Stephen Hawking: Kein Gott für das Universum nötig

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Bedenkenträger

Re: Stephen Hawking: Kein Gott für das Universum nötig

#91 Beitrag von Bedenkenträger » 12.09.2010, 12:39

Nun, "Comment", wenn Sie hier aufmerksam gelesen haben: "Cemper" sprach hier nur allgemein von Laien und Experten, ich jedoch fokussierte diesen Punkt von Anfang an auf ein Terrain - den Glauben. Und dort scheint es mir, daß die Laien den Experten oft eine Nase, manchmal auch zwei Nasen weit voraus sind ...

Aber letztlich sind ja auch dort die Experten im Grunde nur noch Laien, so stellte ein Karl Rahner seinerzeit ganz zutreffend fest: »So möchte ich […] aussprechen, daß wir alle in der heutigen Situation in einem gewissen Sinne bei all unserem Theologiestudium unvermeidlich […] rudes sind und bleiben […]. Die Theologie ist faktisch zerfallen in eine Unzahl von Einzeldisziplinen, wobei jeweils in der einzelnen Disziplin ein ungeheurer Stoff mit einer sehr differenzierten, schwierigen Methodologie und bei einem außerordentlich geringen Kontakt mit den anderen verwandten oder benachbarten theologischen Disziplinen geboten wird.« (aus: "Grundkurs des Glaubens", S. 18 ff.).

So ist es nun einmal: Die Theologie ist zerfallen, ja so unüberschaubar, daß selbst die Experten hier kein Wissen mehr haben können, ihnen somit letzten Endes auch nur ... Erfahrungen bleiben … :wink:

Gruß auch.

Cemper

Re: Stephen Hawking: Kein Gott für das Universum nötig

#92 Beitrag von Cemper » 13.09.2010, 09:59

Bedenkenträger - eine kurze Antwort:

Das auf der ganzen Welt in vielen Kirchen gesprochene und die Kirchen verbindende sog. Apostolische Glaubensbekenntnis ist „uralt“. Sein Ursprung ist ein frühchristliches Taufbekenntnis. Das Apostolische Glaubensbekenntnis in der heutigen Form ist seit dem 5. Jahrhundert schriftlich belegt. Es ist doch klar, und zwar so klar, dass kaum etwas klarer sein kann, dass sich dieses Bekenntnis bei gleichbleibendem Wortlaut - also ohne Veränderung des Textes - verändert hat. Wenn die Menschen (die Christen) in früheren Jahrhunderten die Bekenntnisbegriffe Gott, Himmel, Erde, Jesus Christus, Heiliger Geist usw. benutzt haben, dann haben sie damit die jeweiligen damaligen Vorstellungen verbunden. Wahrscheinlich haben sich die Menschen die Erde als Scheibe und den Himmel als eine Art Zelt über dieser Scheibe vorgestellt. Von Gott hatten sie die Vorstellung, dass er „das alles gemacht“ hat und „oben“ im Himmel thront. Von Jesus Christus und dem Heiligen Geist werden sie auch irgendwelche Vorstellungen gehabt haben. Alle Vorstellungen standen unter vielfältigen Einflüssen der jeweiligen Kulturen und den in ihnen entstandenen und tradierten „Weltsichten“. Man muss sich das alles doch „ganz lebenspraktisch“ vorstellen. Fünftes Jahrhundert. Achtes Jahrhundert. Zehntes Jahrhundert. Mittelmeerstaaten. Dann - später - Christianisierung im Norden Europas. Das Bildungsniveau irgendwelcher „Eliten“ und der ländlichen Bevölkerung ...

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die Weltbilder oder das Weltverständnis aufgrund wissenschaftlich-technischer Erkenntnisse und Entwicklungen verändert. Wenn wir heute das Glaubensbekenntnis sprechen, dann verstehen wir die Erde nicht als Scheibe und den Himmel nicht als Zelt. Wir haben die und die Kenntnisse von der Erde und ihrer Geschichte und ihrem „Ort“ im Universum. Wenn wir von Gott, Jesus Christus und dem Heiligen Geist sprechen, dann haben wir auch andere Vorstellungen als die Menschen in früheren Jahrhunderten. Gott ist - vielleicht - das, was uns unbedingt angeht. Er ist vielleicht ein Begriff für das, was uns verstandesmäßig verborgen bleibt und was sich nur dem Glauben erschließt. Die Frage nach Gott ist vielleicht die Frage: Was soll ich tun? Jesus Christus - verstanden als Selbstmitteilung Gottes - ist vielleicht eine Antwort auf diese Frage. Immer stellt sich aber die Frage: Was sagen wir eigentlich, wenn wir sagen: „Ich glaube ...“?

