DAS 8. GEBOT - PFLICHTLÜGEN...?

Für Zweifler und andere gute Christen
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Maximin

DAS 8. GEBOT - PFLICHTLÜGEN...?

#1 Beitrag von Maximin » 16.08.2011, 13:47

:) Lieben Freunde, in einer hochinteressanten Fernsehdiskussion fiel unlängst ein Wort welches mich nicht mehr los lässt. Das Wort lautet: „Pflichtlügen“. Bei Google ist es noch nicht angekommen. Bei mir schon…!

Die hochrangigen Diskutanten tauschten sich über die Eurokrisis, die weltweit verbreiteten Staatsverschuldungen und darüber aus, wie es dazu kam und was man dagegen unternehmen kann. Es bestand Einigkeit darüber, dass ein allgemeiner und stetig wachsender Vertrauensverlust Ursache für die Misere ist.

Die Leute erwarten Normalität. Politik und Wirtschaft bedienen diese Erwartungen. Bedauerlicherweise bedienen sie sich dabei aber eben auch der Pflichtlügen. Die Weltgeschichte ist voll von Lügengeschichten. Früher konnte man den Leuten etwas vorgaukeln, bzw. sie mit Versprechungen und offensichtlichen Unwahrheiten besoffen reden. Übrigens haben die Kirchenbetriebe dieses üble Spiel lange Zeit mitgespielt...!

Nun scheint es so, dass sich die „breite Masse Mensch“ inzwischen nicht mehr so leicht hinters Licht, also sich nicht mehr belügen und betrügen lässt. Sie informiert sich, sie fragt nach und stellt die Lügner und Betrüger. Da wird die Vertrauensfrage gestellt! Logisch, dass dabei harte Auseinandersetzungen nicht ausbleiben.

Pflichtlügen – gibt es die auch in unseren kleinen Alltag? In einem auf den ersten Blick lustigen Werbespot sieht man sie und ihn durch einen Supermarkt wuseln. Sagt sie verdrossen: „Du liebst mich nicht.“ Seine Reaktion auf diesen Misstrauensvorwurf brüllt er so laut aus sich heraus, dass es alle anderen Kunden hören können: „Ich liebe diese wunderbare Frau!“ Ihre Reaktion: „Hör auf. Das ist megapeinlich!“

Man kann die Sache drehen und wenden wie man will, es geht um mangelndes oder verloren gegangenes Vertrauen. Schon als Kinder lernten wir das 8. Gebot: „Du sollst nichts Falsches gegen deinen Nächsten aussagen.“ Kurz und bündig: „Du sollst nicht lügen!“ Gibt es hier jemanden der noch niemals gelogen hätte…? :oops:

Fragen wir mal nach, was eine Lüge eigentlich ist. Wikipedia antwortet so: „Eine Lüge ist eine Aussage, von der der Sender (Lügner) weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der oder die Empfänger sie trotzdem glauben.] Dies geschieht meist, um einen Vorteil zu erlangen oder um einen Fehler oder eine verbotene Handlung zu verdecken um so Kritik oder Strafe zu entgehen. ( http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCge )

Was mich an der Vokabel „Pflichtlügen“ so aufregte war, dass es offensichtlich zum Handwerkszeug von Kirchenbetrieben, Politikern und Wirtschaftsmanagern gehört, der „breiten Masse Mensch“ nicht die ganze Wahrheit zu sagen, sondern sie lieber zu beschummeln, sie hinters Licht zu führen und sie schlicht und ergreifend zu belügen.

Kann das auf Dauer gut ausgehen? Das glaube und hoffe ich nicht! An diesem Punkt meiner Überlegungen stellt sich mir allerdings immer stärker eine ganz andere Frage: „Hatte Dr. Martin Luther Recht wenn er meinte dass das allgemeine Volk „tumb, also doof ist?“

Wäre das so, dann könnte das ja bedeuten, dass die „breite Masse der Menschen“ belogen werden will und in Wahrheit kein bisschen daran interessiert ist, hinter die Lügenvorhänge und hinter die Kulissen der Mächtigen zu blicken. Motto: “Du weißt Bescheid, ich weiß Bescheid und wie es drinnen aussieht, das geht niemanden etwas an.“ Na herrlich!

