Bischoff-Botschaft - Zeitzeugenberichte

Alles rund um die Sondergemeinschaft Neuapostolische Kirche (NAK), die trotz bedenklicher Sonderlehren (u.a. Versiegelung, Entschlafenenwesen mit Totenmission, Totentaufe, Totenversiegelung und Totenabendmahl, Heilsnotwenigkeit der NAK-Apostel, Erstlingsschaft, ..), weiterhin "einem im Kern doch ... exklusiven Selbstverständnis", fehlendem Geschichtsbewusstsein und Aufarbeitungswillen, speziell für die Zeit des Dritten Reiches, der DDR, der Bischoffs-Botschaft ("... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. ..."), sowie ihrer jüngsten Vergangenheit und unter erheblichem Unmut ehemalicher NAK-Mitglieder, auch Aussteiger genannt, die unter den missbräuchlichen Strukturen und des auf allen Ebenen ausgeprägten Laienamtes der NAK gelitten haben, weiterhin leiden und für die die NAK nach wie vor eine Sekte darstellt, im April 2019 als Gastmitglied in die ACK Deutschland aufgenommen wird.
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Maximin

Re: Bischoff-Botschaft - Zeitzeugenberichte

#11 Beitrag von Maximin » 29.07.2011, 19:56

:) Lieben Freunde,
mit meinem 4ten und wahrscheinlich letzten Beitrag in dieser Rubrik zu den Folgen der Botschaft des Johann Gottfried Bischoff gehe ich auf meine Erlebnisse mit seinen Amtsnachfolgern bewusst nicht weiter ein. Das habt Ihr alle selber erlebt und das mögen andere schildern und kommentieren.

Nur so viel am Rande bemerkt: Die Begründung der Verlagerung der NAK-Hauptverwaltung von Dortmund nach Zürich (Schweiz) wurde uns damals damit begründet, dass die Geschwister in der „DDR“ mit dieser Maßnahme leichter erreicht werden können.

Kann sein kann nicht sein. Ob sie uns damit die ganze Wahrheit gesagt haben, dass lasse ich mal offen. Natürlich hat jeder so seine Spekulationen. Mir scheint, dass es damals in Wahrheit um finanzielle Transaktionen ging. Aber für dieses Thema ist wohl besser unser Freund Shalom geeigneter als ich. Viel Glück für diese Nachforschungen...!

Was mich irritiert, das ist die vergleichsweise mäßige Beteiligung anderer älterer Teilnehmer (Zeitzeugen) hier. Gibt es keine mehr, traut ihr Euch nicht oder macht Ihr, glaubensgehorsamst, so weiter wie es Euch der Stammapostel Walter Schmidt vor 51 Jahren mit seinem Schweigegebot aufgetragen hat?

Selbst dafür habe ich Verständnis. Nur für fair gegenüber den uns nachfolgenden Generationen halte ich das nicht. Da hilft es auch nicht einen Schritt weiter, sich hinter der von mir als äußerst scheinheilig wahrgenommen Stellungnahme der NAK-Hauptleitung zu verstecken: „Wir wissen es nicht.“

Liebe Grüße, landauf und landab, vom Maximin aus Berlin :wink:
Zuletzt geändert von Maximin am 29.07.2011, 20:21, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Bischoff-Botschaft - Zeitzeugenberichte

#12 Beitrag von Andreas Ponto » 30.07.2011, 12:38

abendstern_ hat geschrieben:...

Ich selbst war zwar schon geboren, aber zu jung um ein Zeitzeuge zu sein. Trotzdem hat mich die Bischoff-Aera mit Sicherheit geprägt. Meine Eltern sind in dieser Zeit neuapostolisch geworden, haben geheiratet, mein Vater hat sein Amt in dieser Zeit bekommen, ich wurde 1957 geboren. Geprägt hat mich außerdem stark die von dir erwähnte Zeit danach unter Stap. Schmid. Bin sozusagen mit dem Sichelbild aufgewachsen und der ständigen Angst, ich könnte bei der Ernte nicht würdig genug sein. Diese ständig vorhandene unterschwellige Angst hat meine Kinder- und Jugendzeit geprägt und ich bin froh, dass dieser Horror lange vorbei ist.

Eigentlich hätte ich ja gar nicht zur Welt kommen sollen. Meiner zarten schwangeren Mutter sagte man damals, sie müsse sich nicht vor der Geburt fürchten, denn vorher komme der Herr. Der Herr hat dann anders entschieden... (Hervorhebung von centaurea)

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Re: Bischoff-Botschaft - Zeitzeugenberichte

#13 Beitrag von tosamasi » 30.07.2011, 18:24

Ich habe schon so oft in Foren darüber geschrieben, dass es mir über ist. Aber trotzdem will ich hier auch meinen Senf dazu geben.

