Kirche im Nationalsozialismus

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Lobo

Kirche im Nationalsozialismus

#1 Beitrag von Lobo » 18.02.2008, 18:27

Verrat unter Brüdern
...Es war ein Brudermord wie bei Kain und Abel: Nach der Machtübernahme Hitlers opferte die evangelische Kirche jüdischstämmige Geistliche aus den eigenen Reihen - wie den Kölner Krankenhauspfarrer Ernst Flatow...[

Clemens

#2 Beitrag von Clemens » 18.02.2008, 19:40

Die EK hat allerdings auch jüdische Geistliche geschützt. Jedoch kann man von "der" Haltung der EK im NS sowieso nicht reden, da es keine einheitliche Haltung gab und diese "Haltungen" sich auch mit den Jahren veränderten. (Ich schreibe gerade ein Arbeit über dieses Thema, falls Du also Fragen und ich Zeit habe: Bitte!)

Lobo

#3 Beitrag von Lobo » 19.02.2008, 07:44

Clemens hat geschrieben:...Die EK hat allerdings auch jüdische Geistliche geschützt...
Hallo Clemens,
ich glaube bei dieser Aussage besteht Konsens.
Bemerkenswert finde ich in dem Artikel allerdings die Aussagen von Bischof Huber.

...Erst Recherchen des Kirchenhistorikers Prolingheuer (und später seiner Kollegen Eberhard Röhm und Jörg Thierfelder) erhellten vorübergehend, so der Berliner Bischof und heutige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber, den Weg des "vergessenen, verdrängten, totgeschwiegenen judenchristlichen Pfarrers Ernst Flatow" und seiner Leidensgenossen.

In deren Schicksal sei die Kirche, wie Huber in den achtziger Jahren eingestand, "in beschämender Weise verflochten" gewesen: "Sie ging nach 1945 darüber weithin mit einer Leichtigkeit hinweg, die erschrecken läßt."

Hubers Kritik am Verrat an den Judenchristen zielt indes nicht nur auf die DC-Nazis, sondern ausdrücklich auf die gesamte Kirche, "auch soweit sie sich als Bekennende Kirche verstand"...
Gruß
Lobo

tvmovie

#4 Beitrag von tvmovie » 26.02.2008, 17:01

Hallo.
Was meint man dazu:

Das Evangelische Deutschland
Kirchliche Rundschau für das Gesamtgebiet der Deutschen Evangelischen Kirche
Nr. 37 vom 10.9.1933
Die in Berlin erschienene Zeitschrift (das „maßgebliche Organ auf protestantischer Seite“ - Schriftleiter: Professor August Hinderer/Direktor des Evangelischen Pressedienstes) kommentierte das Verbot der Zeugen Jehovas durch die Nationalsozialisten mit Dankbarkeit und forderte weitere Verbote:

„Die Kirche wird dankbar anerkennen, dass durch dieses Verbot eine Entartungserscheinung des Glaubens beseitigt worden ist ... Damit ist jedoch noch keine vollständige Bereinigung der Sekten erreicht. Erwähnt seien nur die Neuapostolischen.“

Quelle:http://www.theologe.de/zeugen-jehovas_kirche.htm

Ich bin einigermaßen überrascht über solche Aussagen.

tvmovie

der reutlinger

#5 Beitrag von der reutlinger » 26.02.2008, 17:58

tvmovie hat geschrieben:Hallo.
Was meint man dazu:

Das Evangelische Deutschland
Kirchliche Rundschau für das Gesamtgebiet der Deutschen Evangelischen Kirche
Nr. 37 vom 10.9.1933
Die in Berlin erschienene Zeitschrift (das „maßgebliche Organ auf protestantischer Seite“ - Schriftleiter: Professor August Hinderer/Direktor des Evangelischen Pressedienstes) kommentierte das Verbot der Zeugen Jehovas durch die Nationalsozialisten mit Dankbarkeit und forderte weitere Verbote:

