Hannover: NAK-Mitteldeutschland - Gemeinden im Umbruch?

Alles rund um die Sondergemeinschaft Neuapostolische Kirche (NAK), die trotz bedenklicher Sonderlehren (u.a. Versiegelung, Entschlafenenwesen mit Totenmission, Totentaufe, Totenversiegelung und Totenabendmahl, Heilsnotwenigkeit der NAK-Apostel, Erstlingsschaft, ..), weiterhin "einem im Kern doch ... exklusiven Selbstverständnis", fehlendem Geschichtsbewusstsein und Aufarbeitungswillen, speziell für die Zeit des Dritten Reiches, der DDR, der Bischoffs-Botschaft ("... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. ..."), sowie ihrer jüngsten Vergangenheit und unter erheblichem Unmut ehemalicher NAK-Mitglieder, auch Aussteiger genannt, die unter den missbräuchlichen Strukturen und des auf allen Ebenen ausgeprägten Laienamtes der NAK gelitten haben, weiterhin leiden und für die die NAK nach wie vor eine Sekte darstellt, im April 2019 als Gastmitglied in die ACK Deutschland aufgenommen wird.
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Boy

Re: Hannover: NAK-Mitteldeutschland - Gemeinden im Umbruch?

#41 Beitrag von Boy » 17.08.2010, 07:30

Dear Mr. Vancouver!
Diesen Eindruck hinterläßt Ihr Eintrag nicht bei mir.
Wieso? Kennen Sie mich oder meinen familiären Hintergrund, sodaß Sie es besser wissen, als ich selbst?

Woher wissen Sie das? Welcher Statistik entnehmen Sie das?
Persönliche Erfahrungen-Erzählungen-Gespräche usw. mit unzähligen Gläubigen anderer Konfessionen. Mir ist prozentual, bezogen auf die Mitgliederanzahl, auch keine ähnlich große Anzahl von Kritikern und Aussteigern (Foren ect) bei den beiden Großkirchen bekannt. Dort tritt man meist ohne große Nebenwirkungen aus. In der Hauptsache lediglich um die Kirchensteuer zu sparen, oder um seinen Protest kund zutun. Begleitende Therapien werden so gut wie nicht gebraucht, da psychische Probleme kaum auftreten. Sinnvoll wäre es, wenn Sie dazu einmal Psychologen und Psychotherapeuten befragen, die beruflich mit Sektenaussteigern zu tun haben. Ich habe das getan.

Dieser Einwand ist mir nicht verständlich. Es gibt etliche Foren voller kritischer Äußerungen. In welchem Fall hat die NAK versucht, kritische Einträge oder Foren an sich zu verhindern?
Wo habe ich geschrieben, daß die NAK versucht hat..................? Es sind einzelne, die sich aus welchen Gründen auch immer, dazu berufen fühlen, Kritiker und Aussteiger zu denunzieren. Menschen, die nach einem Sektenausstieg therapeutische Hilfe brauchen sind noch lange nicht verrückt oder doof. Sie lügen auch nicht, wenn sie von ihren Erfahrungen berichten. Dies alles kann nur hilfreich sein, um eventuell andere (vielleicht liebäugelt jemand mit einem Eintritt um dem Partner einen Gefallen zu tun) vor größerem Schaden zu bewahren.

@ Cemper: Religionsfreiheit ist zunächst einmal eine positive Sache, ein Grundrecht. Jedoch sollte der Staat sich nicht scheuen dann und dort regelnd einzugreifen, wo die (psychische) Gesundheit von Menschen, besonders Kindern, in Sekten auf dem Spiel steht. Die Kosten von möglichen Therapien bezahlt nämlich die Allgemeinheit und das muß ja nicht sein, wenn man in irgendeiner Form zumindest Prävention betreibt. Oder wie S. Kranefeld, ev. Religionslehrerin, bezgl. der NAK titelte: Aufklärung statt Therapie. Übrigens sehe ich Foren wie dieses, aber ganz besonders auch die Aussteigerforen, als einen Ort der Aufklärung und der Dokumentation vieler Fallbeispiele, die die Dimension von Einzelfällen längst überschritten hat. Übrigens sollte die pers. Freiheit, auch die Religionsfreiheit, dort enden, wo ein oder mehrere andere in ihrer Freiheit (des Glaubens, des Denkens, des Handelns...) eingeschränkt werden.

