Gedankenaustausch zu Zeitzeugenberichte

Alles rund um die Sondergemeinschaft Neuapostolische Kirche (NAK), die trotz bedenklicher Sonderlehren (u.a. Versiegelung, Entschlafenenwesen mit Totenmission, Totentaufe, Totenversiegelung und Totenabendmahl, Heilsnotwenigkeit der NAK-Apostel, Erstlingsschaft, ..), weiterhin "einem im Kern doch ... exklusiven Selbstverständnis", fehlendem Geschichtsbewusstsein und Aufarbeitungswillen, speziell für die Zeit des Dritten Reiches, der DDR, der Bischoffs-Botschaft ("... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. ..."), sowie ihrer jüngsten Vergangenheit und unter erheblichem Unmut ehemalicher NAK-Mitglieder, auch Aussteiger genannt, die unter den missbräuchlichen Strukturen und des auf allen Ebenen ausgeprägten Laienamtes der NAK gelitten haben, weiterhin leiden und für die die NAK nach wie vor eine Sekte darstellt, im April 2019 als Gastmitglied in die ACK Deutschland aufgenommen wird.
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Andreas Ponto
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Re: Gedankenaustausch zu Zeitzeugenberichte

#11 Beitrag von Andreas Ponto » 30.07.2011, 20:01

Liebe tosamasi,

vielen Dank auch von mir.

Es ist wichtig diese Dinge zu dokumentieren, um einer wie auch immer gearteten Verharmlosung durch die KL der NAK entgegen zu wirken.

Denkst du, dass sich die Kirche von der Botschaft Bischoffs distanzieren, diese widerrufen und sich für das ihren Gläubigen zum einen und den aus ihrer Sicht Abgefallenen zum anderen zugefügte Unrecht entschuldigen sollte?

Genügt ein "Es ist heute kein Dogma mehr"?

Oder sollte einfach nur Deckel zu und Ruhe.

Was meinst du?

LG

Andreas

Simon

Re: Bischoff-Botschaft - Zeitzeugenberichte

#12 Beitrag von Simon » 30.07.2011, 20:47

Guten Abend allerseits,

zunächst möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Simon. Ich bin apostolischer Christ. Beruflich war ich als selbständiger Unternehmer in der Fischereiwirtschaft tätig. Daneben engagierte ich mich ehrenamtlich als Seelsorger.

Als Stammapostel Bischoff starb, war ich bereits tot. Dennoch betrachte ich mich als Zeitzeuge. Ich habe nämlich denjenigen persönlich kennengelernt, von dem Bischoff behauptete, eine Verheißung erhalten zu haben: Jesus von Nazareth.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit ihm. Wir standen in der Nähe des Tempels, am Ölberg in Jesusalem. Jesus sprach von den Zeichen seiner Wiederkunft. Nachdem er mehrfach und eindringlich vor sog. "falschen Propheten" gewarnt hatte, sagte er wörtlich: "Von dem Tag aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater."

Jesus wusste fast alles. Zum Beispiel, dass er nach drei Tagen auferstehen würde, dass mir der Märtyrertod bevorstehe oder dass die Frau, die ihm am Jakobsbrunnen Wasser gab, schon fünf Männer hatte. Nur eines wusste er nicht: Den Zeitpunkt seiner Wiederkunft! Vielleicht finden ja die Forscher der Fernuni Hagen heraus, wie jemand einem anderen etwas "offenbaren" kann, was er selbst nicht weiß?

Für eine Zeitzeugenbefragung stehe ich leider nicht mehr zur Verfügung. Doch wurden meine Erfahrungsberichte größtenteils schriftlich festgehalten. Das zitierte Gespräch am Ölberg ist u.a. HIER nachzulesen.

Friede allen Verführten!

