Konfirmation 2018

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Klaus1969
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Konfirmation 2018

#1 Beitrag von Klaus1969 » 18.06.2018, 07:52

Hallo zusammen, ich bin neu hier und grüße erst mal alle ganz herzlich.
Ich bin seit meiner frühesten Kindheit neuapostolisch. Da aber ein Großteil meiner Familie inzwischen aus der NAK ausgetreten ist und eine andere geistige Heimat gefunden hat (FEG bzw. ev. luth.), hinterfrage ich auch so Einiges und beschäftige mich intensiv mit der NAK-Lehre. Ein Knackpunkt ist für mich die immer noch vorhandene Exklusivität und die damit indirekt verbundene Abwertung anderer christlicher Kirchen. Ich nehme diesbezüglich in letzter Zeit einen bedauerlichen „Konservativruck“ wahr
Bei der diesjährigen Konfirmation ist mir aufgefallen, dass sich die Konfirmanden vor dem Ablegen des Gelübdes explizit zum neuapostolischen Glauben bzw. Glaubensbekenntnis bekennen mussten. Das war für mich in dieser Form neu und ich finde es sehr bedenklich! Ich hatte ja schon große Skepsis, als bekannt wurde, dass sich in Süddeutschland künftig Amtsträger vor der Ordination zu den Glaubensartikeln bekennen müssen, aber dass jetzt auch schon 14-Jährige zu solch einen Schritt „gezwungen werden“, haut mich echt um. Ist den Konfirmanden überhaupt bewusst, zu was sie da vor GOTT „Ja“ sagen?
Folgende Fragen sollten sich die jungen Christen stellen:
1. Will ich mich wirklich dazu bekennen, dass ein gläubiger getaufter Christ einer anderen christlichen Kirche die Gabe des Heiligen Geistes gar nicht haben kann, weil er nicht durch einen Apostel versiegelt wurde?
2. Will ich mich wirklich dazu bekennen, dass das von gläubigen getauften Christen einer anderen Kirche gefeierte Abendmahl nicht vollgültig ist und die gleiche Wertung und Wirkung hat wie das in der Neuapostolischen Kirche gefeierte Abendmahl?
3. Will ich mich wirklich dazu bekennen, dass ein Geistlicher einer anderen christlichen Kirche, der den Ruf Gottes verspürt, sein Leben Gott weiht und sich in Gottes Dienst stellt, kein vollwertiges Werkzeug in der Hand Gottes sein kann, nur weil er nicht von einem Apostel eingesetzt wurde?
4. Will ich mich wirklich dazu bekennen, dass nur im Apostelamt die Vollmacht liegt, Sünden zu vergeben und dass es keinen anderen Weg gibt?
Auf der einen Seite wird den jungen Menschen verkauft, dass sie ab der Konfirmation nun selbst für ihr Glaubensleben verantwortlich sind und im gleichen Zug werden sie auf eine Sache eingeschworen!!!
Ich hab dann gleich im Katechismus nachgelesen und dort steht unter 12.2.2.2 Konfirmationsgelübde und Konfirmationssegen: „Die Konfirmation wird im Rahmen eines Gottesdienstes gefeiert. Zunächst beantworten die Konfirmanden die Frage, ob sie Gott die Treue halten wollen, mit „Ja“. Danach sprechen sie gemeinsam das Konfirmationsgelübde, das auf den Text einer alten Taufliturgie aus dem dritten Jahrhundert zurückgeht.“ Von einem expliziten Bekenntnis zu den Glaubensartikeln steht hier nichts, nur ein einfaches „Ja“ bezüglich der Treue zu Gott!
Ich würde nun gerne wissen, ob Süddeutschland mal wieder ein Extrasüppchen kocht oder ob die Konfirmationen in den anderen Gebietskirchen ähnlich abgelaufen sind.
Vielen Dank für Eure Beiträge.

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Bezirks-Elster
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Re: Konfirmation 2018

#2 Beitrag von Bezirks-Elster » 18.06.2018, 10:17

Hallo Klaus,
zuerst mal herzlich willkommen hier.
Ich befürchte fast, dass du gar nicht viel Antworten auf die Frage bekommen wirst, wie es woanders abgelaufen ist. Viele der User hier haben sich ja von der NAK gelöst und nehmen eher eine kritische Bewertung der Gemeinschaft ein. Werden also bei einem aktuellen Konfirmations-GD vermutlich nicht anwesend gewesen sein.
Ich habe nun auch schon eine Weile keinen NAK-Konfirmations-GD erlebt. 1x habe ich dieses Jahr schon geschafft, einen GD der NAK zu besuchen ... ;-)

Ich denke, mit 14 Jahren kann man die Schwere der Entscheidung nicht überblicken. Aber ich bin mittlerweile sehr entspannt. Ich hatte mich bei meiner Konfirmation - das war 1989 - gefragt, ob ich "die Treue halten" könne und war damals sehr überzeugt. Ich halte es so, dass ich Gott versprochen habe, die Treue zu halten und das tue ich so gut es geht mit den Kenntnissen und Überzeugungen der jeweils aktuellen Zeit, 1989 oder 2018.
Ich denke auch, wir wurden damals auf die NAK eingeschworen. Eine gewisse Öffnung gab es meiner Meinung erst in den ~ 2000....2010er Jahren. Wenn es also nun wieder zurück geht, zeugt das von Konstanz.