Es grüßt Boy

PS: Forenmitglied, was die NAK betrifft, bin ich nur hier.

Gaby

Re: Hannover: NAK-Mitteldeutschland - Gemeinden im Umbruch?

#42 Beitrag von Gaby » 17.08.2010, 08:28

http://lbib.de/pdf_dateien/bug139online.pdf

>>Gerade introvertierte, schüchterne Kinder und solche, deren Selbstwertgefühl durch eine allzu autoritäre Erziehung ohnehin untergraben wurde, lassen sich von einem richtenden und despotischen Gott stark beeindrucken. Da hilft es auch nichts, wenn später noch viel vom „lieben Gott" die Rede sein sollte. Das, was den Menschen in den entscheidenden ersten sechs Jahren seines Lebens prägt, ist zwar nicht irreversibel, aber doch nur sehr schwer wieder rückgängig zu machen. Das Bild des vergeltenden Gottes ist stärker und wird sich immer wieder durchsetzen. Für das Gelingen des Lebens ist ein gesundes Selbstwertgefühl unerlässlich. Ein Kind, das sich nur dann geliebt weiß, wenn es den Erwartungen anderer gerecht wird, muss eine Neurose entwickeln, spätestens dann, wenn es irgendwann einmal scheitert, besonders in zwischenmenschlichen Beziehungen. Wer unter dem Druck steht, immer perfekt sein zu müssen und niemals Fehler machen zu dürfen, wird unmenschlich.<<

....

>>Therapieversuche bleiben wegen der Passivität vieler Patienten oft erfolglos. Aber auch die Erkenntnis, ein Leben als Marionette geführt zu haben, hilft noch nicht weiter. Viele stimmen ihrem Therapeuten zwar zu, doch fehlt ihnen die Kraft selbst aktiv zu werden. Gibt es einen Ausweg aus dieser Gefangenschaft? - Ja, es gibt ihn, doch ohne die Hilfe eines erfahrenen Seelsorgers oder Therapeuten, einer glaubwürdigen Bezugsperson wird es kaum gelingen, ihn zu finden. Wesentlich ist, den Patienten behutsam mit seinem ICH, seinem SELBST, in Verbindung zu bringen, das der Betroffene von Kindheit an verleugnen musste. Er selbst müsste sich erlauben, Gott anders zu denken als bisher.<<

Es spielt also doch wohl eine große Rolle, ob man in eine Gemeinschaft hineingeboren wird oder erst später Kontakt mit ihr bekommt ...
Zuletzt geändert von Gaby am 17.08.2010, 08:39, insgesamt 1-mal geändert.

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Loreley 61
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Re: Hannover: NAK-Mitteldeutschland - Gemeinden im Umbruch?

#43 Beitrag von Loreley 61 » 17.08.2010, 08:37

Nur kurz, ich muß gleich wech......aber weil boy meinte.............

http://www.praxis-ulrike-baer.de/Religion.shtml

Home: http://www.praxis-ulrike-baer.de/

Vielleicht wäre das eine Nachfrage-Quelle für Vancouver?
Die Frau weiß, von was sie spricht. :wink:

LG, Lory
Unsere Gedanken und Gefühle werden durch unsere Überzeugungen geformt.
Was du tief in dir und oft unbewusst denkst, das zeigt die größte Wirkung in deinem Leben.
Brauche nichts ... wünsche alles ... und wähle, was sich zeigt!
______
Namaste

Knodel

Re: Hannover: NAK-Mitteldeutschland - Gemeinden im Umbruch?

#44 Beitrag von Knodel » 17.08.2010, 08:47

Er habe sich mit diesem Buch von Gott befreit, sagt Moser. Gott spiele in seinem Leben keine Rolle mehr.
Dennoch versucht er heute als Psychotherapeut Menschen mit einem gestörten Gottesbild zu helfen; und die Zahl der Hilfesuchenden ist groß.
Herzlichen Dank für den Link, er ist sehr aufschlußreich insbesondere der von mir oben zitierte Satz.
Allerdings würde ich diesen Artikel nicht einem vernünftigen und kompetent arbeitenden Psychologen zeigen. Brüllendes Gelächter wäre vermutlich die Folge.

