Atheistische Spiritualität

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abendstern_
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Atheistische Spiritualität

#1 Beitrag von abendstern_ » 15.12.2007, 20:02

agape schrieb im Thema "wie feiert ihr Weihnachten"
Ein Atheist singt gerne Weihnachtslieder

„Gotteswahn“-Autor Richard Dawkins: Ich bin ein Kultur-Christ.
Prof. Richard Dawkins (Oxford), englischer Evolutionsbiologe und Autor des atheistischen Bestsellers „Der Gotteswahn“, sieht sich selbst als einen „Kultur-Christen“ an. Wie die meisten Briten singe er gerne Weihnachtslieder.

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Genesis 12, 1-4
Bezugnehmend auf agapes Hinweis auf den "Kultur-Christen und Atheisten Richard Dawkins im Thema „wie feiert ihr Weihnachten“ möchte ich kurz über ein Thema berichten, das mich kürzlich gefesselt hat.

Wir Christen neigen ja dazu, die Welt einzuteilen in Christ und Nicht-Christ, in Gläubig und Ungläubig und innerhalb des Christentums und seiner Konfessionen neigen wir sogar auch noch dazu, uns in „gute Christen“ und „Namenschristen“, in „Wiedergeborene Christen“ und „Gotteskinder“, in „gute Menschen“ und „Andersgläubige“ einzuteilen. Am schlimmsten sind für uns die „Atheisten“, weil sie angeblich ja gar nichts glauben und damit unseren Gott-Glauben in Frage stellen.

Vor Jahren las ich das Buch der evangelischen Theologin Dorothee Sölle „Atheistisch an Gott glauben“. Für mich war das damals zunächst ein Widerspruch in sich. Gleichzeitig merkte ich, dass das mir vermittelte Gottesbild und überhaupt das Gottesbild der Bibel an vielen Stellen bei mir mehr Fragen aufwarf als es beantwortete. Taugte es für meinen Glauben noch? Durfte ich so etwas überhaupt denken? War ich, wenn ich den biblischen Theismus in Frage stellte, damit nicht schon auf dem besten Weg zum Atheisten? Und warum machte mir dieser Gedanke Angst? Oder gab es dazwischen noch andere Modelle des Glaubens?

Bei Dorothee Sölle erfuhr ich, dass es einen „christlichen Atheismus“ gibt. Unter Glauben versteht sie das Verwirklichen der ethisch-moralischen Lehre Jesu und nicht das „Abhaken“ christlicher Dogmen. Da wird man zum Tun aufgefordert. In der gleichen Zeit lernte ich Menschen kennen, die keine Christen waren, die aber authentischer christliche Werte lebten als viele „guten Christen“, die ich kannte und die vor allem keinen ewigen Lohn erwarteten sondern aus Überzeugung der Notwendigkeit so handelten. Das hat mich nachdenklich gemacht, mir imponiert und mich sicher auch ein Stück geprägt. Ebenso wie folgender Satz: „Gott gibt es nicht, Gott ereignet sich zwischen den Menschen“.

Dieser Tage las ich nun in der Zeitschrift „publik forum“ einen Artikel von Christian Modehn über den französischen Philosophen André Comte-Sponville. Hier eine kurze Zusammenfassung und einige Zitate

Der 54jährige Philosoph André Comte-Sponville hat eine christliche Erziehung genossen. Er war als Gymnasiast bei Exerzitien in einem Trappistenkloster dabei und rühmt heute noch die beiden katholischen Pfarrer, die ihn geprägt haben. Als Student verabschiedete er sich dann vom dogmatisch geprägten Glauben der katholischen Kirche und bezeichnet sich heute als Atheist. Jedoch ist bei ihm keine Spur von kämpferischer Gottlosigkeit zu finden. Für ihn ist der klassische Begriff Gott zu widersprüchlich und die Geschichten der Offenbarung sind ihm zu diffus. Er ist der Überzeugung, „dass Gott eine Erfindung der Menschen ist, geschaffen zum Trost, zur seelischen Beruhigung und zur gesellschaftlichen Kontrolle“.

