Öffentliche Theologie

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Brombär
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Re: Öffentliche Theologie

#21 Beitrag von Brombär » 02.11.2012, 20:12

Heinrich Bedford-Strohm schrieb als Schlusssatz:

"... Die Entwicklung einer öffentlichen Theologie in der Tradition Dietrich Bonhoeffers gehört zu den dringendsten, aber auch spannendsten Aufgaben, denen sich die Theologie heute zu stellen hat."

centaurea fragt:

Wo stellt sie sich dieser Aufgabe so, dass diese angemahnte öffentliche Theologie in den Gemeinden und deren Lebenswirklichkeiten auch ankommt, also auch öffentlich wird? Kann und wie kann das gelingen?
Liegt in der so von Bedford-Strohm beschriebenen öffentlichen Theologie nicht auch eine ungeheure Möglichkeit und Chance der Belebung und Dynamisierung in und von christlichen Gemeinden?



Werter centaurea,

Ja, ich halte deine Fragen nach Möglichkeit und Chancen sehr berechtigt und wichtig.

Zunächst aber zitiere ich noch aus Bedford-Strohm´s Ausführungen:



Die Kirche ist heute Teil einer pluralistischen Gesellschaft mit vielen Orientierungsangeboten. Wenn die Frage gestellt wird, an welchen Orten eigentlich über grundsätzliche Orientierungen nachgedacht wird, wenn nach den Quellen sozialen Zusammenhalts gefragt wird, dann spielen die Kirchen nach wie vor eine zentrale Rolle.
Damit die Kirche von ihren eigenen Überlieferungen her begründet und kompetent zu diesen Fragen öffentlich Stellung nehmen kann, braucht sie öffentliche Theologie. Öffentliche Theologie ist der Versuch, im interdisziplinären Austausch mit anderen Wissenschaften an der Universität und im kritischen Gespräch mit Kirche und Gesellschaft in gesellschaftlichen Grundfragen Orientierung zu geben und dabei Ressourcen der Kommunikation zu erarbeiten, die die Relevanz religiöser Orientierungen in der pluralistischen Gesellschaft deutlich machen.

und:

Kennzeichen öffentlicher Theologie ist ihre Zweisprachigkeit: Einerseits gibt sie Rechenschaft über die biblischen und theologischen Wurzeln der entsprechenden Aussagen. Andererseits impliziert sie ausdrückliche Ausführungen zu der Frage, warum die zum Ausdruck gebrachten Überlegungen und Bekräftigungen für alle Menschen guten Willens Sinn machen.




Hier wird der kirchliche Anspruch zur Mitwirkung von grundsätzlicher Orientierung und sozialem Zusammenhalt beschrieben, was ich selbst für gut befinde. Doch woher nimmt die Kirche diesen Anspruch ?

Hat nicht die Kirche zu allererst den unbeantworteten und zuweilen widersprüchlichen Fragenkatalog der Geschichtsschreibung der Bibel zu erklären ?

Ich versuche einmal in Worte zu formulieren, wie nach meiner Auffassung gelingende Theologie sein müsste, bevor man sich zu karitativen- und fundamental-kritischen Ethikmodellen oder auch Politikberatungsmodellen bemüht.


Jenseits aller metaphysischen Fragestellung sollte christliche Theologie die Aufgabe erfüllen, elementare Weisheiten der christlich folkloristisch Geschichtsschreibung so zu interpretieren, dass Glauben und Verstand vereinbar wird.

Soviel aus meiner recht laienhaften Sicht.

Bb.
Das ist unsere Berufung, dass einer dem anderen Rast biete, auf dem Weg zum ewigen Haus.

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