Glauben ohne ....

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agape
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Glauben ohne ....

#1 Beitrag von agape » 24.08.2013, 21:15

Glauben ohne Gott

""Hendrikse empfiehlt einem Glaubenden, Gott, Kirche und Religion zu meiden. „Es gibt nur eine Wirklichkeit und darüber oder dahinter gibt es keine andere oder höhere Wirklichkeit.“"

Das Thema (bzgl. des Pfarrers und dessen Haltung) hatten wir ja schon einmal vor fünf Jahren diskutiert und kommentiert.
Interessant sind trotz alledem die einschlägigen Positionen, ob man sie nun teilt oder nicht...
Wie denkt Ihr über manche Positionen?
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
Nach D.Sölle

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agape
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Re: Glauben ohne ....

#2 Beitrag von agape » 24.08.2013, 21:20

Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
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Pagan

Re: Glauben ohne ....

#3 Beitrag von Pagan » 25.08.2013, 07:01

Hendrikse wie auch de Groot Klick oder auch Kubitza gehören zu der immer häufiger anzutreffenden Gruppe der Theologen, die dem Bedürfnis (de Groot nennt es Sucht, Kubitza Wahn), kirchliche/biblische Glaubensaussagen für wahr zu halten/predigen, widerstehen.
Stattdessen reflektieren sie Glaubensaussagen kritisch und für mich intellektuell redlich, kommen damit aber auch zu ganz anderen Schlüssen als traditionsverhaftete Christen.

Für mich ist das jedoch kein Christentum mehr. Wenig tröstlich für "wahre" Christen: Der biblisch beschriebene Jesus war auch kein Christ. Er glaubte nicht, was Christen zu glauben genötigt werden. Er war ein unvollkommener jüdischer Wanderprediger, der selbst nicht tat, was er sagte, wie ich in einem anderen Thread zeigte, und u.a. auch deshalb kein moralisches Vorbild sein kann.

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agape
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Re: Glauben ohne ....

#4 Beitrag von agape » 25.08.2013, 21:05

Lieber Pagan,
ich danke Dir für Deine Gedanken und den weiterführenden "Klick", den ich gelesen habe.
Es ist doch immer wieder interessant, wie viele Aspekte es bei diesem traditionsfernen Thema gibt.
Interessant finde ich bei Ella de Groot, wie sie beschreibt, dass "Pfarrerinnen und Pfarrer "den Menschen helfen" müssten, Sinn im Leben zu finden und dass sie Jesus von "Nazareth verehrt".
Im jüdischem Glauben ist "Heil" immer diesseitig und jenseitig, Seele und Körper, etc..

Ich erinnere mich wie jemand im Gottesdienst laut den Satz sang: "Du füllst des Lebens Mangel aus" und hinterher innerlich fast zusammenbrach, weil ihm bewusst wurde, dass der Mangel und die Sehnsucht nach Leben durch das bloße Glauben an Gott eben doch nicht ausgefüllt wird.
Aber das wäre ja wieder ein neues Thema.
Danke, nochmals für Deine Einlassung,
agape
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
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Pagan

Re: Glauben ohne ....

#5 Beitrag von Pagan » 26.08.2013, 10:02

Je länger ichs bedenke, desto mehr komme ich zum Schluss, dass Hendrikse und de Groot sich und der "Welt" doch etwas vormachen und im "gottlosen" Buddhismus oder Taoismus wohl besser aufgehoben wären.

Mir erschliesst sich z.Bsp. beim besten Willen nicht, wie ein Hendrikse widerspruchslos behaupten kann: "man kann ... sogar ein Christ sein, ohne glauben zu müssen, dass es Gott gibt." Hat der Philosoph Jaspers doch recht wenn er sagte: "Als Christ soll jeder gelten, der sich dafür hält."? :?:

Irre ich mich? Christ sein schliesst doch zwingend ein, an einen personalen Gott, den Vater dieses Jesus zu glauben, Christ sein heisst doch, selbst Jesus als wahren Mensch und wahren Gott anzuerkennen, Christ sein heisst doch an Himmel und Hölle und Sünde und die Notwendigkeit der Sündenvergebung und der Möglichkeit der Vergebung durch das blutige OpferJesus zu glauben.

Ich meine es müsste bei solchen Aussagen von Hendrikse ein Aufschrei durch die Menge der Christen und ganz konkret hier auch durch die Forenwelt erschallen. Mir bestätigt das Ausbleiben dieses Protestes, dass sich viele Namenschristen glaubensmässig schon lange und z.T. sehr weit vom Christentum entfernt haben. Sie haben sich ihr eigenes und höchst individuelles "Wischiwaschitum" (sorry, aber was sonst ist es?) gebastelt haben, das sie dann der Bequemlichkeit halber oder um ja nicht nicht anzuecken einfach weiterhin "Christentum" oder "Christ sein" nennen.

Gaby

Re: Glauben ohne ....

