PAULUS IRRTUM ODER GLAUBEN...?

Diskussionen über Bibeltexte aus dem Neuen Testament
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Lobo

#21 Beitrag von Lobo » 15.03.2009, 14:27


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agape
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Re: PAULUS IRRTUM ODER GLAUBEN...?

#22 Beitrag von agape » 11.02.2012, 10:10

Adler fragte "Warum muss ein Christ sich dazu noch die Bürde der alttestamentlichen Gesetze aufladen?"

Früher hätte ich auch mal so gedacht, mittlerweile ahne ich dass mehr "shalom" (shalom: Friede, Heil, Heilwerden, Glück, Segen, allumfassendes Heil) in der jüdischen Lehre steckt, als man von außen gleich gewahr wird. Das Gottesbild ist sowohl im AT als auch im NT je nachdem sehr bedenklich.

Aber anders gefragt: Wieso nimmt man als Christ die Bürde des neutestamentlichen "christlichen Leidens" auf sich, die nun von Paulus her rührt?
Hier habe ich eine Passage kopiert (ev Theologe). Paulus ist in jeder Hinsicht sehr umstritten.
Deswegen meine ich auch, dass es nach wie vor schwer zu sagen ist, wann Christentum anfängt, aufhört, und wie man am besten Jesus nachfolgen könnte, erst recht, wie man "Jesus, dem Christus" nachfolgen (oder irgendwie begreifen) kann.
Am Ende - ganz am Ende - bleibt wohl die Liebe als einzige wahre und sinnvolle Instanz.
Und dann wird es gleich sein, welcher Mensch sie am deutlichsten in der Welt gezeigt und vorgelebt hat.


Saulus aus Tarsus, später Paulus genannt, stammt aus einer wohl situierten Gelehrtenfamilie in Tarsus / Kleinasien, der heutigen Türkei, die das römische Bürgerrecht besaß. Als Mitglied der streng-religiösen jüdischen Bewegung der Pharisäer hatte er möglicherweise auch "vorteilhafte" Beziehungen zum Hof des Herodes in Jerusalem und zum Gefolge Neros in Rom (vgl. Robert Eisenmann, Jakobus, der Bruder von Jesus, München 1998, S. 788 f.). Sein Wissen über Jesus stammt vor allem aus seiner Zeit als "Sektenbeauftragter" der Pharisäer, als er die Urgemeinde in Jerusalem beobachtete und verfolgte. Denn auch nach seiner Umkehr blieb er immer in einer bestimmten Distanz zu den Aposteln und Jüngern von Jesus, die ihm vieles über den Mann aus Nazareth hätten sagen können, das Paulus nicht wusste und ihn leider auch nicht besonders interessierte.
Paulus geht von Anfang an seinen eigenen Weg - was bald zu erheblichen Unstimmigkeiten im Urchristentum führt. Der Mann aus Tarsus reklamiert für sich den direkten Kontakt zu Gott und beruft sich auf eigene Offenbarungen.

Quelle
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
Nach D.Sölle

Adler

Re: PAULUS IRRTUM ODER GLAUBEN...?

#23 Beitrag von Adler » 11.02.2012, 17:07

Hallo Agape,

wenn du sagst, dass Paulus sehr umstritten ist, kann ich dir voll zustimmen.

Es verwundert mich persönlich allerdings sehr, dass die christliche Welt sehr stark "paulinisch" geprägt ist, wo doch Petrus, von Jesus, als das Haupt der ersten Christen gesetzt wurde.

Wenn sich also heute eine christliche Kongregation, auf Petrus beruft und der Oberste Führer dieser Gemeinschaft angeblich den Stuhl Petri innehat, diese Gemeinschaft aber gleichzeitig paulinische Prägung aufweist (z.B. die Rolle der Frau in dieser Gemeinschaft) so sehe ich darin eine nicht nachzuvollziehende Ambivalenz.

LG Adler

holytux
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Re: PAULUS IRRTUM ODER GLAUBEN...?

#24 Beitrag von holytux » 13.02.2012, 22:18

Am Ende - ganz am Ende - bleibt wohl die Liebe als einzige wahre und sinnvolle Instanz.
Ja!
Das hat ja schon der allseits "umstrittene" Paulus gesagt...

Das Hohelied der Liebe
Wenn ich mit Menschen- und Engelszungen redete, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nur ein tönendes Erz oder eine gellende Zimbel.
Und wenn ich die Prophetengabe hätte und alle Geheimnisse durchschaute und alle Erkenntnis besäße, und wenn ich allen Glauben hätte, so daß ich Berge versetzte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nichts.
Und wenn ich meinen ganzen Besitz den Armen zuteilte und wenn ich meinen Leib den Flammen preisgäbe, hätte aber die Liebe nicht, so nützte es mir nichts.
Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig, die Liebe ist nicht eifersüchtig. Sie prahlt nicht, überhebt sich nicht,
sie handelt nicht unschicklich, sucht nicht das Ihre, kennt keine Erbitterung, trägt das Böse nicht nach.
Am Unrecht hat sie kein Gefallen, freut sich aber an der Wahrheit.
Alles erträgt sie, alles glaubt sie, alles erhofft sie, alles erduldet sie.
Die Liebe hört niemals auf; Prophetengaben verschwinden, Sprachengaben hören auf, Erkenntnis vergeht.
Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser Prophezeien.
Kommt aber das Vollkommene, vergeht das Stückwerk.
Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte ich wie ein Kind, urteilte ich wie ein Kind. Als ich ein Mann geworden war, legte ich das Kindhafte ab.
Jetzt schauen wir durch einen Spiegel, unklar, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Noch ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin.
Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei. Am höchsten aber steht die Liebe.


Ein besonderer Gruß an Agape Bild
"Wenn alle Liebe Ewigkeit will - Gottes Liebe will sie nicht nur, sondern wirkt und ist sie."
Joseph Ratzinger

Gaby

Re: PAULUS IRRTUM ODER GLAUBEN...?

#25 Beitrag von Gaby » 14.02.2012, 18:48

Deswegen meine ich auch, dass es nach wie vor schwer zu sagen ist, wann Christentum anfängt, aufhört, und wie man am besten Jesus nachfolgen könnte, erst recht, wie man "Jesus, dem Christus" nachfolgen (oder irgendwie begreifen) kann.
Am Ende - ganz am Ende - bleibt wohl die Liebe als einzige wahre und sinnvolle Instanz.


Dem kann ich nur zustimmen und empfehle ganz einfach auf sein eigenes Herz zu hören und sich nicht von den Meinungen anderer abhängig zu machen ...

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