WER ODER WAS BIST DU...?

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Maximin

WER ODER WAS BIST DU...?

#1 Beitrag von Maximin » 11.10.2010, 11:33

:) Lieben Freunde,
wegen eines familiären Trauerfalls besuchte ich gestern den GD in einer Neuapostolischen Gemeinde. Seit Jahren wieder der erste. In meiner Begleitung war eine treugoldene evangelische Christin. Sie wollte immer schon einmal erleben was „neuapostolisch live“ ist.

Kurz vor GD-Beginn sang der Chor aus dem Lied: “Hört die Stimme des Heilands, kommet alle her zu mir…“ (Chormappe 211). Meiner Begleiterin gefiel dieser Liedvortrag besonders gut. Ich habe mich im Stillen gefragt: „Wirst du jetzt die Stimme des Heilandes hören, oder die Predigt eines jungen, auf “Linie“ getrimmten neuapostolischen Nachwuchspriesters.“ Meine Befürchtungen erwiesen sich als zutreffend...

In Vorbereitung des hl. Abendmahls führte der „Jungpriester“ aus, dass eine Sündenvergebung ohne das Apostelamt nicht möglich ist. So predigt im Jahre 2010 jemand, der fest auf dem Boden der neuapostolischen Glaubenslehre steht.

Wir sind trotzdem nach vorne gegangen. Warum? Na weil wir uns darin einig waren, dass wir zum Tisch des Heilandes gehen und es dabei „Wurscht“ ist, wer sich bei diesem Erinnern an das Verdienst Jesu auf Golgatha auf wen oder was beruft.

Zum hl. Abendmahl wurde das Lied Nr. 288 gesungen:
„(1) O du, den meine Seele liebt, in heil'ger, reiner Glut, der Leben, Friede, Freude gibt, Erlösung durch sein Blut. (2) Es ist doch keiner so wie du, denn alles bist du mir. Es hat das Herz ja keine Ruh, als bis es ruht in dir. (3) Drum ladest du uns allzumal zu deinem Tische ein und gibst bei deinem heil'gen Mahl dich uns in Brot und Wein.“

Ach ja, da war noch etwas: Währen der Predigt stellte der Dienstleiter die Frage: „Wer oder was bist du?“ Ich habe ihm im Stillen so geantwortet: „Ich bin dein Bruder, auch wenn ich, umständehalber, nur noch ein unbedeutender evangelischer Wanderprediger bin."
Liebe Grüße, landauf und landab, von Eurem alten Maximin :wink:

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Andreas Ponto
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Re: WER ODER WAS BIST DU...?

#2 Beitrag von Andreas Ponto » 13.10.2010, 12:20

Lieber Maximin,

dein Bericht freut mich. Ich denke in diesem Fall wie du. Auch aus der Innensicht.

Vielen Dank!

centaurea

Cemper

Re: WER ODER WAS BIST DU...?

#3 Beitrag von Cemper » 13.10.2010, 23:12

Maximin hat geschrieben::) Ach ja, da war noch etwas: Währen der Predigt stellte der Dienstleiter die Frage: „Wer oder was bist du?“ Ich habe ihm im Stillen so geantwortet: „Ich bin dein Bruder, auch wenn ich, umständehalber, nur noch ein unbedeutender evangelischer Wanderprediger bin."
Liebe Grüße, landauf und landab, von Eurem alten Maximin :wink:
Maximin - gefällt Ihnen die Predigt dieses evangelischen Wanderpredigers?

KLICK

Dazu: KLACK

Gaby

Re: WER ODER WAS BIST DU...?

#4 Beitrag von Gaby » 14.10.2010, 08:21

>>Parteipolitik sollte in der Kirche gar keine Rolle spielen, und das meine ich sehr fundamental. Ich sehe die Schnittmenge zwischen Politik und Kirche in unseren ethischen Grundsätzen. Dazu gehören insbesondere Solidarität und Gerechtigkeit oder aktuell das Thema "Einer trage des anderen Last" bzw. die Weiterentwicklung daraus "Lastenausgleich".<<

http://www.uni-muenster.de/imperia/md/c ... en/p28.pdf

>>Das große Ziel, Kreuzesnachfolge im eigenen Leben zu realisieren, übersetzt Markus in die soziale Realität: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein (9,35). Das ist keine Sozialromantik bei Markus, sondern Gesellschaftskritik. Genauer: Kritik an all denen, die gesellschaftliche Verhaltensmuster, wie sie gerade en vogue sind, auch als Christen in ihrer Gemeinde praktizieren. Zur Zeit des Kaisers Vespasian also auf die große Karriere schielen, die dem Kaiser geglückt ist – vom kleinen General zum Imperator – und die er allen verspricht, die auf sein Vorbild schauen und sich von ihm fördern lassen. Markus sieht deutlich die Schattenseiten dieser verlockenden Aufsteigermentalität. Und deswegen leistet er sich an diesem Punkt keine Missverständnisse. Es gibt kein Entrinnen, kein interpretatorisches Deuteln und kein exegetisches Drehen. Jesus sagt bei Markus schlicht und einfach:
Ihr wisst, dass die Mächtigen ihre Völker unterjochen und die Großen ihre Macht missbrauchen. Nicht aber so ist es unter euch, sondern: Wer groß werden will unter euch, soll euer Diener sein, und wer unter euch Erster sein will, soll der Sklave aller sein (Markus 10,42–44).<<


