Der schweigende Gott

Für Zweifler und andere gute Christen
Nachricht
Autor
tergram

Der schweigende Gott

#1 Beitrag von tergram » 26.06.2012, 15:40

GG001 hat geschrieben:Der "schweigende Gott" ist eine Herausforderung fuer den Beter.
Der "schweigende Gott" ist das Kernproblem. So lange er schweigt, darf er für nicht-existent gehalten werden.

Die Aussage "God answers prayers in the form of “yes”, “no” and “wait”." finde ich interessant. Auf welcher Basis sie wohl gemacht wurde? Ich würde so eine Antwort gern mal hören/lesen/... - was auch immer. Leider spricht Gott nicht mit mir. Er wird Gründe haben. Einer davon könnte sein, dass es ihn nicht gibt. Dieses Vakuum füllen gläubige Menschen damit, dass sie zufälligen Ereignissen eine göttlche Bedeutung beimessen. Daraus, dass etwas sehr Unwahrscheinliches gegen alle Erfahrung eintrifft, wird abgeleitet, hierbei könne es sich nur um Gottes Eingriff in ihr Leben gehandelt haben.

In meine Branche kursieren sogenannte "Entscheidungswürfel", die neben "yes", "no" & "wait" auch "perhaps", "ask god" und "ask mom" enthalten.

"Ask mom" ist nach meiner Erfahrung oft eine gute Wahl... :wink:

Cemper

Re: Wahrheitsgehalt von (Glaubens)Erlebnissen in der UF

#2 Beitrag von Cemper » 26.06.2012, 15:45

tergram hat geschrieben:Der "schweigende Gott" ist das Kernproblem. So lange er schweigt, darf er für nicht-existent gehalten werden.
Hmm. So lange Sie schweigen, darf ich Sie auch für nicht-existent halten? Abgesehen davon: Falls Gott nicht existiert - wie kann er dann schweigen?

tergram

Re: Wahrheitsgehalt von (Glaubens)Erlebnissen in der UF

#3 Beitrag von tergram » 26.06.2012, 15:58

1.) Ja. Ich empfehle es sogar.
2.) Falls Gott existiert: Wie kann er schweigen?

(Wir driften hier vom Thema ... Vielleicht sollten wir eine neues Thema eröffnen? Oder die Fortführung abbrechen.)

holytux
Beiträge: 193
Registriert: 23.02.2010, 13:32

Re: Wahrheitsgehalt von (Glaubens)Erlebnissen in der UF

#4 Beitrag von holytux » 26.06.2012, 16:57

Der "schweigende Gott" ist das Kernproblem. So lange er schweigt, darf er für nicht-existent gehalten werden.
@tergram und Leser

Für ein verregnetes Wochenende oder so empfehle ich folgenden Beitrag von Magnus Striet.
Teil1
Teil2

Zitat:
...Dietrich Bonhoeffer war Realist und theologisch eisern. Die Welt aus dem theologischen Denken auszusparen, zu beten, ohne die Welt vor Gott zu tragen, war ihm ein Gräuel. Auf seine Hinrichtung wartend und dennoch darauf vertrauend, dass das Leben "von guten Mächten wunderbar geborgen" sein möge, schrieb er: "Und wir können nicht redlich sein, ohne zu erkennen, dass wir in der Welt leben müssen - ,etsi deus non daretur` (als ob es Gott nicht gäbe, d. Red.). Und eben dies erkennen wir vor Gott. Gott selbst zwingt uns zu dieser Erkenntnis. So führt uns unser Mündigwerden zu einer wahrhaftigeren Erkenntnis unsrer Lage vor Gott. Gott gibt uns zu wissen, dass wir leben müssen als solche, die mit dem Leben ohne Gott fertig werden. Der Gott, der mit uns ist, ist der Gott, der uns verlässt (Mk 15,34)...."

Freundliche Grüße in die Runde
"Wenn alle Liebe Ewigkeit will - Gottes Liebe will sie nicht nur, sondern wirkt und ist sie."
Joseph Ratzinger

Maximin

Re: Der schweigende Gott

#5 Beitrag von Maximin » 26.06.2012, 17:27

:) Mein lieber Holytux,
antworte ich Dir und allen, die es interessiert, so:

"Was stürmst du, Herz, und bist so wild? Ist nicht der alte Gott dein Schild?
Der alte Gott im Himmel hoch, Der lebet und regieret noch.
Quelle:
http://www.balladen.de/web/sites/ballad ... 24&b16=802

Du weist es, ich weiß es und der gute alte Ernst Moritz Arndt wußte es lange vor uns auch.
Herzlichst Maximin :wink:

