IM GOTTESDIENST...

Eigene Gedichte zum Lesen für Alle
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Maximin

IM GOTTESDIENST...

#1 Beitrag von Maximin » 07.01.2012, 16:16

Ich sitze ganz still im hochheiligen Dom.
Die leise Orgel schmeichelt meinen Gefühlen.
Entronnen dem Alltag mit all dem Gewühle.
Und dann zieht die Orgel alle Register.
Sind die neben mir meine Geschwister?
Gemeinsam erheben wir uns und singen.
Aber singt nicht in Wahrheit jeder für sich
und denkt dabei doch nur an sich?
Dann zieht die Geistlichkeit feierlich ein.
Bin ich für deren Empfang ehrlich bereit?
Die Alte neben mir singt laut und falsch.
Na und – sie ist doch inzwischen sehr alt.
Sollte sie deshalb nicht gläubig mehr singen?
Und ihre Seele nicht mehr zum Klingen bringen?
Nachher, als gottesdienstliches Tun zu Ende,
finden sich, wie von selbst, meine Hände.
Ich denke und bete andächtig zum „IHM“:
„Gott, lass mich besonnen meinen Weg weiter zieh´n.
Und, Herr Gott, bewahr` mich vor Irrtum und Wahn."


Maximin ( 07.01.21012)

Adler

Re: IM GOTTESDIENST...

#2 Beitrag von Adler » 07.01.2012, 16:21

Ebenfalls im Gottesdienst:

http://www.youtube.com/watch?v=DAbykp2mLKg

LG Adler

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August Prolle
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Re: IM GOTTESDIENST...

#3 Beitrag von August Prolle » 08.01.2012, 00:35

:D Lieben Maximin,

angeregt durch deinen Erfahrungsbericht fand ich in den Untiefen meiner Festplatte nachfolgenden Tagebucheintrag. Er entstammt dem Jahr 2006 und schildert meine Eindrücke von einem sog. "Festgottesdienst" mit unserem Bezirksapostel. Dir und anderen zur Freude stelle ich ihn hier ein:

  • Aus dem Tagebuch eines Kirchgängers:
    • Eintrag vom 19.11.2006


    Da bin ich. Unter dem Wort. Es erreicht mich heute via Satellit, sozusagen direkt aus himmlischen Höhen. Die hinteren Reihen sind immer zuerst gefüllt. Ich muss in der zweiten Reihe sitzen, weil ich spät gekommen bin. Ein gefährlicher Platz. Ich hätte früher kommen sollen. So fühle ich mich dem Geschehen hilflos ausgeliefert. Zum Glück haben sich einige Priester schützend vor mich gesetzt. Mein Blick bohrt sich in das schüttere Haupthaar von Priester Jens [Anm.: Name geändert]. Warum sitzt er nur immer so krumm? Demut? Gewohnheit? Knochenerweichung? Unwillkürlich richte ich mich auf.

    Ich schaue auf. Den "sprechenden Mund" kann ich gleich dreifach sehen - zweimal auf Fernsehern, die jeweils rechts und links aufgestellt sind und einmal aus einer großen Kiste, die fleißige Brüder auf den Altar getragen haben. Ich entscheide mich für den Herrn in der Mitte. Er ist zwar deutlich größer als die beiden Synchronsprecher rechts und links, doch erscheint er blasser, irgendwie weniger bedrohlich.

    Ich höre: "An-nehmen ist mehr als Auf-nehmen." Einmal, zweimal ... dreimal. – Das ist also das "zeitgemäße" Wort: Nehmen. Man nehme "nehmen", füge verschiedene Vorsilben hinzu und fertig ist die bezirksapostolische Sonntagspredigt: Präfix-Theologie nach Art des Hauses, sozusagen.