„Die Kirche wird dankbar anerkennen, dass durch dieses Verbot eine Entartungserscheinung des Glaubens beseitigt worden ist ... Damit ist jedoch noch keine vollständige Bereinigung der Sekten erreicht. Erwähnt seien nur die Neuapostolischen.“

Quelle:http://www.theologe.de/zeugen-jehovas_kirche.htm

Ich bin einigermaßen überrascht über solche Aussagen.

tvmovie
weshalb denn????????

tvmovie

#6 Beitrag von tvmovie » 26.02.2008, 18:05

Nun, ich meine, das die Zeugen Jehovas zur Zeit des dritten Reiches am ehesten das verkörperten, was in der Urkirche auch gelebt wurde.
Nämlich:
Um ihres Glaubens Willen liesen sie sich umbringen.

Wie ich reagiert hätte, ist klar:
Ich wäre nicht in den Tod wegen meines Glaubens gegangen.
Daher meine ich, dass da etwas vollbracht wurde, dass ich nicht schaffen würde.
Außerdem heißt dies für mich, dass die ev-Kirche leider auch mit dem Strom in diesem dritten Reich geschwommen ist.

tvmovie

der reutlinger

#7 Beitrag von der reutlinger » 26.02.2008, 18:14

tvmovie hat geschrieben:Nun, ich meine, das die Zeugen Jehovas zur Zeit des dritten Reiches am ehesten das verkörperten, was in der Urkirche auch gelebt wurde.
Nämlich:
Um ihres Glaubens Willen liesen sie sich umbringen.

Wie ich reagiert hätte, ist klar:
Ich wäre nicht in den Tod wegen meines Glaubens gegangen.
Daher meine ich, dass da etwas vollbracht wurde, dass ich nicht schaffen würde.
Außerdem heißt dies für mich, dass die ev-Kirche leider auch mit dem Strom in diesem dritten Reich geschwommen ist.

tvmovie
liesen sie sich umbringen????
und die juden???

enanito

#8 Beitrag von enanito » 26.02.2008, 18:22

der reutlinger hat geschrieben:
tvmovie hat geschrieben:Nun, ich meine, das die Zeugen Jehovas zur Zeit des dritten Reiches am ehesten das verkörperten, was in der Urkirche auch gelebt wurde.
Nämlich:
Um ihres Glaubens Willen liesen sie sich umbringen.

Wie ich reagiert hätte, ist klar:
Ich wäre nicht in den Tod wegen meines Glaubens gegangen.
Daher meine ich, dass da etwas vollbracht wurde, dass ich nicht schaffen würde.
Außerdem heißt dies für mich, dass die ev-Kirche leider auch mit dem Strom in diesem dritten Reich geschwommen ist.

tvmovie
liesen sie sich umbringen????
und die juden???
nun ja, vieleicht ist das "etwas" unscharf formuliert. Sie starben um ihres Glaubens willen wäre vieleicht genauer...
Freiwillig haben diese Menschen sich bestimmt nicht umbringen lassen.

In diesem Zusammenhang ist in jedem Fall auch die Bekennende Kirche um Niemöller und Bonhoefer zu erwähnen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bekennende_Kirche

Aus Sicht des Naziregimes wurden diese Menschen (Juden ausgenommen) nicht nur um ihres Glaubens willen getötet. Regimegegner wurden einfach beseitigt.

Grüsse
Carsten

tvmovie

#9 Beitrag von tvmovie » 26.02.2008, 22:36

enanito hat geschrieben:
der reutlinger hat geschrieben:
tvmovie hat geschrieben:Nun, ich meine, das die Zeugen Jehovas zur Zeit des dritten Reiches am ehesten das verkörperten, was in der Urkirche auch gelebt wurde.
Nämlich:
Um ihres Glaubens Willen liesen sie sich umbringen.