Gaby

Re: Hannover: NAK-Mitteldeutschland - Gemeinden im Umbruch?

#45 Beitrag von Gaby » 17.08.2010, 09:14

Knodel, woran machst Du es fest, ob ein Psychotherapeut vernünftig und kompetent arbeitet oder nicht?
In dem Artikel wird sich unter anderem auf Ausarbeitungen von Professor Dr. Sebastian Murken (Leiter der Arbeitsgruppe Religionspsychologie des FPP der Universitaet Trier, Bad Kreuznach), ter Horst Karl W., Alfred Kirchmayr u. Erwin Ringel, Eugen Drewermann, Moser Tilman bezogen ... ihres Zeichen alles Psychotherapeuten.
Sie arbeiten also Deiner Meinung nach alle nicht vernünftig und kompetent?

Da ich denke, Tilmann Moser ist für Dich der Stein des Anstosses in dem Artikel
noch ein Link ...
http://www.elke-endrass.de/pdf/interview_moser.pdf
Zuletzt geändert von Gaby am 17.08.2010, 09:51, insgesamt 1-mal geändert.

Cemper

Re: Hannover: NAK-Mitteldeutschland - Gemeinden im Umbruch?

#46 Beitrag von Cemper » 17.08.2010, 09:49

Boy hat geschrieben: @ Cemper: Religionsfreiheit ist zunächst einmal eine positive Sache, ein Grundrecht. Jedoch sollte der Staat sich nicht scheuen dann und dort regelnd einzugreifen, wo die (psychische) Gesundheit von Menschen, besonders Kindern, in Sekten auf dem Spiel steht. Die Kosten von möglichen Therapien bezahlt nämlich die Allgemeinheit und das muß ja nicht sein, wenn man in irgendeiner Form zumindest Prävention betreibt. Oder wie S. Kranefeld, ev. Religionslehrerin, bezgl. der NAK titelte: Aufklärung statt Therapie. Übrigens sehe ich Foren wie dieses, aber ganz besonders auch die Aussteigerforen, als einen Ort der Aufklärung und der Dokumentation vieler Fallbeispiele, die die Dimension von Einzelfällen längst überschritten hat. Übrigens sollte die pers. Freiheit, auch die Religionsfreiheit, dort enden, wo ein oder mehrere andere in ihrer Freiheit (des Glaubens, des Denkens, des Handelns...) eingeschränkt werden.

Es grüßt Boy
Werter Boy -

Sie stellen einen komischen Beitrag ins Forum. Ich schreibe Ihnen dazu dies:

Die Aussage zur Religionsfreiheit in Ihrem ersten Satz ist richtig. Sie ist aber banal. Natürlich ist Religionsfreiheit eine positive Sache. Und ein Grundrecht ist sie auch - das weiß fast jeder. Die Grundrechtsbestimmung dazu - Artikel 4 - hat diesen Wortlaut:

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Aber was heißt denn Religionsfreiheit? Ich kann Ihnen das nicht in wenigen Worten darlegen. Wenn Sie sich näher mit dieser Frage befassen wollen, dann lesen Sie Fachliteratur (zum Beispiel einschlägige Abschnitte eines GG-Kommentar und einschlägige Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts wie z.B. BVerfGE 19,206/216; BVerfGE 19, 129/132; BVerfGE 12,3). Ich will zu diesem Punkt nur anmerken: Freiheit ist auch hier zunächst die Freiheit der anderen.

Dann empfehlen Sie Eingriffe des Staates, „wo die (psychische) Gesundheit von Menschen, besonders Kindern, in Sekten auf dem Spiel steht.“ Diese Aussage ist auch richtig und ebenfalls banal. So etwas macht der Staat doch. Sie fordern also etwas, was getan wird. Wenn Sie mit Ihrem Hinweis aber unterschwellig suggerieren wollen, der Staat müsste gegen die Neuap. Kirche vorgehen, dann muss ich Ihnen sagen, dass Sie sich hier verrennen. Experten sehen keinen Grund für vorsorgliche Beobachtungen oder gar Maßnahmen. Näheres können Sie in einem Bericht der Enquete-Kommission „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ des Deutschen Bundestages lesen. Schauen Sie mal rein (aber nehmen Sie sich Zeit, der Bericht ist 236 Seiten lang):

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/13/109/1310950.pdf

Der Staat anerkennt die NAK als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Er kommt ihr in vielen Angelegenheiten entgegen und überlässt ihr sogar als Raum für einen größeren Gottesdienst das ehemalige Bundestagsgebäude.