Menschen, die sich atheistisch nennen, haben seiner Meinung nach auch ein Anrecht auf ein spirituelles Leben. „Sie haben ohne jeden Zweifel genauso wie die Gläubigen die Fähigkeit, sich dem Geheimnis des Lebens zu stellen.“ Er verweist auf die Erfahrung des „ozeanischen Gefühls“, das Eingetauchtseins in das Ganze des Kosmos und auf das Schweigen, das Aushalten der Stille, und die dabei erfahrbare Leere. Dabei habe er gespürt, wie er angstfrei leben könne, dass Menschen ewig seien, nicht ewig in einer fernen himmlischen Welt, sondern ewig im Hier und Jetzt.
Er erzählt von mystischen Erfahrungen bei Spaziergängen, wo er sich als Teil des Geheimnisses dieser Welt fühlte. Dieses Geheimnis will er als Philosoph jedoch nicht benennen, er weigert sich, bei diesen Erfahrungen eine absolute Person, nämlich Gott, am Werk zu sehen, statt dessen liebt er die menschliche Bescheidenheit.

Comte-Sponville liebt Bach und Mozart und will sich an den inneren Christus halten, der für ihn nichts mit dem Christus der Dogmen zu tun hat, sondern den er auf eine Stufe mit Buddha, Sokrates und Laotse sieht. Christus sei ihm als Europäer aber besonders nahe. An seine Werte wolle er sich halten: Solidarität, Nächstenliebe, Friedfertigkeit.

André Comte-Sponville nennt seine Lebensphilosophie einen „treuen“ Atheismus. Er bleibe dadurch verbunden mit gewissen Werten aus der Moral, der Kultur, der Spiritualität, die auch in den großen Religionen entstanden sind. Die Grenze verlaufe für ihn nicht zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden, sondern zwischen den freien, offenen, toleranten Geistern auf der einen Seite und den dogmatischen, fanatischen geistern auf der anderen Seite. Er kämpfe gegen die Fanatiker und gegen die Nihilisten. Nihilisten bezeichnet er als „Leute, die an nichts glauben, die nichts respektieren, die keine werte, keine Regeln, Prinzipien und Ideale haben.

Ihm ist bewusst, dass seine atheistische Spiritualität Fragen offen lässt. Im Umgang mit dem Tod bleibe dem Atheisten eher die Revolte als der Trost meint er. Aber, es könne auch sein, dass die Wahrheit traurig sei.

Der Denker aus Paris sieht in seiner atheistisch-philosophischen Spiritualität keine intellektuelle Spielerei. Vielmehr geht es ihm darum, wie er überleben kann an Leib und Seele. Dabei reicht ihm diese Welt, er braucht keinen Jenseitstrost. Die Vorstellung der Hölle ist für ihnstörender als die Vorstellung eines Nichts nach dem Tode. Wichtig ist das jetzt, wo er eine erfüllte Ewigkeit erlebt, die sich in der Liebe zeigt. Sie eröffne das Bleibende.

Weltmensch

#2 Beitrag von Weltmensch » 15.12.2007, 21:52

Hallo Abendstern,

vielen Dank für den von Dir eingestellten Beitrag. Ich kenne den Philosophen André Comte-Sponville nicht, ich habe noch nie von ihm und erst recht nichts von ihm gelesen. Aber in dem, was Du über ihn geschrieben hast, wie er denkt und wie er fühlt, finde ich mich wieder.
Das kommt meinem Fühlen ganz nahe. Wenn man so etwas nach diesen wenigen Sätzen sagen kann, es ist deckungsgleich.

Also, nochmals vielen Dank,

Weltmensch

abendstern_
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#3 Beitrag von abendstern_ » 16.12.2007, 10:02

Hallo Weltmensch,

danke für deine Antwort, die zeigt, dass dieses Thema nicht total abwegig ist in einem ökumenischen Forum. Ich habe lange überlegt, ob ich das hier schreiben kann/darf/soll.