Andererseits ist der NAK-Glaube eine gewisse Art, die Welt und Gott zu betrachten. Warum soll ich das Zugehören zu diesem Zirkel nicht von der Bestätigung einiger Glaubenssätze abhängig machen? NAK-Mitgliedschaft heisst doch nicht, dies ist der direkte Weg zum Weltenschöpfer bzw. dieser Weg entfaltet das Maximum deiner charakterlichen, seelischen und kognitiven Fähigkeiten.

Wenn die Eltern bei der Kindertaufe stellvertretend die NAK-Regeln abgenickt haben, könnte nun - nüchtern betrachtet - das Kind den Übergang dieser Glaubenssätze auf sich abwählen. Obwohl die Frage im Raum steht, welche(r) 14-jährige(r) wirklich schon so reif ist und sämtliche, daraus resultierenden Probleme ja auch gelöst werden müssten ("solange du deine Füße unter unseren Tisch ...")....
"Liebe Geschwister, `im Natürlichen` gibt es den Bewehrungsstahl ....."
Co-Predigt zum Thema "Bewährung" in einer deutschen Landeshauptstadt im Jahr 2015

Klaus1969
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Re: Konfirmation 2018

#3 Beitrag von Klaus1969 » 18.06.2018, 14:49

Liebe(r) Bezirks-Elster,
vielen Dank für Deine schnelle Antwort….
Ich gebe Dir Recht, dass die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft auch an bestimmte Glaubenssätze und -bekenntnisse gebunden sein kann. Aus diesem Grund fällt es mir auch schwer, mich selbst als neuapostolisch zu fühlen und zu bezeichnen, weil ich eben einen Großteil des neuapostolischen Glaubensbekenntnises –vor allem das Amts- und Sakramentsverständnis- ablehne. Ich fühle mich als Christ, aber nicht als neuapostolischer Christ, auch wenn ich noch Mitglied der NAK bin. Das bedeutet für mich aber nicht, dass ich Gott in einem NAK-Gottesdienst nicht erleben kann, ich bin in einer schönen Gemeinde und fühle mich mit meiner Frau und meinen beiden Kindern sehr wohl.
Jetzt nochmal zur Konfirmation: Klar kann man darüber streiten, ob ein 14-Jähriger überhaupt schon so weit ist, die Verantwortung für seinen Glauben selbständig zu übernehmen, aber darum geht’s mir nicht.
Ich finde es nur sehr bedenklich, wenn den jungen Menschen auf der einen Seite die Freiheit versprochen wird, ab jetzt selbst zu entscheiden und dann müssen sie sich aber zu einer Sache bekennen.
Dieses „Einschwören“ auf eine Sache ist für mich eine Form der Indoktrination und nimmt den jungen Christen jede Option. Es ist eine Sache, die Treue nach Gott abzufragen, aber einen explizites Bekennen zu den Glaubensartikeln geht für mich zu weit. Das mag bei Amtsträgern nachvollziehbar sein, aber nicht bei Kindern!!!
Wenn man vor dem Altar steht und Gott ein „Ja“ gibt, dann ist dieses „Ja“ in meinen Augen verbindlich und man sollte schon genauer hinsehen. Ich war z.B. bei der Versiegelung meines zweiten Kindes nicht dabei, weil ich an die Versieglung nicht glaube. Ich hätte es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren können, zu etwas „Ja“ zu sagen, woran ich nicht glaube.
Mich würde einfach interessieren, ob dieses Bekennen zu den Glaubensartikeln bei der Konfirmation eine neue, gängige Praxis ist, oder ob Süddeutschland mal wieder etwas abhebt.

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Heinrich
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Re: Konfirmation 2018

#4 Beitrag von Heinrich » 18.06.2018, 18:32

Mich würde einfach interessieren, ob dieses Bekennen zu den Glaubensartikeln bei der Konfirmation eine neue, gängige Praxis ist, oder ob Süddeutschland mal wieder etwas abhebt.

Lesen Sie bitte dazu mal das hier:

https://www.nak-karlsruhe.de/db/138716/ ... -Karlsruhe

Gruss aus dem Süden,
Heinrich
Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.

