BEGEGNUNGEN MIT DER VERGANGENHEIT...

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Maximin

BEGEGNUNGEN MIT DER VERGANGENHEIT...

#1 Beitrag von Maximin » 18.12.2010, 17:07

:) Ein besonderer Adventgruß geht heute vom „ollen Maximin “nach” Philippus. Ja, ja, ich gestehe einen gewissen Hang zu Auftritten mit großem Orchester. http://www.youtube.com/watch?v=aEplqV0scyo (The lords prayer)

Na und ?! In meiner jetzigen evangelischen Gemeinde wurde vor rd. einem Jahr ein vom Tischler zusammengeschustertes bescheidenes Rednerpult angeschafft, das, von Fall zu Fall und auf Wunsch des Predigers, vor den Altar getragen werden muss. Nö, ich gehe lieber auf die altwürdige hohe Kanzel. Warum? Sie erinnert mich so schön an meine „Kinderkirche“ in der Neuköllner Flughafenstraße 43, in der sich mittlerweile allerdings eine türkische Begegnungstätte befindet.

In dieser altehrwürdigen neuapostolischen „lieben Kapelle“ versammelten sich zu Zeiten etwa 400 Gläubige. Als Kind beeindruckte mich vor allen Dingen die herrliche Sauerorgel. Unmittelbar darunter die Sängerempore mit rd. 100 Sängerinnen und Sängern.

Und wenn es einen besonderen Festgottesdienst gab, dann wurden wir Kinder auf den 12 Stufen zum Orgelprospekt hingesetzt. Wenn dann der Klasseorganist, Bruder Ducksch, in die Tasten haute, der Chor das Lied anstimmte „Der Herr ist mein Licht, ist mein Licht und ist mein Heil..." und sich die Gemeinde bei der Passage, „…das ich mög´ bleiben im Hause des Herrn…“, geschlossen erhob, dann fühlte ich mein Zuhause.

Manchmal hat es mich schon gejuckt, nach so vielen Jahren, in diese türkische Begegnungsstätte doch mal hineinzugehen. Schließlich sind Begegnungen zwischen den verschiedenen Glaubenskulturen mehr als sinnvoll. Na ja, vielleicht kann ich meine diesbezüglichen Sentimentalitäten irgendwann doch noch überwinden. Werden wir leben, werden wir sehen…!

Also, mein lieber Philippus, viele Grüße vom Micha aus Berlin-Neukölln. :wink:
Zuletzt geändert von Maximin am 18.12.2010, 19:20, insgesamt 1-mal geändert.

Adler

Re: BEGEGNUNGEN MIT DER VERGANGENHEIT...

#2 Beitrag von Adler » 18.12.2010, 18:33

Vielleicht darf ich ein klein wenig mit schwelgen in Erinnerungen an die Vergangenheit :D

Zu meiner Kinderzeit hatten wir keine eigene Kirche sondern nur einen einzigen angemieteten Raum. Es war die ehemalige Kegelbahn einer Kneipe. Die Kegelbahn wurde nicht mehr genutzt, wohl aber die Kneipe. Da klang es schon etwas merkwürdig und aus dem Schankraum nebenan erscholl jedesmal schallendes Gegröle, wenn unser kleiner aber stimmgewaltiger Chor, das Lied anstimmte: "Gib mir zu trinken ... " :lol:

Aber schön war es auch, besonders im Winter, wenn wir Kinder im Kinder-GD um den großen Kanonenofen herum saßen und den Geschichten des alten Priesters lauschten ...

LG Adler

Maximin

Re: BEGEGNUNGEN MIT DER VERGANGENHEIT...

#3 Beitrag von Maximin » 18.12.2010, 19:22

:) ...
LG vom Micha :wink:

Philippus

Re: BEGEGNUNGEN MIT DER VERGANGENHEIT...

#4 Beitrag von Philippus » 19.12.2010, 00:20

Gaanz liebe Grüße zurück aus der Universitätsstadt :)

Ich konnte nicht früher hier erscheinen, da ich just um 18:00 mit meiner Liebsten in der altehrwürdigen Elisabethkirche saß, um mit ganz vielen lieben Menschen zusammen Weihnachtslieder zu singen mit Orgelbegleitung, Kantorei und Kinderchor, Flötengruppe und einigen Lesevorträgen zum Thema Schenken und Beschenktwerden. Und es war sehr, sehr schön.

