Gedenken an die Reichspogromnacht 1938

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centaurea
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Gedenken an die Reichspogromnacht 1938

#1 Beitrag von centaurea » 10.11.2018, 21:44

In der ARD sind zum 80. Jahrestag der Pogromnacht einige interessante Dokumentarfilme zu finden: Reichspogromnacht.

Sehr viele Juden denken inzwischen leider an die Immigration in Länder außerhalb Europas, weil sie sich hier in Europa nicht mehr sicher fühlen.

Der WDR hat dazu eine sehr interessante, aufschlussreiche multimediale Reportage und den Dokumentarfilm Judenhass in Europa - Antisemitismus in Europa ins Netz gestellt.

Seit Januar 2015 existiert beim Verein für Demokratische Kultur in Berlin (VDK) e.V. die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS).
Unter report-antisemitism.de können antisemitische Angriffe in Berlin gemeldet und in einer Chronik recherchiert werden.

Ich denke, dass wir aus der Vergangenheit lernen können, wenn wir wollen. Aus meiner Sicht bedeutet das, dass wir Antisemitismus keinen fingerbreit Raum geben dürfen und den Anfängen wehren müssen. Mehr denn je auch in öffentlicher Solidarität.

Die Israelitische Religionsgemeinschaft in Württemberg veranstaltet in Stuttgart aktuell Jüdische Kulturwochen unter dem Motto:
"Aktuelle Herausforderungen für das europäische Judentum 80 Jahre Pogromnacht - 70 Jahre Israel".

Eine gute Gelegenheit jüdisches Leben unter uns kennen zu lernen, untereinander in Kontakt und Gespräch zu kommen und uns und unsere Demokratie gegen Antisemitismus zu stärken.

Hatikwa
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Re: Gedenken an die Reichspogromnacht 1938

#2 Beitrag von Hatikwa » 10.11.2018, 23:31

lieber Centurea, danke für deine Hinweise ---
Shalom --- hatikwa

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Heidewolf
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Re: Gedenken an die Reichspogromnacht 1938

#3 Beitrag von Heidewolf » 11.11.2018, 11:38

Ich denke, dass der Antisemitismus, der unter den 'Ureinwohnern' Deutschlands vorhanden ist, keine sehr relevanten Anlässe der Beschuldigung bietet. Auch die letzten Altnazis sterben langsam aus. Bei den Jungnazis bin ich mir da aber nicht sicher, ob so ein Hass nicht manchmal als Mittel zum Zweck dient.
Die weitaus größte Ursache sehe ich aber darin, dass in Deutschland inzwischen viel mehr Menschen islamischer Glaubensrichtungen als Juden leben.
Ein Multiplikator für Hass zwischen diesen beiden Gruppen (Islam und Juden) sehe ich aber im schwelenden Nahostkonflikt zwischen Israel un d seinen Nachbarn.

Vielleicht ist auch die Darstellung der Vorfälle in Nahost oftmals zu einseitig, welches der Sensationspresse geschuldet ist.

Solche Hassprediger wie Donald Trump machen die Lage in der Welt auch nicht einfacher.

Soweit mal meine einfache Position.
17 Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden (1.Kor. 15)

Hatikwa
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Re: Gedenken an die Reichspogromnacht 1938

#4 Beitrag von Hatikwa » 11.11.2018, 20:29

guten Abend,
als erstes lehne ich ab, daß die "Ureinwohner Deutschlands" Antisemiten sind. Zumindest ein Großteil, bis zur biologischen Lösung.

Viele Argumente des antisemitischen Ressentiments lassen sich auf einen Ursprung zurückführen. Es liegt im Antijudaismus der christlichen Kirche, die vor allem in der abendländischen Zivilisation fast 2000 Jahre lang die Hauptursache für Judenverfolgungen gewesen ist. Die Kirche bekämpfte die Juden, weil sie angeblich die "Gottesmörder", die Mörder Jesu sind!
Es konnte und durfte einfach nicht sein, daß die Landsleute des Jesus von Nazareth, die Juden, weiter behaupteten, sie und nur sie seien im Besitz der göttlichen Offenbarung. Jesus sei weder Gottes Sohn noch der Messias, es gebe weder ein "Altes" noch ein "Neues"
Testament, es gebe nur die Thora - und die gelte ewig.
Für die Christen war das eine unglaubliche Herausforderung, geradezu eine Provokation, denn damit stellen die Juden den allein selig machenden Wahrheitsanspruch der Christen in Zweifel. Es war nicht einfach, denn den Christen war stets bewußt, daß die Wurzel, aus der die Christen kamen, das Judentum war.
Es gibt noch viele andere Faktoren für den Judenhaß, der zu Pogromen führte. Der Wandel vom Antijudaismus zum Antisemitismus vollzog sich jedenfalls im 19. Jahrhundert, als in der Zeit der entstehenden Nationalstaaten Theoretiker daran gingen, die "Reinheit"
ihres Volkes und ihrer Rasse zu propagieren, und dann gerne darauf hinwiesen, daß Juden nicht dazugehören könnten, zu was auch immer. Daß es wieder die Juden traf, war logisch. Das Abendland war bereits seit knapp 2000 Jahren gewöhnt, allen Haß, alle Frustrationen auf die jüdischen Gemeinden abzulassen. Warum sollte man eine liebe Gewohnheit plötzlich ändern?