Simon

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tosamasi
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Re: Bischoff-Botschaft - Zeitzeugenberichte

#13 Beitrag von tosamasi » 30.07.2011, 21:15

Simon u.a. hat geschrieben:
Nur eines wusste er nicht: Den Zeitpunkt seiner Wiederkunft! Vielleicht finden ja die Forscher der Fernuni Hagen heraus, wie jemand einem anderen etwas "offenbaren" kann, was er selbst nicht weiß?
Na ja, das war 1950 Jahre später. :lol:
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evah pirazzi
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Re: Bischoff-Botschaft - Zeitzeugenberichte

#14 Beitrag von evah pirazzi » 30.07.2011, 22:46

Simon hat geschrieben:
Vielleicht finden ja die Forscher der Fernuni Hagen heraus, wie jemand einem anderen etwas "offenbaren" kann, was er selbst nicht weiß?
"Liebe Fernuni von Hagen
darf ich wagen nachzufragen,
wie die Dinge damals lagen
als ein ziemlich alter Schragen,
dem der Kuhlen lag im Magen,
hob die "Botschaft" aus dem Kragen?"

Da ich auch zur Fraktion "Gnade der späten Geburt" gehöre, bin ich kein ZZ (Zeit-Zeuge), aber nachdem ich sozusagen "dumm geboren" ward, habe ich im "späten Mittelalter", einmal auf die Botschaft gestoßen, schließlich zz (ziemlich zügig) verstanden, was damals passiert ist. Und wenn tosamasi schreibt:
tosamasi hat geschrieben:Man kann die Botschaft -um die Wertigkeit zu verdeutlichen- vielleicht heute mit dem Glauben an die Wirksamkeit des Apostelamtes überhaupt vergleichen.
dann finde ich, ist das ein guter Vergleich. Es wird heute ähnlich vehement und verbissen auf der Heilsnotwendigkeit des gegenwärtigen Apostelamtes bestanden, wie damals auf den Glauben an die Göttlichkeit der Botschaft, ohne heute auch nur ansatzweise durch besondere Geisteskräfte aufzufallen und diese Forderung zu belegen. Dabei war damals die Grundvoraussetzung, als Apostel zu wirken, ZZ (Zeit-Zeuge) Jesu Christi zu sein.

Echt witzig!

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[i][size=75]"... Ich bin einerseits sehr froh, dass ich diesen Gedanken aussprechen kann, auf der anderen Seite fällt es mir auch nicht schwer..."
(Bap Klingler - Neujahrsgd 2009)[/size][/i]

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Re: Gedankenaustausch zu Zeitzeugenberichte

#15 Beitrag von Comment » 31.07.2011, 08:04

Man kann die Botschaft -um die Wertigkeit zu verdeutlichen- vielleicht heute mit dem Glauben an die Wirksamkeit des Apostelamtes überhaupt vergleichen.
Ja, da gibt es wohl Parallelen, das sehe ich auch so.

Unter Bischoff war es die auf seine Person bezogene Botschaft, die im Vordergrund stand, statt der biblischen Aussagen Jesu zu seiner Wiederkunft.

Derzeit legt die NAK den Fokus auf die angebliche Heilsnotwendigkeit ihres Personals im kircheneigenen Apostelamt und übersieht geflissentlich die jesuanische Alleinzuständigkeit fürs Heil.
S. ApG 4, 12: 'Und ist in keinem anderen Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden.'

Com.

Kristallklar
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Re: Gedankenaustausch zu Zeitzeugenberichte

#16 Beitrag von Kristallklar » 31.07.2011, 16:29

Fast alles, was zu diesem Thema bis jetzt geschrieben wurde, kommt mir sehr bekannt vor und viel ähnliches habe ich persönlich im Kreis der ehemaligen Mitgeschwister gehört, und auch einiges davon hautnah erlebt.

(Dich Simon habe ich zwar gelesen, aber kommentieren werde ich das Geschreibsel nicht.)

...Die nunmehr über 80jährige Mutter, die nur noch in Ruhe auf ihre Heimholung wartet und vom neumodischen Zeugs nichts hören und sehen will. Der Stammapostel ist für sie jenseits von Gut und Böse, also gibt es absolut gar nichts an ihm anzuzweifelln. Ich kann sie mit nichts dazu überreden, ihr Schweigen zu brechen.
Sie hat mal einen einzigen Satz dazu gesagt, wie ihre NAK Familie und andere Mitglieder der Gemeinde politisch zum damaligen Nationalsozialismus gestanden hat.
Aber ein Thema dazu hab ich hier im Forum (noch) nicht gefunden...

