Über die Einsamkeit zwischen den Blumen...

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Maximin

Re: Über die Einsamkeit zwischen den Blumen...

#11 Beitrag von Maximin » 14.08.2012, 19:14

:) http://www.youtube.com/watch?v=YGXdBRSRPWA

Lieber Abendstern,
in meinem dritten und letzten Beitrag möchte ich einige wenige Gedanken zu der Überschrift: „Die Folgen nach dem Scheitern“, mitteilen.

Erinnerst Du Dich noch an Deine erste Sechs in der Schulzeit, oder vielleicht daran, wie Dir damals war, als man Dir mitteilte, dass Du ein Schuljahr wiederholen musst? Sei glücklich und bis heute sehr dankbar, wenn Du dabei damals liebevolle volle Eltern hattest, die Dir in Deinem scheinbaren Scheitern beigestanden hatten. Die Dir Mut machten, um künftig besser bestehen zu können. Die Dir vielleicht sagten: „Du musst nicht nur Grammatik- und Rechtschreibregeln, Formeln, Vokabeln usw. lernen und behalten. Du musst in erster Linie das „Lernen“ lernen. Auf das Letzte kommt, so glaube ich jedenfalls, in diesem Fall, alles an.

Ich unterstelle mal, dass alle hier versammelten und aktiv oder nur passiv Mitmachenden solche Lebenserfahrungen auch, mehr oder weniger, unter solchen Verhältnissen vorübergehend schlimm gelitten haben. Für mich sind das im Nachinein Lebenserfahrungen, die, normalerweise jeder Mensch überwinden kann und, früher oder später, auch tatkräftig überwinden wird. Lest mal die Lebensbeschreibung des genialen Physikers Albert Einstein (
http://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Einstein ).

Viele bedeutende Persönlichkeiten sind, auf den ersten Blick betrachtet, scheinbar gescheitert. Manche hier meinen auch, dass sogar der Jesus von Nazareth auch gescheitert ist. Andere bestreiten sogar seine Existenz überhaupt und halten die Berichte über sein Leben als völlig unglaubwürdig. Ich nicht…! Mir macht sein Nichtscheitern Mut…! Jesus lebt und mit ihm werde auch ich leben.

Im Februar 1997 war ich als Priester in der Neuapostolischen Kirche gescheitert. Man machte mir diese Mitteilung in einem abendlichen Hausbesuch. Vorsichtshalber hatte ich meinen inzwischen zur Ruhe gesetzten Evangelisten-Vater dazu gebeten. Als die Worte ausgesprochen waren: „Mit sofortiger Wirkung sind sie von allen ihren kirchlichen Ämtern beurlaubt“. Da sah ich die Tränen in meines alten Vaters Augen. Aber er schwieg und ich hatte keine Tränen mehr…!

Als alle gegangen waren, da fühlte ich eine unbeschreibliche Einsamkeit. Unwert, ausgestoßen, ungerecht und so grausam lieblos behandelt.

Einige Sonntage gelang es mir noch in meine NAK-Heimatgemeinde zu gehen, um mich gehorsam neben meinen alten Vater zu setzen. Bald darauf gelang mir das jedoch nicht mehr. Gescheitert auf ganzer Linie…!

Um nicht völlig unterzugehen, begab ich mich 2 Monate später in eine psychoanalytische Behandlung. Das dauerte viele Monate lang. Während dieser Zeit begab ich mich aber auch parallel auf eine Wanderschaft durch die vielen christlichen Lebens-- und Glaubenswelten. Nur leider schleppte ich überall meine tiefsitzende Überzeugung mit: „Du hast versagt! Du bist gescheitert!

Bei der Heilsarmee haben sie mir am Karfreitag 1997 mit ihren Posaunen, Trompeten und Trommeln meine trüben Gedanken aus meinem Hirn heraus geblasen. Und bald danach faste ich dann Mut, mich nach einer neuen, liebevolleren und vor allen Dingen vertrauenswürdigeren christlichen Gemeinde umzusehen.

Diese Wanderschaft dauerte bis etwa 2006, also rd. 7 Jahre lang. Dann kam ich, im Januar 2007, eben dort an, so dass ich bis heute sagen kann:

„Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält…“ (Ev. GB Nr. 354)

Meine alte Forums-Begleiterin, Abendstern, schrieb, mir sichtlich Mut machend: „Maxi... was dahinten das mag schwinden, fiel mir beim Lesen deiner Zeilen ein. Konzentrieren wir uns doch auf die Gegenwart, es gibt (sicher auch bei dir) genug zu tun...“.

Abendstern, da haste einerseits gewiss Recht. Nur das ist sicherlich auch wahr: „Verdrängen ist immer ein Irrweg, der in u. U. in einen ewigen Kreisverkehr mündet."

Nein, aus diesem Kreisverkehr kommt man nur dann hinaus, wenn man ihn durchbricht, die einengenden Mauern einreist und sich freie Räume, außerhalb dieses unsäglichen Kreisverkehrs, schafft.

Nach meinen Erfahrungen gelingt das am besten dann, wenn man sich u. a. darüber mit anderen Betroffen austauscht und mitbekommt, dass mit jedem ernsthaften Austausch nicht nur die eigenen Altlasten zunächst leichter werden und diese am Ende schließlich endgültig keine bedrückende Bedeutung mehr haben.

