Lebenslügen in den Kirchen

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Lobo

Lebenslügen in den Kirchen

#1 Beitrag von Lobo » 13.02.2008, 16:34

hannes hat geschrieben: ...Menschen, die auch diesen Christus und seine Worte hören: "Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!". Sie lesen von der Heilung der zwei besessenen Gadarener, von dem Blinden, den er sehend gemacht hat, und so weiter ... und hören wieder seine Worte, die er an seine Jünger gerichtet hat: "Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein!" Da stehen sie dann mit ihren Nöten und Kämpfen und Krankheiten und lesen das und suchen das heute auch für ihr Leben ... und sehnen sich nach Menschen, die verstanden haben und die diesen "Wunder"-Glauben haben und teilen!
@all
Analog der politischen Diskussion (Rüttgers 2006) sollte sich die Kirche von "zentralen Lebenslügen" verabschieden.
Wer in der Seelsorge tätig ist, könnte bestimmt noch mehr davon berichten.

Gott lässt sinken, aber er lässt nicht ertrinken.
Ja, erlässt sinken und gnadenlos ertrinken.

Beten hilft immer!
Nein, das Gebet bleibt häufig ohne Wirkung. Ich denke dabei auch/besonders an Fürbitten.

Gott lässt seine Kinder nicht im Regen stehen.
Doch, man kann es manchmal nicht fassen, dass es soviel Wasser gibt.

Gruß
Lobo

Dieter

#2 Beitrag von Dieter » 13.02.2008, 17:16

Hannes hat geschrieben:"Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein!" Da stehen sie dann mit ihren Nöten und Kämpfen und Krankheiten und lesen das und suchen das heute auch für ihr Leben.
Hannes, wenn sie es suchen, so werden sie es finden. Da glaube ich absolut daran. So bin ich überzeugt, dass Krankheit NIE Ursache, sondern immer Wirkung ist. Wenn ich bei -10 Grad im Sommertop draussen bin, so ist meine Grippe wohl kaum eine Ursache, sondern die Wirkung meines Fehlverhaltens. Da ist es noch leicht einzusehen. Aber wie ist es bei anderen Krankheiten?

Wenn ich solche Äusserungen mache, bekomme ich immer zu hören, man würde dem Kranken noch zusätzliche Schuld aufladen. Weil er praktisch selbst schuld wäre. Aber das ist nicht der Fall. Er ist nicht selbst schuld, weil er vielleicht noch gar nie sich über den Zusammenhang im Klaren geworden ist.

Hier kann ich aus eigenem Erleben ein Beispiel erzählen. 1989 bekam ich starke Rückenschmerzen. Wie sich bei einer Untersuchung herausstellte, hatten sich zwei Wirbel gegeneinander verschoben. Dies führte zu einem Einklemmen der Nerven im Wirbelkanal, was starke Schmerzen sowie Ausfallerscheinungen an den Beinen auslöste. Zunächst wurde die Erkrankung durch Krankengymnastik und auch mit Spritzen von Medikamenten behandelt. Nachdem dies nach einiger Zeit nicht mehr geholfen hatte, lies ich mich operieren. Bei dieser Operation wurden die beiden Wirbel versteift und die Schmerzen waren weg. Sie blieben auch viele Jahre weg, bis sie Anfang 2006 wieder auftraten. Eine erneute Untersuchung ergab, daß oberhalb der versteiften Wirbel ein neues Wirbelgleiten aufgetreten ist. Der Arzt riet mir zu einer erneuten Operation.

In dieser Zeit kauften wir uns auch eine neue Wohnung. In der bisherigen gemieteten Wohnung hatten wir uns vom ersten Tag an unwohl gefühlt. Dies führte dazu, daß wir uns nach einer anderen Wohnung umsahen. Von dem Tag an, als wir wussten, daß wir in ein eigenes Heim einziehen werden, waren meine Rückenschmerzen verschwunden. Den bereits geplanten Operationstermin habe ich abgesagt. Ich habe mir gesagt: Mir bricht keiner mehr den Rücken. Und ich lege alles ab, was mich in der Vergangenheit belastet hat. Dies hat in meinem Leben zu verschiedenen Konsequenzen geführt. Letztlich dienten sie aber dazu, Lasten abzugeben, mit denen ich mich herumgequält habe. Nun liegt die Untersuchung, bei der beschlossen wurde, daß ich operiert werden sollte, 2 Jahre zurück. Und ich habe keine Schmerzen mehr. Ohne dass ich operiert worden wäre.