...Den übereifrigen unverbrauchten jungen Bruder, der verzwweifelt versucht, dem mißtrauisch gewordenen Mittel(alter)stand und der Jugend in großartigen modernen Ausdrücken verkleidet die immense Wichtigkeit des Apostolats unterzuschieben, doch doch, der Exclusivitätsanspruch besteht immer noch und auch so lange, bis der Herr kommt.
Aber kein Wort von damals, das ist doch alles schon sooo lange her und sollte mal endlich mit dem Mantel des Vergessens und des Schweigens zugedeckt werden und bleiben.

...Ja, die Zweifler, die Aufrührer und die Aussteiger bleiben, um dieses wichtige Kapitel lebendig zu halten. In Verbindung mit den noch lebenden Zeugen der Zeit sollten und könnten sie alles Erlebte wenn möglich auch schriftlich festhalten. Außer Frage steht dabei, daß die NAK bei diesen Ausführungen aber nicht gut aussehen kann.
Natürlich sind und werden das alles keine "sachlichen" Zeitberichte, alle haben diese Zeit als eine sehr schwierige erlebt, in der es viel Unglück und viele Tränen und unendliche traurige und böse Zerwürfnisse quer durch viele Familien gegeben hat.
Also können nur subjektive Berichte kommen, von denen sich auch viele ähneln werden. Und so viele Menschen können nicht die Unwahrheit sprechen.

Wenn es nicht so viel häßlichen alten Staub unter dem NAK-Teppich hervorquellen lassen würde, dann hätte sich auch ein Hr. Dr. Leber öfter mal am Thema "Botschaft" versucht, aber es sieht nicht gut aus für ihn, egal wie er sich windet, es paßt nur das eine:

Herr Dr. Leber,
entschuldigen Sie sich als Oberhaupt der NAK bei den noch verbliebenen Verstoßenen und Ausgeschlossenen, samt ihrer zerissenen Familien, den Aussteigern und den heutigen verbliebenen Mitgliedern der Neuapostolischen Kirche für die Lüge des JG Bischoff und das anschließende beharrliche Schweigen, die Nichtbeachtung des Leidens und machen Sie sich endlich an eine Aufarbeitung der wahrhaftigen Geschichte der NAK, mit der alle leben können!
So wie SIE es jetzt halten und handhaben, ist die NAK eine sterbende "Kirche", wollen Sie das?

Kristallklar

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tosamasi
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Re: Gedankenaustausch zu Zeitzeugenberichte

#17 Beitrag von tosamasi » 31.07.2011, 17:14

centaurea hat geschrieben:Liebe tosamasi,

vielen Dank auch von mir.

Es ist wichtig diese Dinge zu dokumentieren, um einer wie auch immer gearteten Verharmlosung durch die KL der NAK entgegen zu wirken.

Denkst du, dass sich die Kirche von der Botschaft Bischoffs distanzieren, diese widerrufen und sich für das ihren Gläubigen zum einen und den aus ihrer Sicht Abgefallenen zum anderen zugefügte Unrecht entschuldigen sollte?

Genügt ein "Es ist heute kein Dogma mehr"?

Oder sollte einfach nur Deckel zu und Ruhe.

Was meinst du?