Der Antisemitismus hat Juden immer wieder in Situationen und zu Verhaltensweisen gedrängt, die dann zu Klischees umfunktioniert wurden, um sie den Juden zum Vorwurf zu machen. Aufzählungen erspare ich mir hier. Doch, z.B. wenn Menschen behaupten, die Juden seien selbst schuld an Auschwitz, ihre Sturheit, ihr Unwille, sich anzupassen, sich zu assimilieren, hätte Auschwitz provoziert.
Noch besser: die Juden haben eine Religion, die ihre eigene Vernichtung zur Folge hat.

Bleibt die Frage, wie sich "der Jude" genau zu verhalten hat, damit er gemocht, akzeptiert und anerkannt wird, so daß in der Folge "alle" Juden gemocht, akzeptiert und anerkannt werden. Merkwürdig nur, daß dies noch keinem Juden gelungen ist. Es gibt ja welche, die durchaus liebenswürdig, liebevoll, warmherzig und großzügig angesehen werden - doch irgendwie hat das in der jüdischen Geschichte noch nie dazu geführt, den Antisemitismus zum Verschwinden zu bringen.
Dabei gab es zumindest einen Juden, der diese und noch viel mehr positive Eigenschaften hatte: Jesus von Nazareth. Doch das ist selbst diesem herausragenden Menschen, den viele als Gottes Sohn ansehen, nicht gelungen.

Guuuts nächtle --- hatikwa

Hatikwa
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Re: Gedenken an die Reichspogromnacht 1938

#5 Beitrag von Hatikwa » 11.11.2018, 21:17

liebe Interessierte, hier habe ich noch einen Nachtrag zum Thema:

In jüngster Zeit erleben wir nun eine neue Variante des Antisemitismus, die unter dem Decknamen "Anti-Zionismus" in ganz Europa verbreitet ist. Inzwischen richtet sich aber der Haß nicht immer auf "die Juden", sondern auf den Staat Israel, den "Judenstaat".
Es ist jedermanns Recht, die Politik Israels abzulehnen. Man muß nicht einverstanden sein mit dem, was eine Regierung tut, und man darf sie auch kritisieren. Doch sowie sich die Kritik an Israel entzündet, weil es der jüdische Staat ist, entwertet sich die Kritik nicht nur selbst, sie ist gefährlich und ebenso rassistisch und judenfeindlich wie alles, was wir bereits aus der Geschichte kennen.
Diese Form der Abneigung führt dazu, daß viele Kritiker mit zweierlei Maß messen: Was dem einen Staat erlaubt wird, ist Israel verboten. Wenn Israel etwas falsch macht, wird das von einem viel größeren internationalen Aufschrei begleitet als bei einem anderen Staat, der dasselbe tut. Besonders pervers wird die Argumentation dann, wenn - ganz besonders in Deutschland - den Israelis ihre Besatzungspolitik mit dem Argument vorgeworfen wird, gerade weil sie Juden seien, hätten sie doch "aus Auschwitz lernen müssen"!
Auschwitz als Besserungsanstalt, so viel Zynismus könnte noch nicht einmal der jüdische Humor erfinden!
Juden dürfen nicht dieselben Fehler begehen wie alle anderen Völker. Kaum ein Staat, der nicht mit Gewalt entstanden ist. Das gilt auch für Israel. In diesem Falle ist die Geschichte des Landes aber noch zu kurz, um die Gewalt in Vergessenheit geraten zu lassen.

Wir wissen zwar, daß die USA einst die Ureinwohner ihres Kontinents fast komplett ausgerottet haben, aber keiner von uns würde die Legitimität der USA anzweifeln, geschweige denn seine demokratischen Prinzipien, selbst wenn sie Defizite aufweisen oder von dem einen oder anderen Präsidenten auch mal mit Füßen getreten werden.

Auch glaubten die SED und Erich Honecker in ihrer sozialistischen und zugleich kleinbürgerlichen Spießigkeit, daß sie ihre marode Wirtschaft retten könnten, wenn sie den Juden im In- und Ausland schöne Augen machten. Noch 1988 begannen sie mit übertriebenen Eifer, den Juden den Hof zu machen: 40 Jahre hatten sie sich nicht um die Berliner Synagoge in der Oranienburger Straße gekümmert, auf einmal wurde beschlossen, sie zu restaurieren, um ein wunderbares jüdisches Wahrzeichen in Ostberlin zu haben.
Dem Präsidenten des World Jewish Congress verliehen sie schnell den höchsten Zivilorden der DDR und der Staatsminister für religiöse Angelegenheiten wurde nach Israel gejagt, um dort beim einstigen zionistisch- imperialistischen Erzfeind zu antichambrieren, denn wie hieß es in Ostberlin: "Der Weg nach Washington führt über Jerusalem!"

ich wünsche gute Gedanken beim Lesen --- hatikwa

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Heidewolf
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Re: Gedenken an die Reichspogromnacht 1938

#6 Beitrag von Heidewolf » 11.11.2018, 22:48

Lieber Hatikwa,
sorry, da bin ich etwas falsch verstanden worden.
NICHT alle Ureinwohner sehe ich als Antisemiten. Sondern heutzutage nur noch einen sehr geringen Teil unter ihnen. Nämlich die, die sich trotz moderner Aufklärung nicht geändert haben.

