Um Trost ist mir sehr bange . . .

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Brombär
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Um Trost ist mir sehr bange . . .

#1 Beitrag von Brombär » 13.03.2008, 11:25

Liebe Forumsfreundinnen und Freunde,

Ostern 2008 werde ich in einem osteuropäischen Land erleben, das teilweise noch von deutschstämmigen Menschen bewohnt ist.

Es sind zumeist ältere Leute, die dort - trotz Auswanderungsangeboten - aus Heimatverbundenheit geblieben sind.

Einer dieser Menschen ist mir in den Zeiten, die in dort verbracht habe, zu einem unermüdlichen Helfer und väterlichen Freund geworden. Er heißt Hans und ist 85 Jahre alt.

Wie ich seit längerem weiß, ist Hans krank und kann Speisen nur noch ganz kurz im Körper behalten. Dementsprechend ist er abgemagert und
schwach. Jetzt habe ich telefonisch erfahren, dass zu Hans´Magenleiden noch eine Herzschwäche gekommen ist, mt der man ihn seit einigen Wochen in einem Krankenhaus versorgt. Hans wird nach Lage der Dinge in Kürze sterben.

Nun werde ich - so die Planung - am kommenden Mittwoch in dieser Gegend ankommen.

Mein inniger Wunsch ist es, Hans lebend und wenn möglich, bei klarem Verstand, anzutreffen. Was mir besonders am Herzen liegt, ich möchte Hans einen Hoffnungsgedanken vermitteln, der ihn sanft in die Ewigkeit begleitet, ja, der in still und zufrieden auf den Wechsel warten läßt .

Ich denke, je weniger Worte, desto besser fällt ein solcher Trost in die Seele.

Wie denkt Ihr - liebe Schwester und Brüder in unserem Herrn - darüber ?

Antworten gerne auch als PN

Danke Brombär





.

Anne

#2 Beitrag von Anne » 13.03.2008, 19:32

Brombär hat geschrieben:Ich denke, je weniger Worte, desto besser fällt ein solcher Trost in die Seele.
Lieber Brombär,

dies nur kurz als Inspiration. Man muss auch nicht unbedingt singen, die Seele kann sich auch ohne Worte ausdrücken...

Sing Me to Heaven
Daniel E. Gawthrop / arr. Paul Carey

Touch in me all love and passion, pain and pleasure
Touch in me grief and comfort, love and passion, pain and pleasure
Sing me a lullaby, a love song, a requiem
Love me, comfort me, bring me to God
Sing me a love song, sing me to Heaven.


Quelle: http://www.paulcarey.net/Heaven.htm (Text unten)

http://www.youtube.com/watch?v=vMfDqfKSM54

Alles Gute!
Anne

Maximin

MITGEHEN BIS...

#3 Beitrag von Maximin » 13.03.2008, 22:24

Brombi,
Du gehst einen schweren Gang an dessen Ende Du möglicherweise auch damit fertig werden musst, so weit umsonst gereist zu sein, weil Dein Schützling in einem vielleicht langen schwerem Sterben weiterlebt.

Ich habe einige Menschen in ihrem Sterben begleitet und musste dabei lernen, dass das Loslassen des Sterbenden mit mir wenig zu tun hat. Es klingt vielleicht bitter wenn ich sage, dass jeder für sich alleine stirbt, aber so habe ich das eben mehrfach erlebt. Erlebt habe ich aber auch die Dankbarkeit, dass da jemand war, der am Sterbebett aushielt, nicht wegsah und nicht wortlos wegging. Begleitend Dabeisein tat denen offensichtlich wohl besser als tausend gutgemeinte Worte.

Selbst als ordiniertem Seelsorger wurde mir leider erst viel zu spät bewusst, dass in solchen Stunden weniger mein Kopf gefragt ist als vielmehr mein Hörvermögen, meine mitfühlenden Hände und das Licht meiner Augen. Du wirst im rechten Augenblick punktgenau fühlen was zu tun ist und vielleicht auch empfinden, dass Du dabei nicht auf Dich allein gestellt bist. Alle heiligen Engel mit Dir...
Micha + + +

tergram

#4 Beitrag von tergram » 13.03.2008, 22:47

Lieber Brombär,

ich habe auf diesem Gebiet kaum Erfahrungen und kann mir nur vage vorstellen, was ich mir als Sterbender wünschen würde - jemanden, der schweigend da ist, der meine Hand streichelt, der mich anlächelt und der mir sagt, dass es "gut" ist und dass ich unbesorgt gehen darf.

Mehr gut gemeinte Ratschläge kann ich nicht beisteuern. Aber ich gebe dir ein Paket mir: Voller Gebete - für dich, deinen Freund und alle, die sehr schwierige Stunden erleben.

Gott mit dir.

Liebe Grüße,
tergram

Anne

#5 Beitrag von Anne » 14.03.2008, 09:15

... und vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, deinen Freund zu fragen, ob du noch irgend etwas für ihn tun kannst. Ob es etwas gibt, was er am liebsten noch getan hätte, was er klären oder abschließen möchte, wovon er sich verabschieden möchte (und wobei du ihm vielleicht helfen kannst).