Es hat dann auch etwas gedauert, bis wir hinterher wieder nach Hause fanden ... :wink:

Liebe Grüße in die Runde und die besten Wünsche für den 4.Advent - ganz besonders nach Neukölln.

Frank

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gecko
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Re: BEGEGNUNGEN MIT DER VERGANGENHEIT...

#5 Beitrag von gecko » 19.12.2010, 12:56

Maximin hat geschrieben: ... Schließlich sind Begegnungen zwischen den verschiedenen Glaubenskulturen mehr als sinnvoll ...
mein lieber maximin,

heute morgen, schon auf dem weg in den gottesdienst, hab ich im SWR folgenden beitrag gehoert ... leider gibt's ihn nur als manuskript und nicht als podcast zum anhoeren:
http://www.kirche-im-swr.de/?page=manus ... &sendung=2

besondert mit dem schluss moechte ich Dir mut machen ueber Deinen schatten zu springen:
Zum Abschied wünscht mir Nazan Kapan einen „gesegneten Advent". Und ich nehme mir vor: Im nächsten Jahr achte ich genauer darauf wann ich ihr ein Frohes Fest wünschen kann.
Du kannst mir ja erzaehlen wenn's Dir gelungen ist ;-)

liebe gruesse
e. der gecko

Maximin

Re: BEGEGNUNGEN MIT DER VERGANGENHEIT...

#6 Beitrag von Maximin » 21.12.2010, 00:03

:) Lieben Brüder,
diese Anrede schließt unsere Schwestern ausdrücklich ein. Heute möchte ich mich jedoch besonders an diejenigen von euch wenden, die in der Neuapostolischen Kirche (NAK) Verantwortung tragen bzw. getragen haben.

Seit einigen Wochen arbeite ich an einem Beitrag mit der Überschrift „Die keine Heimat mehr haben.“ Bei meinen Recherchen ist mir nun allerdings etwas dazwischen gekommen, das mich zu diesem Beitrag veranlasste. Überschrift: „Die Faszination des Einzugs.“

In meiner früheren Gemeinde, meinem Vaterhaus, gab es in der Sakristei einen Knopf. Wenn den mein Vater, unserer Gemeindevorsteher und Evangelist, drückte, dann leuchtete beim Organisten ein kleines Lämpchen auf. Zeichen für ihn, mit dem Gemeindeeingangslied zu beginnen.

Während sich die Gemeinde dazu geschlossen erhoben hatte und das Eingangslied sang, öffnete sich die Tür der Sakristei und die dienenden Brüder am Altar zogen feierlich in die Gemeinde ein, um dort ihre Plätze einzunehmen.

Jahre später lag es an mir, diesen Knopf zu drücken. Ich erspare es mir meine damit verbundenen persönlichen Gefühle mitzuteilen. Nur so viel: „Der feierliche Einzug in die Gemeinde, hinauf, hinter den Altar, das hat mit mir etwas gemacht." Was denn…?

Unlängst konnte ich mir bei YouTube ein besonderes Video ansehen. Es handelte sich um einen festlichen Gottesdienst in Nordrhein Westfalen. Da singen also schätzungsweise 8 bis 10.000 neuapostolische Gotteskinder unter donnernder Orgelbegleitung das Eingangslied, während sich die Kamera auf den feierlichen Einzug des Stammapostels mit seiner Begleitung richtet. Nur großes Kino...?

Was ist daran auch auszusetzen? Solche feierlichen Einzugszenen kann man bei Evangelischen Kirchentagen, Römisch-Katholischen Großveranstaltungen, insbesondere mit dem hl. Vater aus Rom, auch beobachten. Wer jemals einem „stink normalen“ katholischen Gottesdienst beigewohnt hat, der hat dort, wenn auch in kleinerem Rahmen, dasselbe erlebt.

Nun geht es mir heute aber nicht um das, was die Leute in den Reihen in solchen Augenblicken erleben, sondern darum, was die einziehenden Geistlichen in diesen Augenblicken erleben und was das mit ihnen macht.

