Sag mal, wie hast du's mit der Moral?

Christliche Ethik
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tergram

Re: Sag mal, wie hast du's mit der Moral?

#71 Beitrag von tergram » 05.08.2013, 00:02

Ein Christ ist etwa die Hälfte von zwei Christen.

Immer gern zu Diensten, t.

Pagan

Re: Sag mal, wie hast du's mit der Moral?

#72 Beitrag von Pagan » 05.08.2013, 08:21

Ale hat geschrieben:was ist ein Christ?
Der Religionsphilosoph Jaspers sagte: "Als Christ soll jeder gelten, der sich dafür hält."
Ist das so?

Pagan

Re: Sag mal, wie hast du's mit der Moral?

#73 Beitrag von Pagan » 05.08.2013, 15:04

„ ... [ich sehe] im Christentum die unerschütterlichen Fundamente des sittlichen und moralischen Lebens unseres Volkes."
Adolf H. in seiner Regierungserklärung am 23.03.1933

Ich frage mich, welche Schlüsse wir hinsichtlich des Christentums aus diesen Worten und den nachfolgenden Taten von A.H. schliessen dürfen oder müssen.

tergram

Re: Sag mal, wie hast du's mit der Moral?

#74 Beitrag von tergram » 05.08.2013, 15:24

Niehaus 1929
„Jedes Land hat seinen Führer. Eine zielbewußte, geordnete Obrigkeit ist auch Gottes Wille und lag von jeher in seiner Vorsehung.“ oder „Ohne einen von Gott erwählten Führer ist die Vollendung des Erlösungswerkes unmöglich.“

Bischoff zum Tag von Potsdam, 1933
In einem Festgottesdienst über Sirach 10,5, [predigt er] dass jetzt der von Gott gesandte Führer gekommen sei.


Der christliche Kreis hatte sich geschlossen.

Pagan

Re: Sag mal, wie hast du's mit der Moral?

#75 Beitrag von Pagan » 06.08.2013, 07:59

Auch der "grosse christliche Kreislauf" schliesst sich immer wieder. Jesus sagte ja klar und deutlich, dass er nicht gekommen sei, Frieden zu bringen, sondern das Schwert, und auch gekommen, "den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter." Und genau das erleben wir nun schon seit rund zweitausend Jahren: Waffen, Kriege, Blutvergiessen, Tod, Streit, Hass, Unversöhnlichkeit, alles im Namen der Religion "Christentum", alles unter dem Motto "Willst du nicht mein Bruder sein, schlag ich dir den Schädel ein".

Ich frage mich ernsthaft:
Was ist für Christen moralisches (gutes) Verhalten?
Wie kann ein Christ daran festhalten, die christliche, genauer noch die jesuanische Lehre als moralische Basis und Massstab für humanes Verhalten zu betrachten?
Wie sehr muss man sich dazu selbst bescheissen (Stichworte: bewusste selektive Wahrnehmung >> intellektuelle Redlichkeit)?

Pagan

Re: Sag mal, wie hast du's mit der Moral?

#76 Beitrag von Pagan » 07.08.2013, 16:16

Wer von den Lesern möchte den liebenden (') Jesus als Arbeitgeber oder besser gesagt Herr haben? Ich bestimmt nicht denn:
"Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken? Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren."

Hier hält der angebliche Sohn Gottes der Sklaverei die Steigbügel. Ausgerechnet also der Mann, der uns als moralisches Vorbild gepredigt wird.

Um zu verhindern, dass das gleich wieder vom einen oder anderen Leser uminterpretiert wird, hier noch was Paulus verlangt: "Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren in allem!"

Und bei Petrus findet man: "Ihr Sklaven, ordnet euch in aller Ehrfurcht euren Herren unter, nicht nur den guten und freundlichen, sondern auch den launenhaften."

Und dann kommt es in den anschliessenden Petrus-Versen knüppeldick: "Denn es ist eine Gnade, wenn jemand deswegen Kränkungen erträgt und zu Unrecht leidet, weil er sich in seinem Gewissen nach Gott richtet. Ist es vielleicht etwas Besonderes, wenn ihr wegen einer Verfehlung Schläge erduldet? Wenn ihr aber recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes. Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt."

Sklaven also sind berufen worden zum misshandelt werden, damit sie Gnade finden in den Augen Gottes. Welch archaische, welch katastrophale ethisch-moralische Einstellung zum menschlichen Dasein kommt in solchen Worten zu Vorschein! Nähern wir uns da nicht schon wieder dem blutigen Menschenopfer? Und das in einer heiligen Schrift, die von einem angeblich lieben Vater und seinem menschgewordenen Spross handeln soll, so die allgemeine Ansicht.

Kann ein Christ tatsächlich daran festhalten, die christliche Lehre als moralische Basis und Massgabe für humanes Verhalten zu betrachten?