Damals hing -im wahrsten Sinne des Wortes- das Seelenheil vom Glauben an die Botschaft ab, sie war etwas Absolutes, wer sie nicht glaubte war draußen, nicht dabei, und es stellte sich heraus, dass es ein Irrglaube war. Man kann die Botschaft -um die Wertigkeit zu verdeutlichen- vielleicht heute mit dem Glauben an die Wirksamkeit des Apostelamtes überhaupt vergleichen.

Mein Vater hat in diesen Jahren seine freiwillige Pensionskasse gekündigt, wozu die Stadt, bei der er beschäftigt war, die Hälfte eingezahlt hatte. Mir sagte man, ich würde nicht mehr konfirmiert, ich brauche mir keine Gedanken um Kleid, Fest und Geschenke zu machen. Ich durfte nicht bei Schulveranstaltungen auf der Bühne mitwirken, hatte Bauchweh, wenn die Schule geschlossen ins Kino marschierte um "Serengeti darf nicht sterben" von Bernhard und Michael Grzimek zu sehen. Ich hatte ständig Angst, der Herr Jesu könne kommen und mich nicht mitnehmen, weil ich im Kino war. Unser gesamtes Haus war neuapostolisch, vier Familien, die Männer Amtsträger.

Kurz vor Stap. Bischoffs Tod wurde ich konfirmiert.

Nach dem desolaten Ereignis des Todes von Stap. Bischoff gab es den großen Schock und Beschwichtigungen, Erklärungen, Gott habe seinen Plan geändert. Ich war sehr jung, sehr unkritisch und habe weiter geglaubt. Alle in meiner Umgebung haben das. Sie wollten das, sie wollten sich den Boden nicht unter den Füßen wegziehen lassen. Mein Vater trat wieder in die Pensionskasse ein (als Pensionär merkte er dann, dass ihm ein paar Mark fehlten) man konnte jetzt ja nicht mehr wissen, die Heimholung nicht mehr so leicht errechnen. Die Überlegungen was mit Haustieren, fahrenden Bussen etc. im Falle des plötzlichen Erscheines Jesus passieren würde, war zunächst erledigt. Auch die Angst, wenn die Eltern später als erwartet nach Hause kamen, dass man alleine zurück geblieben war, weil nicht würdig. Ich war froh, dass das Desaster von meinen Schulkameraden etc., denen ich mit heißem Herzen davon erzählt hatte, deren Spott ich heldenhaft lächelnd ertragen hatte, unbemerkt blieb.

Ich selbst war nicht unglücklich, dass ich nun Aussicht hatte, erwachsen zu werden, sondern sehr erleichtert. War doch vorher in Kindergottesdienst und Konfimandenstunde die Frage nach der Freude auf das so baldige Kommen des Herrn für mich , die ich gerne ehrlich auch mir selbst gegenüber war, eher auf verhaltene Zustimmung gestoßen. Denn wenn man sich nicht freute (als Kind) stimmte was nicht mit der Einstellung. Es war also auch ein erheblicher psychischer Druck entstanden, der nun abfiel. Und mit dieser 'Erleichterung' machte man weiter, im gewohnten sozialen Umfeld und mit einer kleinen, planbaren irdischen Zukunft.

Natürlich änderten sich die Einschränkungen nicht, ich durfte nicht mit meinen Klassenkameraden in die Tanzstunde etc. gehen. Aber trotzdem hatte ich Spaß, ich war sowieso eine Brave, und in unserem Jugendkreis fühlte ich mich sehr wohl. Wir hauten auch schon mal auf die Pauke, indem wir kegeln gingen. :D

Wenn ich heute lese, dass das ja alles sooo schlimm nicht war, dass man alles tun und lassen durfte (sogar von heutigen Amtsträgern, die zugeben, das nicht soo ernst genommen zu haben) dann schwillt mir der Kamm.
Ich kenne Geschwister, die ihr Haus nicht ausbauten, obwohl sie keinen Platz für ihre Familie hatten.

Gesprochen wurde über das Dilemma nicht. Nach einem kurzen: "Wo sollten wir hingehen" wurde einfach schweigend weitergemacht und den Weg gegangen.
Nur der Einfältige fürchtet die Vielfalt
tosamasi

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