Dann schreiben Sie: „ Die Kosten von möglichen Therapien bezahlt nämlich die Allgemeinheit und das muß ja nicht sein, wenn man in irgendeiner Form zumindest Prävention betreibt.“ Diesen Satz verstehe ich nicht. Wollen Sie mit einem Hinweis auf die von der Allgemeinheit getragenen Kosten für Therapien das Grundrecht der Religionsfreiheit einschränken? Ein solches Ansinnen wäre für jeden Juristen Anlass zur Frage nach dem IQ.

Dann verweisen Sie auf Kritikerliteratur. Der Titel „Aufklärung statt Therapie“ wirkt auf mich positiv. Ich kenne diese Publikation aber nicht und kann deshalb nichts dazu sagen. Ich kann Ihnen aber einmal eine meiner jüngsten Erfahrungen in der NAK beschreiben. Lesen Sie das mal aufmerksam.

Ich war zu einem Trauungsgottesdienst in einer neuap. Kirchengemeinde und anschließend zu einer Hochzeitsfeier eingeladen. Geheiratet haben eine Juristin und ein Jurist. Die Kirche war infolge der Anteilnahme der Gemeinde fast voll besetzt (ich schätze 250 Personen). Ein guter Chor war auch da. Der Gottesdienst zur Trauung wurde von einem - wie man so sagt - Laienprediger gehalten. Der Mann ist im Zivilberuf Direktor eines größeren Schulzentrums. In der Kirche war eine insgesamt gute Stimmung. Ich habe niemanden mit einem Psycho-Defekt aufgrund seiner NAK-Mitgliedschaft gesehen. Anschließend - auf der Feier - hatte ich an einem großen Tisch meinen Platz. Die anderen Tischgenossen bzw. Gäste waren neuapostolisch und psychisch gesund: ein Richter, zwei Staatsanwälte, drei oder vier Studienräte, ein Arzt und einige Studenten und zwei ältere Damen: eine oberfromme neuap. Großmutter und eine fromme Tante.

Das ist eine meiner Erfahrungen - und die lasse ich mir nicht kaputt reden. Zur Wirklichkeit der NAK gehören aber auch Probleme bis hin zu seelischen Störungen. Das bestreite ich doch gar nicht. Mein Punkt ist die nüchtern-sachliche Betrachtung und die Achtung der Religionsfreiheit.

Ich persönlich hatte in dem Trauungsgottesdienst - während der Predigt und während der Ansprache - teilweise erhöhten Blutdruck. Ich habe mich gefragt: Was sagt der Mann eigentlich? Wieso sagt er das? Was sind die Grundlagen? Wie kommt er dazu, diesen biblischen Text so zu deuten? Ich habe das meiste nicht verstanden. Aber das ist ein anderes Kapitel. Wichtig ist: Mein Unverständnis berechtigt mich nicht, andere zu kritisieren; ich darf lediglich nachfragen - und das wollte ich auch. Während des Essens habe ich das meinem neuap. Tischnachbarn gesagt. Wir hatten diesen Dialog: „Ich würde mir gern von dem Prediger erklären lassen, wieso er meint, in der NAK wären Apostel wie in der Urkirche tätig.“ - „Frag’ besser nicht; das kann er Dir nicht wirklich erklären.“

Ihren letzten Satz sollten Sie erläutern - was meinen Sie genau? Wie stellen Sie sich "religiöse Erziehung" vor?

C.

Cemper

Re: Hannover: NAK-Mitteldeutschland - Gemeinden im Umbruch?