Wie ich reagiert hätte, ist klar:
Ich wäre nicht in den Tod wegen meines Glaubens gegangen.
Daher meine ich, dass da etwas vollbracht wurde, dass ich nicht schaffen würde.
Außerdem heißt dies für mich, dass die ev-Kirche leider auch mit dem Strom in diesem dritten Reich geschwommen ist.

tvmovie



liesen sie sich umbringen????
und die juden???
nun ja, vielleicht ist das "etwas" unscharf formuliert. Sie starben um ihres Glaubens willen wäre vieleicht genauer...
Freiwillig haben diese Menschen sich bestimmt nicht umbringen lassen.

In diesem Zusammenhang ist in jedem Fall auch die Bekennende Kirche um Niemöller und Bonhoefer zu erwähnen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bekennende_Kirche

Aus Sicht des Naziregimes wurden diese Menschen (Juden ausgenommen) nicht nur um ihres Glaubens willen getötet. Regimegegner wurden einfach beseitigt.

Grüsse
Carsten
Danke dir, enanito, wer läßt sich schon freiwillig umbringen, das war sicher falsch formuliert, daher nochmals Danke an dich.

tvmovie

Clemens

#10 Beitrag von Clemens » 27.02.2008, 10:19

tvmovie hat geschrieben:Nun, ich meine, das die Zeugen Jehovas zur Zeit des dritten Reiches am ehesten das verkörperten, was in der Urkirche auch gelebt wurde.
Nämlich:
Um ihres Glaubens Willen liesen sie sich umbringen.

Wie ich reagiert hätte, ist klar:
Ich wäre nicht in den Tod wegen meines Glaubens gegangen.
Daher meine ich, dass da etwas vollbracht wurde, dass ich nicht schaffen würde.
Außerdem heißt dies für mich, dass die ev-Kirche leider auch mit dem Strom in diesem dritten Reich geschwommen ist.

tvmovie
Das ist so einfach nicht richtig. Natürlich hatte sich die ev. Kirche auch mit einem eher national-konservativen Geist in ihren Reihen rumzuschlagen (wie die NAK), doch gab es dort keinen Führer, der für alle Protestanten Handlungsanweisungen hätte formulieren können. Die ev Kirche spaltete sich ab 1934 in die "Deutschen Christen" und in die "Bekennende Kirche" auf. Der von Hitler eingesetzte Reichsbischof Müller sollte die Funktion inne haben, die Bischoff in der NAK inne hatte: Ein religiöser Führer, den man kontrollieren konnte und der seinerseits wieder seine Glaubensgemeinschaft kontrollieren konnte. Müller konnte sich jedoch gegen die starken Bekenntnis-Kräfte nicht behaupten und trat zurück. Auch dem nun für die Kirchen (und besonders für die evangelische, weil man sich an der katholischen längst umsonst abgearbeitet hatte) zuständigen Minister Kerll gelang es nicht, die ev. Kirche gleichzuschalten.
Auf der einen Seite sprachen sich hunderte Pfarrer in Kanzelverlesungen gegen den NS aus und wurden dafür inhaftiert, auf der anderen Seite war der NS 1933 in prot. Kreisen zum Teil euphorisch begrüßt worden.
Geschichte ist den seltensten Fälle "schwarz" oder "Weiß". (Der gewaltigste Unterschied zwischen EK und NAK bezüglich NS besteht allerdings darin: Aufarbeitung)

Anbei: Neben den Jehovas Zeugen, die den höchsten Blutzoll zu zahlen hatten, waren im Bereich der polit. Verweigerung, Judenrettung etc. vor allem die Adventisten und die Quäker positiv in Erscheinung getreten.

vg, Clemens

Wer sich intenisver mit diesem Thema auseinandersetzen will, dem sei dringend folgendes Standart-Werk empfohlen:

Meier, Kurt: Kreuz und Hakenkreuz. Die evangelische Kirche im Dritten Reich, München 1982/2001, 250 S., dtv, 11,50

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