Inwieweit spielt der christliche Glaube in umserm alltäglichen Handeln und unseren Überzeugungen eine Rolle ... ich denke darum geht es ... nicht um politisches Ränkeschmieden im Sinne der jeweiligen Parteien ... Gesellschaftskritik unabhängig von politischen Überzeugungen.
Die CDU trägt das C stellvertretend für "christlich" ... nun für mich sieht es eher so aus "Alles im Schaufenster, aber nichts dahinter ..." ... unter christlich orientiert verstehe ich etwas anderes ... abgesehen davon, dass ich inzwischen das Problem habe, zu erkennen, in welcher Partei nicht nur alles im Schaufenster angepriesen wird ....

Maximin

Re: WER ODER WAS BIST DU...?

#5 Beitrag von Maximin » 14.10.2010, 09:40

:) Werter Cemper,
vielen Dank für die Predigt und das Interview mit Bodo Ramelow. Für seine Predigt nehme ich mir etwas mehr Zeit. In dem Interview begegnete mir das eigentliche Anliegen unseres kleinen friedlichen Forums: „Sucht nicht das Trennende. Sucht das Gemeinsame.“ Übrigens werde ich am 31.Oktober 2010 in der Auenkirche in Berlin Wilmersdorf sein.
LG vom Maximin :wink:

Maximin

Re: WER ODER WAS BIST DU...?

#6 Beitrag von Maximin » 14.10.2010, 09:45

:) Meine liebe Gaby
Du schreibst u. a.: „Inwieweit spielt der christliche Glaube in unserem alltäglichen Handeln und unseren Überzeugungen eine Rolle ... ich denke darum geht es ... nicht um politisches Ränkeschmieden im Sinne der jeweiligen Parteien ... Gesellschaftskritik unabhängig von politischen Überzeugungen.“

Verstehst Du mich wenn ich sage, dass ich täglich eine gesunde Lebensgemeinschaft mit meinem Heiland habe? Das begleitet mich von frühesten Kindertagen durch mein ganzes langes Leben. Was ich in meiner früheren Kirche als peinliche Anmaßung empfand und am letzten Sonntag wieder hörte war die Formulierung, wonach alle Apostolischen „von Gott geadelte Seelen“ sind. Kann man auf dieser Basis darangehen, um das Gemeinsame mit anderen zu suchen…?

Zu den politischen Parteien fällt mir nix ein. Außer, dass es einigermaßen tröstlich ist, wenn mitten unter schwarzen Krähen eine weiße Taube lebt. Alois Glück, Heiner Geißler, Wolfgang Thierse, Bodo Ramelow und einige andere sind Belege dafür dass es geht.
Gruß vom Micha :wink:

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Re: WER ODER WAS BIST DU...?

#7 Beitrag von Andreas Ponto » 14.10.2010, 12:57

Muss christlicher Glaube nicht auch dazu führen, dass Stellung in der Gesellschaft bezogen wird?

Ist damit nicht auch Politik, Gemeinwesen, gesellschaftliches Miteinander und Diakonie ein zentrales Thema für jeden von uns?

Sind sich daraus ergebende gegensätzliche Ansichten nicht sogar gewollt und im demokratischen Sinn erwünscht?

Können wir das alles auf Parteien, Verwaltungen und Institutionen/Einrichtungen abwälzen und uns in ein selbstgemachtes christliches Wolkenkuckucksheim (neuNAKlisch auch Wohlfühlgemeinde) zurückziehen?

Maximin

Re: WER ODER WAS BIST DU...?

#8 Beitrag von Maximin » 14.10.2010, 16:09

:) Mein lieber Andreas,
Deine aufgeworfenen Fragen sind berechtigt. Nur hat meine frühere Kirche sie mit einem aus dem Zusammenhang herausgerissenen Jesuswort (vgl. aus Johannes 18,36) abgetan: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Wie oft habe ich im GD gehört, dass wir Gotteskinder uns der „Welt“ nicht gleichstellen sollen.

Natürlich stellte sich mir, erst recht als ich 1962 anfing im öffentlichen Dienst des Landes Berlin tätig zu werden, die Frage, ob mein lebendiger christlicher Glaube nicht auch dazu führen muss, in der Gesellschaft Stellung zu beziehen, mich also auch in das gesellschaftliche Miteinander meines Gemeinwesens und vielleicht sogar im politischen Handeln einzubringen.

Die NAK hat mich in diesen lebensentscheidenden Fragen früher Jahre, wie so oft, im Nebel stehen lassen und mich auf eine Betätigung in der gemeindlichen Diakonie verwiesen. Wie entkommt man, noch sehr lebensunerfahren, diesem Dilemma?