Lieben Brüder, mir kann niemand von euch weißmachen, dass man dabei nicht in ein gewisses religiöses Hochgefühl gerät. Aber das ist der für mich entscheidende Punkt:„Hebst du dabei in ein wie auch immer zu benennendes persönliches Hochgefühl ab, oder hast du behalten, dass du nur jemand bist, der das Wort Gottes, das Evangelium unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus, weitersagen soll…?“

Ich weiß wohl, dass in unserem kleinen Forum einige von denen sind, die in der NAK den Auftrag hatten genau das zu tun. Manche haben diesen Auftrag zurückgegeben. Ich nicht! Na gut, für die Wortverkündigung war ich der NAK irgendwann nicht mehr gut genug. Nur das möchte ich euch Männern schon auf euren weiteren Lebens-und Glaubensweg mitgeben: „Ich habe meinen Amtsauftrag nicht von einem Menschen erhalten, sondern von IHM und ich halte dafür, dass das bei euch genauso ist. Fühlt mal genau hin…!"

Für eine späte Predigerausbildung, egal wo, war ich leider schon zu alt. Aber ich habe erlebt, dass es Plätze gibt, wo ehrenhafte und aufrichtige Gottesmänner dringend gebraucht werden. Bewegt euch und verkriecht euch doch nicht trauernd in Tropfsteinhöhlen. Nee, nee! Geht an die frische Luft. Dahin, wo die Leute frei atmen und oft Probleme damit haben, ihr Leben zu meistern. Steht ihnen bei. Helft ihnen, so gut ihr es eben könnt.

Vielleicht wird mir an dieser Stelle der eine oder andere von euch jetzt widersprechen und entgegenhalten: „Bist du verrückt? Ich bin ja froh, dass ich diese Last endlich losgeworden bin.“ Nix dagegen. Befrage aber dein Gewissen und frage IHN, ob er dich nicht, wo auch immer, dringend braucht. Das ist alles und darauf kommt glaube ich alles an.

Wer sagt, dass er seine Heimat, aus welchen Gründen auch immer, verloren hat, der nehme sich ein Beispiel an den millionen Vertriebenen, die sich eine neue Heimat geschaffen haben und dort, trotz aller Unterschiede, auf- und angenommen wurden, weil jemand da war, der ihnen dabei ein wenig beigestanden und geholfen hat.

Brüderliche Grüße vom alten Maximin :wink:

Adler

Re: BEGEGNUNGEN MIT DER VERGANGENHEIT...

#7 Beitrag von Adler » 21.12.2010, 10:51

Lieber Maxi, liebe Fories,

ich kenne, ebenso wie Maxi, dieses Gefühl, wenn du den besagten Knopf in der Sakristei gedrückt hast, sich die Türen zum Kirchenschiff öffnen und du zum Altar schreitest. Meine Gedanken auf diesem Weg waren oftmals ähnlich denen, die Jesus am Kreuz sagte: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“. Nicht dass ich mich als Opfer gesehen hätte, NEIN, aber es war Ausdruck meiner völligen Hingabe in die Hände desjenigen, von dem ich, aufgrund vieler Erleben wusste, er würde mich nicht alleine lassen.

Ich erinnere mich noch wie heute, an meinen ersten GD. Ich durfte erleben, dass ich am Altar quasi neben mir stand und mich erlebte wie ich den Mund öffnete und aus diesem Munde Worte quollen, welch von den Zuhörern mit Freude aufgenommen wurden, was mir im Anschluss an den GD von sehr Vielen bestätigt wurde. Es war für mich einfach ein unbeschreibliches Gefühl dies so zum ersten Mal und danach immer wieder, erlebt zu haben.

Ein weiteres ganz besonderes Erleben dazu:
Es war an einem Samstagabend, gegen 21 Uhr, als mein Telefon klingelte und mir der Anrufer mitteilte das ich am nächsten Morgen einen GD in einer fernen Stadt halten sollte, da der eigentliche DL plötzlich erkrankt sei. Ein Textwort gab es nicht! Ich habe fast die ganze Nacht auf den Knien zugebracht und meinen himmlischen Vater um die rechte Verbindung zu ihm gebeten da es sich bei diesem GD um einen ganz besonderen handelte (gestattet mit, aus Rücksicht auf Beteiligte, nicht näher darauf einzugehen). Am Sonntagmorgen machten wir uns sehr früh auf den Weg. Zu der Zeit gab es noch keine Navis und ich hatte wohl eine falsche Route im Kopf. Zwei Minuten vor Beginn des GD fuhren wir auf den Kirchenparkplatz. Ab in die Sakristei und mit den Brüdern gebetet. Auf dem Weg zum Altar steckte mir einer der Brüder noch schnell einen Zettel mit dem Textwort zu. Am Altar durfte ich dann (wieder einmal) die absolute Nähe meines Gottes erleben!