#47 Beitrag von Cemper » 17.08.2010, 10:47

Gaby hat geschrieben:Wenn man die NAK-Lehre für sich negiert bereitet sie einem wohl auch keine Probleme ... das heißt z. Bsp. folgender Brief eines BZA Kraus existiert zwar
(und ähnliche Aussagen hat wohl jeder in seiner NAK-Zeit schon gehört)

http://www.glaubeundkirche.de/viewtopic.php?f=21&t=3817

aber man denkt für sich >>Der hat wohl nicht "alle Latten am Zaun"<< wie man im Volksmund sagt.
Ja - ein eigenartiger Text.
Die Frage bleibt, kann man das so ohne weiteres wenn man in so einer Gemeinschaft von Kindesbeinen an zu 100% sozialisiert wurde und es noch nicht geschafft hat sein Über-Ich in seine Schranken zu weisen? Bzw. die Mechanismen die in so einer Gemeinschaft wirken noch nicht begriffen hat?
Das kann man nicht - das ist doch klar. Ich verstehe gar nicht, warum über so etwas geredet wird und kann jedem nur sagen: Schauen Sie sich doch in Ihrer Umgebung um. Die Beispiele liegen doch „auf der Straße“. Wenn ich von mir erzählen darf: Der Gemüsehändler zehn Häuser weiter kommt aus der Türkei. Ein Moslem. Natürlich denkt der nicht christlich. Vor einiger Zeit war ich an einem Samstagnachmittag in der Kirche und habe an der Orgel einen GD vorbereitet. Eine große alte Kirche mit alten Türen und recht hoch mit alten Fenstern usw. Ich hörte, dass auf einem Platz vor der Kirche einige Jungen mit einem Ball spielten und ihn offenbar bewusst nach oben vor die Mauer/Fenster geschossen haben. Ich bin dann zu ihnen gegangen und habe ihnen die Gefährdung der Fenster angedeutet. Ergebnis: Ein kleiner Junge - offenbar türkischer Abstammung - kommt zu mir, tritt vor die Kirchenwand und ruft: „Sch...-Christus, hau ab.“ Der hatte auch seine Sozialisation. Oder meine katholische Nachbarin - Du liebe Zeit. Die Frau ist schlau und emanzipiert und selbstbewusst und hübsch und so was an katholisch sozialisiert, dass sie hier eine gewisse kleine Macke hat. Und die hat sie ihren beiden Kindern auch verpasst. Oder die anderen Nachbarn: diese Leute haben überhaupt keinen religiösen Lebensbezug - und die beiden Kinder auch nicht. Die verstehen - wenn es um Religion geht - nur Bahnhof.

Die religiöse Sozialisation wirkt. Hier kann nur an „vernünftige Erziehung“ appelliert werden. Wenn das aber zu nichts führt, dann hat man eben ein Problem. Wir können ja einen Verein gründen und fordern: Vernünftige Eltern für alle! Vernünftige religiöse Erziehung für alle!
Bin ich lediglich in der NAK, weil ich das Bedürfnis nach Gemeinschaft habe ... aus Tradition, weil meine ganze Familie dabei ist ... mich Lehraussagen eh nicht interessieren ... dann sollte man auch in der NAK keine Probleme bekommen. Denn dann bekommt man nirgendwo Probleme, ganz gleich worum es geht ...
Ja - so ähnlich ist das. Gemeinschaft - Tradition - Desinteresse. Wie bei der Tagesschau. Die schauen sich die meisten auch nur an, weil sie wissen wollen, ob nichts passiert ist und sie weiterhin ihre Ruhe haben. Aber es ist nicht nur so.
P.S. Ich bin auch für Religionsfreiheit. Ich habe auch nicht den Wunsch, die NAK solle sich am Besten in Luft auflösen ... aber man muss ihr den Spiegel vorhalten dürfen (so wie jeder Religionsgemeinschaft die Religion für ihre Zwecke mißbraucht).
Ja - aber was heißt das? Sind unsere Urteile ein Spiegel?
Und noch eins ... dass hier plötzlich einige User sind, die sonst eher bei Quo Vadis schreiben liegt m.E. wirklich an folgender Aussage von Ihnen:
>>Oder sind das Foren, in denen Kritiker dieser Kirche, die - so mein Eindruck - Probleme mit sich haben, ihre Probleme in die Weltgeschichte posaunen?<<
Dass so eine Aussage nicht unkommentiert stehen bleibt hätte Ihnen eigentlich klar sein müssen ...
Ja - jetzt, wo Sie es sagen, fällt mir dieser Punkt auch ein. Aber es stört doch nicht, dass diese Freunde auch hier schreiben und kommentieren. Quo Vadis habe ich seit Monaten nicht angeklickt. Vielleicht mache ich es mal wieder.

Güte Wünsche und "Auf Wiedersehen"!

Cemper

Gaby

Re: Hannover: NAK-Mitteldeutschland - Gemeinden im Umbruch?