Hätte ich weiter auf die Rückenschmerzen geachtet und mein Leben nicht geändert, so bin ich überzeugt, dass ich die Operation hätte machen lassen müssen. So aber habe ich die eigentliche Ursachen der Krankheit beseitigt und habe keinerlei Beschwerden mehr. Dies habe ich – damals noch unbewusst – so gemacht. Heute bin ich mir sicher, daß ich mit meiner heutigen Einstellung durchaus auch in der Lage gewesen wäre, die erste Operation zu vermeiden.

Die Worte Jesu gelten heute noch genauso wie früher. Dass es weniger Wunder gibt, ist nicht seine Schuld. Oft sind wir einfach zu kleingläubig. Und wünschen uns oft das Falsche. Wie hätte ich mit meinem Rücken gesund werden können, wenn ich nicht die Ursache beseitigt hätte? Lasten abgelegt hätte, die mich "verbogen" haben? Heute bin ich der, der ich bin. Und stehe dazu ohne daß ich mich verbiegen muss. Ich bleibe aufrecht. Und den Rücken bricht mir schon gar niemand mehr. Aber das sind Zusammenhänge, die man sich erst erarbeiten muss. Insofern war ich selbst schuld an meinen Beschwerden mit dem Rücken. Aber es ist keine Schuld im eigentlichen Sinn. Sie wäre nur dann vorhanden, wenn ich mit meinem heutigen Wissen noch immer nichts ändern wollte. An mir, nicht an anderen. Daher greift der Vorwurf, man würde dem Kranken noch ein zusätzliche Schuld aufladen, nicht. Aber es hilft einem jeden, wenn er sich Gedanken darüber macht, was eventuell die eigentliche Ursache sein könnte. Und nur wenn er sie findet aber nichts daran ändert, dann ist er selbst schuld.

Ich hoffe, dieser etwas länger geratene Beitrag ist verständlich geworden.
Noch einen schönen Abend!

Dieter
Zuletzt geändert von Dieter am 13.02.2008, 17:29, insgesamt 1-mal geändert.

Brombär
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#3 Beitrag von Brombär » 13.02.2008, 17:20

Hallo Lobo,

Sie haben in Ihrem Beitrag verschiedene Feststellungen zum " Verhältnis Gott-Christ " getroffen.
Um gezielt auf das Thema ein zu gehen, fände ich hilfreich, Ihr Fazit kennen zu lernen.


Brombär

Lobo

#4 Beitrag von Lobo » 13.02.2008, 17:35

Brombär hat geschrieben: ...Um gezielt auf das Thema ein zu gehen, fände ich hilfreich, Ihr Fazit kennen zu lernen...
Hallo Brombär,
in meinem Umfeld spreche ich die Lebenslügen an. Ich erlebe dann bei Amtsträgern immer einen Erklärungsnotstand.
Die Aussage - wer weiß, für was das gut ist - lehne ich als Erklärung ab.
So erfahre ich in den meisten Fällen, dass immer wieder mit Allgemeinplätzen argumentiert wird. Für mich sehr unbefriedigend. Hilfreich finde ich, dass die Lebenslügen thematisiert werden. Wachrütteln.

Gruß
Lobo

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tosamasi
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#5 Beitrag von tosamasi » 13.02.2008, 17:44

Als Lebenslüge wird eine Unwahrheit bezeichnet, die jemand während seines Lebens wissentlich und absichtlich als Wahrheit bezeichnet und so behandelt, obwohl er das Gegenteil kennt oder kennen müsste. Die Ausrichtung und der Sinn des Lebens basieren dann im Wesentlichen auf einer Lüge.
Quelle

Ich denke, dein Urteil, Lobo, ist zu hart, wenn Du das den Kirchen im Allgemeinen unterstellst. Ich setze wirklich erstmal Glauben und guten Willen voraus.
Ob unser Gottesbild von Barmherzigkeit und Güte so stimmt, steht bekanntlich auf einem anderen Blatt.
Nur der Einfältige fürchtet die Vielfalt
tosamasi

Dieter

#6 Beitrag von Dieter » 13.02.2008, 17:54

Lieber Lobo,

Lebenslügen sind in meinen Augen zum Beispiel diese:
- Es ist der Wille Gottes, dass Dir dies oder jenes widerfahren ist.
- Ich überlasse alles dem lieben Gott. Er wird es schon richten.
- Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe.
- Ich muss mich unter den Willen Gottes beugen.
- Es ist der Wille Gottes gewesen, dass dieser Mensch gestorben ist.

