DIE ELENDEN AM RANDE...

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Maximin

DIE ELENDEN AM RANDE...

#1 Beitrag von Maximin » 04.12.2010, 14:08

:) Lieben Freunde,
da sagt jemand in einer Talkshow mit beeindruckendem Pathos: „Du kannst das Glück nicht von außen in dich hinein holen, wenn es nicht in dir selber ruht.“ Donnernder Applaus von der Zuschauertribüne. Hätten sie mit geklatscht? Egal wie ihre Antwort ausfällt. In Talkshows wird fast alles beklatscht und falls manchmal nicht, dann ist das auch nicht schlimm. Es merkt ja niemand, weil das Nachdenken nicht live in unsere Stuben übertragen wird.

Szenenwechsel. Sagen sie diesen inhaltschwangeren Satz mal einem, der anlässlich des 2ten Adventssonntages seine Stütze in einer Berliner Kneipe versäuft. Was versäuft der? Genau besehen versäuft der nur seine Stütze. Macht auch nichts. Denn die armseligen „Pimperlinge“ sind alles andere als eine „Stütze“. Der ist nur dabei sein Elend runterzuspülen. Das in sich hinein zu schlucken, von dem er annimmt, dass alles sowieso nicht mehr zu ändern ist, und genau diese "Botschaft" steht am Ende seiner Sackgasse. Er weiß es nur noch nicht...!

Diese bedauernswerte Jammergestalt hat offensichtlich keinen blassen Schimmer mehr davon, dass der Schlüssel zum Glück in ihm selber ruhen könnte. Nö, sein Glück ist, wenn ihn die Wirtin seiner Stammkneipe nicht rauschmeißt oder gar das gefürchtete Hausverbot erteilt. Sein Glück kommt von außen.

Dann, wenn ihm jemand ´n paar Fluppen rüberwachsen lässt, seine Bierdeckel auslöst und ´ne nächste Molle und ´n Korn sponsert. Einfach so. Sowas macht solche Menschen nicht nur glücklich und herrlich besoffen. Nee, nee, in dieser Lebenslage hebt das, für kurze Zeit jedenfalls, auch das geschundene Selbstbewusstsein.

Denn wo soll er sonst hin? Wo gehört er eigentlich überhaupt hin, wenn nicht in diese Neuköllner Eckkneipe mit dem Namen „Koma“ an der Berlin-Neuköllner Sonnenallee. Vgl. http://www.b-republik.de/b-republik.php ... _Neukoelln ?

Vom Arbeitsamt „Sonne!“ fußläufig gerade mal rd. 2 km entfernt, vorausgesetzt, man kann überhaupt noch selber laufen…!

Möglicherweise irritiert dieser Bericht gewisse religiös festgefügte Persönlichkeiten selbst in unserem kleinen friedlichen Forum. Macht mir auch nichts aus. Mir wäre wöhler, wenn sich dazu hier jemand öffentlich aufregen oder sogar empören würde. Was das bringen soll? Ich will es frei heraus sagen:

Da höre ich beispielweise so genannte Christen erbittert darüber streiten, ob Jesus Christus selber getauft habe oder nur seine Jünger. Mir wird speiübel, wenn ich miterlebe, wie Christen unterschiedlicher Bekenntnisse, beinahe bis auf´s Blut darüber zetern, wer rechtgläubig ist und wer nicht.

Und was das Schlimmste für mich ist ist, dass diese Zeloten, egal in welchem „Kirchenbetrieb“ sie „überwintern“, außerstande sind, mit ihren andersgläubigen Kirchennachbarn gemeinsam Gottesdienst, geschweige denn das hl. Abendmahl zu feiern. Grausig das...!

Wenn ich, zugegeben traurig, darüber nachdenke, dann bin ich über den inhaltschweren Eingangssatz doch wieder froh. Warum? Na weil ich als Christ, trotz aller Widrigkeiten, bis heute überlebt habe. Da ist in mir etwas, was ich bei meinem Heiland schon als Kind gelernt habe und was mein Glaubensleben, jeden Tag, neu belebt: „Selig sind die Barmherzigen, denn…“.