Wenn nun aufgrund einer „Initiative“ der sehr geehrten tergram das Thema Hawking und Gott diskutiert wird, dann muss gefragt werden, von welchem Gott der Physiker eigentlich redet. Und wenn dann auf das Glaubensbekenntnis verwiesen wird, dann sollten wir uns schon fragen, wovon im Glaubensbekenntnis „geredet“ wird. Wenn wir das tun, wird klar, dass wir es mit einem Text zu tun haben, der sich bei gleichbleibendem Wortlaut - also ohne Veränderung des Textes - verändert hat. Es wird auch klar, dass die Frage nach Gott von Herrn Hawking nicht erledigt wird, sondern dass die Theologie Anlass hat, die Wirklichkeit - das heißt die neue Sicht der Wirklichkeit - theologisch zu betrachten. Es stellt sich dann die Frage: Wie können wir denn von Gott sprechen und wie können wir ihn bekennen? Und es stellt sich die Frage: Verstehen wir, was wir tun, wenn wir das Glaubensbekenntnis sprechen? Wissen wir, wie das Bekenntnis verstanden werden kann? Reicht unsere Privatvorstellung? Die Antwort darauf finden wir in der Fachliteratur. Diese Literatur ist nicht nur - wie Sie nach meinem Eindruck vermuten - ein heilloses Durcheinander. Beachten Sie bitte die Formulierung „nicht nur“. Anders gesagt: Es gibt schon ein gewisses Chaos. Manche Entwicklungen auf dem Gebiet der Theologie sind nicht mehr „zu vermitteln“. Ich habe irgendwann mal in dem alten Forum geschrieben, dass ein Lehrbuch der Systematischen Theologie so endet: „Offensichtlich trägt die gegenwärtige Theologie in ihrer komplexen Fülle mehr zur Desorientierung als zur Klärung bei.“

Ich habe gestern Morgen den Leipziger Gottesdienst für Amtsträger der Neuap. Kirche und ihre Frauen besucht. Stammapostel Dr. Leber hat auch über Glauben und das Glaubensbekenntnis gesprochen. Er hat es in einer liebevollen kindlichen Gläubigkeit getan. Man kann dem Glaubensbekenntnis auch so einen „Inhalt“ geben und dann auch gleich die sieben neuap. Sonderartikel bekennen. Aber was heißt das?

Vielleicht gibt die in diesem Forum geführte Diskussion Orientierungen über Hawking und über die NAK und überhaupt ...

Herzlichst
Ihr Cemper

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Loreley 61
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Re: Stephen Hawking: Kein Gott für das Universum nötig

#93 Beitrag von Loreley 61 » 13.09.2010, 11:56

Werter Cemper,

warum müssen Sie immer alles so verkomplizieren? Es geht auch einfacher und allgemeiner. Und dabei spielt es auch keine Rolle, wie man im Mittelalter Gott "gesehen" hat (Gottesbild) und wie man ihn heute sieht. Meines Erachtens spricht Hawking ganz allgemein von einem höheren Wesen, einem Schöpfergott. Den braucht es seiner Meinung nach nicht, weil sich die Schöpfung, das Leben, eben auch anders erklären und herleiten läßt. Punkt.

LG, Lory
Unsere Gedanken und Gefühle werden durch unsere Überzeugungen geformt.
Was du tief in dir und oft unbewusst denkst, das zeigt die größte Wirkung in deinem Leben.
Brauche nichts ... wünsche alles ... und wähle, was sich zeigt!
______
Namaste

tergram

Re: Stephen Hawking: Kein Gott für das Universum nötig

#94 Beitrag von tergram » 13.09.2010, 13:10

Loreley 61 hat geschrieben:...von einem höheren Wesen, einem Schöpfergott. Den braucht es seiner Meinung nach nicht, weil sich die Schöpfung, das Leben, eben auch anders erklären und herleiten läßt.
Eben Lory. So einfach ist das. :wink:

Die Naturwissenschaft hat uns erklären können, dass kein 'Gott' in der Lehmgrube gesessen, ein Menschlein geformt und ihm seinen Atem eingeblasen hat. Sondern dass die Schöpfung ein seit Beginn fortwährender Entwicklungsprozess ist. Der Beginn wiederum lag nach unserer heutigen Erkenntnis beim 'big bang', dem Urknall, bei dem Zeit, Raum, Materie und Energie entstanden und sich voneinander trennten. 'Gott' wäre nach bisheriger Vorstellung derjenige gewesen, der durch seinen Willen den Urknall ausgelöst hätte und durch seine Schöpferkraft die weitere Entwicklung anstieß... :arrow: "es werde..."

