Wiederkunft Christi - evangelisch

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agape
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Wiederkunft Christi - evangelisch

#1 Beitrag von agape » 13.12.2007, 11:30

Gibt die Bibel Hinweise auf einen konkreten Tag, an dem der Sohn Gottes zurück kommt?
Wie lässt sich die Parusie theologisch deuten?
Ist damit auch das kommende "Reich Gottes" gemeint?

Wie glaubt ein Protestant an den Satz im Glaubensbekenntnis?

...von dort wird er kommen



Quelle: Parusie Bible only

Lieben Gruß,
agape
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
Nach D.Sölle

organa

#2 Beitrag von organa » 13.12.2007, 11:56

Mal eine offizielle Verlautbarung, wenn auch natürlich sehr kurz und vereinfachend-

Im Glaubens-ABC bei ekd.de heißt es:


Jüngstes Gericht
Für die Bibel steht zweifelsfrei fest: Die Welt geht einem letzten ("jüngsten") Gericht mit Jesus als Weltenrichter (Apostelgeschichte 17,31; 2. Korinther 5,10) entgegen. Das Alte Testament spricht vom "Tag des Herrn". Er betrifft jeden Menschen ohne Ausnahme: "Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er zu Lebzeiten getan hat, es sei gut oder böse." (2. Korinther 5,10) Gott wird Gerechtigkeit schaffen und sein Recht durchsetzen. Christen müssen davor aber keine Angst haben. Ihnen gilt die Verheißung Jesu: "Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist vom Tod in das Leben hinübergegangen." (Johannes 5,24)

Wann wird der jüngste Tag kommen? Die Bibel gibt darüber keine Auskunft. Gleichwohl ist vielfach über die Jahrhunderte hinweg immer wieder der Versuch unternommen worden, das Datum vorherzuberechnen, etwa durch die Siebenten-Tags-Adventisten oder die Zeugen Jehovas, ohne dass die Berechnungen aufgegangen wären.

Quelle: Udo Hahn

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agape
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#3 Beitrag von agape » 13.12.2007, 12:54

Danke organa,
habe eben einen weiteren Text von Udo Hahn zum "Reich Gottes" gefunden:


Reich Gottes


Die Rede vom Reich Gottes beschreibt die Vorstellung im Volk Israel, dass eine Zeit bevorsteht, in der "Gott König ist" (Richter 8,23), in der es eine Herrschaft von Menschen über Menschen nicht mehr gibt. Der Blick weitet sich über Israel hinaus auf die Völkerwelt, die einen König erwartet, der Frieden und Gerechtigkeit bringt, einen von Gott gesalbten Messias. Das Neue Testament nimmt diese Aussagen auf:
"Das Reich Gottes ist mitten unter euch" (Lukas 17,21).
Was geschieht in diesem Reich?
Folgende Szene gibt darüber Aufschluss: Johannes der Täufer schickt Jünger zu Jesus mit der Frage: "Bist du der von Gott gesandte König, der Messias, mit dem das Reich Gottes beginnt?" (Matthäus ll,2f.)
Jesus beantwortet diese Frage nicht.
Er verweist auf das, was geschieht. "Blinde sehen, Lahme gehen, Kranke werden auf den Weg der Heilung gebracht." (Matthäus 11,5)
Zeichen des Anbruchs der Herrschaft Gottes sind dort wahrzunehmen, wo Menschen heil werden. Das Reich Gottes ist schon jetzt angebrochen, aber der Gebetsruf des Vaterunser - "dein Reich komme" - weist daraufhin, dass es noch nicht vollendet ist.
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
Nach D.Sölle

Gaby

#4 Beitrag von Gaby » 13.12.2007, 15:59

Hallo organa,

gibt es denn in der evangelischen Kirche so etwas wie die "Entrückung" die vor oder während der sogenannten Drangsal stattfindet wie es zum Beispiel einige Evangelikale lehren?

Gaby

organa

#5 Beitrag von organa » 15.12.2007, 13:11

Hallo Gaby,
Gaby hat geschrieben:
gibt es denn in der evangelischen Kirche so etwas wie die "Entrückung" die vor oder während der sogenannten Drangsal stattfindet wie es zum Beispiel einige Evangelikale lehren?
nein, die gibt es in der Ev. Sicht nicht. Die Offenbarung des Johannes wird in der Ev. Kirche (meines Wissens in der Kath. ebenso) nicht im eigentlichen Sinn "gedeutet", da sie nicht als prophetische Schrift verstanden wird. Vielmehr wird größtenteils davon ausgegangen, daß es sich um eine Art "Trostlyrik" für das Volk im Exil handelt.

Was die Wiederkunft Christi sowie die chronologische Abfolge der damit verbundenen Umstände betrifft, sagen die Evangelischen:
Wir wissen es nicht. Punkt.

Herzliche Grüße
organa

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agape
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#6 Beitrag von agape » 15.12.2007, 15:27

Matthäus 24,30 Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.

Matthäus 26,64 Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. Doch sage ich euch: Von nun an werdet ihr sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen auf den Wolken des Himmels.

Markus 13,26 Und dann werden sie sehen den Menschensohn kommen in den Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit.

Markus 14,62 Jesus aber sprach: Ich bin's; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels.

Offenbarung 1,7 Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen.