#48 Beitrag von Gaby » 17.08.2010, 13:04

>>Ja - aber was heißt das? Sind unsere Urteile ein Spiegel?<< Zitat Cemper

"Aussteiger" oder Kritiker erzählen ihre Geschichte, zeigen was die religiöse Sozialisation in einer Glaubensgemeinschaft bei ihnen bewirkt hat
(nehmen wir einmal an, das ist dann der Spiegel).
Nun hat das Gegenüber die Möglichkeit, vor dem was er im Spiegel sieht die Augen zu verschließen, wenn ihm das was er dort sieht nicht gefällt ... er kann die Situation die er dort sieht aber auch studieren und daraus lernen ... letztlich kann er sich zu dem was er dort sieht selbst ein subjektives Urteil bilden, oder aber er gaukelt sich selbst etwas vor, indem er das was ihm im Spiegelbild negativ auffällt für sich selbst negiert und dadurch für ihn in seiner Aussage abschwächt, vielleicht verhilft der Spiegel aber auch ein Stück weit zur eigenen Selbsterkenntnis, dass er einiges von dem was er dort eventuell als "kritisch" erkennt auch bei sich selbst vorfindet.

Im Grunde sieht jeder in einem Spiegel etwas anderes, ein Spiegel zeigt weder Wissen noch Wahrheit ... aber wenn viele ein Spiegelbild ähnlich interpretieren, mit anderen darüber nachdenken, ist das vielleicht die Möglichkeit, das was man im Spiegel "erkennt" und als falsch empfindet, zu verändern. Dies kann jeder für sich selbst in Angriff nehmen, dazu braucht es die unterschiedlichen KL`s nicht. Wenn man Mechanismen durchschaut, kann man gegensteuern.

>>Die religiöse Sozialisation wirkt. Hier kann nur an „vernünftige Erziehung“ appelliert werden. Wenn das aber zu nichts führt, dann hat man eben ein Problem. Wir können ja einen Verein gründen und fordern: Vernünftige Eltern für alle! Vernünftige religiöse Erziehung für alle!<<

Eben, und deshalb die heftige Reaktion auf diese Aussage von Ihnen ...

>>Oder sind das Foren, in denen Kritiker dieser Kirche, die - so mein Eindruck - Probleme mit sich haben, ihre Probleme in die Weltgeschichte posaunen?<<

Ich hörte, dass auf einem Platz vor der Kirche einige Jungen mit einem Ball spielten und ihn offenbar bewusst nach oben vor die Mauer/Fenster geschossen haben. Ich bin dann zu ihnen gegangen und habe ihnen die Gefährdung der Fenster angedeutet. Ergebnis: Ein kleiner Junge - offenbar türkischer Abstammung - kommt zu mir, tritt vor die Kirchenwand und ruft: „Sch...-Christus, hau ab.“

Der kleine Junge in Ihrem Beispiel hat "kein Problem mit sich" ... seine Aggression gegenüber dem Christentum hat Ursachen ... und die zu erkennen und dagegen zu steuern, darum geht es letztlich in den Diskussionen mit den sogenannten "Aussteigern" und Kritikern (die nicht unbedingt auch Aussteiger sein müssen).

Und wie können Eltern, eine "vernünftige Erziehung" abliefern, wenn sie selbst in der gleichen Weise religiös sozialisiert wurden?
Das geht nur mit "über den Tellerrand schauen" ...
Da in der NAK selbst wie Sie schon bemerkten die Möglichkeit der Diskussion meist nicht gegeben ist, bleibt dies nur außerhalb zu tun, dazu sind unter anderem die verschiedenen Foren und Blogs auch da. Ganz gleich, was man von diesen und seinen Teilnehmern nun hält ...

Cemper

Re: Hannover: NAK-Mitteldeutschland - Gemeinden im Umbruch?

#49 Beitrag von Cemper » 17.08.2010, 15:55

Gaby hat geschrieben:>>Ja - aber was heißt das? Sind unsere Urteile ein Spiegel?<< Zitat Cemper

"Aussteiger" oder Kritiker erzählen ihre Geschichte, zeigen was die religiöse Sozialisation in einer Glaubensgemeinschaft bei ihnen bewirkt hat (nehmen wir einmal an, das ist dann der Spiegel).
Gaby - ich halte diesen Satz für problematisch. Sozialisation und zumal religiöse Sozialisation ist nämlich eine komplizierte Geschichte.