LG

Andreas
Auf keinen Fall Deckel drauf! Und "es ist kein Dogma mehr" ist auch längst nicht genug.
Aber machen wir uns nichts vor, das Fundament der Kirche kann gewaltig ins Wackeln kommen, denn nach dem Motto: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht muss man fragen, was von den Verkündigungen man heute glauben kann und was morgen belächelt wird. Wenn man liest, dass ja alles gar nicht so schlimm und jeder selbst schuld war, der die Botschaft geglaubt hat, werden fundamentale Fragen aufgeworfen. Aber ich denke, die Kirche sitzt das aus.
Nur der Einfältige fürchtet die Vielfalt
tosamasi

Heinrich

Re: Gedankenaustausch zu Zeitzeugenberichte

#18 Beitrag von Heinrich » 31.07.2011, 18:10

entschuldigen Sie sich als Oberhaupt der NAK bei den noch verbliebenen Verstoßenen und Ausgeschlossenen, samt ihrer zerissenen Familien, den Aussteigern und den heutigen verbliebenen Mitgliedern der Neuapostolischen Kirche für die Lüge des JG Bischoff und das anschließende beharrliche Schweigen, die Nichtbeachtung
Tja, werter Kristallklar.

Das ist auch meine Meinung. Was da geschah, war Panikmache übelster Art. Und Kinder - ich war damals ein Kind - hatten extrem darunter zu leiden.

Es gab priesterliche Ämter, die Kindergottesdienste hielten, und schon damals - nicht auf den Mund gefallen - sagte ich schon "weisst du was, dein (?) und mein Gott ist nicht so blöd wie du." Was dann zur Folge hatte, ich musste erst bei meinem Vater (war damals Gemeindeevangelist) und - da das nichts brachte - beim zuständigen Apostel antanzen. Geändert hat er mich nicht, aber ich ihm vielleicht die Augen geöffnet, für die Sehensweise "seiner Jugend".....

Und - ich will niemand in Schutz nehmen - aber wussten Sie, dass bereits 1936 Dienstverträge nach §§ 611 BGB zwischen dem Verein "Vereinigte Neuapostolische Kirche Gemeinden Süd- und Mitteldeutschland", vertreten durch den Vorstand Emil Buchner, Gießen, und einem "Bezirksvorsteher" in Nordhessen geschlossen wurden ? Der Vorstand des Vereins hat Herrn xx.xx als Bezirksvorsteher bestellt.

Ich habe diesen bemerkenswerten "Vertrag" dieser Tage auf einem Bücherflohmarkt gefunden und war fasziniert, zeigt er doch, wie die damalige NAK mittels Geld funktioniert und Menschen gekauft hat.

Monatlich gab es 420,00 Reichsmark - damals wohl ein sehr, sehr gutes Gehalt. Und falls man ein Kind hatte, gab es noch 10,00 Reichsmark obendrein.

Und ein solcher - für damalige Zeiten wohl recht gut von der Kirche bezahlter -Bezirksvorsteher (heute würde man wohl Bezirksältester sagen ?) hätte sich doch um Kopf und Kragen (=sprich sein Salär seitens der Kirche) geredet, wenn er an der "Botschaft" gezweifelt hätte. Also hat er es gepredigt......

Kristallklar, eine Entschuldigung dieser NAK
werden Sie nicht bekommen,
aber bitte bleiben Sie christlich,
und wenn Sie das Gefühl haben, in dieser unser NAK
noch etwas zu bewegen,
bitte, tun Sie es !

Liebe Grüße, ein im Moment etwas
krawalliger Heinrich ;-)

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Andreas Ponto
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Re: Gedankenaustausch zu Zeitzeugenberichte

#19 Beitrag von Andreas Ponto » 31.07.2011, 18:29

Heinrich,

jetzt machst du mich blass.

Waren Bezirksvorsteher zu dieser Zeit von der NAK generell angestellt? War das nicht nur ein DDR-Modell?
Weisst du mehr dazu?

LG

Andreas

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Re: Gedankenaustausch zu Zeitzeugenberichte

#20 Beitrag von Andreas Ponto » 31.07.2011, 18:31

Kristallklar hat geschrieben:....
Sie hat mal einen einzigen Satz dazu gesagt, wie ihre NAK Familie und andere Mitglieder der Gemeinde politisch zum damaligen Nationalsozialismus gestanden hat.
Aber ein Thema dazu hab ich hier im Forum (noch) nicht gefunden...

....
Kristallklar,

du kannst jederzeit ein neues Thema aufmachen. Gerne!

LG

Andreas

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