    Ich über-lege: Man sollte dieses Aus-legen ab-legen. Ich fühle Unmut auf-kommen. Dagegen muss ich an-kommen, will ich das Er- und Durch-leben über-leben. Da hilft nur Denken: Be-denken, Vor-denken, Nach-denken, ein wenig Quer-denken oder – wer will es ver-denken – am besten: Garnicht-denken. Das geht aber nicht, wenn man in der zweiten Reihe sitzt... Also greife ich es auf, das Wort, und spinne es fort:

    "An-nehmen ist mehr als Auf-nehmen". (Hat er gerade 'wie' gesagt?) Egal. Ich versuche, etwas mitzu-

    • nehmen, den Platz einzu-
      nehmen, alles Wahrzu-
      nehmende gleichmütig entgegenzu-
      nehmen, auch Unange-
      nehmes nicht Übel zu
      nehmen, mich zurückzu-
      nehmen, vorliebzu-
      nehmen, mir vorzu-
      nehmen, zu-
      nehmendes Ab-
      nehmen des Einver-
      nehmens gelassen hinzu-
      nehmen, alles leicht zu
      nehmen - notfalls etwas einzu-
      nehmen - sowie der Predigt zu ent-
      nehmen: Die Aufforderung zum An-
      nehmen aufzu-
      nehmen ist mehr als das Auf-
      nehmen dieser Aufforderung lediglich anzu-
      nehmen ...

      Übrigens: Ab-
      nehmen ist besser als Zu-
      nehmen, etwas zu unter-
      nehmen besser als sich zu über-
      nehmen. Andererseits ist Über-
      nehmen immer noch besser als Über-
      geben ...

      (?? - Ha!) - An-
      geben ist besser als Auf-
      geben ...


    Ich schweife ab. Zurück zum Thema: "Annehmen ist mehr wie Aufnehmen." Hm... Heißt es nicht: "Wer aufnimmt, so ich jemand senden werde, der nimmt mich auf"? Annehmen ist mehr? - Aha. Na dann: Wer annimmt, dass ich jemand senden werde, der nimmt den an, der angibt, gesandt worden zu sein! Wer damit angibt, gesandt worden zu sein, läuft Gefahr, nichts mehr von dem aufzunehmen, dessen Sendung anzunehmen er angibt! Wer selbst nichts aufnimmt, der kann nicht annehmen, gesandt worden zu sein. Wer nicht gesandt ist, der sollte nicht annehmen, von mir aufgenommen zu werden...

    Meine Predigtreflexion wird jäh unterbrochen. Der Präsident hat fertig. Ich höre mich "Amen" murmeln. Warum macht eigentlich niemand ein Fenster auf? Auf-machen ist besser als Zu-machen. Da wenigstens sollte sich niemand etwas vor-machen!

    Der "Dienst" ist beendet. Ich höre den Präsidenten sagen, er habe gern ge-dient. Ich fühle mich be-dient. Jetzt habe ich ein Putenschnitzel ver-dient. Zumindest das arme Tier muss heute dran glauben...
Alles Präfix - A.P. :wink:

Cemper

Re: IM GOTTESDIENST...

#4 Beitrag von Cemper » 08.01.2012, 15:25

August Prolle hat geschrieben:Da hilft nur Denken: Be-denken, Vor-denken, Nach-denken, ein wenig Quer-denken ...
Wie auch immer ...

Anne

Re: IM GOTTESDIENST...

#5 Beitrag von Anne » 08.01.2012, 19:11

Cemper, spielen Sie lieber einen Schlussakkord.

http://www.christ-im-dialog.de/index.ph ... Itemid=170

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evah pirazzi
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Re: IM GOTTESDIENST...

#6 Beitrag von evah pirazzi » 08.01.2012, 19:17

Heute im Gottesdienst…:

Stap-Ü-Gd aus Stendal – Bild

Für den Gd wählte der Stap ein Bibelwort aus Judas 1, 20,21: "Ihr aber, meine Lieben, erbauet euch auf euren allerheiligsten Glauben durch den heiligen Geist und betet, 21 und erhaltet euch in der Liebe Gottes, und wartet auf die Barmherzigkeit unsers HERRN Jesu Christi zum ewigen Leben. "

Bevor Stap Leber diese Judas-Bibelstelle "recht" auslegte, verkündete er auch Mitteldeutschland seine bereits bekannte Botschaft für 2012 aus Psalm 100:

"Dient dem Herrn mit Freuden..."

