Was ist religiöser Missbrauch - was nicht?

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Adler

Re: Was ist religiöser Missbrauch - was nicht?

#11 Beitrag von Adler » 23.04.2011, 19:01

Missbrauch der Religion ist über all dort zu finden, wo die Mitglieder zu bestimmten Dingen gezwungen werden, wo auf die Mitglieder psychischer Druck ausgeübt wird und wo man aus einzelnen, aus dem Zusammenhang gerissenen, Bibelstellen, eine elitäre neue Lehre schafft, diese zu einem Dogma erhebt und damit die eigene Existenz begründet.

LG Adler

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Andreas Ponto
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Re: Was ist religiöser Missbrauch - was nicht?

#12 Beitrag von Andreas Ponto » 30.04.2011, 11:08

Ein weiteres Zeichen, dass man es mit einem missbräuchlichen System zu tun hat, ist laut Inge Tempelmann die Ausübung von Druck auf die Gläubigen sich "richtig zu verhalten".

Also wenn der Schwerpunkt innerhalb der Gemeinde/Kirche/Religionsgemeinschaft/Sekte auf "Gesetzlichkeit/eigene Leistung/Verhaltensorientiertheit" liegt.

Zitat" Das richtige Verhalten (in missbräuchlichen Systeme - Einfügung von mir) ist wichtiger als der Mensch..... Liebe, Annahme und Bedeutung werden durch das Tun oder Nichttun bestimmter Dinge verdient. ..."

Inge Tempelmann sieht darin die Kernbotschaft des Evangeliums verfehlt und zitiert aus Phil. 1,6: "...daß, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi."

Sie legt Wert darauf, dass das eigene Verhalten Resultat der Beziehung zu Jesus Christus ist und nicht umgekehrt. Dass der in uns ausgegossene Geist Veränderung in uns bewirkt und nicht ausgeübter Druck (von aussen oder einem selbst).

LG

Andreas

Maximin

Re: Was ist religiöser Missbrauch - was nicht?

#13 Beitrag von Maximin » 30.04.2011, 16:39

Grüß Dich Andreas,
religiöser Missbrauch findet m. E. dann statt, wenn jemand einen anderen missbraucht der sich missbrauchen lässt. Voraussetzung dafür ist, dass der „Missbraucher“ seine Autorität missbräuchlich anwendet, um auf andere Einfluss auszuüben und der Missbrauchte sich dieser Autorität kritiklos unterwirft. Auf diese Weise entsteht ein Abhängigkeitsverhältnis, das deshalb um so verhängnisvoller ist, weil der religiös Missbrauchte sich nicht unbedingt von Menschen, sondern von einem religiösen System abhängig machen ließ, von dem er sich nur sehr schwer und sich daraus meist leider nicht mehr aus eigener Kraft befreien kann.
Gruß vom Micha :wink:

tergram

Re: Was ist religiöser Missbrauch - was nicht?

#14 Beitrag von tergram » 30.04.2011, 16:47

Maximin hat geschrieben:.... meist leider nicht mehr aus eigener Kraft befreien kann.
Ja. Weil: Bei religiösem Mißbrauch kommt hinzu, dass der Täter dem Opfer nicht nur als Mensch, sondern als Stellverteter Gottes (mit welcher Bezeichnung auch immer) begegnet. Das verschafft dem Täter eine überirdische und über jeden möglichen Widerstand hinausgehende Macht. Und sei es nur die Macht, das Damoklesschwert des berühmten "heilsamen Erschreckens" zu benutzen. Die Täter sind sich übrigens zumeist keiner Schuld bewusst - handeln sie doch in bester Absicht und vermeintlich im Auftrag Gottes.

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Andreas Ponto
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Re: Was ist religiöser Missbrauch - was nicht?

#15 Beitrag von Andreas Ponto » 30.04.2011, 17:15

Lieber Micha,

du sagst, "missbrauchen lässt". Ich denke zu wissen, dass du das so nicht meinst, aber es klingt an: Der/die Missbrauchte braucht es sich ja nicht gefallen zu lassen.

Das darf aber so nie und nimmer fallen/ gesagt werden oder anklingen!
Die/der Missbrauchte darf niemals auch nur in die Nähe des SelbstSchuldigen gerückt werden.