Ich kann gewisse christliche Inhalte nicht mehr 1:1 glauben. Ich brauche Interpretationen. Manchmal entwickeln sich daraus im Laufe der Zeit Bilder, die "wahr" sind. Die sind dann besonders wertvoll. So verstehe ich die "Wahrheit" der Bibel (aber auch anderer alter Texte). Nehmen wir die chassidischen Geschichten, diese lehrreichen und manchmal sehr humorigen Texte, oder nehmen wir buddhistische Weisheitsgeschichten in denen oft Mönche im Mittelpunkt stehen. Seltsamerweise lesen wir diese Texte völlig anders als die Bibel, erkennen aber auf Anhieb die tiefe Wahrheit die darin liegt. Es ist nicht entscheidend, dass diese Geschichten genau so historisch passiert sind, sondern, entscheidend ist die Wahrheit, die darin von Generation zu Generation vermittelt wird.

Ich möchte nur mal ein Beispiel nennen, wo ich merkte, dass mein christlicher Glaube einseitig war:
Als ich, anfangs noch konfessionslos, zur evangelischen Kirche ging, wurde, für mich völlig neu, des öfteren das Glaubensbekenntnis im Gottesdienst gesprochen. "Wir bekennen nun gemeinsam unseren Glauben", hieß es. Dann wurden die Glaubensartikel aufgesagt. Das fand ich zunächst ein schönes Ritual, zumal man als früherer neuapostolischer Mensch nach dem Konfirmandenunterricht nie mehr etwas mit dem Glaubensbekenntnis zu tun hat. Allerdings wurde mir beim "ich glaube an...." auch bewusst, dass ich vieles so nicht glaubte. Was nun? Bewusst wurde mir auch, dass die Lehre Jesu, das Evangelium, das er den Menschen brachte, im Glaubensbekenntnis gar nicht vorkommt. Da war von der Geburt durch die Jungfrau Maria die Rede und im nächsten Satz leidet er schon unter Pilatus. Sein Leben, seine Lehre? - Null. Hat scheinbar nicht stattgefunden oder ist unwichtig ?

Was wollte dieser Jesus? Doch dass wir an ihn glauben, indem wir ihm nachfolgen und das, was er für wichtig erachtete auch in unser Leben einbauen, damit die Welt gerechter und liebevoller wird?

Der franz. Philsoph gewichtet genau diesen Aspekt, der im Glaubensbekenntnis völlig fehlt, in seinem Leben und er richtet sich danach aus. Wer ist nun Christ? Derjenige, der Punkt für Punkt mit einem felsenfesten "ich glaube" abhakt, oder derjenige, der versucht, die Lehre, die Werte, die Menschlichkeit Jesu umzusetzen?

So ist Advent für mich auch ein Stück Ankunft in meinem eigenen Leben. Neulich hatte ich Besuch von jemand, den ich noch nicht gut kannte. Er rief einfach an und sagte "ich würde dich gerne besuchen". Wir haben dann Tee zusammen getrunken und zwei Stunden nur geredet und es war "Advent". Gott war angekommen in der Form, dass sich zwischen Menschen etwas ereignet. Und dabei haben wir kaum über den Glauben geredet.

In diesem Sinne, wünsche ich euch heute Gott-Begegnungen mit Menschen.

Wir haben die alljährliche ökumenische Adventsandacht, die wunderbar vorweihnachtlich ist und die mich in Weihnachtsstimmung bringt, wenn diese noch fehlt...