Stellen wir uns folgende Situation vor: Ein evangelischer Pastor und seine Frau haben vier Kinder (zwei Mädchen und zwei Jungen). Der Altersunterschied beträgt jeweils zwei Jahre. Alle Kinder sind normal begabt; sie wachsen zumeist liebevoll betreut auf, werden früh zur Eigenständigkeit angeleitet, mit etwas Zwang in das kirchengemeindliche Leben integriert und zu einer positiven Sicht von Religion und Kirche angehalten. Sie besuchen ein altsprachliches Gymnasium und machen dort Abitur. Danach machen die Jungen den Zivildienst und studieren. Die Mädchen beginnen sofort ein Studium.

15 Jahre später haben wir diese Situation: Der eine Sohn ist Pastor und Mitglied der CDU. Der andere Sohn hat alles geschmissen, bezieht diverse Unterstützungen und engagiert sich in der SPD; von Gott und Kirche hält er nichts. Die eine Tochter ist Ärztin und Mitglied der Partei Die Linke; sie hat mit der Kirche auch nichts „am Hut“ und macht Kirchen für soziale Missstände verantwortlich. Die andere Tochter ist auch Pastorin geworden, sie hat aber als Vertreterin der feministischen Theologie und wegen extremer Ansichten und Praktiken kaum Aussichten auf eine Anstellung in einer Kirchengemeinde. Bei Familientreffen gibt es regelmäßig Krach. Die Ärztin (Mitglied der Linken) nennt den älteren Bruder (Pastor und CDU-Mitglied) einen angepassten Armleuchter. Der erzählt ihr, sie hätte keine Ahnung. Der Sozialdemokrat sagt: „Ihr seid beide bescheuert.“ Und das jüngste Kind - die feministische Theologin - will alle überzeugen und keiner hört zu.

Alle vier Kinder hatten unter gleichen Verhältnissen eine - wie Sie sagen - religiöse Sozialisation. Und nun?

Wir sehen an diesem Beispiel - das gar nicht lebensfremd ist - die Schwierigkeit der Verwendung des Begriffes Sozialisation. In Ihrem oben zitierten Satz verwenden Sie diesen diesen Begriff. Sie sagen oder unterstellen, „die Glaubensgemeinschaft“ würde bei den „Aussteigern“ oder Kritikern „ihre Geschichte“ bewirken. Ich meine, dass man das so nicht sagen kann. Der Begriff Sozialisation wird hier ungenau verwendet und dabei ein Instrument der einseitigen Erklärung von Verursachung und Schuldzuweisung.

Ich will dazu nur eine Anmerkung aus der Theorie machen. Ich habe hier eins dieser üblichen Lehrbücher stehen (eine Einführung in die Sozialisationstheorie). Dort wird Sozialisation als "Prozess der Entstehung und Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit in Abhängigkeit von und in Auseinandersetzung mit den sozialen und den dinglich-materiellen Lebensbedingungen“ beschrieben. Später wird dann noch ausgeführt, dass Sozialisation sich „über den Lebenslauf hinweg in Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen weiterentwickelt". Wichtig ist hier, dass wir es mit einer Entwicklung in Abhängigkeit von etwas und in Auseinandersetzung mit etwas zu tun haben.

Man macht es sich - und das ist ja immer mein Kritikpunkt - zu einfach, wenn man nur die Abhängigkeit von etwas (hier der NAK) betont. Es kommt auch auf die Auseinandersetzung mit der Umwelt (der NAK) an. Das ist auch ein Punkt in der Sozialisation. Und da ist der einzelne Mensch eben gefordert. Es ist klar, dass es der eine dabei schwerer und der andere leichter hat. Es ist auch klar, dass es unmögliche Konstellationen gibt. Ich habe vor einigen Monaten in einem Beitrag so etwas angedeutet und wiederhole kurz: Ich hatte als Schulkind mit einem neuap. Jungen aus ärmlichen und schwierigen Verhältnissen zu tun. Er wohnte in der Nähe und wir haben manchmal zusammen etwas gemacht. Sein Stiefvater - Amtsträger der NAK - hat ihn verhauen und ermahnt und angebrüllt: „Das sage ich dir als Knecht Gottes.“ Das war so richtig armselig und bescheuert - der Junge tat mir leid. Aber was ist denn aus ihm geworden? Sie werden staunen: Er ist ganz früh von zu Hause weg gegangen. Heute ist er Unternehmer mit einem beachtlichen Vermögen. Er ist immer noch neuapostolisch und unterstützt - wie ich vor Jahren hörte - seine Kirche. Und ein anderes mir bekanntes Beispiel: Der Sohn eines Bischofs der NAK wächst in ordentlicher Umgebung auf - und bringt sich um.

