SEELSORGER “ BERUF - BERUFUNG - ODER BEIDES...?

Für Zweifler und andere gute Christen
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Lobo

#41 Beitrag von Lobo » 28.01.2008, 13:27

Lieber Maximin,

ich denke z. B an Psalm 139.

...Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? 8 Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. 9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, 10 so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. 11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein -, 12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht. 13 Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe... :wink:

Gruß
Lobo

Maximin

KEINE CHANCE...?!

#42 Beitrag von Maximin » 28.01.2008, 15:27

:) Tja, mein lieber Lobo,
irgendeiner im Nachbarforum unterschreibt seine Beiträge permanent mit folgendem Satz: Wir haben keine Chance, Gott ist mit uns.
Ich meine, wenn es um die Frage unserer Rubrik geht: SEELSORGER -BERUF - BERUFUNG - ODER BEIDES, dan bekommt der Formulierung „keine Chance...“ eine besondere Bedeutung zu - oder?!

Lieben Gruß vom Micha, besonders auch an Filippo... :wink:

Maximin

UNGERECHTIGKEIT ...?

#43 Beitrag von Maximin » 31.01.2008, 19:34

:) Lieben Freunde,
wir hatten uns mit der Frage beschäftigt, ob Seelsorger ein Beruf, eine Berufung oder vielleicht beides ist. Vielen Dank für die rege Beteiligung. Neben den vielen anderen klugen Beiträgen hat mich einer von Lobo besonders beeindruckt. Lobo schrieb: „Es ist in vielen Fällen nicht immer sofort klar, wer eigentlich der Rufende bei einer Berufung ist. “

Am Ende seines Gleichnisses von der königlichen Hochzeit legt der Herr Jesus dem königlichen Gastgeber die Worte in den Mund: „Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“ (Matthäus 22,14)

Wenn man dieses Gleichnis auf sich wirken lässt, dann scheint es mit einer Ungerechtigkeit zu enden. Da die bessere Gesellschaft der Einladung nicht folgte, schickte er seine Leute erneut aus. Sie sollten die einladen, die sie fanden, den berühmten Mann von der Straße.

Es heißt: „Und die Knechte gingen auf die Straßen hinaus und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute; und die Tische wurden alle voll.“(Matthäus 22,10)

Am Ende sind alle Tische besetzt, mit Bösen und Guten. Für die Hochzeit am Königshof eine dolle Gesellschaft. Aber einer fliegt unversehens wieder hinaus. Warum? Na weil dem armen Kerl der Festanzug fehlt. Ist das nicht ungerecht? Ich meine, er war doch gerufen und auserwählt so wie er eben war. Warum dann der Rausschmiss?

Liebe Grüße, landauf und landab vom
Micha :wink:

Lobo

Re: UNGERECHTIGKEIT ...?

#44 Beitrag von Lobo » 01.02.2008, 14:09

Maximin hat geschrieben: ... Na weil dem armen Kerl der Festanzug fehlt. Ist das nicht ungerecht? Ich meine, er war doch gerufen und auserwählt so wie er eben war. Warum dann der Rausschmiss?...
Hallo Maximin,

ich glaube, der Zusammenhang ist hier zu sehen:

Offenbarung 3, 4.5
...Aber du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind's wert. 5 Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln...

Gruß
Lobo

Maximin

KLEIDERWECHSEL...

#45 Beitrag von Maximin » 01.02.2008, 16:42

:) Mein lieber Lobo,
wenn ich mir zum Wochenende eine Gruppe Obdachloser, Stadtstreicher und anderer an der Gesellschaft gestrandeter Menschen zum Mittagessen einlade, dann muss ich sie so aufnehmen, wie sie eben sind. Muss ich...?

Vielleicht liegt der Schlüssel tatsächlich in der von Dir angeführten Schriftstelle: „...Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden...“

Wohlgemerkt, hier geht es um ein vom Herrn Jesus erzähltes Gleichnis, das die damaligen jüdischen Hochzeitsgebräuche als Hintergrund hat. Wenn man das bedenkt, dann handelte der König eben nicht ungerecht.

Liiebe Grüße vom Micha :wink:

filippo

#46 Beitrag von filippo » 01.02.2008, 17:08

Eben Micha. Der Gast hatte demnach, wie alle anderen Gäste auch, vom König ein hochzeitliches Kleid erhalten. Er befand es aber wohl nicht für nötig, es anzuziehen ....

Lobo

#47 Beitrag von Lobo » 01.02.2008, 17:27

filippo hat geschrieben: ...Er befand es aber wohl nicht für nötig, es anzuziehen...
Diese Schlussfolgerung ist unbedingt zwingend.
Aber die persönliche Einstellung zum Ereignis, dürfte dabei wohl eine Rolle gespielt haben.

