Ein "Papst" für alle Christen?

Nachricht
Autor
Benutzeravatar
Andreas Ponto
Site Admin
Beiträge: 2249
Registriert: 18.03.2010, 17:55

Ein "Papst" für alle Christen?

#1 Beitrag von Andreas Ponto » 07.07.2012, 10:27

Gemeinschaft der Kirchen und Petrusamt oder braucht die Christenheit ein weiteres Oberhaupt?

Im Bistum Hildesheim fand im Rahmen eines ökumenischen Studientages ein interessanter Vortrag zur Einheit des Christentums statt.

Wie der Mensch doch immer wieder versucht Machtorganisationen aufzubauen.
Ist Ökumene nur mit einem gemeinsamen Oberhaupt analog zum Papst herzustellen?

Genügt dazu nicht das Bekenntnis zu Jesus Christus?

Nice try! - meint Andreas


P.S.:
Neben der Römisch-Katholischen Kirche mit Ihrem Papst hätte die NAK mit ihrem Stammapostel auch einen zu bieten, der über allen anderen stehen möchte.

Maximin

Re: Ein "Papst" für alle Christen?

#2 Beitrag von Maximin » 07.07.2012, 10:57

(1. Samuel 8, 1-9 / Luther 1984)

1 Als aber Samuel alt geworden war, setzte er seine Söhne als Richter über Israel ein. 2 Sein erstgeborener Sohn hieß Joel und der andere Abija und sie waren Richter zu Beerscheba. 3 Aber seine Söhne wandelten nicht in seinen Wegen, sondern suchten ihren Vorteil und nahmen Geschenke und beugten das Recht. 4 Da versammelten sich alle Ältesten Israels und kamen nach Rama zu Samuel 5 und sprachen zu ihm:

Siehe, du bist alt geworden und deine Söhne wandeln nicht in deinen Wegen. So setze nun einen König über uns, der uns richte, wie ihn alle Heiden haben.

6 Das missfiel Samuel, dass sie sagten: Gib uns einen König, der uns richte. Und Samuel betete zum HERRN. 7 Der HERR aber sprach zu Samuel: Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht mehr König über sie sein soll.

8 Sie tun dir, wie sie immer getan haben von dem Tage an, da ich sie aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag, dass sie mich verlassen und andern Göttern gedient haben. 9 So gehorche nun ihrer Stimme. Doch warne sie und verkünde ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen wird.

Maximin

Re: Ein "Papst" für alle Christen?

#3 Beitrag von Maximin » 07.07.2012, 17:02

:) Mein lieber Andreas,
solche wie wir, die in der Neuapostolischen Kirche (NAK) herangewachsen und somit dort sozialisiert wurden, denen fällt es häufig schwer, sich selber eigenverantwortlich zu entscheiden. Man wurde Jahre- vielleicht sogar Jahrzehnte lang darauf konditioniert, dass man der jeweiligen Kirchenführung blindlings glauben und vertrauen muss, um im Glaubenssystem zu überleben.

Das Glaubenssytem der NAK ähnelt stark dem der römisch-katholischen Kirche. Stringente Hierarchie. Unbedingter Glaubensgehorsam für die Leute in den Reihen. Gnadenloser Ausschluss für Abweichler von den Regeln. Reformationsbestrebungen wird mit voller Härte begegnet.

Luther wollte die damalige katholische Kirche zwingen, ihren Reformationsbedarf einzusehen und sich dementsprechend zu bewegen. Sie hat sich aber nicht bewegt. Nicht einen Milimeter. Das Ergebnis kann man noch in unseren Tagen besichtigen.

Der erzkonservative Bischof von Regegensburg, Müller, wird vom Bischof von Rom, durch den Papst Benedikt, zum obersten Hüter für Glaubensfragen ernannt...!

Und was ist mit den evangelischen Glaubens-und Lebenswelten? Luther postulierte das allgemeine Priestertum aller Christgläubigen. Ist sie Realität geworden...?