Hawking sagt nun, dass nach seinen neuesten Berechnungen die im gesamten Universum wirksame Schwerkraft groß genug sei, um "aus sich selbst heraus" den Urknall auszulösen - eines 'Gottes' (eines Anstoßgebers) bedürfe es dazu nicht.

Das ist alles.

Cemper

Re: Stephen Hawking: Kein Gott für das Universum nötig

#95 Beitrag von Cemper » 13.09.2010, 16:22

Das ist alles - und theologisch betrachtet Nonsens.

Bedenkenträger

Re: Stephen Hawking: Kein Gott für das Universum nötig

#96 Beitrag von Bedenkenträger » 13.09.2010, 18:18

Maximin hat geschrieben::) Mein lieber Bedenkenträger M.,
tut gut Dich in diesen Tagen hier wiederzutreffen. Die Annahme, dass das uns umgebende und für uns Menschlein unüberschaubare Universum keinen Schöpfergott nötig hat, die beinhaltet konsequenterweise auch die Annahme, dass wir Menschen ebenfalls keinen Gott brauchen. Jedenfalls keinen von der Sorte, den uns unsere Väter mit den hl. jüdisch-christlichen Schriften vorgestellt haben.

Zwar bin ich kein Mann irgendwelcher Wissenschaften, nicht besonders belesen und auch nicht hoch gebildet. Was ich in meinem Leben allerdings entwickelt habe, das ist ein ausgeprägtes Feingefühl für die Sehnsucht vieler meiner Mitmenschen nach Geborgenheit, Herzenswärme und mitmenschlicher Nähe.

Wenn denn die ganze Bibel "Unsinn" wäre, so müssen wir doch einen Satz unangetastet lassen: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ Schriftstelle gefällig…?

Nach meinen bisherigen Lebenserfahrungen, übrigens nicht nur den seelsorgerischen, sind die 60, 70 und wenn es hoch kommt die 80 Jahre unseres Zusammenlebens mit unseren Nächsten im Wissen um einen waltenden Gott überwiegend erträglicher als ohne diese vertrauende Gewissheit. Mit einem Gott über uns lebt es sich etwas leichter und das irgendwann uns selbst loslassen können übrigens auch.
Herzlichst, Ihr alter Maximin :wink:
Lieber oller (im Herzen aber sicherlich junger) "Maximin" M., ;-)

die Sache mit "Gott" … nun, sie ist nicht sooo einfach; das ist jedenfalls meine Erfahrung. Selbst der gläubigste Christ hat Momente, wo er an Gott zweifelt, ja sogar ver-zweifelt, wo er sich verlassen fühlt, verloren. Wir haben ja auch oft genug Anlaß, gute Gründe, zu verzweifeln, uns verlassen zu fühlen, oder nicht?
Aber irgendwie hat doch jeder Mensch einen Lebensantrieb - ich bezeichne diesen Impuls gerne oft als "Hoffnung". Der Mensch hofft, auch da, wo es eigentlich nichts zu hoffen gibt. Gegen jede Hoffnung hofft er … auch dann, wenn das Leben sinnlos erscheint, ins Dunkel zielt und abgleitet.
Weil es aber Hoffnung gibt (die natürlich auch aufgegeben werden kann, dies muß man mit erwähnen!), weil der Mensch hofft, muß es doch auch einen Grund dafür geben. Der gläubige Christ nennt diesen Grund "Gott", die Nicht-Christen haben andere Namen dafür, meinen aber letztlich auch nichts anderes als Gott.

Und wenn man diesen Zielpunkt bei seiner "Wanderung" im Auge hat, wenn man hofft, wenn man Gott als letztes Ziel erhofft, dann kann man selbst bei einem scheinbar sinnlosen Leben so etwas wie "Sinnlinien" erkennen. Der Gottesglaube hat sozusagen die Aufgabe, uns diese "Sinnlinien" zu zeigen, die Philosophie und verwandte Disziplinen vermögen dies nur bedingt. So hat auch schon manch kluger Kopf eingesehen, daß nur »ein Gott uns retten [kann]« (Heidegger im Gespräch mit Augstein, 23.09.1966).

