammen,

an verschiedenen Stellen scheinen wir uns einem Thema aus unterschiedlichen Richtungen zu nähern:

Zerrissen sein zwischen eigenen Gefühlen und Erwartungen

Rollenbilder zwängen uns zum Spielen von Rollen, die nicht unseren Gefühlen entsprechen. Und die große Frage, wie befreie ich mich und komme in Einklang mit meinen Gefühlen, meinem Wollen und meinem Handeln?

Bei Rollenbildern denke ich an:

- "Wann ist ein Mann ein Mann?"
- "Gotteskind - auch ich will.."
- "Liebes Kind - Geliebtes Kind"
- "Seelsorger - Verantwortung für anvertraute Seelen"


bestimmt gibt es noch viele mehr, deren Erwartungen uns drücken ...

Das Erkennen eines Rollenmusters in einer Beziehung ist sicherlich ein erster Schritt um etwas zu verändern. Das hat immer etwas mit Veränderung zu tun, mit Loslassen und Neubeginn und häufig geht es nicht schmerzfrei von statten.

An diese Rollen denke ich, wenn Hannes oder Maxi von ihrem Vater schreiben .. wenn wir von den Vorgängen in Pößneck schreiben .. wenn ich über das Wagen neuer Wege schreibe ... wenn uns die Sehnsucht umtreibt angenommen zu werden und Raum zu finden mit allen unseren Ecken und Macken usw.

Anderseits sehe ich es auch als Aufgabe dem Nächsten so zu begegnen, dass ich offen bin, ihn nicht in eine Schublade stecke, sondern seine Andersartigkeit aushalte, versuche nachzuvollziehen und meine Sicht ihm vorstellen darf, ohne ihn verbiegen zu wollen.

Das wäre ein Ideal, denn ich spüre selber, das meine Gelassenheit ganz schnell beendet ist, wenn jemand mich verletzt und ich betroffen bin ... Schwupps ist das Aggressive Muster ( darf ich es als Selbstschutz verniedlichen?) wieder da.

Eine friedliche Woche
Eure Uli

Maximin

ECHTSEIN...

#2 Beitrag von Maximin » 16.04.2008, 19:11

:) Liebste Uli,
Du resümierst: „Das wäre ein Ideal, denn ich spüre selber, das meine Gelassenheit ganz schnell beendet ist, wenn jemand mich verletzt und ich betroffen bin ... Schwupps ist das Aggressive Muster (darf ich es als Selbstschutz verniedlichen?) wieder da.“

Na klar darfst Du verniedlichen. Das führt nämlich geradewegs zu der Frage was ist eigentlich ein Image? Frage mal den großen Brockhaus oder Meyers Lexikon. Viel Nebel. Mir gefällt die Negativ-Formulierung: "Image ist das, was man braucht, damit die andern denken, dass man so ist, wie man gern wär'." (Frank-Markus Barwasser)

Nur, so wird man zum Heuchler. Etwas freundlicher ausgedrückt: Man verbiegt sich in den grauenhaften Zustand des „so tun als ob“. Frieden um jeden Preis, jedermanns Liebling und wie es drinnen wirklich aussieht, das geht niemanden etwas an. Variante: "Image ist das, was man braucht, damit die andern denken, dass man so ist, wie sie einen gerne hätten."

Nö, ich brauche mich nicht mehr zu verbiegen. Mal sehen was für ein Image dabei herauskommt wenn ich mich so verhalte wie ich eben bin. Manche nennen das authentisch. Übrigens echt mit allen Varianten des Echtseins...

Herzlicht über die Elbe gegrüßt vom
Micha :wink:

uhu-uli

#3 Beitrag von uhu-uli » 18.04.2008, 21:26

Lieber Steini,

gab es da nicht so einen Titel "Schein und Sein" oder das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" ?!

eine ganz wichtige Geschichte ist für mich diese, die hilft zurückfinden aus dem Spagat dessen was andere von uns erwarten und unserem tiefen Inneren Kern.

uups die ganze Geschichte gibt es nicht mehr im Web?
DER ENGEL DER VERWANDLUNG

Engel kommen daher in verschiedenen Gewändern. Sie beherrschen die Kunst der Verwandlung. Sie verwandeln sich in einen Menschen, der uns auf unserem Weg begleitet. Sie verwandeln sich in einen Arzt, der unsere Wunden heilt, in einen Therapeuten, der uns herausholt aus der Verstrickung unserer neurotischen Muster, in einen Priester, der uns befreit von unsern Schuldvorwürfen. „Engel kommen unverhofft", singt ein modernes Lied. Manchmal ist es Dein Freund oder Deine Freundin, die Dir ein Wort sagen, das Dir alles in ein neues Licht taucht. Manchmal ist es ein Kind, das Dich anschaut und Dir zeigt, wie unwichtig die Probleme sind, mit denen Du Dich herumschlägst.