Bei diesem Teil der Bergpredigt geht es doch aber nicht darum, was ich zurückbekomme, wenn ich selbstlos etwas von mir für andere hergebe. Barmherzig wäre es auch schon gar nicht, einem versoffenen „Penner“, ausgerechnet in einer Kneipe mit dem Namen „Koma“, zu seinem nächsten Absturz zu verhelfen.

Und nun? Eine gute Freundin behauptete in verschiedenen christlichen Foren: “Berührung ist alles.“ Recht hat ´se. Nur das ist daneben auch wahr. Muss ich als quicklebendiger Christ wirklich in so eine Spelunke wie in Berlin-Neukölln gehen, um den dort versammelten Jammergestalten zum 2ten Advent etwas vom Heiland zu erzählen? Warum eigentlich nicht…?

Vielleicht versteht ihr, dass ich den aktuellen FS-Werbespruch (SAT 1) genieße, wenn dort jemand sagt: "Es kommt doch nicht darauf an wo, sondern wie.

Und nun überlass ich, freilich lustig augenzwinkernd, das Feld unserem Bruder Shalom mit seinen neuesten Nachrichten aus der neuapostolischen Lebens- und Glaubenswelt. Es möge nützen...!

Liebe Grüße, landauf und landab, vom alten Maximin :wink:
Zuletzt geändert von Maximin am 05.12.2010, 11:22, insgesamt 1-mal geändert.

John

Re: DIE ELENDEN AM RANDE...

#2 Beitrag von John » 04.12.2010, 22:41

Bevor Shalom..

Hier:

http://www.derwesten.de/nachrichten/pan ... 18072.html

Erstmal die Katholische Kirche und ihre Problemchen... :oops:

John

Gaby

Re: DIE ELENDEN AM RANDE...

#3 Beitrag von Gaby » 05.12.2010, 16:17

Konflikt zwischen Petrus und Paulus

>> Denn „wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2. Kor 3,17).<<

Wenn ich frei bin, kann es ruhig "zipflige Zeloten" geben, sollen sie sich und anderen doch das Leben schwer machen ... mir können sie nichts mehr anhaben :-)

Ein paar Gedanken zu dem Thema „wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ ...

http://www.donralfo.de/Freiheit.htm


P.S. So langsam könnte es mal aufhören zu schneien ... habe keine Lust mehr zu schaufeln *seufz :roll: ... habe heut schon drei Stunden hinter mir ... aber es schneit und schneit und schneit ....


Maximin

Re: DIE ELENDEN AM RANDE...

#5 Beitrag von Maximin » 05.12.2010, 17:26

:) Na ja, wer oder was wäre "unverbesserlich"? Ich weiß nur von einem. :mrgreen: Wir kleinen Menschlein mühen uns an diesem Problem ab. Der eine mehr und die andere vielleicht auf andere Weise. Gut, wenn man dabei nicht alleine bleibt, sondern Leute hat, die einem gut tun.

Die Elendesten am Rande sind meist sehr allein. Sie haben, wenn überhaupt, "falsche" Freunde. Fragt mal einen Obdachlosen, warum der sich, selbst bei strengstem Forst um´s Verrecken nicht in ein Nachtasyl verfrachten lassen will. Antwort: "Pestilenzartiger Gestank und das wenige was de noch hats, das wird dir dort garantiert auch noch geklaut."

Liebe Gaby, liebe Anne und ihr vielen anderen, leider überwiegend schweigsamen Mitleser, gut, dass es euch gibt. Danke dafür. Aber macht auf. Nicht zu. Unsere Adventskalender haben Türchen zum Auf- und nicht zum Zumachen.

Liebe Grüße, landauf und landab, vom alten Micha :wink:

Matula
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Re: DIE ELENDEN AM RANDE...

#6 Beitrag von Matula » 05.12.2010, 18:09

Vor ein paar Tagen sah ich einen Bericht über Obdachlose. Hierunter war ein Mann, ich schätze mal im Alter von 65 Jahren. Der Reporter fragte ihn, ob ihm denn die Kälte nichts ausmachen würde und warum er weiter im Freien in einem kleinen Zelt mit Kerzenschein schlafe.

Der Obdachlose lächelte und sagte, dass mache ihm nichts aus. Ihm ginge es doch gut und es würde ihm nichts fehlen. Er geniesst seine Freiheit und die möchte und werde er für nichts aufgeben.