Andreas, ich fand und ging meinen Weg: „Versuche, da wo du bist, das Ganze ein wenig sinnloser zu gestalten. Christsein ist mehr als nur die hl. Schriften blindgläubig wiederzukäuen."

"Christsein erweist sich in der Praxis,“ meinte am letzten Sonntag einer der mit dienenden Brüder. Da hätte ich am liebsten laut applaudiert (Gruß an die Harzer Gaby…). :mrgreen:

Und dann erzählte dieser Mann eine herzerfrischende Schnurre, die das Elend des Missverstehens des Evangeliums herrlich beschreibt. Etwa so:

„Treffen sich der Dorfschullehrer und der Ortspfarrer auf der Landstraße und geraten in einen heftigen Disput, bei dem es überraschend zu Handgreiflichkeiten kömmt. Der Dorfschullehrer beruft sich schließlich auf das Evangelium und knallt dem Ortspfarrer eine Ohrfeige mit dem Jesuswort, nun möge er auch noch seine andere Wange hinhalten. Der Ortspfarrer hält sie hin und fängt sich eine zweite Maulschelle ein. Im Gegenzug ohrfeigt daraufhin der Ortspfarren den Dorfschullehrer gleich doppelt mit dem Hinweis auf das Jesuswort, wonach uns mit demselben Maß gemessen werden würde, mit dem wir andere messen.

Dieses Geschehen beobachtete der Dorfschulze aus der Ferne. Unverzüglich schickt er seinen Gemeindesekretär an den Ort des Geschehens, um die Streithähne zu befrieden. Nach einiger Zeit kehrt der zum Dorfschulzen zurück und berichtet gehorsamst: „Herr, es war kein Anlass um einzugreifen. Die ehrwürdigen beiden Herren haben sich nur gegenseitig das Evangelium erklärt.“


Reaktion der bis dahin am letzten Sonntag still vor sich hindämmernden Gemeinde: „Anhaltend herzhaftes Lachen.“

Frage: Hat die Gemeinde nur wegen dieser köstlich erzählten alten „Schnurre“ gelacht? Das glaube ich nicht…! Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen. Es ist tröstlich, dass sich überall immer wieder gute Leute finden, die den Menschen das Wesentliche des Evangeliums vermitteln können. Liebevoll, herzerfrischend, ehrlich, aufrichtig und glaubensfördernd. Und nun gehe Du hin, Andreas, und tue desgleichen. Da, wo Du bist. Wo denn sonst...!

Brüderliche Grüße vom Micha :wink:
Zuletzt geändert von Maximin am 14.10.2010, 21:55, insgesamt 1-mal geändert.

hans
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Re: WER ODER WAS BIST DU...?

#9 Beitrag von hans » 14.10.2010, 17:21

Zitat: "Anhaltendes herzhaftes Lachen ". Nun, wenn in der NAK jetzt auch gelacht werden darf oder es ein Lachen erfordert, ist diese NAK-Gemeinde doch auf einem guten Weg.
Es gibt des öfteren in der NAK etwas zum Lachen, nur merken es die meisten Gd.- Besucher nicht.

Gaby

Re: WER ODER WAS BIST DU...?

#10 Beitrag von Gaby » 14.10.2010, 21:30

Lieber Micha,

erst einmal danke für die lieben Grüße ;-)

Zu den politischen Parteien fällt mir nix ein. Außer, dass es einigermaßen tröstlich ist, wenn mitten unter schwarzen Krähen eine weiße Taube lebt. Alois Glück, Heiner Geißler, Wolfgang Thierse, Bodo Ramelow und einige andere sind Belege dafür dass es geht.


Das Problem hierbei ist eben, dass diese Politiker (weiße Tauben) nicht alleine die Partei ausmachen ... den größten Teil machen nun mal die schwarzen Krähen aus ...
Leider gibt es neben Bodo Ramelow z. Bsp. auch noch eine Sahra Wagenknecht (für mich ein absolutes "No Go"), neben Heiner Geißler (der ja sowieso eher außer Konkurrenz ist) einen neoliberalen Wolfgang Schäuble und neben Wolfgang Thierse gibt es zwar Gott sei`s gedankt keinen Gerhard Schröder mehr ... aber ist da jemand vertrauenserweckend in der neuen Riege??? CDU und SPD haben zusammen regiert ... den Mindestlohn gibt es trotzdem immer noch nicht. Nun steht man wieder für den Mindestlohn ein, aber wenn es dann soweit ist? Alles nur Schaumschläger? Es verdienen wohl einfach zu viele mit der Not der Menschen ... und Hauptsache die Arbeitslosenzahl sinkt auf angeblich unter 3 Millionen ... wie die Arbeit aussieht, zu denen einige vom Amt sogar gezwungen werden, interessiert in der Politik wohl niemanden.

http://www.youtube.com/watch?v=i16d7LXNXTo
http://www.youtube.com/watch?v=RQRHuneQyuI

Nun, bis zum nächsten "Kreuzchen" habe ich ja noch etwas Zeit, vielleicht werde ich ja bis dahin "erleuchtet", wem ich dieses geben soll ;-)

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