Ach so, Physiker können uns - wenn sie gut sind - das Universum und seine Naturgesetze etc. verständlich machen, ob sie uns dabei aber was über "Gott" sagen können, möchte ich bezweifeln; es ist ja auch gar nicht ihre Aufgabe ... ;-)

Ebenso herzlichst ... BT

Cerebron

Re: Stephen Hawking: Kein Gott für das Universum nötig

#97 Beitrag von Cerebron » 13.09.2010, 19:45

Bedenkenträger hat geschrieben:Aber irgendwie hat doch jeder Mensch einen Lebensantrieb - ich bezeichne diesen Impuls gerne oft als "Hoffnung". Der Mensch hofft, auch da, wo es eigentlich nichts zu hoffen gibt. Gegen jede Hoffnung hofft er … auch dann, wenn das Leben sinnlos erscheint, ins Dunkel zielt und abgleitet.
Weil es aber Hoffnung gibt (die natürlich auch aufgegeben werden kann, dies muß man mit erwähnen!), weil der Mensch hofft, muß es doch auch einen Grund dafür geben. Der gläubige Christ nennt diesen Grund "Gott"
Werter Bedenkenträger,

kann der Grund für eine Hoffnung nicht auch ganz einfach der sein, dass der Hoffende schlecht informiert ist? Oder etwas grundlegend falsch verstanden hat? Die Folgerung "weil gehofft wird, muss es einen Grund für das Hoffen geben" erscheint mir jedenfalls nicht schlüssig.

Gruß,
C.E.

Bedenkenträger

Re: Stephen Hawking: Kein Gott für das Universum nötig

#98 Beitrag von Bedenkenträger » 13.09.2010, 20:13

Cemper hat geschrieben:Bedenkenträger - eine kurze Antwort:

Das auf der ganzen Welt in vielen Kirchen gesprochene und die Kirchen verbindende sog. Apostolische Glaubensbekenntnis ist „uralt“. Sein Ursprung ist ein frühchristliches Taufbekenntnis. Das Apostolische Glaubensbekenntnis in der heutigen Form ist seit dem 5. Jahrhundert schriftlich belegt. Es ist doch klar, und zwar so klar, dass kaum etwas klarer sein kann, dass sich dieses Bekenntnis bei gleichbleibendem Wortlaut - also ohne Veränderung des Textes - verändert hat. Wenn die Menschen (die Christen) in früheren Jahrhunderten die Bekenntnisbegriffe Gott, Himmel, Erde, Jesus Christus, Heiliger Geist usw. benutzt haben, dann haben sie damit die jeweiligen damaligen Vorstellungen verbunden. Wahrscheinlich haben sich die Menschen die Erde als Scheibe und den Himmel als eine Art Zelt über dieser Scheibe vorgestellt. Von Gott hatten sie die Vorstellung, dass er „das alles gemacht“ hat und „oben“ im Himmel thront. Von Jesus Christus und dem Heiligen Geist werden sie auch irgendwelche Vorstellungen gehabt haben. Alle Vorstellungen standen unter vielfältigen Einflüssen der jeweiligen Kulturen und den in ihnen entstandenen und tradierten „Weltsichten“. Man muss sich das alles doch „ganz lebenspraktisch“ vorstellen. Fünftes Jahrhundert. Achtes Jahrhundert. Zehntes Jahrhundert. Mittelmeerstaaten. Dann - später - Christianisierung im Norden Europas. Das Bildungsniveau irgendwelcher „Eliten“ und der ländlichen Bevölkerung ...

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die Weltbilder oder das Weltverständnis aufgrund wissenschaftlich-technischer Erkenntnisse und Entwicklungen verändert. Wenn wir heute das Glaubensbekenntnis sprechen, dann verstehen wir die Erde nicht als Scheibe und den Himmel nicht als Zelt. Wir haben die und die Kenntnisse von der Erde und ihrer Geschichte und ihrem „Ort“ im Universum. Wenn wir von Gott, Jesus Christus und dem Heiligen Geist sprechen, dann haben wir auch andere Vorstellungen als die Menschen in früheren Jahrhunderten. Gott ist - vielleicht - das, was uns unbedingt angeht. Er ist vielleicht ein Begriff für das, was uns verstandesmäßig verborgen bleibt und was sich nur dem Glauben erschließt. Die Frage nach Gott ist vielleicht die Frage: Was soll ich tun? Jesus Christus - verstanden als Selbstmitteilung Gottes - ist vielleicht eine Antwort auf diese Frage. Immer stellt sich aber die Frage: Was sagen wir eigentlich, wenn wir sagen: „Ich glaube ...“?