Das braucht nur leider viel Geduld. Geduld mit sich selbst und Geduld auch mit den anderen…! Kopflos wegrennen und nach hinten Gift verspritzen, das ist ganz gewiss keine heilende Lösung. Keine für mich und auch keine für andere ähnlich Betroffene.

Herzlichst Micha aus Berlin

P.S.: Wo sind die heiligen Hallen anders als sie in uns erwartet werden:

http://www.youtube.com/watch?v=Ce6oRd3U ... re=related
Zuletzt geändert von Maximin am 15.08.2012, 10:31, insgesamt 1-mal geändert.

Maximin

#12 Beitrag von Maximin » 14.08.2012, 19:18

...

abendstern_
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Re: Über die Einsamkeit zwischen den Blumen...

#13 Beitrag von abendstern_ » 16.08.2012, 11:13

Lieber Maximin,
zwei Gedanken dazu

Mein "was dahinten das lass schwinden" bezog sich auf die Tatsache, dass du des öfteren (andere) darauf hingewiesen hast, das Forum sei zu NAK-lastig und man müsse mit der Vergangenheit einfach mal abschließen und die Thematik nicht immer wieder aufwärmen. Es ist interessant, dass du selbst auch immer noch am Aufarbeiten bist. Manchmal macht man ja andere auf Dinge aufmerksam (geht mir selbst manchmal so) die man selbst auch noch ni cht bewältigt hat und wo man bei sich anfangen sollte, bevor man andere kritisiert.

Und damit bin ich beim zweiten Gedanken:

Mir ist schon des öfteren aufgefallen, dass gerade Männer, die in der NAK ein Amt hatten, das ihnen mehr oder weniger freiwillig genommen wurde, besonders verletzt sind und eine besondere Art der Aufarbeitung pflegen, häufig in der Form, das sie sich in anderen Konfessionen zum (Laien)prediger ausbilden lassen oder sonst eine Funktion übernehmen, die ihnen vielleicht den Status (nicht negativ gemeint) wieder gibt, den sie mal hatten.

Als Frau hatte man kein Amt, sondern Aufgaben. Ich kann mir an meinen "Abgang" noch gut erinnern. Es war keine Entscheidung der Kirche, ich wurde nirgends rausgedrängt, mir wurde nichts genommen, ich merkte nur dass ich dadurchs dass ich mein Glauben und Denken verändert hatten, ich in der NAK für mich keine Zukunft mehr sah. Es passte nicht mehr. Da ist vermutlich ein anderer Abgang, sicher auch mit Trauer und großer Unsicherheit verbunden, aber ich kann mir vortellen, dass die Zeit danach offener ist, da man nicht einen Ersatz sucht für das was Amt das man hatte, weil man die Erwählung zum Diener Gottes und Verkündiger eines Wortes doch irgendwie mitgenommen hat aus der NAK.

Ein heikles Thema, aber ich hab es jetzt einfach mal angeschnitten.

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Re: Über die Einsamkeit zwischen den Blumen...

#14 Beitrag von Andreas Ponto » 16.08.2012, 12:53

abendstern_ hat geschrieben:....

Als Frau hatte man kein Amt, sondern Aufgaben. Ich kann mir an meinen "Abgang" noch gut erinnern. Es war keine Entscheidung der Kirche, ich wurde nirgends rausgedrängt, mir wurde nichts genommen, ich merkte nur dass ich dadurchs dass ich mein Glauben und Denken verändert hatten, ich in der NAK für mich keine Zukunft mehr sah. Es passte nicht mehr. Da ist vermutlich ein anderer Abgang, sicher auch mit Trauer und großer Unsicherheit verbunden, aber ich kann mir vortellen, dass die Zeit danach offener ist, da man nicht einen Ersatz sucht für das was Amt das man hatte, weil man die Erwählung zum Diener Gottes und Verkündiger eines Wortes doch irgendwie mitgenommen hat aus der NAK.

Ein heikles Thema, aber ich hab es jetzt einfach mal angeschnitten.
Liebe abendstern_

es gibt sicherlich alle Varianten. Frauen, die sich berufen fühlen, wie Männer.

Bei mir war es ebenfalls eine Entscheidung, die ich getroffen habe und nicht die Kirche. Mir wurde nichts genommen.

Die Verwunderung muß wohl auch sehr groß gewesen sein...

Und trotz dem, dass meine Zeit danach offener ist, bin ich jetzt in der Ausbildung zum Prädikanten...

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Re: Über die Einsamkeit zwischen den Blumen...

#15 Beitrag von abendstern_ » 16.08.2012, 14:00

Was war denn ausschlaggebend, dass du diese Aubildung machst? Fehlte dir das Predigen? Wolltest du dir mehr theologisches Wissen aneignen?

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Re: Über die Einsamkeit zwischen den Blumen...

#16 Beitrag von Andreas Ponto » 16.08.2012, 19:07

Ja, ich möchte mir mehr theologisches Wissen aneignen und tue es aktiv. Mit der Ausbildung zum Prädikanten hat das nur nebenbei zu tun und geschieht eben auch ansatzweise im Rahmen dieser Ausbildung und derzeit im Selbststudium. Das wird aber nicht genügen.

Schon während meines Ablöseprozesses von der NAK habe ich geprüft, ob und welche Möglichkeiten es in der neuen Umgebung geben wird, tätig zu sein.

Mir hat insofern nichts gefehlt, sondern ich wusste, dass ich mich aktiv einbringen möchte und habe einen Platz in der neuen Umgebung gesucht.

Das hat mit der NAK weniger zu tun.

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