Lebenslügen in den Kirchen

Für Zweifler und andere gute Christen
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Lobo

#41 Beitrag von Lobo » 15.02.2008, 17:54

Jeder mutwillig versäumte Gottesdienst wird dir in der Ewigkeit fehlen.
So wollte man die Kirche voll bekommen, anstatt über eine gehaltvolle Predigt nachzudenken. Ich sage nur Nachmittagsgottesdienst am Sonntag.

Krankheit und Arbeit entschuldigen bei einem Gottesdienstversäumnis.
Das war noch in der Zeit, als Anwesenheitslisten geführt worden sind.
Dabei gibt es eine Vielzahl von Gründen.

Gruß
Lobo

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#42 Beitrag von tosamasi » 15.02.2008, 18:12

So wollte man die Kirche voll bekommen, anstatt über eine gehaltvolle Predigt nachzudenken. Ich sage nur Nachmittagsgottesdienst am Sonntag.
Es ist doch zu fragen, warum, wozu? Die Macher hatten dadurch Mehrarbeit. Ich denke, das alles geschah im guten Glauben, Vollendungsglauben.
Was also vermutest Du, Lobo?
Nur der Einfältige fürchtet die Vielfalt
tosamasi

Lobo

#43 Beitrag von Lobo » 15.02.2008, 18:44

tosamasi hat geschrieben: ...Ich denke, das alles geschah im guten Glauben, Vollendungsglauben.
Was also vermutest Du, Lobo?
Das manches im guten Glauben getan wurde, will ich gar nicht absprechen.
Aber ich habe auch die Gespräche über Zahlen, Zahlen, Zahlen noch im Ohr.
Der reinste Zahlenfetischismus. Und, wer einige Male nicht im Gottesdienst war, wurde sofort besucht und abgefragt.

Gruß
Lobo

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#44 Beitrag von tosamasi » 15.02.2008, 18:49

Lobo hat geschrieben:
tosamasi hat geschrieben: ...Ich denke, das alles geschah im guten Glauben, Vollendungsglauben.
Was also vermutest Du, Lobo?
Das manches im guten Glauben getan wurde, will ich gar nicht absprechen.
Aber ich habe auch die Gespräche über Zahlen, Zahlen, Zahlen noch im Ohr.
Der reinste Zahlenfetischismus. Und, wer einige Male nicht im Gottesdienst war, wurde sofort besucht und abgefragt.


Gruß
Lobo
Fettung von mir


Und warum?
Nur der Einfältige fürchtet die Vielfalt
tosamasi

Lobo

#45 Beitrag von Lobo » 16.02.2008, 10:47

tosamasi hat geschrieben: Fettung von mir
Und warum?
Um die Geschwister mit den genannten Lebenslügen zu beunruhigen.

Es geht mir nicht vordergründig darum, nur "alte Kamellen" hervorzuholen.
Ich würde mir wünschen, dass die Aussagen nicht mehr gemacht würden.
Bloß, da habe ich meine Zweifel, weil die Lebenslügen bei vielen Seelsorger extrem stark verinnerlicht sind.
Dann hört man Aussagen wie: Haben wir doch immer so gemacht... ...was war den daran so schlecht?...etc.

Wer im Gottesdienst genau hinhört, wird immer noch in regelmäßigen Abständen mit den Lebenslügen konfrontiert.
Das sollte in heutiger Zeit aber nicht mehr so sein. Also, müssen die Aussagen angesprochen,
und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden.

Gruß
Lobo

Anne

#46 Beitrag von Anne » 16.02.2008, 10:50

Guten Morgen Lobo!

Vielleicht passt das zum Thema. Es geht darin auch um Glaubenssätze, die du erwähnst...

LG
Anne

Lobo

#47 Beitrag von Lobo » 16.02.2008, 11:01

Anne hat geschrieben:Guten Morgen Lobo!

Vielleicht passt das zum Thema. Es geht darin auch um Glaubenssätze, die du erwähnst...

LG
Anne
Anne, einen guten Morgen auch von mir!
Es geht mir bei diesem Thema nicht so sehr um Glaubenssätze, wiewohl ich das Buch nicht kenne.
Ich möchte auf die Seelsorgearbeit verweisen.

Der Satz von Hannes ist da absolut treffend formuliert:
...Da stehen sie dann mit ihren Nöten und Kämpfen und Krankheiten...
Wer oftmals erlebt hat, wie diese innere Zerrissenheit die Seelen schmerzt, der hat vielleicht eine Ahnung davon,
was Seelen angetan werden kann.