Es sind oft sehr persönliche "Dinge", Erfahrungen, Beziehungen, die (noch) am Leben halten, die manchmal binden...

Brombär, eins möchte ich dir aber auch noch sagen: Menschen haben manchmal ein ganz erstaunliches Durchhaltevermögen und eine Widerstandskraft "gegen das Sterben". Das heisst: Freunde und Angehörige meinen aus der Außenbetrachtung manchmal, dass es jetzt Zeit ist, dass jemand stirbt... und vielleicht denkt und sagt der Betroffene das auch; es muss aber nicht dem wirklichen Prozess entsprechen.

Deshalb war ich gerade sehr froh, Michas weise Worte gelesen zu haben und schließe mich an:

Alle Engel mit dir!
Anne

Lobo

Re: Um Trost ist mir sehr bange . . .

#6 Beitrag von Lobo » 14.03.2008, 10:24

Brombär hat geschrieben: ...Was mir besonders am Herzen liegt, ich möchte Hans einen Hoffnungsgedanken vermitteln...

...Ich denke, je weniger Worte, desto besser fällt ein solcher Trost in die Seele...
Brombär - ich kann mir vorstellen, dass du Sorge hast, die richtigen Worte zu finden. Wenn der Augenblick der Begegnung gekommen ist, dann lass dein Herz sprechen. Es gibt sie, diese besonderen Momente, hier das Abschiednehmen, die wir nie mehr vergessen werden.

Sprechende Stille

Es gibt Momente
in denen man nichts mehr sagen kann
weil es nichts zu sagen gibt
was in Worten auszudrücken wäre

es gibt Momente
in denen man sich unendlich viel zu sagen hat
und nichts zu sagen braucht
weil ein Blick ein Händedruck viel ansprechender sind

es gibt Momente
da muss man nichts mehr sagen
weil alles was zu sagen ist gesagt ist
und man sich nur noch nahe ist

es gibt Momente
da darf man nichts mehr sagen
um die leisen Töne die schwingen
nicht zu vertreiben

es
gibt

...

(Andrea Schwarz -Um jeden Tag mehr leben)


mit brüderlichem Gruß
Lobo

Brombär
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#7 Beitrag von Brombär » 14.03.2008, 10:27

Liebe Anne, liebe tergram, lieber Maximin, lieber Lobo,


Eure Gedanken haben mir sehr, sehr gut getan und ich bin dafür dankbar.

Bei dem Gedanken, diesen lieben Freund vielleicht zum letzten Mal zu sehen, fühlte ich mich etwas hilflos und nicht gerüstet, eine Hilfe zu sein. Dabei möchte ich diesem edlen Menschen nur ein Kleines von dem zurückgeben, was er mit gutes getan hat.

Es stimmt schon Maximin und auch Anne, Hans hat vielleicht noch eine größere Spanne Lebenszeit, als die Umgebung vermutet, aber ich werde mich nur 3 Wochen in seiner Nähe aufhalten können, um dann wieder für ein Jahr in Deutschland meinen beruflichen Aufgaben nachzugehen. Diese Zeit will ich nützen.

Ich wollte noch etwas berichten.

Hans hat sich Zeit seines Lebens in den Dienst der evangelischen Kirche gestellt, meist unentgeltlich. Dennoch sagte er mir in einem 4-Augen-Gespräch vor einiger Zeit, dass er sich eine erfahrbare Jenseitsbestimmung einfach nicht vorstellen könne. Es hat mich - im Nachhinein besehen - irgend wie traurig gestimmt, dass dieser Mann so garkeine Erwartungen an ein Leben nach dem irdischen Tod hatte.

Nun habe ich ein paar gute Gedanken im Herzen und ich will sehen, ob und was sich davon umsetzen läßt. Auch will ich darüber berichten, denn es geht um ein Thema, das uns alle, mehr oder weniger, früh oder später selbst betrifft.

Nochmals DANKE
Brombär

Anne

#8 Beitrag von Anne » 14.03.2008, 10:49

Brombär hat geschrieben: Dennoch sagte er mir in einem 4-Augen-Gespräch vor einiger Zeit, dass er sich eine erfahrbare Jenseitsbestimmung einfach nicht vorstellen könne.
Aber vielleicht nimmt er wahr, Brombär, dass etwas "in sein Leben scheint"; dass es da eine Kraft gibt, die sein Leben jetzt so anders erscheinen und abschließen lässt.

So eine Erfahrung ist mehr, als Worte und Überzeugungen... :)

tergram

#9 Beitrag von tergram » 14.03.2008, 10:49

Brombär hat geschrieben:Es hat mich - im Nachhinein besehen - irgend wie traurig gestimmt, dass dieser Mann so garkeine Erwartungen an ein Leben nach dem irdischen Tod hatte.
Vielleicht ist das gar nicht schlecht - so hat Gott größere Möglichkeiten, uns zu überraschen.

...nur mal so als Gedanke...

Anne

#10 Beitrag von Anne » 14.03.2008, 10:53

tergram: Bild

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