GG001

Re: Der schweigende Gott

#6 Beitrag von GG001 » 26.06.2012, 20:46

tergram hat geschrieben:Der "schweigende Gott" ist das Kernproblem. So lange er schweigt, darf er für nicht-existent gehalten werden.
Wenn "Gott ein Kernproblem ist", muss er logischerweise auch existieren. Andernfalls handelte es sich um ein nicht existentes Kernproblem. :wink:
tergram hat geschrieben:Die Aussage "God answers prayers in the form of “yes”, “no” and “wait”." finde ich interessant. Auf welcher Basis sie wohl gemacht wurde?
Ich setze einmal voraus: Auf der Basis eines Glaubens an Gott und an Seine Existenz. Im Fall der Autorin darf man schliessen, dass sie (a) zudem eine christlich Glaeubige ist, die (b) die Existenz Gottes voraussetzt.
tergram hat geschrieben:Ich würde so eine Antwort gern mal hören/lesen/... - was auch immer.
Wie zum Beispiel, als Feuer vom Himmel fiel und das von Wasser triefende Opfer auf dem Altar vor aller Augen anzuendete und verzehrte? Es geht auch viel weniger spektakulaer, vielleicht mit einem schlichten Bericht in der UF, etwa: "Meine Gebete wurden erhoert! Und ich hoerte eine grosse Stimme, die sprach im Himmel ... " :roll:
tergram hat geschrieben:Leider spricht Gott nicht mit mir. Er wird Gründe haben. Einer davon könnte sein, dass es ihn nicht gibt.
tergram, Er spricht auch nicht mit mir. Das zu wissen traegt aber nichts zur Erhellung bei.

Nebenbei, die Begriffe "Schweigen" oder "nicht sprechen" oder "Er wird Gruende haben" implizieren jemanden, der eine willentliche Entscheidung getroffen hat, sich nicht bemerkbar zu machen oder der dazu nicht in der Lage ist. Aehnlich argumentierte auch Herr Cemper weiter oben.

Die Frage, ob es Ihn gibt, bewegt Menschen schon lange. Ich denke, wir werden sie hier nicht im Sinn eines schluessigen Beweises beantworten koennen.

Cemper

Re: Der schweigende Gott

#7 Beitrag von Cemper » 26.06.2012, 22:54

Gute Nacht tergram - oder guten Morgen!

Ein Hinweis auf eine in der Fachliteratur gelegentlich erwähnte Geschichte:

1. Klick

2. Kurzfassung:

Es waren einmal zwei Forschungsreisende, die zu einer Lichtung im Urwald kamen. Dort blühten allerlei Blumen. Der eine Forscher sagte: "Es muss einen Gärtner geben, der dieses Stück Land bearbeitet". Der andere stimmte nicht zu. "Es gibt keinen Gärtner hier". Sie bauten ihre Zelte auf und hielten Wache. Einen Gärtner bekamen sie nicht zu sehen. "Vielleicht ist der Gärtner unsichtbar?", sagte der eine. Sie errichteten einen Zaun aus Stacheldraht und setzten ihn unter Strom. Dann patrouillierten sie mit Wachhunden, aber kein Schrei wies darauf hin, dass ein Eindringling einen Schlag bekommen hätte. Keine Bewegung des Stacheldrahtes verriet einen unsichtbaren Kletterer. Nie schlugen die Wachhunde an. Doch der Gläubige war noch nicht überzeugt. "Und doch gibt es einen Gärtner, er ist nur unempfindlich gegenüber elektrischen Schlägen, Hunde können ihn nicht riechen, und er macht keinen Lärm, aber im Verborgenen kommt er, um den Garten zu versorgen, den er liebt.“ Der Skeptiker verzweifelte zum Schluss. "Aber was bleibt denn übrig von dem, was du zuerst gesagt hast? Worin unterscheidet sich das, was du einen unsichtbaren, einen ungreifbaren und ewig entweichenden Gärtner nennst von einem eingebildeten oder sogar von einem Gärtner, den es nicht gibt?"

_

Re: Der schweigende Gott

#8 Beitrag von _ » 27.06.2012, 08:31

GG001 hat geschrieben:Der "schweigende Gott" ist eine Herausforderung fuer den Beter.
genau darauf zielte meine bemerkung. sosehr ich kierkegaard auch bewundere, seinen aphorismus mit dem "hören" beim beten kann ich nur dann nachvollziehen, wenn ich davon ausgehe, man müsse in sich selbst hineinhören, und nicht auf eine stimme gottes von außerhalb.
tergram hat geschrieben:Der "schweigende Gott" ist das Kernproblem. So lange er schweigt, darf er für nicht-existent gehalten werden.