Noch etwas möchte ich, in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen. Wer von euch jemals die Gelegenheit hatte (ich hatte sie mehrmals) den damaligen STAP Urwyler auf dem Weg aus der Sakristei zum Altar aus nächster Nähe zu beobachten, wird wohl verstehen was ich am Anfang meines Beitrages sagen wollte: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“ …

Ich habe zwar meinen Amtsauftrag zurück gegeben, fühle mich aber immer noch als ein Werkzeug in der Hand meines himmlischen Vaters.

LG Adler

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Re: BEGEGNUNGEN MIT DER VERGANGENHEIT...

#8 Beitrag von Comment » 21.12.2010, 13:49

Maximin und Adler,

ich verstehe euch nicht! Ihr sagt Beide, ihr hättet ein Amt von Gott erhalten. Das war in einer Kirche, der ihr inzwischen den Rücken zugekehrt habt. Wie aber kann es sein, dass ihr so handelt, diese Kirche nicht mehr akzeptiert? Eine Kirche, in der nach eurer eigenen hier erklärten Überzeugung Gott gehandelt haben soll? Es wäre doch dann folgerichtig, in dieser Gott geführten Kirche zu bleiben? Dort mit dem nach eurer Meinung empfangenen Amt zu dienen ...
Statt dessen seid ihr von dieser Kirche weggegangen und meint immer noch, das dort empfangene Amt zu besitzen, da ja von Gott... Und wie ihr bezeugt, von einem Gott, der euch doch tatsächlich in jener Kirche, die ihr heute meidet, tatkräftig in Ausführung des Predigtdienstes geholfen haben soll..

Sonderbar, sonderbar. Das soll einer verstehen!

Ich jedenfalls nicht.

Oder gibt's da doch eine Erklärung??

Com

Adler

Re: BEGEGNUNGEN MIT DER VERGANGENHEIT...

#9 Beitrag von Adler » 21.12.2010, 14:01

Hallo Comment,

ich versuche mich einmal mit einer Erklärung, weil, so unverständlich ist es im Grunde gar nicht.

Wir sind uns doch darüber einig, dass das empangene Amt bzw der empfangene Amtsauftrag von Gott gegeben ist. Soweit so klar.
Wenn ich nun im Bewustsein dieser Tatsache, mein Amt nach dem Willen Gottes versuche auszuführen, aber im Verlauf dessen feststelle, dass das was ich nach dem Willen Gottes in seinem Auftrag verkünden soll, von der Lehre der Kirche, in welcher ich tätig bin, abweicht, was bleibt denn dann als Konsequenz darus? Entweder ich verbiege meine Überzeugung und predige nur noch die Lehre der Gemeinschaft der ich angehöre oder ich versuche diese Gemeinschaft zu "reformieren" oder aber ich verlasse diese Gemeinschaft.

Ich hoffe ich habe ein wenig Licht in das Dunkel des Nichtverstehens bringen können?! Vielleicht kann Maxi ja aus seiner eigenen Erfahrung noch etwas "nachlegen". :D

LG Adler

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Re: BEGEGNUNGEN MIT DER VERGANGENHEIT...

#10 Beitrag von Comment » 21.12.2010, 14:36

Guter Adler,

es bleibt mir weiter unverständlich :?

Nochmal: Das Beste, was einem Menschen passieren kann, der sich Gott in den Dienst stellen möchte, ist, in einer Kirche, zu der Gott sich bekennt, durch einen dortigen Diener, den Gott als Aussonderungswerkzeug verwenden kann, zu einem Gottesknecht ordiniert zu werden. Das Ding hat zwei Seiten: 1. Es wird in dieser Kirche Gott erlebt, und zwar durch einen dort tätigen Menschen, der die Ordination ausgeführt hat. 2. Der aus der Ordination in jener Kirche hervorgegangene neue At erlebt fortan an sich selbst, dass er ein von Gott gegebenes Amt trägt.

Das ist ein solch erhabenes Erleben durch Gott und mit Gott in dieser Kirche - da kann es m.E. nichts Anderes geben, als in dieser offensichtlich von Gott geführen Kirche zu bleiben. :wink:

Offen gestanden bin ich der Auffassung, dass derjenige Amtsträger, der sich von seiner Kirche, in der er das Amt erhalten hat, löst, nicht der Überzeugung bleiben kann, durch Gott selbst jenes Amt empfangen zu haben.

LG
Com

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