Wenn nun aufgrund einer „Initiative“ der sehr geehrten tergram das Thema Hawking und Gott diskutiert wird, dann muss gefragt werden, von welchem Gott der Physiker eigentlich redet. Und wenn dann auf das Glaubensbekenntnis verwiesen wird, dann sollten wir uns schon fragen, wovon im Glaubensbekenntnis „geredet“ wird. Wenn wir das tun, wird klar, dass wir es mit einem Text zu tun haben, der sich bei gleichbleibendem Wortlaut - also ohne Veränderung des Textes - verändert hat. Es wird auch klar, dass die Frage nach Gott von Herrn Hawking nicht erledigt wird, sondern dass die Theologie Anlass hat, die Wirklichkeit - das heißt die neue Sicht der Wirklichkeit - theologisch zu betrachten. Es stellt sich dann die Frage: Wie können wir denn von Gott sprechen und wie können wir ihn bekennen? Und es stellt sich die Frage: Verstehen wir, was wir tun, wenn wir das Glaubensbekenntnis sprechen? Wissen wir, wie das Bekenntnis verstanden werden kann? Reicht unsere Privatvorstellung? Die Antwort darauf finden wir in der Fachliteratur. Diese Literatur ist nicht nur - wie Sie nach meinem Eindruck vermuten - ein heilloses Durcheinander. Beachten Sie bitte die Formulierung „nicht nur“. Anders gesagt: Es gibt schon ein gewisses Chaos. Manche Entwicklungen auf dem Gebiet der Theologie sind nicht mehr „zu vermitteln“. Ich habe irgendwann mal in dem alten Forum geschrieben, dass ein Lehrbuch der Systematischen Theologie so endet: „Offensichtlich trägt die gegenwärtige Theologie in ihrer komplexen Fülle mehr zur Desorientierung als zur Klärung bei.“

Ich habe gestern Morgen den Leipziger Gottesdienst für Amtsträger der Neuap. Kirche und ihre Frauen besucht. Stammapostel Dr. Leber hat auch über Glauben und das Glaubensbekenntnis gesprochen. Er hat es in einer liebevollen kindlichen Gläubigkeit getan. Man kann dem Glaubensbekenntnis auch so einen „Inhalt“ geben und dann auch gleich die sieben neuap. Sonderartikel bekennen. Aber was heißt das?

Vielleicht gibt die in diesem Forum geführte Diskussion Orientierungen über Hawking und über die NAK und überhaupt ...

Herzlichst
Ihr Cemper
Watson, alter Freund - vieles ist klar, doch noch viel mehr, viel, viel mehr ist noch unklar. Das mag eben auch für das Glaubensbekenntnis zutreffen, was ja eigentlich doch klar ist (zumindest sprachlich), aber eben auch einige Unklarheiten hervorruft, sobald man sich damit wirklich beschäftigt, also wenn man es mal mit Herz und Verstand inhaltlich betrachtet.

Nun, woran liegt dies?

Vielleicht daran, daß wir den ganzen Dingen, mit denen wir umgehen, gerne Namen geben, Begriffe, damit wir sie be-greifen können!? So ist es doch auch in Bezug auf das Große Geheimnis, Gott; gerade weil Er für uns wirklich und bedeutsam ist, geben wir Ihm einen Namen. Aber verbergen Namen, Begriffe oft nicht mehr die eigentliche Sache als daß sie uns helfen, diese klar zu erkennen?

In Bezug auf "Gott" denke ich, daß Er nur dann wirklich und bedeutsam für uns ist, wenn Er aus den Tiefen eigener Erfahrung quasi auftaucht, in unser Leben einfällt und es ausfüllt. Gott läßt sich eigentlich nur erfahren, nicht begreifen! Nur ... unsere Erfahrungen von Ihm müssen wir auf irgendeiner Weise konkretisieren; und dies geschieht durch Begriffe und Bilder. Und damit fangen die ganzen Probleme an, die eine Heerschar von Theologen und Prediger nicht bewältigen kann.

Alleine nur diese Fragestellungen genügen, um die Problematik etwas zu verdeutlichen:

Welches Gewicht sollen wir den Bildern beimessen?
Können wir auf Bilder verzichten?
In welch einem Verhältnis stehen die Bilder zur eigentlichen Sache, z. B. Gott?