LG
abendstern_

Weltmensch

#4 Beitrag von Weltmensch » 16.12.2007, 13:11

Liebe(r) Abendstern,

das von Dir eingebrachte Thema ist ganz und gar nicht abwegig.
Mein Denken, mein „Glauben“ hat sich seit meinem „Ausstieg“ in eine Richtung verändert, die ich anfangs nicht für möglich gehalten habe. Das habe ich vorher alles nicht so gesehen. In letzter Zeit (das geht schon etwas länger so) habe ich gemerkt, dass mich die im GK-Forum angesprochenen Themen zunehmend weniger interessieren.
Teilweise hatte ich auch schon ein schlechtes Gewissen, mich dort noch herum zu treiben. Da schreiben die Leute darüber, ob Apostel notwendig wären, ob sie den Hl. Geist spenden, ob dieser wirkt, nur in der NAK oder auch außerhalb. Das ist mir alles so unwichtig. Ich weiß gar nicht mehr, was das sein soll. Ich habe dennoch in den Foren Menschen kennen gelernt und dort von DEREN Entwicklung einiges mitbekommen. Und da hat sich bei einigen sehr viel geändert. Durch Austausch von PNs oder mails weiß ich auch, dass es auch Menschen gibt, die heute in etwas da sind, wo auch ich mich befinde.
Was mir nicht behagt (was ich auch eigenartig finde), ist, dass von macher Seite der Einwurf kommt, „was suchst Du hier, dies ist ein christliches Forum“? Ich tue niemandem was böses, ich nehme niemandem seinen Glauben, aber ausgerechnet von dort wird ausgegrenzt!
Ich habe mir auch das Buch von R. Dawkins gekauft (es aber bisher nur zum Teil gelesen – was ich in den bevorstehenden Tagen ändern werde).
Er hat diese Abstufungen vom 100 % Gläubigen bis zum 100% Atheisten beschrieben, ich fand dies sehr interessant und konnte mich da gut einordnen.
Er wirft Wissenschaftlern, dass sie oft allzu häufig das Wort Gott oder Schöpfung etc. nutzen, ohne doch wirklich daran zu glauben.
Ich werfe vielen gläubigen Menschen vor, dass sie Menschen, die diesen Glauben nicht teilen, allzu schnell in die „gottlose Ecke“ stellen, die davon ausgehen, als sei denen nichts heilig. Das ist absolut diskriminierend!
Vielleicht ist dies gar nicht böse gemeint, es zeigt allerdings, dass sie andere Menschen nicht ernst nehmen, dass sie sich überhaupt keine Gedanken darüber machen, was ausserhalb ihres „Horizontes“ gedacht wird.

Dann kommt häufig das Beispiel des Kommunismus (oder des „real existierenden Sozialismus“), dem die Religion „Opium für das Volk“ war. Dabei läßt man ganz außer acht, dass es sich bei diesen auch um nichts anderes als um „Sektierer“ handelte, für die auch nur der absolute Glaube an eine (unsinnige) reine Lehre handelte, und für die auch wie oft derjenige, der zweifelte auch ein todeswürdiges Verbrechen bagangen hatte (wie sich da so manches doch ähnelt).

Wir sind in der NAK sozialisiert, und wir haben den 1:1 Glauben, wie Du es so schön beschreibst, nahegebracht, nein, eingeimpft bekommen. Im Grunde hat man damit (zumindest mir) den Zugang zu dieser anderen „Spiritualität“ unglaublich erschwert. So mancher krebst doch ein Leben lang daran herum, nur weil er in seiner Kindheit religiös verkrüppelt wurde.

Es zieht mich nicht in Kirchen, zumindest nicht in Zeiten, in denen dort gepredigt wird.
Ich lasse allerdings ganz gerne einmal z.B. einen Dom in aller Stille auf mich wirken. Ich genieße auch hin und wieder christliche Musik (wie z.B. das Ave Maria von Schubert, jetzt nur mal als Beispiel). Ich habe es auch einmal wieder in der Kirche versucht, übte z.B. mit einem Chor der ev. Kirche. Ich konnte dann im Gottesdienst am Hlg. Abend (es war vor über 10 Jahren) wegen eine Erkältung nicht mitsingen. Dem Gesang zu lauschen war wunderschön und wohltuend, die Predigt des Pfarrers vertrieb mich dann.
Es gibt Dinge, die tue ich mir nicht mehr an. Doch es geht mir gut, man muß nur bescheiden sein können.