Engel sind Künstler der Verwandlung. Der Engel der Verwandlung aber möchte Dich einführen in das Geheimnis Deiner Verwandlung. Wenn Du lebendig bleiben willst, mußt Du Dich immer wieder wandeln. Was sich nicht wandelt, erstarrt.

. . .

Für mich ist das ein schönes Bild: Dort, wo Dein Hauptproblem ist, dort, wo Du am meisten unter Dir selbst leidest, dort, wo Du krank bist, da ist auch Dein Schatz. Dort kannst Du in Berührung kommen mit Deinem wahren Selbst. Das Märchen will Dir zeigen, dass alles in Dir einen Sinn hat.

Wenn Du ständig unzufrieden bist und zornig, dann darfst Du Dich deshalb nicht ablehnen.

Frage Dich vielmehr, auf welchen Schatz Dich diese Gefühle verweisen möchten. Wenn Du den Schatz gehoben hast, wenn Du Dein wahres Selbst gefunden hast, dann verwandeln sich solche Gefühle. Dann bist Du auf einmal in Frieden mit Dir. Und Du bist dankbar, dass der behände Hund Dich auf den verborgenen Schatz aufmerksam gemacht hat.


Der Engel der Verwandlung möchte Dir Mut machen, alles, was in Dir ist, mit einem milden Blick anzuschauen, weil alles in Dir das Material ist, das sich verwandeln möchte, bis immer mehr durch alles hindurch Dein unverfälschtes Bild aufleuchtet.

Aus: Anselm Grün, 50 Engel für das Jahr. Ein Inspirationsbuch. Herder Spektrum, Freiburg 1997.
ich glaube auch hier gibt es Schlüssel: Gruppenarbeit zu Roland Kachler, Wege aus der Wüste. Mit Elia Krisen durchleben

Alles Liebe
Eure Uli

uhu-uli

#4 Beitrag von uhu-uli » 15.05.2008, 21:39

Vor einiger Zeit bekam ich ein Lesezeichen, ein Werbegeschenk eines Verlages. Es hatte folgendem Text: "Wir ähneln denen, ide wir hassen, mehr als wir denken. Albert Sanchez Pinol"

und ich weiß immer noch nicht ob dieser Satz einen wahren Kern enthält?! Vielleicht "hasse" ich im anderen eine Facette von mir, die immer wieder durchbricht ... Warum reizt mich manche Dinge mehr mich in meiner Haut zu wehren und holen mich aus meiner sonstigen Gelassenheit?

Was ist die Wurzel für Streit und Gewalt?
*grübel*

Uli



Micha 4:

Wenn die Krieger kommen

Wenn die Krieger kommen
Lock sie aufs Dach der Taube
Lock sie ins Nest der Schwalbe
Lock sie in die Höhle des Löwen
Lock sie in den Wald der Rehe
Geh ihnen entgegen - mit offenen Händen
Voll Brot und Salz, Obst und Wein
Daß sie sich verlaufen im Knüppelholz
Deiner Tugenden
Daß sie sich verirren
Im Labyrinth deiner Freundlichkeit
Mache sie staunen
Beschäme ihre Generäle und Präsidenten
Laß ihre Handlanger ins Leere laufen
Sei eine Tiefebene voller Höflichkeit
Dein Gewehr sei die Klugheit
Deine Kraft sei die Geduld
Deine Geschichte sei die Liebe
Dein Sieg sei dein Schweigen
So daß sich die Landpfleger sehr verwundern
nach H.D.Hüsch, Psalmen für Alletage

Maximin

TOLERANZ GEGENÃœBER MIR SELBST...

#5 Beitrag von Maximin » 16.05.2008, 06:08

"Wir ähneln denen, ide wir hassen, mehr als wir denken. Albert Sanchez Pinol"

:) Liebe Uli,
Hass ist mir fremd. Das ist für mich kein Lebensprogramm, bei dem ich immer wieder schwierige Hausaufgaben lösen muss. Nö, es ist einfach so und tut mir gut. Wenn ich mich selber nicht liebe, wie will ich dann andere lieben! Wenn ich mich selber nicht annehme wie ich bin, wie will ich dann andere so annehmen wie sie sind! Wenn ich mich selber nicht verstehe, wie will ich dann andere verstehen! Wenn ich mir selber nicht zuhören kann, wie will ich dann anderen zuhören können! Wenn ich mir selber nicht verzeihen kann...

Micha :wink:

uhu-uli

#6 Beitrag von uhu-uli » 16.05.2008, 21:43

Lieber Maxi,
Maximin hat geschrieben:Hass ist mir fremd.
Ja meine ich es auch von mir sagen zu können. Aber wo beginnt Hass, sind die Wurzel nicht klein und unauffällig? Wenn ich jemand aus dem Weg gehe, keine Gemeinschaft mit ihm will? Schlecht über ihn denke und rede?

Was ist wenn ich Hass durch das Wort verachten ersetze?

oder so wie in diesem Sinnspruch:
Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit. (Elie Wiesel)


darum steht das Lesezeichen wohl immer noch als Mahnung hier ...

Alles Liebe
Deine Uli

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