Da freut sich doch das Debattierer-Herz, oder? ;-)

Für heute aber gute Nacht, es grüßt ebenso herzlichst ... Ihr Holmes

Maximin

Re: Stephen Hawking: Kein Gott für das Universum nötig

#99 Beitrag von Maximin » 13.09.2010, 21:28

:) Mein lieber Bruder Bedenkenträger,
ich sag es Dir gerade heraus: Die Sache zwischen dem Gott meiner Väter, also dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und dem Vater unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus, wurde für mich dann zu einer sehr persönlichen Herausforderung, als ich mich traute, mich mit diesem Gott zu streiten, ihm zu widersprechen und ihn auch direkt herauszufordern. Gotteslästerung…?

Mag sein, dass ich mir dabei ein "Hüftleiden" eingehandelt habe. Na und?! Was ist schon eine gewisse Bewegungseinschränkung gegen Gottverlassenheit? Das eine kann ich aushalten. Das andere will ich nicht aushalten müssen. Jedenfalls nicht in dieser meiner Lebenszeit.

Was mich irritiert ist, dass so furchtbar viele Leute, auch hier in diesem kleinen christlichen Forum, unentwegt die Gottesfrage mit der Legitimation irgendwelcher Kirchenbetriebe verknüpfen. Egal was die jeweils an ihren Außenwänden plakatieren und egal, was sie, hinter ihren Kirchenmauern, ihren Mitgliedern, im Detail vorkauen und als verbindliche Glaubensbekenntnisse abfordern.

Wenn denn der Gott unserer Väter beschlossen hätte seither zu schweigen, na gut, soll er doch. Ich nehme mir dann aber das Recht heraus, ihm meine Bedürftigkeit entgegen zu brüllen.

Und nun darf ich schlicht und einfach bekenn, dass der Gott meiner Väter seither eben nicht schweigt. Er begibt sich auch nicht auf meine brüllend zweifelnde Ebene. Er ist einfach nur da. „Ich werde sein der ich sein werde.“ (Schriftstelle gefällig…?) Die einen nennen das eine Glaubensfrage. Ich beschreibe es als meine persönliche Gotteserfahrung.
Liebe Grüße vom Maximin :wink:

Cemper

Re: Stephen Hawking: Kein Gott für das Universum nötig

#100 Beitrag von Cemper » 14.09.2010, 09:24

@ Bedenkenträger -

Sie schreiben oben über Maximin, "daß wir den ganzen Dingen, mit denen wir umgehen, gerne Namen geben, Begriffe, damit wir sie be-greifen können!? So ist es doch auch in Bezug auf das Große Geheimnis, Gott; gerade weil Er für uns wirklich und bedeutsam ist, geben wir Ihm einen Namen. Aber verbergen Namen, Begriffe oft nicht mehr die eigentliche Sache als daß sie uns helfen, diese klar zu erkennen?"

Dazu nur eine Anmerkung: Wenn wir etwas nicht begriffen haben, ist es schwierig und vielleicht sogar unmöglich, dafür einen Begriff zu bilden. Wie könnten wir von Unbegriffenem einen Begriff bilden, der es möglich macht, richtig zu be-greifen. Das Problem wird im Falle "Gott" besonders deutlich. Dazu passt der Hinweis auf den „Umgang“ mit dem Namen Gottes im Judentum. Gottes Name ist für Juden ja bekanntlich unaussprechlich. In der Synagoge wird der Name bei Bibellesungen ersetzt durch die Anrede Adonaj („Herr“) oder Adonaj Elohim („Herr Gott“). Beim täglichen Lesen biblischer Texte wird schlicht „der Name“ gesagt.

Auf plakative Weise wird das Problem der Begriffsbildung und der Bestimmung der Bedeutung verständlich, wenn wir uns eine Situation vorstellen, auf die ich vor langer Zeit schon einmal hingewiesen habe: Wir haben ein Manuskript für ein theologisches Buch. 500 Seiten. Unsere Aufgabe ist die Anfertigung eines Sachregisters und eines Personenregisters. In welches Register kommt das Wort Gott? Ins Sachregister? Ist Gott eine Sache? Ins Personenregister? Ist Gott eine Person? Jesus würde vermutlich jeder ins Personenregister stellen. Aber angesichts der Trinitätslehre könnte er ja auch ....

Debattieren Sie mal. Es macht Ihnen ja Spaß. Und schöne Grüße an Rahner.
Cemper

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