* * *

Es gibt neben der Offenbarung des Johannes auch noch die Evangelien.
Inwiefern aber dieses Bild, dass Jesus auf einer Wolke zurückkommt, für alle sichtbar(!), bleibt theologisch fraglich.

In der Tat kann man nicht behaupten, dass es einen konkreten Tag der Wiederkunft Christi nicht geben kann, aber man kann auch nicht sicher davon ausgehen, dass es diesen Tag gibt.
Wenn man sich in der Bibel sämtliche Stellen zum Bild der "Wolke" ansieht, lässt sich schon sagen, dass damit unterschiedliche Dinge gemeint sein können.

In der Offenbarung heißt es, dass alle ihn sehen, die ihn durchbohrt haben. Da vermischen sich direkt mehrere Zeitebenen und eine mögliche Antwort wirft zehn weitere Fragen auf.

Trotzdem interessiert es mich sehr, wie Christen unterschiedlicher Konfessionen an diesen "wiederkommenden Jesus" und an den "Tag des Herrn" glauben.

Stuttgarter Erklärungsbibel sagt zum Begriff "Tag des Herrn":

Tag des HERRN

Gemeint ist zunächst der Tag, den Gott selbst bestimmt, um einzugreifen und seinem Willen Geltung zu verschaffen.
Es ist weiter der Tag, an dem Gottes Volk erlebt, wie Gott ihm Recht verschafft und es aus der Bedrängnis durch Feinde errettet, indem er diese bestraft oder vernichtet. Die Propheten Amos und Jesaja warnen jedoch davor, diesen Tag herbeizuwünschen, weil das von Gott abgefallene Gottesvolk selbst das Gericht Gottes zu erwarten hat (Am 5,18-20; Jes 2,11-17).
Im Buch des Propheten Joel wird der Tag des HERRN in diesem Sinne zum Hauptthema. Wenn der große Tag der Abrechnung kommt, ist trotzdem noch Rettung möglich, nämlich für alle, die sich dem Herrn zuwenden (Joel 3,5; Zef 2,3), für den »Rest«, der Gott die Treue hält und ihm vertraut (Jes 10,20-23).
Nach neutestamentlicher Erwartung wird der Tag des HERRN der »Tag« des ->Herrn Jesus Christus sein, der Tag, an dem der auferstandene Gekreuzigte als ->Menschensohn und Weltrichter offenbar wird. Diesen »Herrn« gilt es daher anzurufen (Apg 2,21); vor ihm gilt es zu bestehen (Röm 2,16; 1Kor 5,5; Phil 1,6.10; 1Thess 5,2.4-5.8; 2Tim 4,8; 2Petr 1,19; vgl. auch Mt 7,22; 24,36).

In einem abgeleiteten Sinn heißt auch jeder erste Wochentag unter Christen »Tag des Herrn« (Offb 1,10). Es ist der Tag, an dem die Gemeinde sich versammelt, um der Auferstehung und Inthronisation ihres Herrn zu gedenken (vgl. Mk 16,2 par; Joh 20,19.26), das »Abendmahl des Herrn« zu feiern (1Kor 11,20; vgl. Apg 20,7) und sich immer neu und immer tiefer auf sein endgültiges Kommen auszurichten (1Kor 11,26; Mk 14,25 par; 1Kor 16,22; Offb 22,20; Hebr 10,24-25).
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
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filippo

#7 Beitrag von filippo » 15.12.2007, 15:33

Hallo Organa,

so ist es. Der katholische Glaube kennt ebenfalls keine Lehre von "Entrückung" und einer "zweiten Wiederkunft".
Die stark bildhafte Sprache vom Endgericht wird ebenfalls vor dem historischen Kontext des Schreibers gesehen. Das Bild vom Endgericht wird auch weniger als reale Gerichtsszene gedeutet, sondern als Bild dafür verstanden, das mit dem Kommen Christi das Werk, was er mit Tod und Auferstehung begonnen hat zum Abschluß kommt. Als ein Bild dafür, dass dann der Dualismus zwischen Gut und Böse endgültig beendet ist, und das Gute sich endgültig durchgesetzt hat.

Aber das alles sind und bleiben theologische Erklärungsversuche. Wie es de fakto am Ende dann wirklich ablaufen wird ....
wir wissen es auch nicht ...

Liebe Grüße
von filippo

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#8 Beitrag von agape » 15.12.2007, 15:50

Zur Bedeutung der Wolke ein kleiner Nachtrag:

Im Alten Testament ist die Wolke Symbol der Gegenwart Gottes,

während sie im Neuen Testament auf seine Vergegenwärtigung hinweist.
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
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#9 Beitrag von agape » 26.03.2008, 18:56

btw:

Zu Ostern wurde in der ev. Philippusgemeinde in Köln ein :arrow: Ostergottesdienst gehalten, der auch die Wiederkunft Christi thematisierte.

Webseite der Philippusgemeinde: Köln-Raderthal
http://www.kirche-raderthal.de/

Lieben Gruß,
agape
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42

#10 Beitrag von 42 » 27.03.2008, 13:20

Nun, agape, es gab und gibt bekanntlich ein paar Theologen, auch in der ev. Kirche, die ein paar dieser relevanten Bibelstellen persoenlich so interpretieren. Allgemeine Akzeptanz dieser eschatologischen Thematik aehnlich der NAK kannst Du daraus nicht ableiten.

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