Maximin

HIRTEN GESUCHT...

#48 Beitrag von Maximin » 18.03.2008, 09:34

:) Lieben Freunde,
in den letzten Jahren bin ich vielen Leuten begegnet, zum Teil Männern in den besten Jahren, die aus den unterschiedlichsten Gründen den Dienst in ihrer Gemeinde quittiert haben oder dabei sind, das demnächst auch zu tun. Ich finde diese traurige Entwicklung zum Heulen. Denn so werden nicht nur Talente, sondern von Gott geschenkte geistliche Begabungen vergeudet.

Welche Gründe zu solchen Rückzügen auch immer geführt haben mögen, was bleibt sind brachliegende Talente und von Gott geschenkte geistliche Begabungen. Das darf so nicht weitergehen. Nun höre ich hier und da den Satz: „Auf mich komm es ja nicht an“. Wirklich nicht?

Da donnert ein Intercity durch die nächtliche Landschaft. Plötzlich kreischende Bremsen. Im Zug purzelt alles durcheinander. Nach gelungener Notbremsung stellt sich heraus, dass jemand den Lockführer durch Lichtzeichen gewarnt hatte, weil ein umgestürzter Baum das Gleis blockierte. Auf diesen mutigen Mann kam alles an.

In vielen Kirchen werden dringen Leute gesucht, die bereit und fähig sind, in der Gemeinde mitzuarbeiten. Hör also auf zu sagen: „Auf mich komm es ja nicht an“, sondern tu was. Für Dich selbst, für die, die darauf warten das etwas getan wird und für den, der die Wege gelegt hat. Das Streckennetz der Deutschen Bahn ist mit rd. 34.000 km das längste in ganz Europa.

Liebe Grüße, landauf und landab von Eurem Micha :wink:

Maximin

HIRTEN GESUCHT...

#49 Beitrag von Maximin » 18.03.2008, 09:39

HIRTEN GESUCHT (Auszüge aus dem NikodemusNet)

Die Aufgaben von Leitern und Hirten sind vielfältig. Die gängigen Aufgaben von Kirchengemeinderäten, Presbytern oder von Ältesten helfen aber nur bedingt weiter, eine gute Antwort auf die Frage zu bekommen. Denn häufig begegne ich dabei dem Gemeindemanager, dem Organisator und dem Verwalter über Gebäuden und Finanzen. Manche Gemeinden werden meinem Empfinden nach weltlichem Vorbild geführt. Moderne Management-Praktiken haben die Gemeindeleitung nach biblischem Vorbild abgelöst.
[...]
Der Gemeindeälteste ist demnach wie ein Hirte, der sich um das Wohl der Gemeindeglieder kümmert. Die Bibel geht eindeutig davon aus, dass die einzelnen Gemeindeglieder Schutz und Fürsorge benötigen. Das betrifft primär Schutz vor Irrlehre, Fürsorge für das geistliche Wachstum und Beistand zu einem gelingenden Miteinander innerhalb der Gemeinde. Das zugrundeliegende Bild des hebräischen Hirten ist gekennzeichnet von Geborgenheit, Güte, Fürsorge, Weisheit, harter Arbeit, Leid und Liebe. Das Bild des guten Hirten in Psalm 23 kann durchaus als Vorbild für die geistliche Leitung einer Gemeinde verwendet werden, auch wenn menschliche Hirten den Anforderungen nicht in ganzem Umfang gerecht werden.
[...]
In der Rangfolge der Gnadengaben ist die Lehre an dritter Stelle, nach der Apostel- und Prophetengabe. Das Lehren ist eine der wichtigsten Gaben in einer Gemeinde. Und die Ältesten sind in besonderer Weise berufen zu lehren (1.Korinther 12,31).