In meinem langen Leben bin ich auch noch so gut wie keinem Antisemiten begegnet. Ich habe da nur zwei Beispiele präsent.
Zum einen war es ein jetzt schon lange verblichener Priester der NAK, der genau diese Geschichte vom Volk der Jesusmörder erzählte.
Und zum anderen gröhlte auf einer CDU-Wahlgrillparty vor ca 6 Jahren jemand ein antisemitisches Lied. Da bin ich schnell gegangen.

Insofern habe ich da auch nicht viel beizutragen. Ach ja, da ist noch was. Die Tochter meiner Cousine hat mal mehrere Monate in Israel gelebt.
Sie sagte, die ständigen Sirenenalarme wegen Raketenangriffen der Hisbollah oder anderer haben bei ihr schon kriegsähnliche Eindrücke hinterlassen.
Ansonsten ist es in unserem Dörfchen eher beschaulich und noch ein Stück heile Welt.
Deine Gedanken sind nachvollziehbar. Stammen wohl aber auch aus einer etwas weiter zurückliegenden Zeit. Aktuell sehe ich daher schon ein Überschwappen des Nahostkonflikts durch Zuzug der Menschen von dort in unsere neue weltoffene Gesellschaft.

Eine Lösung außer Aufklärung und Nächstenliebe habe ich aber auch nicht anzubieten. Ich wünsch dir noch ein gutes Nächtle.
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Re: Gedenken an die Reichspogromnacht 1938

#7 Beitrag von Hatikwa » 11.11.2018, 23:57

lieber Heidewolf, danke für deine Antwort,
ich habe dich sicher mißverstanden; denn ich regte mich sofort wieder darüber auf, weil es sich so las, als wenn der Antisemitismus nur von Deutschland ausgehen würde. Dieser ist aber europaweit und weltweit vorhanden. Darum auch mein Rückgriff in die vergangene Geschichte.
Alles, was ich über den Antisemitismus weiß ist historisch belegt, und es hätte den Rahmen meines Berichtes im Forum gesprengt.
Das jüngste Pogrom in der Geschichte des jüdischen Volkes war vor 80 Jahren hier in Deutschland, und nach meiner Kenntnis eines der schrecklichsten.
Ich wehre mich nach allen Seiten, egal woher die Anschuldigungen kommen, mit: "und die ganze Welt schaute zu" --------------------
es ist nicht die "Schuld" der Deutschen allein, für die sie immer noch in der ganzen Welt gelten.

Seit 12 Jahren verbringe ich den Sommer 6 -7 Wochen in Israel, und der Alltag incl. Raketenangriffe ist hart und man gewöhnt sich daran.
Die Medien hier verbreiten schon in der Überschrift ihrer Berichterstattung antiisraelisch als erstens: israelischer Luftangriff auf Gaza -- 3 Palästinenser getötet.Fakt ist, daß Israel gnadenlos antwortet, wenn es angegriffen wird, denn es geht um den Schutz der Bevölkerung.
Es wird bei uns in der Presse gegenüber gestellt, z.B. 13 getötete Palästinenser in Gaza -- kein, oder 2 israelische Soldaten getötet. Das israelische Militär ist sehr, sehr gut geschult, Männer und Frauen.
Und das aufgepuscht: hach, 13 Palästinenser und nur 2 Israelis! das darf es doch nicht sein! Die bösen, bösen, starken und übermächtigen Israelis!
Darum meine ich, auf Grund vieler falscher Berichterstattung in unseren deutschen Medien, daß über den wirklichen, sogenannten "Nahost - Konflikt" die wenigsten über die Ursache Bescheid wissen.Ich lese sehr gründlich die französische, englische und die ungarische Presse.

Ich erlebe die Israelis in den vielen Jahren meines Aufenthaltes als aufgeschlossene, fröhliche und unkonventionelle Menschen.
Mein Nickname --- hatikwa --- heißt Hoffnung, so, wie auch die Nationalhymne Israels

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Re: Gedenken an die Reichspogromnacht 1938

#8 Beitrag von Heidewolf » 12.11.2018, 09:43

Na, dann lasst uns Hoffnung haben.

Aber, Hoffnung auf Frieden auf dieser Welt habe ich wenig. Dazu ist einfach das Problem der Überbevölkerung bei gleichzeitiger Umweltzerstörung und Resourcenmangel zu gross.

Meine Hoffnung ist deshalb bei Gott, dass er uns von dieser Erde erlösen möge. Und das möglichst auch ohne machtstrebende Gurus.
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