[...] Leider spricht Gott nicht mit mir. Er wird Gründe haben. Einer davon könnte sein, dass es ihn nicht gibt. Dieses Vakuum füllen gläubige Menschen damit, dass sie zufälligen Ereignissen eine göttlche Bedeutung beimessen. Daraus, dass etwas sehr Unwahrscheinliches gegen alle Erfahrung eintrifft, wird abgeleitet, hierbei könne es sich nur um Gottes Eingriff in ihr Leben gehandelt haben.
aus meiner sicht ähnelt dieses verhalten demjenigen früherer generation, die bspw. wetter- und andere naturphänomene direktem göttlichen wirken zuschrieben. womit ich nun auch wieder nicht andeuten möchte, gott handele nicht für uns menschen erfahrbar - wir können bloß nicht unterscheiden, wo Er und wo der zufall gewirkt hat.
tergram hat geschrieben:In meine Branche kursieren sogenannte "Entscheidungswürfel", die neben "yes", "no" & "wait" auch "perhaps", "ask god" und "ask mom" enthalten.

"Ask mom" ist nach meiner Erfahrung oft eine gute Wahl... :wink:
ist ja - insbesondere, wenn mom schon faithfully departed ist - in der regel auch kein unterschied zu "ask god"... :wink:

GG001

Re: Der schweigende Gott

#9 Beitrag von GG001 » 27.06.2012, 10:19

Vielen Dank, Herr Cemper, fuer die Beschreibung zweier Wissenschaftler, von denen jeder auf seine Art an einer Erklaerung verzweifelt. Wie sagte schon der alte Gottesmann? "Wir wissen es nicht. Aber wir haben schoene Hinweise."

Sie kennen bestimmt auch die naturgemaess wenig erhellende Geschichte, wie sich eine schwarze Katze im dunklen Zimmer verschiedenen Wissenschaften, u.a. auch der Theologie, darstellt. Oder die Geschichte ... ach, lassen wir das. Nebenbei: Da Universtitaeten staatliche Mittel beziehen, muessen die angebotenen Faecher Wissenschaften sein. Da Theologie an Universitaeten gelehrt wird, ist sie folglich eine Wissenschaft, Q.E.D. Irgendwie so. Die Kultusministerien muessten das beantworten koennen.

Es gibt nun einmal drei Alternativen: Ablehnen der Existenz Gottes (Atheismus), Unentschiedenheit wegen Nicht-Wissens hinsichtlich dieser Frage (Agnostizismus) und den Glauben an die Existenz Gottes. Wo sich jeder einsortiert, entscheidet er selbst.

tergram

Re: Der schweigende Gott

#10 Beitrag von tergram » 27.06.2012, 10:30

_ hat geschrieben:.. insbesondere, wenn mom schon faithfully departed ist - in der regel auch kein unterschied zu "ask god"...
Upps, lass das nicht die Entschlafenengottesdienst-Fraktion der NAK hören - die wissen nämlich ganz genau wie das so ist im und mit diesem Jenseits... bedarfsweise in allegorischen Bildern...
:wink:
_____________________

Ich kann nur beobachten, was für uns Menschleins zu beobachten ist: Ob wir uns die kleinsten Bausteine der Welt ansehen oder in die Weiten des Universums spähen - die Physiker erklären uns, dass es für die Existenz der Welt, des Lebens keines Gottes bedarf: Weder für den "big bang", noch für schwarze Löcher, meinen Nachbarn oder ein Gänseblümchen. Ich verstehe davon wenig, vertraue aber ihrer Fachkompetenz.

Fachkompetent bin ich nur in den alltäglichen Bereichen des menschlichen Lebens, meines Lebens, dem der Menschen um mich herum und ein wenig auch des Lebens aller Menschen auf dieser Erde. Ich sehe und erlebe dort nichts von dem, was uns in der Bibel verheissen ist: Den Gott, der uns als guter Vater begleitet, uns segnet, unsere Gebete (er)hört, unser Leben lenkt, auf uns acht gibt, ... nichts davon. Dabei geht es gar nicht um mich - ich komme gut zurecht, vielen Dank. Und hätte größtes Verständnis für einen Gott, der meine Wünsche mit Hinweis auf größere Dringlichkeiten bescheidet. Nein, es geht um die, die Gottes Hilfe so dringend bedürften: Da, wo aus tiefster Not gebetet, gerufen, geschrien wird. Und da, wo's selbst dafür nicht mehr reicht.

Damit wird aus dem Gott "für's Leben" ein Gott des Jenseits - alle hier nicht eingehaltenen Versprechen werden auf das Jenseits vertagt. Wenn wir dieses Jammertal nur möglichst unauffällig durchschreiten, wird uns die himlische Herrlichkeit schon für alles entschädigen. Dann wird Gott die Tränen abwischen, dann wird er für Gerechtigkeit sorgen, dann... Was für ein grandioser Taschenspielertrick!

Gott scheint sich um uns nicht zu kümmern. Warum sollten wir uns um ihn kümmern?
Je länger ich darüber nachdenke, desto wahrscheinlicher wird für mich, dass es Gott nicht gibt.

Was nicht weiter schlimm ist, wie ich inzwischen finde.

Zurück zu „Glaubensfragen“