#6 Beitrag von Gaby » 28.08.2013, 20:26

Vielleicht bringt das etwas Licht ins Dunkel???

http://www.ifl-muelheim.de/wwwAktuell/P ... etze_1.pdf

"Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht" (D. Bonhoeffer)
Wider einige Missverständnisse des christlichen Gottesglaubens ...

Pagan

Re: Glauben ohne ....

#7 Beitrag von Pagan » 29.08.2013, 11:30

Gaby hat geschrieben:Vielleicht bringt das etwas Licht ins Dunkel???

http://www.ifl-muelheim.de/wwwAktuell/P ... etze_1.pdf
Ich staune immer wieder. Da soll es einen Gott geben, den es nicht gibt. Dieser Gott aber ist das Grösste, worüber hinaus man sich nichts Grösseres denken kann, zudem ist "Gott unbegreiflich" und "Gott ist ein unauslotbares, unergründliches Geheimnis".
Trotzdem weiss man oder frau, dass "es zwischen Gott, dem Schöpfer von allem (creatio omnium ex nihilo), und seiner Schöpfung eine gewisse Ähnlichkeit / Entsprechung" gibt, man/frau weiss, dass "wahre Aussagen über Gott nicht steigerungsfähig sind", weiss, dass das "göttliche Sein anfang- und ursacheloses Sein aus sich selbst" ist, man/frau weiss, dass es abwegig wäre "Gott Personalität (und damit Selbstreflexivität, Freiheit, Verantwortlichkeit, Liebesfähigkeit u.ä" abzusprechen, weiss, dass Gott die Liebe ist, dass er dreieinig ist, weiss, was Gott ge- oder missfällt, weiss, was er gebietet, weiss ... weiss ... weiss ...

Sorry, meine lieben echten und amateurhaften Theologen und Theologinnen, das ist alles grande Wischiwaschi. Wenn er tatsächlich ein unauslotbares, unergründliches Geheimnis ist, dann kann man über ihn auch nichts, aber überhaupt gar nichts aussagen!

Hendrikse sagt das in seinem Buch so:
"Wenn Gott anders existiert, dann nennt das auch anders und hört auf zu sagen, dass es Gott gibt. ... Da wird die Existenz Gottes weder bestätigt noch bestritten, sondern in Nebel gehüllt. So ist der Theologe fein raus, kapiert am Ende Gott selbst nicht mehr, ob es ihn nun eigentlich gibt oder nicht, und begreift ein normaler Mensch überhaupt nichts mehr."

Luca
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Re: Glauben ohne ....

#8 Beitrag von Luca » 29.08.2013, 12:05

Gaby, ganz spontan aus dem Bauch eine Frage: Kennen Sie das unsichtbare rosarote Einhorn?

Heinrich

Re: Glauben ohne ....

#9 Beitrag von Heinrich » 29.08.2013, 17:05

Luca, kennen Sie das hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Fliegendes ... ttimonster :mrgreen:

Gruss aus dem zur Zeit sehr sonnigen Süden,
Heinrich

Luca
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Re: Glauben ohne ....

#10 Beitrag von Luca » 29.08.2013, 18:31

Heinrich hat geschrieben:Luca, kennen Sie das hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Fliegendes ... ttimonster :mrgreen:
Aber sicher, ich trage mein Nudelsieb Tag und Nacht mit Ehrfurcht.

Das unsichtbare rosarote Einhorn parodiert das von pagan gezeigte Paradoxon über Gott. "Das Einhorn ist unsichtbar und rosa und wer glaubt, dass das Einhorn unsichtbar und rosa ist, der weiß, dass das Einhorn unsichtbar und rosa ist.". Dazu Anselms "Gottesbeweis" dezent angepasst:

Beweis der Existens des unsichtbaren rosafarbenen Einhorns
Das Einhorn ist ein Wesen, über das hinaus größeres nicht gedacht werden kann.
Ein Tor ist jener, der behauptet, das unsichtbare rosafarbene Einhorn würde nicht existieren.
Auch ein Tor, kann sich ein Wesen vorstellen, über das hinaus größeres nicht gedacht werden kann.
Der Tor denkt ein Wesen, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, doch er denkt es als bloßen Bewusstseinsgegenstand, als bloßen Inhalt seines eigenen Denkens; das aber ist in sich widersprüchlich; denn es als bloßen Bewusstseinsgegenstand denken bedeutet es als ein Wesen denken, über das hinaus Größeres gedacht werden kann, nämlich ein solches Wesen, das auch in der Realität existiert.
Also kann der Tor nicht widerspruchslos behaupten, ein solches Wesen existiere nur in seinem Bewusstsein und nicht in der Realität; da er jedoch nicht bestreiten kann, dass es wenigstens in seinem Bewusstsein existiert (weil er ja den Ausdruck versteht), müsse er auch zugeben, dass ein Wesen, über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, auch in der Realität existiert und nicht nur im Bewusstsein.


Gläubigen empfehle ich Wittgensteins Worte: "Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muß man schweigen.". Über Gott sollte man daher unbedingt schweigen.

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