Nö! Ich lasse in meinem Denken und Handeln den Begriff „Pflichtlügen“ nicht zu. Und ich werde alles daran setzen, den „Pflichtlügen“ derer, die sich ihrer bedienen, aktiven Widerstand zu leisten. Na klar ist das kein Weg über saftige Frühlingswiesen im Wonnemonat Mai. Da läuft man sich schon mal wund. :cry:

Aber der Einsatz lohnt sich m. E. schon. Warum? Na um nicht das eigene Selbstwertgefühl verkümmern zu lassen und nicht seinen Verstand und seine Vernunft an der Garderobe abzugeben und dort im Weggehen selbstvergessen hängen zu lassen.

Liebe Grüße, landauf und landab, vom Maximin :wink:
Zuletzt geändert von Maximin am 16.08.2011, 16:16, insgesamt 2-mal geändert.

Tom aus Franken

Re: DAS 8. GEBOT - PFLICHTLÜGEN...?

#2 Beitrag von Tom aus Franken » 16.08.2011, 14:24

jaja, das ist so eine Sache. Ich sage oft zu meiner Frau, ich sei nicht da, wenn ich unbeirrt eine Arbeit erledigen möchte. Sie lügt dann in meinem Namen. Das bringt ihr sicherlich keine Pluspunkte, mir aber Luft bei der Aufgabenerfüllung. Ansonsten müsste ich den ganezn Tag warten, ob ich am Telefon benötigt werde. Die dann liegenbleibende Arbeit verschiebt sich dann in die Abendstunden, wenn andere Feierabend haben. Oft tröste ich meine Frau mit dem Hinweis, wir gehen ja zum Abendmahl und da wird uns ja vergeben.

Jetzt bleibt es dem Leser überlassen, ob meine Frau aus Pflicht lügt.

Gehen wir weiter. Da fragt doch tatsächlich der Türhüter, wo wir denn am letzten Gottsdienst waren? Lügen wir oder sagen wir ihm, das ihm das nichts angehe! Oder wir werden gefragt, wie es uns gehe! Geht ihm das was an? Natürlich nicht. Aber wir geben bereitswillig Antwort oder belügen den Fragenden. Usw. usw.

Maximin

Re: DAS 8. GEBOT - PFLICHTLÜGEN...?

#3 Beitrag von Maximin » 16.08.2011, 15:25

:) Tommi,
Du hast meine Aufregungen zum Thema "Pflichtlügen" verstanden. Ich bin auf weitere Beiträge gespannt...! :D Habe die Ehre und brüderliche Grüße vom alten Maximin aus der allerdings wesentlich älteren Reichshauptstadt Berlin. :wink:

Adler

Re: DAS 8. GEBOT - PFLICHTLÜGEN...?

#4 Beitrag von Adler » 16.08.2011, 16:21

Lieber Maxi,

du hast hier, wie ich finde, ein sehr interessantes Thema eröffnet.

Vlt. sollten wir aber zunächst einmal klären, was denn überhaupt Lüge ist.

Ist es bereits eine Lüge, wenn man nicht die ganze Wahrheit sagt, also bewusst etwas verschweigt, was zum eigenen Nachteil oder zum Nachteil für meinen Nächsten werden könnte?

Ist es bereits Lüge, wenn vor einer drohenden Gefahr nur „minimal“ gewarnt wird, um keine Massenpanik auszulösen?

Ist es eine Lüge, wenn der behandelnde Arzt, dem sicheren Todeskandidaten die wahrheitsgemäße Diagnose vorenthält?