(Erasmus von Rotterdam)

Boris
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Re: Konfirmation 2018

#5 Beitrag von Boris » 22.06.2018, 10:07

Lieber Klaus,
wie das mit der Konfirmation jetzt gehandhabt wird, kann ich dir nicht sagen, da ich seit Jahren nicht mehr gehe.
Zu deinen Bedenken:
Die hast du m. E. zu recht.
Allerdings finde ich diese Maßnahme im System NAK einfach nur konsequent.
Ich empfinde den Glauben als ein unwahrscheinlich mächtiges Instrument. Man kann so unwahrscheinlich viel damit machen. Letztendlich werden Menschen damit glücklich oder unglücklich gemacht. Derselbe Glaube wird zum Segnen oder Vernichten benutzt. Je nachdem, wer diesen Glauben benutzt und was er damit erreichen möchte.
Durch Indoktrination wird der Anhänger gefügig gemacht. Angst wird seine Triebfeder sein.
So ist Glaube kein Angebot mehr, sondern kann zum Damoklesschwert werden.
Ich denke, dass es keinen Unterschied macht, ob man jung oder alt ist. Durch Indoktrination wird ein objektives Beurteilungsvermögen aberzogen, sodass zur Beurteilung einer Situation nur eine Sichtweise zugelassen wird.

Persönlich finde ich es gut, dass du an dieser Stelle wenigstens bei deinem, oder anderen Kind/-ern erschrickst. Da hast du dir einen Rest diesbezüglicher Objektivität bewahrt.

Nach einiger Zeit ohne Kirche (und Erlebnissen im Umgang mit ehemaligen Geschwistern) bin ich derzeit der Ansicht, dass NAK etwas Schönes sein kann. Das Schöne ist die Gemeinschaft, das Füreinander Dasein, Musizieren, gemeinsam Essen und Trinken, Wandern etc. Das halte ich schon für etwas Wertvolles.
Fatal finde ich die Auslegung der Bibel und des Glaubens in indoktrinierender Weise. Somit das seelische Abhängigmachen.
Wenn man das alles nicht ernst nimmt, kann man eine angenehme Gemeinschaft erleben.

Wenn man gottgefällig leben möchte, geht das durch den Willen.
Es funktioniert kein Automatismus: neuapostolisch = gottgefällig, da Apostelamt vorhanden. Solche Sichtweisen führen m. E. in eine christliche Selbstgerechtigkeit.
Und warum muss man gleich in eine andere Kirche gehen, wenn man nicht mehr NAK will?
Das macht auch jeder anders. Wichtig ist, die eingepflanzte Angst zu überwinden, dass man Gott missfällig wäre, wenn man nicht fleißig in die Kirche geht. Es kann auch ein Weg sein, herauszufinden, was mir persönlich der Glaube bedeutet.

Eine einzige richtige Sichtweise gibt es nicht. Jeder muss seinen Weg finden.
Selbstverständlich kann ich nur meine Sichtweise zum Ausdruck bringen.

LG Boris
Wenn ich mich selbst wirklich kenne, kenne ich auch meine Mitmenschen. Wenn ich mich selbst liebe, kann ich auch andere lieben.

fridolin
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Re: Konfirmation 2018

#6 Beitrag von fridolin » 22.06.2018, 19:51

Nach einiger Zeit ohne Kirche (und Erlebnissen im Umgang mit ehemaligen Geschwistern) bin ich derzeit der Ansicht, dass NAK etwas Schönes sein kann. Das Schöne ist die Gemeinschaft, das Füreinander Dasein, Musizieren, gemeinsam Essen und Trinken, Wandern etc. Das halte ich schon für etwas Wertvolles.
Fatal finde ich die Auslegung der Bibel und des Glaubens in indoktrinierender Weise. Somit das seelische Abhängig machen.
Wenn man das alles nicht ernst nimmt, kann man eine angenehme Gemeinschaft erleben.
Kann das nicht auch in einem Wanderverein oder ähnlichem, alles erlebt werden. :D
Ist doch viel einfacher und ganz ohne religiöse Zwänge und eventuelle seelische Abhängigkeit :D

Boris
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Re: Konfirmation 2018

#7 Beitrag von Boris » 23.06.2018, 12:03

Im Prinzip schon.
Die haben nur Gott, Christus und HG nicht als wichtigste "Spieler" im Programm.

Das sollte in Kirche anders sein ...
Dazu gehört für mich auch das Sich selbst hinterfragen aller Verantwortlichen. Das wird in ziemlich plumper Weise ignoriert und Kritik als gotteslästerlich abgetan ... :?
Mitglieder, die aus ehrlichem Herzen ihre Anliegen vortragen, werden nicht mit ihren Problemen akzeptiert.
So gräbt sich diese Kirche selbst ihr Grab.
Heute in Europa und morgen auf den anderen Kontinenten. Wenn die KL nicht endlich die göttliche Liebe als Triebfeder annimmt. Liebe hat immer eine anziehende Wirkung. Von ihr wird man auch nie satt. Wenn sie fehlt, fehlen bald auch die Mitglieder,

findet Boris
Wenn ich mich selbst wirklich kenne, kenne ich auch meine Mitmenschen. Wenn ich mich selbst liebe, kann ich auch andere lieben.

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