So, wie Du hier über André Comte-Sponville schreibst
„Menschen, die sich atheistisch nennen, haben seiner Meinung nach auch ein Anrecht auf ein spirituelles Leben. „Sie haben ohne jeden Zweifel genauso wie die Gläubigen die Fähigkeit, sich dem Geheimnis des Lebens zu stellen.“ Er verweist auf die Erfahrung des „ozeanischen Gefühls“, das Eingetauchtseins in das Ganze des Kosmos und auf das Schweigen, das Aushalten der Stille, und die dabei erfahrbare Leere. Dabei habe er gespürt, wie er angstfrei leben könne, dass Menschen ewig seien, nicht ewig in einer fernen himmlischen Welt, sondern ewig im Hier und Jetzt.
Er erzählt von mystischen Erfahrungen bei Spaziergängen, wo er sich als Teil des Geheimnisses dieser Welt fühlte. Dieses Geheimnis will er als Philosoph jedoch nicht benennen, er weigert sich, bei diesen Erfahrungen eine absolute Person, nämlich Gott, am Werk zu sehen, statt dessen liebt er die menschliche Bescheidenheit.“
Diese Einstellung ist für mich „göttlich“. Den Menschen würde ich gerne als so etwas wie meinen „Bruder im Geiste“ betrachten. ;-)

Ich habe dies im Forum ja auch schon versucht zu beschreiben, es geklang mir nur nicht so gut, bei weitem nicht!

Einen Lieben Gruß vom

Weltmensch
Zuletzt geändert von Weltmensch am 16.12.2007, 19:32, insgesamt 1-mal geändert.

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#5 Beitrag von Loreley 61 » 16.12.2007, 14:41

Hallo ihr beiden,

ein schönes und wichtiges Thema. Ich selbst kann mich aus den gemachten Erfahrungen heraus auch nicht mehr festlegen. Ich habe mich daher entschlossen, mich als Zweiflerin einzustufen. Es gibt sicherlich Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir mit unserem Verstand nicht ergründen können, aber ob das alles mit einem göttlichen Wesen zu tun hat, sei dahin gestellt. Ich möchte für alles offen bleiben. Manche "Sachen" aus der Esoterik scheinen auch zu stimmen bezw. zu funktionieren. Wahrscheinlich würde sich ein Esoteriker auch als spirituell bezeichnen. Viele Esoteriker glauben an Gott. Allerdings nicht mehr an den dogmatisierten Kirchengott.

Wie Weltmensch schon sagte: Leider wirft man Atheisten leichfertig vor, ihnen sei nichts heilig. Das kann man doch nicht verallgemeinern. Es stimmt so einfach nicht. Ich kenne einige 100% Atheisten die zupacken, helfen und sich in Nächstenliebe üben, ohne sich dabei auf Christus zu berufen. Gibt es natürlich auch unter Christen. In jeder "Branche" gibt es schwarze und weiße Schafe. Und ich habe sogenannte bekennende oder engagierte Christen kennen gelernt, denen anscheinend tatsächlich nichts heilig ist. Manchmal kann man das beobachten, wenn es um Besichtigungen geht (Dom, Kathedralen). Sie kommen Kleidungsmäßig so zu einer Besichtigung, als seien sie gerade vom Strand gekommen. Der Ort ist ihnen nicht gerade heilig und ganz arg, und da verläßt mich das Verständnis und der gute Geschmack, wenn Christen (oder überhaupt Leute) meinen, sie müßten ihre sexuellen Phantasien in Kirchen oder auf Friedhöfen ausleben. Auch das gibt es. Wenn es sich dann hierbei um Menschen handelt, die sich ansonsten gerne ein christliches Mäntelchen umhängen, ist das für mich nicht mehr heilig, sondern im höchsten Maße scheinheilig. Ich bezeichne das dann gerne als "fromme Sprücheklopferrei". Wehe man schaut da mal hinter die Kulissen, oder sie legen ihr christliches Deckmäntelchen ab. Außen hui, innen pfui. An das "Christsein" werden ja auch gewisse Anforderungen oder Handlungsweisen gestellt. Ich bin der Ansicht, wenn man das nicht erfüllen kann oder will, ist es ehrlicher, wenn man sich nicht so vollmundig als Christ bezeichnet und dann dem Ganzen doch nicht gerecht wird. Ich bin da selbst auch sehr zurückhaltend mit geworden und bezeichne mich daher schon lieber als Zweiflerin. Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, muß man doch zugeben können, dass es schwer ist, immer den christlichen Vorbildcharakter in Wort und Tat einzuhalten.