Luca
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Re: Sag mal, wie hast du's mit der Moral?

#77 Beitrag von Luca » 10.08.2013, 13:23

Ein brisantes Thema mit vielen Lesern und wichtige Fragen, auf die niemand antworten will. Spannend, was das noch wird. :?

Pagan

Re: Sag mal, wie hast du's mit der Moral?

#78 Beitrag von Pagan » 10.08.2013, 22:08

Ruhe vor dem Sturm? Nein, ich denke, es gibt verschiedene Erklärungen dafür, dass nur mitgelesen wird, angefangen bei Desinteresse über das Thema totschweigen und Scheu sich mit dem Thema zu beschäftigen (weil die Ergebnisse anders sein könnten als bisher angenommen) bis hin zur Abneigung oder Angst vor einer argumentativen Auseinandersetzung.

Pagan

Re: Sag mal, wie hast du's mit der Moral?

#79 Beitrag von Pagan » 10.08.2013, 22:17

Das Thema Sklaventum könnte intensiver erörtert werden. Es weist jedoch auf ein übergeordnetes Kernthema hin, die Menschenrechte.

Die Kirchen nehmen für sich in Anspruch, seit eh und je massgebend für Menschenrechte eingetreten zu sein, ja sie überhaupt erst ermöglicht zu haben. Das ist eine infame Lüge, wie jeder erfahren kann, der es wissen will. Schon für Jesus, ja überhaupt für Gott hatten sie keine Bedeutung. Ohne Aufklärung und Säkularismus gäbe es keine Menschenrechte. Mit Eberhart Jüngel nur eine Stimme aus theologischem Kreis:

"Die christlichen Großkirchen standen in ihrer zweitausendjährigen Geschichte den Menschenrechten nicht nur distanziert gegenüber, sondern sie haben der politischen Durchsetzung der Menschenrechte erheblichen Widerstand entgegengesetzt ..." Und die Kirchen, namentlich die katholische, setzen auch heute noch in Worten und Taten dagegen: Klick und Klick

Bereits die von Christen immer wieder bannerartig für christliche Ethik hochgehaltenen zehn Gebote verstossen mit ihren ersten Worten "Ich bin Jahwe, dein Gott, ... Du sollst neben mir keine anderen Götter haben." gegen die in den Menschenrechten festgelegte Religionsfreiheit. Was im ersten Gebot als Strafandrohung folgt für diejenigen die solches nicht befolgen, schlägt dem Fass den Boden in moralischer Hinsicht den Boden aus: "Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation ..." Und was sagte Jesus über die zehn Gebote? Hat er sie etwa aufgehoben?

Wer weiss, wie bösartig und zerstörerisch Eifersucht sein kann, kann sich vielleicht auch eine Vorstellung vom eifersüchtigen Gott machen. Überhaupt interessant, dieser Gott ist keinesfalls frei von menschlichen Regungen. Vielleicht hatte ja Feuerbach mit seiner Projektionsthese nicht unrecht.

Matula
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Re: Sag mal, wie hast du's mit der Moral?

#80 Beitrag von Matula » 11.08.2013, 10:57

Pagan, ich gebe dir in so weit recht, dass Christen keinesfalls bessere Menschen sind und sich besser im täglichen Leben verhalten, als " Nichtchristen ". Im Gegenteil, als Christ kann man oftmals viel von solchen " Nichtchristen " lernen.

Ich halte es jedoch für ein wenig unlauter, nur bestimmte Stellen und Passagen aus der Bibel heraus zu picken, dagegen andere Stellen, wo Jesus unter anderem und ich zitiere jeweils sinngemäss sagte:

Euren Frieden lasse ich euch, meinen Frieden den gebe ich euch.... oder ....wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein..... oder ......dem Sünder am Kreuze sagte, noch heute wirst du mit mir im Paradies sein..... oder .....liebe deinen Nächsten wie dich selbst...... oder ......Kranke und Aussätzige heilte..... oder sagte .....Barmherzigkeit will ich keine Opfer.....usw. usf.

Ob und in wie weit die in der Bibel allesamt benannten Aussagen überhaupt von den jeweiligen Protagonisten so gesagt worden sind wie sie niedergeschrieben sind und/oder durch die einzelnen Schreiber und auch später durch Übersetzer möglicherweise hinein interpretiert worden sind, dass steht doch alles in den Sternen, insbesondere wenn man sich vor Augen führt, dass manches erst Jahrhunderte nach den vermeintlichen Ereignissen und Aussagen niedergeschrieben worden ist. Und auf welche mühsselige langwierige Art und Weise die zig hundert Seiten zusammen getragen und geschrieben worden sind, dass kann man sich im heutigen modernen Medienzeitalter ja gar nicht mehr vorstellen.

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