Er ließ es sich nicht nehmen noch einmal ausführlich zu erläutern, was man sich unter "dem Herrn dienen" vorzustellen habe, nämlich:

a) sich einbringen in die Gemeinschaft der Gotteskinder mit allen Gaben, also die Gemeinschaft fördern, wo immer es geht. Unter anderem erfolgte der schöne Hinweis, man könne auch das Abendmahl dahingehend nutzen, Kräfte und Gaben aus dem Verdienst Jesu Christi zu ziehen, die evtl noch gar nicht offenbar geworden sind, das sei möglich und man könne diese wiederum beim Dienen in der Gemeinschaft "als dem Herrn" einbringen
b) das Evangelium, die frohe Botschaft leben und verkünden, auf dass auch noch andere zum Dienen an der Gemeinschaft gefunden würden – als Beispiel wurde u.a. das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg genannt, die zwar zu unterschiedlichen Zeiten gedungen, dennoch gleichen vollen Lohn erhielten (Letzte werden Erste sein).

Um 10:30 Uhr war diese "Botschaft" ausreichend erläutert und erklärt, die Gemeinde war in der "gemütlich-warmen Wohnzimmeratmosphäre" bereits selig entrückt, der Sauerstoffgehalt tendierte gegen Null, aber nun folgte ja noch die obligatorische Wortauslegung. (Hat denn noch keiner dem Stap gesagt, dass man über alles reden darf, nur nicht über 20 Minuten???)Bild

Nun, was folgte war typisch und dennoch meiner Meinung nach unglaublich. Der erste Punkt: "Erbauet Euch" steht für Aktivität und Wachstum. Wo und wann? Natürlich beim Dienen in der Gemeinschaft. Nächster Punkt: "Euer allerheiligster Glaube…" Erläuterung: Heilig steht gleichbedeutend für Unantastbarkeit. Unser Glaube ist also unantastbar. Was glauben wir? Wir glauben an:

1) den vollgültigen Opfertod Jesu Christi in der Vergangenheit,
2) die gegenwärtige göttliche Offenbarungsform (die Vokabel "Apostolat" wurde zwar nicht ausgesprochen, aber der erhobene, unterstreichende Zeigefinger ließ keine andere Deutung zu) und
3) das in der Zukunft liegende Wiederkommen Christi.

Diese drei Punkte unseres Glaubens sind nicht nur heilig, sondern allerheiligst und unantastbar. Es wurde zweimal unter Erhebung von Stimme und Zeigefinger wiederholt.

Fazit: Unser Glaube ist in drei Punkten klar definiert. Er ist in dieser Form heilig, somit unantastbar. Ich frage mich, ist heute eine Heiligsprechung des Glaubens ans Apostolat erfolgt? :shock:

Hat nicht jeder seinen eigenen Glauben, der ganz individuell unterschiedlich und Wandlungen unterworfen, aber bestimmt nicht heilig ist?

Und ist nicht Gott allein heilig?

:?:

(Maxi, hol doch deine alte Lupe noch mal aus der Tasche und untersuche bitte gründlich, ob Stap Leber noch ganz koscher ist, ja? Ich habe so meine Zweifel)

Bild
[i][size=75]"... Ich bin einerseits sehr froh, dass ich diesen Gedanken aussprechen kann, auf der anderen Seite fällt es mir auch nicht schwer..."
(Bap Klingler - Neujahrsgd 2009)[/size][/i]

chorus
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Re: IM GOTTESDIENST...

#7 Beitrag von chorus » 08.01.2012, 19:50

leber formulierte noch so einen "kracher"... es war schon ziemlich am ende seiner ausführungen. von daher werden die meisten schon im gedanklichen nirwana gewesen sein. aus der erinnerung:

"es gäbe ja da und dort mitmenschen, die sich sehr durch tätige nächstenliebe und barmherzigkeit auszeichnen. das nehmen wir gerne in anspruch. aber ist da die rechte basis (unseres) glaubens vorhanden...?"
„Realität ist das, was nicht verschwindet wenn man aufhört daran zu glauben.“ Philip K. Dick

Cemper

Re: IM GOTTESDIENST...

#8 Beitrag von Cemper » 08.01.2012, 19:55

Anne hat geschrieben:Cemper, spielen Sie lieber einen Schlussakkord.

http://www.christ-im-dialog.de/index.ph ... Itemid=170
KLICK

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