Nein ist sie nicht! Ohne ein langes Theologiestudium wird man als Pfarrer oder Pastor in der EKD nicht akzeptiert. Selbst als Bibelvorleser (Lektor) muss man sich einer Prüfung unterziehen. Allgemeines Priestertum aller Christenmenschen…?

Nein! Menschen fühlen sich offensichtlich nur dann, gerade auch in religiösen Lebensfragen, einigermaßen sicher, wenn sie von „oben“, also zu amtlich bestellten Führungspersönlickeiten aufschauen können.

Man muss sie ja im Einzelfall nicht immer mögen. Aber macht das die Sache mit religiösen Kernfragen doch wenigstens ein wenig wasserdicht.

Mein lieber Andreas, solche wie wir, die in der Neuapostolischen Kirche (NAK) herangewachsen und somit dort sozialisiert wurden, denen fällt es häufig schwer, sich selber eigenverantwortlich zu entscheiden. Man wurde Jahre- vielleicht sogar Jahrzehnte lang darauf konditioniert, dass man der jeweiligen Kirchenführung blindlings glauben und vertrauen muss, um im Glaubenssystem zu überleben.

Das Glaubenssytem der NAK ähnelt stark dem der römisch-katholischen Kirche. Stringente Hierarchie. Unbedingter Glaubensgehorsam für die Leute in den Reihen. Gnadenloser Ausschluss für Abweichler von den Regeln. Reformationsbestrebungen wird mit voller Härte begegnet.

Luther wollte die damalige katholische Kirche dazu zwingen ihren dringenden Reformationsbedarf einzusehen und sich dementsprechend zu bewegen. Sie hat sich aber nicht bewegt. Nicht einen Millimeter. Das Ergebnis kann man noch in unseren Tagen besichtigen. Der erzkonservative Erzbischof von Regensburg, Müller, wird vom Bischof in Rom, dem Papst Benedikt, zum obersten Hüter der Glaubensfragen ernannt.

Und was ist mit den evangelischen Glaubens-und Lebenswelten? Luther postulierte das allgemeine Priestertum alles Christgläubigen. Ist die Realität geworden? Nein ist sie nicht! Ohne ein langes Theologiestudium wird man als Pfarrer oder Pastor in der EKD nicht akzeptiert. Selbst als Bibelvorleser (Lektor) muss man sich einer Prüfung unterziehen. Allgemeines Priestertum aller Christenmenschen…?

Nein! Menschen fühlen sich offensichtlich, gerade auch in religiösen Lebensfragen, nur dann (einigermaßen) sicher, wenn sie nach „oben“, also zu amtlich bestellten Führungspersönlickeiten, aufschauen können. Man muss sie ja im Einzelfall nicht immer mögen. Aber das macht die Sache, in religiösen Kernfragen, scheinbar wenigsten einigermaßen wasserdicht.

Schade eigentlich. Die Geschichte wiederholt sich. Denn, so lange wie es uns Menschen gibt: Gott wollte ihr König sein. Aber sie suchten sich andere anbetungswürdigeren, handfestere Gegenstände. Denen konnte man in fröhlicher Erwartung opfern. Nur einen Vorteil hatten diese Götzen: „Sie schwiegen und ließen sich klaglos innerlich von Holzwürmern oder vom Rost zerfressen und danach stillschweigend entsorgen .“

Das Judentum hat über die Jahrtausende unsägliche Ungerechtigkeiten und Qualen überlebt, auch ohne einen, die verschiedenen jüdischen Glaubensströmungen und Erkenntnisstände einigenden „Oberhirten“. Daran sollten wir aufrechten Protestanten uns ebenfalls orientieren.

Nein! Kein Überhirte, für eine wie auch immer zu denkende christliche Einheitskirche. Mein Gottesglaube ist eine sehr persönliche Angelegenheit zwischen IHM und mir. Alles andere könnte meinen Gottesglauben vergiften.
Maximin :wink:

Zurück zu „Ökumene in Deutschland“