Ist es eine Lüge, wenn der sterbenskranke Ehepartner dem anderen Partner die Wahrheit über den Gesundheitszustand verschweigt um diesen zu schonen?

Wo endet die Wahrheit? Wo beginnt die Lüge? Was ist Wahrhaftigkeit?

Ich habe eine Zeitlang Schöffe beim Amtsgericht sein dürfen und mir klingen noch heute die Worte meiner Richterin in den Ohren: „Auch das bewusste Weglassen von Wahrheiten ist eine Straftat im Sinne eines Meineides“.

Ich erinnere mich an einen Kriegsfilm worin in einer Scene eine Krankenschwester an das Bett eines sterbenden sehr jungen Soldaten gerufen wird, welcher nach seiner Mutter verlangt. Als der Junge sie mit „Mama“ anredet, widerspricht sie nicht und lässt ihn in dem Glauben, seine Mutter zu sein. Hat sie nun gelogen?

Wahrheit und Lüge sind Zwillingsschwestern!

LG Adler

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Re: DAS 8. GEBOT - PFLICHTLÜGEN...?

#5 Beitrag von agape » 16.08.2011, 16:29

http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/15/0,187 ... 51,00.html

Das Philosophische Quartett
(dort kam der Begriff "Pflichtlüge" zur Sprache)

Sloterdyk hatte mit seinen drei Gästen am Sonntag im TV die Debatte über das Kreditwesen vertieft.
dazu diese Anekdote zum Wesen des Kredits, die zum Schluss der Sendung angeführt wurde:



Ein Reicher geht als Kapitalverfüger zu einem Autohändler, sucht sich ein Auto seines Begehrens aus, gedenkt eine Probefahrt mit diesem ausgesuchten Auto zu machen.

Die Autoschlüssel erhält er aber nur durch die Hinterlegung eines Pfands in Höhe von 100.- €.
Der Reiche legt 100.- € als Pfand auf die Theke, erhält die Autoschlüssel für die Probefahrt und fährt los.
Der Autohaus Inhaber geht zu seinem Angestellten, gibt dem die 100.- € als Vorschuss auf eine zu erwartende Provison für den Verkauf des Autos.
Der Angestellt rast los, zahlt mit seinen 100.- € seinen Monatsbeitrag für die Mitgliedschaft im örtlichen Fitnessclub.

Der Fitnessclub Inhaber nimmt die 100.- €, bezahlt den Sanitär Installateur, der ihm sein Klosett repariert hat.
Der Sanitär Installateuer kauft sich ein gebrauchtes Fahhrad für 100.- € beim Fahrradhändler um die Ecke.

Der Farradhändler eilt um die nächste Ecke zu unserem Autohändler, begleicht die ausstehende Leasing Rate in Höhe von 100.- € für das vom Autohändler geleaste Auto.
Der Autohändler legt die 100.- € zurück auf die Theke.
Kurzdarauf kommt der Reiche legt die Autoschlüssel zurück auf die Theke, nimmt die als Schlüsell Pfand hinterlegten 100.- € von der Theke an sich, steckt die in seine Brieftasche und verläßt den Authändlerladen mit den Worten
"Das Auto gefällt mir gut. Ich überschlaf den Kauf des Autos noch einmal. Bis Morgen. Grüß Gott"
und entschwindet.

Offensichtlich entseht Mehrwert nicht im eigentlichen Sinne durch Produktion, sondern bei zitternd unsichtbarer Hand
"Wer im Kreditwesen an sich selbst denkt, hat an alle gedacht"
durch Nutzung von Zeitgewinn zu schnellem und eigenem Nutzen, ohne andere in der Kreditwesen- Kette zu übervorteilen?

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Re: DAS 8. GEBOT - PFLICHTLÜGEN...?

#6 Beitrag von agape » 16.08.2011, 16:31

Maximi schrieb:
Und ich werde alles daran setzen, den „Pflichtlügen“ derer, die sich ihrer bedienen, aktiven Widerstand zu leisten.
Das grenzt an Hybris und dem Wunsch an einem erdenlangem Leben. ;-)
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
Nach D.Sölle

Maximin

Re: DAS 8. GEBOT - PFLICHTLÜGEN...?