Das sind in meinen Augen Lebenslügen, mit denen die Menschen Verantwortung von sich schieben. Hin zu einer fernen Instutition, die als unangreifbar gilt. Diese Einstellung akzeptiere ich - für mich - nicht mehr. Gott will, daß ich mich um vieles selbst kümmere. Und er kann mir dabei helfen, wenn ich auf ihn vertraue. Aber ich bin für mich selbst verantwortlich. Und daher muss ich mein Leben selbst in die Hand nehmen.

Jesus selbst sagt: (Joh. 15,7) Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

Warum sollte ich dies nicht so nehmen, wie es dasteht? Ich darf Gott bitten um was ich will. Und er wird es mir schenken. Wortwörtlich. Er hat nie gesagt, dass man am Ende einer Bitte sagen müsse: Dein Wille geschehe.

Jesus tat dies nur ein einziges Mal. Und da ging es nicht um persönliche Belange. Da ging es um die geistige Errettung der Menschen. Nicht darum, daß man einen Arbeitsplatz findet oder wieder gesund wird. Die Möglichkeit der geistigen Errettung der Menschheit ist aber nun gegeben. Und keiner von uns braucht sie aufs Neue herbeiführen. Also braucht auch keiner diese Aussage an seine Bitten anschliessen.

Es ist der Wille Gottes, dass es uns gut geht. Er hat uns als vollkommene Wesen erschaffen, denn am Ende der Schöpfungsgeschichte lesen wir, dass alles sehr gut war. Dass es heute nicht mehr so ist, ist nicht Gottes Schuld. Sondern unsere eigene. Also sind wir gefragt, dort etwas zum Besseren zu ändern, wo wir es können.

Vor allem der letzte Punkt meiner obigen, unvollständigen Aufstellung bringt mich auf die Palme, wenn ihn jemand sagt. Gott hat nie im Sinn gehabt, dass der Mensch stirbt. Er stirbt immer an seiner eigenen und selbst verschuldeten Unvollkommenheit. Der ursprüngliche Mensch war vollkommen. Ein Ebenbild Gottes. Und kein Geschöpf, das sich willenlos unterzuordnen hat. Und nur so lange leben darf, wie es Gott will. Wäre es so, so hätte der Mensch keine Seele erhalten. Denn sie ist es eigentlich, die dem Mensch die Unsterblichkeit verleiht, auch wenn die Hülle zerfällt.

Dieter

Brombär
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#7 Beitrag von Brombär » 13.02.2008, 18:41

Lobo schrieb :


Gott lässt sinken, aber er lässt nicht ertrinken.
Ja, erlässt sinken und gnadenlos ertrinken.

Beten hilft immer!
Nein, das Gebet bleibt häufig ohne Wirkung. Ich denke dabei auch/besonders an Fürbitten.

Gott lässt seine Kinder nicht im Regen stehen.
Doch, man kann es manchmal nicht fassen, dass es soviel Wasser gibt.



Werte/r Lobo

Die drei angeführten Redewendungen laufen ja, dem Sinn nach, auf die Erkenntnis hinaus, dass Gott kein zuverlässiger Partner sei und, ( ich erweitere frei ) eine Besserung der Verhältnisse, nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung, eintritt oder auch nicht.

Mir ist dieser Standpunkt zu oberflächlich und meine Gebetserfahrung ist eine andere.

Vor einiger Zeit las ich :

Innig betest du erst,
wenn Zeit keine Rolle mehr spielt,
wenn du ganz still geworden bist.
Ja mehr,
innig beten kannst du,
wenn du so still geworden bist,
dass du empfindest und weißt,
nichts mehr sagen zu müssen,
Gott im Schweigen zuhörst.

Ich weiß, das sind große Worte, vielleicht für viele leidende oder hoffende Menschen vermeintlich unerreichbar.
Gott scheint mir sehr ausdauernd zu sein und seine Prüfungsphasen schier unendlich und doch erfährt, wer sich in Demut unter seine Schickung beugt, dass er bei uns ist, alle Tage, bis an der Welt Ende.