Und nun - was erklären Sie mit Sozialisation?
Nun hat das Gegenüber die Möglichkeit, vor dem was er im Spiegel sieht die Augen zu verschließen, wenn ihm das was er dort sieht nicht gefällt ... er kann die Situation die er dort sieht aber auch studieren und daraus lernen ... letztlich kann er sich zu dem was er dort sieht selbst ein subjektives Urteil bilden, oder aber er gaukelt sich selbst etwas vor, indem er das was ihm im Spiegelbild negativ auffällt für sich selbst negiert und dadurch für ihn in seiner Aussage abschwächt, vielleicht verhilft der Spiegel aber auch ein Stück weit zur eigenen Selbsterkenntnis, dass er einiges von dem was er dort eventuell als "kritisch" erkennt auch bei sich selbst vorfindet.
Gaby - ich bin skeptisch. Wer ist denn „das Gegenüber“? Ist das „die NAK“ - und wer oder was wäre das? Wer von den Aussteigern oder Kritikern kann denn wo wem seine Geschichte erzählen? Betrachten wir das doch mal ganz praktisch. Der Kritiker kann zu einem Gemeindenachmittag gehen und - wenn die Leute ihren Kaffee trinken wollen - seine Geschichte erzählen. Da wird man genervt reagieren und schnell nicht mehr zuhören. Er kann seine Geschichte im Einzelgespräch dem Vorsteher seiner Gemeinde erzählen. Der wird ihm vermutlich zum Gebet und zur treuen Nachfolge raten - und unser Kandidat wird einen Wutanfall bekommen. Vielleicht ergibt sich dann noch ein Schriftverkehr mit einem Leiter eines Kirchenbezirks. Das wird aber vermutlich auch nichts bringen. Und so weiter ...
Im Grunde sieht jeder in einem Spiegel etwas anderes, ein Spiegel zeigt weder Wissen noch Wahrheit ... aber wenn viele ein Spiegelbild ähnlich interpretieren, mit anderen darüber nachdenken, ist das vielleicht die Möglichkeit, das was man im Spiegel "erkennt" und als falsch empfindet, zu verändern. Dies kann jeder für sich selbst in Angriff nehmen, dazu braucht es die unterschiedlichen KL`s nicht. Wenn man Mechanismen durchschaut, kann man gegensteuern.
Ja, wenn ...
Und wie können Eltern, eine "vernünftige Erziehung" abliefern, wenn sie selbst in der gleichen Weise religiös sozialisiert wurden?
Das geht nur mit "über den Tellerrand schauen" ...
Da in der NAK selbst wie Sie schon bemerkten die Möglichkeit der Diskussion meist nicht gegeben ist, bleibt dies nur außerhalb zu tun, dazu sind unter anderem die verschiedenen Foren und Blogs auch da. Ganz gleich, was man von diesen und seinen Teilnehmern nun hält ...
Gewiss - die Aussteiger und Kritiker sollten über den Tellerrand schauen. Aber was tun die meisten? Sie holen sich aus dem Suppentopf mancher Foren eine kräftige Portion versalzene Suppe oder zerkochtes Glaubensgulasch und füllen damit ihren Teller. Guten Appetit.

C.

Agenda

Re: Hannover: NAK-Mitteldeutschland - Gemeinden im Umbruch?

#50 Beitrag von Agenda » 17.08.2010, 16:37

Was für alberne Beispiele.

Cemper, sie haben eine neuapostolische Sozialisation mit allen Gefühlen und Hintergründen nie erlebt.
Aber immer wieder erdreisten sie sich und meinen, sie müssten dazu Stellung nehmen.

Sie wirken auf mich wie ein kleiner Junge, der nicht erwachsen werden will.

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