Gruß
Lobo

Anne

#48 Beitrag von Anne » 16.02.2008, 11:57

Ich verstehe...

Lobo, wenn ich so etwas lese bzw. höre, (mit-)erlebe, dann habe ich grundsätzlich ein Bedürfnis: im Angesicht der Not zu schweigen. So lange, bis die Worte von selbst wieder kommen, bei mir ... oder viel mehr bei dem, der diese Seelenschmerzen erlebt.

Und damit komme ich eigentlich auch zu der Antwort, die ich Dieter noch schreiben wollte: Ich glaube, dass wir in uns selbst schon wissen, spüren, erahnen (können), was wir tun - oder auch nicht tun - können. Und ich glaube auch, dass wir so erfahren können, worum wir Gott bitten, wonach wir rufen dürfen, weil ER uns zuerst gerufen hat!

Es gibt aber auch die Erfahrung, dass unsere Gebete "verhallen", dass wir uns - theoretisch - "heiser brüllen könnten" ... und weder "Ruf" noch Antwort vernehmen.

Beide Erfahrungen gehören zu unserer "Glaubensrealität" und es gibt m.E. kein "Rezept" für ein gelingendes Gebet; keine Garantie für Heilung, wie ich schon schrieb. Es bleibt - alles in allem - ein Unterwegssein...

Wenn man das anerkennt, dann bleibt man für beide Erfahrungen offen: für die guten, beglückenden, helfenden, heilenden ... aber auch für das Gegenteil: für die Erfahrung von Einsamkeit, Schmerzen, Hilflosigkeit, für elende Abgründe. Letzteres anzuerkennen fällt so viel schwerer. Aber meiner Erfahrung nach liegt darin schon wieder Hilfe...

Reverend hat im gk-Forum etwas eingestellt, was mich sofort angesprochen hat:

Zur Passion 2008 hier ein kleiner Text:

Keins seiner Worte
glaubte ich, hätte er nicht
geschrien: Gott, warum
hast du mich verlassen.

Das ist mein Wort, das Wort
des untersten Menschen.

Und weil er selber
so weit unten war, ein
Mensch, der «warum» schreit und
schreit «verlassen», deshalb könnte man
auch die andern Worte,
die von weiter oben,
vielleicht
ihm glauben.


Rudolf Otto Wiemer (1905-1998)


So viel dazu und zu meiner ganz persönlichen Sicht und Erfahrung. Du hast mir mit deinem Beitrag eine Brücke gebaut, Lobo.

Herzliche Grüße allen,
Anne

Brombär
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#49 Beitrag von Brombär » 16.02.2008, 12:48

Lobo schrieb :



Um die Geschwister mit den genannten Lebenslügen zu beunruhigen.

Es geht mir nicht vordergründig darum, nur "alte Kamellen" hervorzuholen.
Ich würde mir wünschen, dass die Aussagen nicht mehr gemacht würden.
Bloß, da habe ich meine Zweifel, weil die Lebenslügen bei vielen Seelsorger extrem stark verinnerlicht sind.
Dann hört man Aussagen wie: Haben wir doch immer so gemacht... ...was war den daran so schlecht?...etc.

Wer im Gottesdienst genau hinhört, wird immer noch in regelmäßigen Abständen mit den Lebenslügen konfrontiert.
Das sollte in heutiger Zeit aber nicht mehr so sein. Also, müssen die Aussagen angesprochen,
und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden.




Werte/r Lobo,

ich denke, es gilt bei diesem Thema zu differenzieren.

Da gibt es einerseits ein „ bevollmächtigtes „ Apostolat, welches über Jahrzehnte hinweg die irdische Realität als Jammertal darstellt, aus dem nur ein Weg der Enthaltsamkeit und lückenlosen Nachfolge führt.

Zum anderen gibt es eine stattliche Anzahl Menschen, die dieser Ansicht, aus unterschiedlichen Gründen, gläubig folgen und ihre Kraft in den ( scheinbaren ? ) Dienst der Vollendung stellen und sich zu Amtsträgern berufen lassen.

Sofern solche Amtsträger in priesterlicher Funktion tätig sind, ist die Wortverkündigung ein wichtiger Teil ihres Amtsauftrags.

Diese nun soll, aus falsch verstandenem Bibelverständnis, in freier Rede erfolgen, weil das Apostolat vermittelt, dass „ es „ der Heilige Geist zur rechten Zeit und Stunde ( Sonntagvormittag 9 Uhr 30 bzw. Mittwoch oder Donnerstagabend 20 Uhr ) dem dienenden Knecht offenbaren werde.