Besonders in religiösen Dingen ist es doch so, dass sich Suchende und Schwache den "Seelsorgern" anvertrauen, dass Kinder in Systemen aufwachsen und auf Grund der dort stattfindenden Indoktrination niemals die Möglichkeit haben, über den Tellerrand zu schauen oder das System von aussen zu betrachten und damit als Missbrauchssystem zu erkennen.

Für sie ist es doch immer Gottes Werk und sind es immer Gottes Diener! Sie dürfen nach meiner Einschätzung niemals als selbst schuld bezeichnet werden.

LG

Andreas

Maximin

Re: Was ist religiöser Missbrauch - was nicht?

#16 Beitrag von Maximin » 30.04.2011, 18:16

Mein lieber Andreas,
mit Deiner Feststellung“Das darf aber so nie und nimmer fallen/ gesagt werden oder anklingen! Die/der Missbrauchte darf niemals auch nur in die Nähe des SelbstSchuldigen gerückt werden.“, erreicht unser Gedankenaustausch einen heiklen Punkt. Heikel deshalb, weil an dieser Stelle Unterscheidungen zwingend nötig sind.

Worüber wollen wir uns austauschen? Geht es um religiösen, um politischen, um sexuellen Missbrauch, um Machmissbrauch u. v. a. Missbräuche? Dein Thema hattest Du mit „Was ist religiöser Missbrauch?“ überschrieben...
LG vom Micha

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Re: Was ist religiöser Missbrauch - was nicht?

#17 Beitrag von Andreas Ponto » 30.04.2011, 18:40

centaurea hat geschrieben:Lieber Micha,

...
Besonders in religiösen Dingen ist es doch so,...

LG

Andreas

Maximin

Re: Was ist religiöser Missbrauch - was nicht?

#18 Beitrag von Maximin » 30.04.2011, 19:02

Lieber Andreas,
offensichtlich hast Du mich jetzt (besser) verstanden. Reden wir also über die von Dir eingeführte Vokabel "SelbstSchuld...". Ich fürchte, dass wir beide dabei möglicherweise hart aneinander geraten werden. Ich freu mich drauf...! :mrgreen: Übrigens nicht so sehr auf eine harte Auseinandersetzung in der Sache, sondern auf das Ergebnis. :D
LG Micha :wink:

Maximin

Re: Was ist religiöser Missbrauch - was nicht?

#19 Beitrag von Maximin » 02.05.2011, 15:25

:) Mein lieber Andreas,
dass die verschiedenen religiösen Systeme Missbrauch ausgeübt haben und bis heute ausüben, das wird niemand ernsthaft bestreiten. Das ist die eine Sache. Die andere Sache ist m. E., dass die Leute in den Systemen die dort agierenden Systemträger (Autoritäten) ihrerseits ebenfalls missbrauchen. An diesem Punkt komme ich an der Schuldfrage nicht vorbei. Wie gewichtest Du die jeweiligen Schuldanteile...?
LG vom Micha :wink:

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Re: Was ist religiöser Missbrauch - was nicht?

#20 Beitrag von Andreas Ponto » 02.05.2011, 17:10

Lieber Micha,

man kann aus meiner Sicht nicht ein System für Missbrauch verantwortlich machen.

Man muss Verantwortlichkeit an den das System beherrschenden und formenden Elementen, also den verantwortlichen und leitenden Personen, festmachen. Und schnell wird man in so einem System als agierendes Element mittlerer und unterer Ordnung selbst zum Missbrauchenden, also zum Täter.

Dies geschieht meistens in gutem Vorsatz und aus voller Überzeugung Gutes zu tun. In religiösen Systemen aus der Überzeugung gar in der Hand Gottes ein Werkzeug zu sein. Der Täter sieht sich also selbst nur als passives Werkzeug und Gott als den Handelnden! Dies entbindet aber nicht von der eigenen Schuld.

Für mich ist zuerst die Leitung so einer Organisation verantwortlich. Sie hat den Überblick (muss ihn haben), sie gibt Regeln und Normen vor, an sie muss der Anspruch lauten, verantwortlich zu führen.

LG

Andreas

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