Nein, ich habe nicht leicht reden. Die dargelegte Sicht ist das Resultat großen, lang anhaltenden Leids.

Brombär

Anne

#8 Beitrag von Anne » 13.02.2008, 19:08

Brombär hat geschrieben:Ich weiß, das sind große Worte, vielleicht für viele leidende oder hoffende Menschen vermeintlich unerreichbar.
Gott scheint mir sehr ausdauernd zu sein und seine Prüfungsphasen schier unendlich und doch erfährt, wer sich in Demut unter seine Schickung beugt, dass er bei uns ist, alle Tage, bis an der Welt Ende.

Nein, ich habe nicht leicht reden. Die dargelegte Sicht ist das Resultat großen, lang anhaltenden Leids.

Brombär
Lieber Brombär,

vielleicht hast du dich gar nicht gebeugt, sondern dein Leiden angenommen? Für mich klingt das nach einer aufrechten und - am Ende eines Prozesses - bewussten Haltung.

Herzliche Grüße
Anne

Anne

#9 Beitrag von Anne » 13.02.2008, 19:52

Lieber Dieter,

wenn ich deine Zeilen lese, bekomme ich umso mehr den Wunsch, von dem ich "nebenan" schon schrieb: dass man über die Ebenen nachdenkt, von denen man spricht, auf denen man sich bewegt ... und sie sorgsam voneinander trennt.

Dieter, du hast eine starke Erfahrung gemacht: du hast körperlich-seelische Zusammenhänge erkannt, hast deine eigene Verantwortung und Möglichkeit dabei erfasst und etwas Entscheidendes in deinem Leben verändert.

Du bringst aber noch eine weitere Ebene mit ins Spiel: eine spirituell-geistige. Und in allem sprichst du von einer Heilung; sogar von einer Heilung, die Gott uns schenken möchte und um die wir ihn - letztlich - nur zu bitten brauchen, weil sie zu seinem Schöpfungswillen gehört.

Was soll ich sagen...?!

Ich denke, ich weiß, wovon du sprichst: von der Heilungsmöglichkeit auf einer Leib-seelisch-geistigen Ebene. Sie ist die große Hoffnung der Menschheit, würde ich mal sagen, aber genau sie ist es auch, die uns hier zu Feststellungen führen kann, wie Lobo sie beschreibt:

Gott lässt sinken, aber er lässt nicht ertrinken.
Ja, er lässt sinken und gnadenlos ertrinken.

Beten hilft immer!
Nein, das Gebet bleibt häufig ohne Wirkung. Ich denke dabei auch/besonders an Fürbitten.

Gott lässt seine Kinder nicht im Regen stehen.
Doch, man kann es manchmal nicht fassen, dass es soviel Wasser gibt.


Ich schrieb es auch "nebenan": Die verschiedenen Ebenen aufzudröseln und voneinander zu unterscheiden, ist eine Lebensaufgabe. Das können wir hier nicht schaffen, aber vielleicht helfen ja schon einige Ansätze:

Wenn man Heilung sucht, ist es meiner Meinung nach umso wichtiger zu unterscheiden, auf welcher Ebene diese nötig ist. Und daraus kann man dann versuchen abzuleiten, auf welchem Weg man diese finden oder ihr näher kommen kann. Ich drücke mich bewusst vorsichtig aus, weil der Vorgang einer Heilung so komplex ist, dass es einfach kein Versprechen dafür geben kann!
Deshalb wird mir auch immer unwohl dabei, wenn jemand versucht, einen konkreten Weg aufzuzeigen, auch - oder gerade - wenn Gott dabei "mit im Spiel ist". ER kann dadurch ganz schnell zu dem werden, der - verdammt nochmal - nicht hilft. Verstehst du?

Deine gute Erfahrung möchte ich dir damit keineswegs absprechen (und auch nicht, dass sie auf allen Ebenen wirksam ist). Aber: es ist deine...

Einen schönen Abend wünscht
Anne

Matula
Beiträge: 1574
Registriert: 16.11.2007, 09:48

#10 Beitrag von Matula » 14.02.2008, 08:22

Eine Lebenslüge ist, wenn eine Kirche von sich behauptet, die einzig wahre Kirche Christi zu sein und neben ihr keine andere christliche Kirche existiert und nur in dieser einen Kirche Erlösung und Errettung möglich ist.

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