Um dieser Überforderung gerecht zu werden, entwickelten sich – sehr im Sinne des bevollmächtigten Amtes - Predigten nach dem Prinzip der Predigtmaschine, in welchem nahezu ausnahmslos die Früchte der Enthaltsamkeit und kindlichen Nachfolge gepriesen werden.

Nun ist es ein offenes Geheimnis, dass sich Menschen immer dann besonders freuen, wenn sie etwas hören, was Sie schon gewusst haben. ( Es scheint irgend wie ein zufriedenstellender Bestätigungsreflex zu sein ) Je öfter nun ein solcher Reflex ausgelöst wird, desto eher steigt die geistige Bereitschaft, das Gehörte zu bestätigen bzw. als richtig zu empfinden. Irgend wann erwächst daraus das Bedürfnis, der „ erkannten, göttlichen Wahrheit „ als Multiplikator zu dienen. So entstehen Weinbergsarbeiter und Amtsträger in der NAK.


Chor bitte eine Strophe.


Nun sind also Glaubenbrüder – nach einigen Trockenübungen als Diakon bei Jugendstunden – zum priesterlichen Amt mit Wortverkündigungsauftrag berufen.

Begleitet von einer Mischung als Angst, Stolz und Demut halten sie ihre ersten Gottesdienste, auf die sie sich durch Lesen des Textwortes, unter Sinnsuche in den Leitgedanken des Apostolats, gedanklich vorbereiten.

Spätestens, wenn sie hinter dem Altar stehen, scheint alles wie weggeblasen, was sie der Gemeinde sagen wollten. Ein paar lange zuvor bedachte Sicherheitshaken fallen ihnen – Gott sei Dank – im letzten Moment ein. Diese heißen: Dank auf den Altar legen, auf Eingangslied eingehen, auf Chorlied eingehen und Predigtmaschine anwerfen.


Chor bitte eine Strophe


So, werte/r Lobo,

an dieser Stelle frage ich Sie, ob Sie diesen bedauernswerten Knechten tatsächlich vorwerfen wollen, die Geschwister mit Lebenslügen zu beunruhigen ?

Natürlich haben Sie Recht, wenn Sie feststellen, dass die „ alten Kamellen „ noch längst nicht eliminiert sind, wie soll das auch gehen ? Das System des Predigtaufbaus hat sich ja offiziell nicht geändert und das Apostolat seine Meinung eben so wenig. Zudem dürfte es ungemein schwierig sein, den neuapostolischen Wortschatz, der zwangsläufig in die Schranken der neuapostolischen Apostellehre führt, abzulegen. Letztlich dürfte die Predigtmaschine bei einem solchen Versuch erheblich ins Stottern kommen.

Also, was ist zu tun ?


Brombär

werwolf

#50 Beitrag von werwolf » 16.02.2008, 14:52

Lieber Brombär,

ich kann Deine Ausführungen nur bestätigen. Als ich noch aktiv als Priester tätig war, habe ich mir immer einen kleinen "Spickzettel" gemacht, auf dem wirklich nur Stichworte standen. Es fällt einem, wenn man weiß, dass man Gottesdienst zu halten hat, im laufe der Woche so manches ein und auf, das zum Thema passt. Mich sprach einmal nach einem Gottesdienst ein Bruder, dem das aufgefallen war, ziemlich scharf an und meinte, die Predigt muss nur und "augenblicklich" aus dem Heiligen Geist kommen. Ich sagte ihm dann, dass der Heilige Geist mich schon am Dienstag oder Freitag auf einige Dinge aufmerksam gemacht hat. Um sie nicht zu vergessen, habe ich sie mir aufgeschrieben. Er reagierte sehr verblüfft, musste mir aber schließlich recht geben.

Dazu noch eine kleine Episode. Wir haben vor vielen Jahren einmal mit den Amtsbrüdern unserer Gemeinde Düsseldorf-Mitte (VAG) ein Wochenendseminar im Kloster Walberberg gemacht. In diesem Kloster werden katholische Priesteranwärter rhetorisch geschult und in Predigtvorbereitung unterwiesen. Der dafür zuständige Pater, ein ausnehmend sympathischer Bruder, erzählte uns, dass sein Prior auch ein Vertreter davon sei, dass der Heilige Geist "unmittelbar" wirken müsse und es keiner Gedankenstütze brauche. Er meinte dann, dass er bei den Predigten dieses Priors manchmal den Eindruck hätte, dass der Heilige Geist tief und fest schlafe.

Soviel zu diesem Thema.

Herzliche Grüße
werwolf

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