Lieben Gruß
Lory

Weltmensch

#6 Beitrag von Weltmensch » 24.12.2007, 16:55

Contranak hat in einem anderen thread geschrieben:
ich wünschte jedoch das eine oder andere Mal, das Atheisten genauso dieselbe Toleranz dem Christen gegenüber zeigen, wie wir es versuchen, die durchaus keine Pseudo-Christen sein wollen, sondern wahre Christen.

Lieber Contranak,

Deine Aussage mag Deine Wahrnehmung sein, sie entspricht meiner Meinung nach aber nicht der Realität.

Nur mal ein kleines Beispiel:
Glaubst Du, in den USA hätte ein Politiker, der öffentlich eingesteht, nicht an Gott zu glauben, die Chance, in irgendeine politische Funktion gewählt zu werden?
Nein, da ist es unbedingte Pflicht für einen jeden, der sich z.B. für das Präsidentenamt zur Wahl stellt (wenn er eine Chance behalten möchte) , allsonntäglich in die Kirche zu gehen.
Eher wird ein Präsident gewählt, der, in der Überzeugung, von Gott mit diesem Amt beauftragt zu sein, in dessen Namen, unter Einsatz von Lügen und Intrigen, einen Krieg beginnt (meines Wissens ist z.B. G. Schröder, ein absoluter Gegner dieses Krieges Atheist, wogegen der zweite maßgebliche Kriegsverfechter tiefgläubiger Christ ist).

Auch habe ich z.B. noch nie erlebt, dass Nichtgläubige ihren „Nichtglauben“ so zur Schau stellen, wie dies Religionsgemeinschaften tun.

Ich habe bisher auch kaum vernommen, dass seitens von Atheisten behauptet wird, in einer christlichen Welt sei ein friedliches Miteinander nicht möglich (obwohl dieser Schluß bei den vielen Feindschaften, die es unter religiösen Menschen gibt, manchmal nicht so weit hergeholt scheint). Im Gegenzug ist aber unter religiösen Menschen die Behauptung, Atheisten sei nichts heilig, durchaus verbreitet. Wie oft habe ich gelesen und gehört, dass gemeint wird, nur da, wo an Gott geglaubt wird wäre ein friedvolles Miteinander möglich. Dabei spricht die Realität allzu oft eine ganz andere Sprache!

Ich halte die Anwesenheit eines Gottes eher nicht für möglich, davon bin ich überzeugt. Wobei ich Üüüüberhaupt nicht beabsichtige, hiervon „Gott und die Welt“ ;-) zu überzeugen.
Warum wollen eigentlich so viele Gläubige überzeugen?
Liegt in diesem Wunsch nicht manchmal vielleicht schon ein Keim von Intoleranz?
Ich frage dies!

Ich weiß, es ist ein wenig am Thema vorbei, aber bei solchen Meinungsäußerungen fühle ich mich jedesmal herausgefordert! ;-)

Nichts für ungut, schöne Feiertage wünscht

Weltmensch

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