#7 Beitrag von Maximin » 16.08.2011, 17:04

Agape,
meine Antwort lautet zu einem Teil Deines Beitrages so: "(9) Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn, wir bringen unsere Jahre zu wie ein Geschwätz. (10) Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon."

Natürlich hat mir die Geschichte mit den 100 Dollar auch sehr gefallen. So läuft "Wirtschaft". Lug und Trug! Luftnummern ohne tatsächlich erarbeitete Werte. Ein Tischler erdenkt einen Tisch. Er baut ihn und stellt einen Wert für den her, der einen Tisch braucht und dessen Wert zu schätzen weiß. Ein so hergestellter Tisch ist keine Pflichtlüge, sondern ein anfassbares und nutzbares Ergebnis von Wissen und Handwerkskunst.

An so einem Tisch kann man Gemeinschaft pflegen, gemeinsam essen und, christlich gesprochen, auch ein gläubiges Liebesmahl halten.

Maximin :wink:

GG001

Re: DAS 8. GEBOT - PFLICHTLÜGEN...?

#8 Beitrag von GG001 » 17.08.2011, 09:13

Adler hat geschrieben:Ist es bereits eine Lüge, wenn man nicht die ganze Wahrheit sagt, also bewusst etwas verschweigt, was zum eigenen Nachteil oder zum Nachteil für meinen Nächsten werden könnte?
Falls es zutrifft, was Calamity im NACboard schreibt, dann stellt Adler interessante Frage.
http://nacboard.yuku.com/sreply/85149/C ... -Braunfels

Laura1

Re: DAS 8. GEBOT - PFLICHTLÜGEN...?

#9 Beitrag von Laura1 » 17.08.2011, 12:33

Hi zusammen,
Die Neue möchte gleich mal etwas zum Besten geben, um zu sehen ob es auch funzt... :wink:

Ich finde das Thema auch sehr interessant.
Für mich gibt es unterschiedliche Lügen, die, ich persönlich, nicht alle in einen Topf werfen würde.
Das 8. Gebot würde ich nicht als Pflichtlüge bezeichnen. Wer falsches über seinen Nächsten aussagt, betreibt Verleumdung, oder mindestes üble Nachrede. Durch solche Lügen, wird bewusst der/die Nächste in ein schlechtes Licht gerückt. Verleumdung kann strafrechtlich verfolgt werden. Es ist also kurzum eine böse Absicht dahinter.
Was ist aber mit dem genauen Gegenteil. Wie oft wird aus Anstand und Rücksicht gelogen. Wer sagt schon der Freundin, die so happy mit ihrer neuen Frisur ist, dass sie damit unvorteilhaft aussieht. Oder, wer sagt schon seinem Nachbar, dass er in der neuen Jens noch viel dicker wirkt. Und, wer würde schon lieben Gastgebern ins Gesicht sagen, dass das bereitete Essen nicht schmeckt...
Alles nicht so einfach..

VG Laura1

tergram

Re: DAS 8. GEBOT - PFLICHTLÜGEN...?

#10 Beitrag von tergram » 17.08.2011, 12:46

Vielleicht ist es ja doch einfach - zumindest einfacher, als wir es uns oft selbst machen:

Wenn ich das Wohl des Menschen, meines Nächsten über alle geschriebenen Gebote stelle, handle ich immer christlich.

Was übrigens das witzige Beispiel von den Geschehnissen beim Autohändler angeht: Hiebei handelt es sich nicht um ein Kreditgeschäft, sondern um eine Pfandgabe. Daran ökonomische Erkenntnisse zum Kreditwesen festmachen zu wollen, ist wie die die Sache mit den Äpfeln und Birnen... Wollte ich nur mal so am Rande zu Klärung anmerken.

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