Dieser Dienst muss nicht unbedingt von der Kanzel aus geschehen. Der Schwerpunkt kann bei einem Ältesten eher in der Lehre liegen, bei einem anderen vielleicht in der Seelsorge. Doch alle Ältesten brauchen ein gesundes Glaubensverständnis und die Fähigkeit, ihr Wissen fundiert an Gemeindeglieder weiterzugeben. Daraus wird ersichtlich, dass die Leitung einer Gemeinde im Team erfolgt. Die Gruppe der Ältesten leitet die Gemeinde. Und die einzelnen ergänzen sich mit ihren verschiedenen Gaben. Das Modell des hauptamtlichen Alleskönners (Pastor/Pfarrer), der sich um alle Belange der Gemeinde selbst kümmert, entbehrt der biblischen Grundlage. Neutestamentliche Gemeinden wurden immer gemeinschaftlich von mehreren Ältesten geleitet.
[...]
Wenn die Ältesten eine streitsüchtige Gesinnung haben, werden auch die Gläubigen bald streitsüchtig werden. (1.Timotheus 3,3; Titus 1,7)
Wenn die Ältesten nicht gastfreundlich sind, werden auch die Gläubigen unfreundlich und kalt sein. (1.Timotheus 3,2;Titus 1,8)
[...]
Wenn es den Ältesten an Feingefühl, Ausgeglichenheit und Selbstbeherrschung fehlt, wird es den Gläubigen ebenfalls an diesen Eigenschaften mangeln. (1.Timotheus 3,1-2; Titus 1,8).
[...]
Die Liste der Aufgaben und Qualifikationen erweckt leicht den Eindruck, dass es niemanden gibt, der in ganzem Ausmaß das Amt des Ältesten übernehmen könnte. Dieser Eindruck täuscht. Denn es gilt immer noch die Zusage von Jesus, dass er sein Reich mit schwachen und fehlerhaften Menschen baut.

Quelle: http://www.nikodemus.net/2205?page=0

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#50 Beitrag von Ich bin`s » 19.03.2008, 19:17

Hallo,

dieses Thema hat mich zu einem Beitrag angeregt.

Eigentlich müsste man den Begriff zuerst auf seine Grundform reduzieren. Dabei gilt es zwischen dem Begriff Seelsorge(r) und dem Amtverständnis oder Berufsbild zu unterscheiden.

Seelsorger im eigentlichen Sinn kann im Grunde jeder sein – geschlechtlich unabhängig. Dazu bedarf es auch keiner theologischen Aus- oder Vorbildung, ja im Grunde nicht einmal die Eigenschaft des christlichen oder eines anderen Glaubens.

Was zeichnet denn einen sich um die Seele (u. U. auch die eigene Seele) sorgenden „Seelsorger“ aus? Was macht mich zum Seelsorger?

Ich muss die Bewegungen des zu erfassenden Herzens wahrnehmen – meine Kommunikationsbasis.
Frage: Bin ich in diesem Sinn Kommunikationsfähig und –bereit

Ich muss die ausgesendeten Signale der Seele deuten können.
Frage: Habe ich Empfindungsbereitschaft und das Verständnis dafür?

Ich muss mich auf die Ebene der zu sorgenden Seele einlassen.
Frage: Stelle ich meine persönlichen Vorbehalte zurück, nehme ich mir Zeit?

Ich muss mir die Frage stellen, wie kann ich der Seele helfen (aber nicht im Sinn, wie löse ich schnellstmöglich dieses Problem – das wäre dann meine Problemlösung).
Frage: Kann ich mich in die Vorstellungswelt der zu sorgenden Seele versetzen?

Ich muss mir bewusst sein, dass ich selbst nicht unbedingt die Probleme dieser Seele lösen kann, meine offene und verständnisvolle Art aber zum Selbstheilungsprozess beitragen kann.
Frage: Kann ich zugeben, dass auch ich schwach bin?

Diese Aussagen kann man weiter ausbauen. Sie zeigen, dass jeder ein Seelsorger sein kann. Eines ist allerdings in dem Bereich der Seelsorge fehl am Platz, nämlich der Egoismus. Er ist eine undurchdringbare Wand – von beiden Seiten – und zerstört statt aufzubauen.

Leider findet man auch unter Christen des Öfteren die letztgenannte Eigenschaft oder Verhaltensweise.

Dann gibt es die nächste Stufe, den Amts- oder Berufsbegriff des Seelsorgers. Dieser sollte zusätzlich zu den oben aufgeführten Gedanken ein entsprechendes Potenzial an theologischer und soziologischer Bildung haben. Seine Aufgabe ist es, u. a. göttliches Wissen zu vermitteln, Gottesdienste zu halten, Glaubensgespräche zu führen, ggf. eine Gemeinde zu leiten usw..

Dem Theologen als Seelsorger (das eine bedingt nicht das andere) sollten soziale Strukturen und Verhaltensweisen nicht fremd sein. Auch rhetorische Kenntnisse sind ein wesentlicher Teil seiner persönlichen Struktur. Eine thematisch inhaltvolle Predigt kann davon nur profitieren und somit seine Zuhörer. Sicherlich ist hier auch eine gewisse Begabung von Nöten.

Dieses waren nur wenige Gedanken, die mir zu diesem Thema gekommen sind. Ich denke, man könnte Bücher darüber füllen, was einen Seelsorger wirklich ausmacht.

Gruß in die Runde
Ich bin`s

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