Ich muss sagen, das hat mich sehr beeindruckt. Wir sollten in unserer Luxus- und Ellenbogengesellschaft, die ja gerade wieder in der Adventszeit voll zum Vorschein kommt, ein wenig mehr Bescheidenheit üben und uns fragen, was sind denn eigentlich die wichtigen und wertvollen Dinge in meinem Leben.

Gaby

Re: DIE ELENDEN AM RANDE...

#7 Beitrag von Gaby » 05.12.2010, 19:31

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/ ... rassenchor

http://www.youtube.com/watch?v=kb1oEJhN ... re=related

es ist halt so >>berühren ist alles<< :-) ... und sicherlich wichtiger als das was zipflige Zeloten so übers >>"richtige" Christ sein<< meinen zu wissen ... schönen Rest-Sonntag noch ...

Maximin

Re: DIE ELENDEN AM RANDE...

#8 Beitrag von Maximin » 09.12.2010, 19:01

:) Weißt Du, liebe Gaby, mich erstaunt auch immer wieder, was viele kluge und auf den ersten Blick besonnene Leute so alles über das Christsein zu wissen vorgeben. Ich weiß mich mit Dir einig, dass es in diesem Punkt weniger auf´s Wissen, sondern auf das "Tun" ankommt.

Die Wissenden füllen seit 2.000 Jahren Bibliotheken in aller Welt. Die Handelnden eher weniger, bzw. gar nicht. Für mich eine beruhigende Beobachtung. :mrgreen:

Schneegrüße aus Berlin vom Micha :wink:

uhu-uli

Re: DIE ELENDEN AM RANDE...

#9 Beitrag von uhu-uli » 09.12.2010, 20:29

Warum fällt mir da ein Berliner ein, der dankbar wäre,
wenn am Monatsende jemand mit ihm in den Konsum ginge und die "Zeche" zahlt ...

Manchmal ist Praxis schwerer als Gold oder Silber ..
oder war es Reden & Schweigen oder weitergehen ...

Sich in seinem Adventzauber nicht vom Jammer stören lassen wollen ..
Licht anzünden, auf's Wesentliche besinnen ...
Plätzkes & Braten ...

Ich bewundere die Leute, die Heilig Abend den Obdachlosen ihre Zeit schenken und gemeinsam feiern ...
und und bin denen dankbar, die mich mit Predigt und Musik an diesem Tag beschenken .. zur Kantorin wink ...

upps .. weiß jemand wo mein Faden geblieben ist ...

Maximin

Re: DIE ELENDEN AM RANDE...

#10 Beitrag von Maximin » 10.12.2010, 13:38

:) Ja meine liebe Uli,
ich habe das Ende Deines "Fadens" nicht nur wiedergefunden, sondern ihn aufgehoben, ihn redlich einfühlend betrachtet und befühlt. Du kennst mich mitlerweile gut genug um zu akzeptieren, dass ich mir, umständehalber, nichts mehr aufladen kann, was mir nicht gut tut. Manchmal fehlt mir sogar die Luft zum Telefonieren... :roll:

Na gut oder nicht gut. Schweigen könne bedeuten, manchmal auch Rücksichtnahme nicht nur für sich selbst, sondern auch gegenüber anderen einzusetzen. Stille innehalten und gründlich überlegen ist dann angesagt. Manche halten dieses Innehalten schwer und mache gar nicht aus. Ich schon. Und das hat sich in in meinem Altersleben bewährt.

Anlässlich des 3ten Adventssonntages möchte ich Dich und allen hier teilnehmenden Freudinnen und Freunden mit einem "Engelslied" grüßen. Hier ist es:
http://www.youtube.com/watch?v=WCMxPV0n ... re=related

Warum ich gerade dieses Lied gewählt habe? Du weiß schon warum! :mrgreen: Achte mal darauf, wie der blinde Andrea Bocelli seine Vorträge mit einem Lächeln beendet. Nur wegen des aufbrausenden Applauses? Und selbst wenn, wer wollte das, gerade diesem Künstler, neiden - hm? Den Applaus und sein Lächeln...?

Trotz allem herzlichst, Dein alter Freund, Micha :wink:

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