Islam und Christen haben den gleichen Gott?

Wie alles anfing
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Heidewolf
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Islam und Christen haben den gleichen Gott?

#1 Beitrag von Heidewolf » 28.04.2010, 13:14

Unsere neue Ministerin, türkischer Abstammung und islamischen Glaubens, hat bei der Vereidigung gesagt:
'... so wahr mir Gott helfe.'

und schon gibt es einen Protest der Kirchen.

siehe hier http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 59,00.html

Ich denke, laut Bibel hat sie recht.
Nur an sich sind die jeweiligen Religionen unterschiedlich ausgeprägt und haben verschiedenartige Auslegungen.

Ist Özkans Eidesformel nicht ein Schritt zur Entspannung zwischen den Religionen und deswegen zu begrüßen?
Kann dadurch in der Konsequenz nicht sogar der eine oder andere Streit beigelegt werden?
Das sind die Weisen,
Die durch Irrtum zur Wahrheit reisen.
Die bei dem Irrtum verharren,
Das sind die Narren.

Friedrich Rückert

holytux
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Re: Islam und Christen haben den gleichen Gott?

#2 Beitrag von holytux » 28.04.2010, 14:17

Die Haltung der RKK ist durch das 2. Vaticanum eigentlich deutlich belegt. Wenn das Vertreter des Klerus immer wieder eiernd umschiffen, zeigt das wieder einmal, wie es an der Rezeption dieser Dokumente fehlt.

3. Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde5, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten. Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslimen kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

4. Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist. So anerkennt die Kirche Christi, daß nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen, bei Moses und den Propheten finden. Sie bekennt, daß alle Christgläubigen als Söhne Abrahams dem Glauben nach6 in der Berufung dieses Patriarchen eingeschlossen sind und daß in dem Auszug des erwählten Volkes aus dem Lande der Knechtschaft das Heil der Kirche geheimnisvoll vorgebildet ist. Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, daß sie durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schößlinge eingepfropft sind7. Denn die Kirche glaubt, daß Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt hat8. Die Kirche hat auch stets die Worte des Apostels Paulus vor Augen, der von seinen Stammverwandten sagt, daß "ihnen die Annahme an Sohnes Statt und die Herrlichkeit, der Bund und das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißungen gehören wie auch die Väter und daß aus ihnen Christus dem Fleische nach stammt" (Röm 9,4-5), der Sohn der Jungfrau Maria. Auch hält sie sich gegenwärtig, daß aus dem jüdischen Volk die Apostel stammen, die Grundfesten und Säulen der Kirche, sowie die meisten jener ersten Jünger, die das Evangelium Christi der Welt verkündet haben. Wie die Schrift bezeugt, hat Jerusalem die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt9, und ein großer Teil der Juden hat das Evangelium nicht angenommen, ja nicht wenige haben sich seiner Ausbreitung widersetzt10. Nichtsdestoweniger sind die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine Berufung unwiderruflich11. Mit den Propheten und mit demselben Apostel erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit einer Stimme den Herrn anrufen und ihm "Schulter an Schulter dienen" (Soph 3,9)12. Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist. Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben13, kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen. Gewiß ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, daß niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht. Im Bewußtsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle VerfoIgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Haßausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben. Auch hat ja Christus, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um der Sünden aller Menschen willen, sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen. So ist es die Aufgabe der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden.


(Aus "Nostra Aeatate", hervorhebungen von mir)

Alle 3 Religionen beten sehr wohl den gleichen Gott an. Oder war der Gott der Juden VOR Christus etwa ein Anderer? Wenn doch endlich mal die Profilneurotiker im Christentum ein wenig nachdenklicher werden würden...
"Wenn alle Liebe Ewigkeit will - Gottes Liebe will sie nicht nur, sondern wirkt und ist sie."
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Re: Islam und Christen haben den gleichen Gott?

#3 Beitrag von holytux » 28.04.2010, 14:29

Ich sehe gerade, mich etwas korrigieren zu müssen.
Die unqualifizierten Äußerungen kamen aus der Etage der "Sprecher".
Das ist eher verzeihlich. Die Vertreter der Geistlichkeit äußern sich kompetenter.

:mrgreen:
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agape
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Re: Islam und Christen haben den gleichen Gott?

#4 Beitrag von agape » 28.04.2010, 15:44

Es hätte im Titel eigentlich heißen müssen:

"Haben Moslems und Christen den gleichen Gott
?"
oder
"Hat der Islam und das Christentum das gleiche Gottesbild?"

Das hat hier nichts mit Korrekturwut zu tun - trotzdem "Pardon" ;)


Ich finde die Fragen sehr wichtig,
wenn man aber das Thema auf die Politik des Inneren beziehen will, (Schule, Bildungsauftrag, Bildung, Integration, Ethik, etc)
ergeben sich aber wieder ganz andere Schwerpunkte bei den Fragen.
Da hilft dann auch der 2. Vatikanum nicht mehr weiter. :- )

Wenn man aber nun noch in den monotheistischen Trialog einsteigen wollte,
müsste man die Frage natürlich nochmals anders stellen.

Lieben Gruß,
agape
Zuletzt geändert von agape am 28.04.2010, 15:48, insgesamt 1-mal geändert.
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weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
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Re: Islam und Christen haben den gleichen Gott?

#5 Beitrag von _ » 28.04.2010, 15:46

Heidewolf hat geschrieben:Unsere neue Ministerin, türkischer Abstammung und islamischen Glaubens, hat bei der Vereidigung gesagt:
'... so wahr mir Gott helfe.'

und schon gibt es einen Protest der Kirchen.
aaaach, hätte sie gesagt "so wahr mir allah helfe," wäre der protest doch noch größer gewesen. siehe die letzten tage, als sie vorschlug, religiöse symbole wie kopftuch und kruzifix hätten in schulen nichts verloren - womit sie sich vollkommen im einklang mit der verfassung, aber offenbar nicht im einklang mit ihren parteikollegen, angeblichen "christlichen demokraten", befand...

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agape
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Re: Islam und Christen haben den gleichen Gott?

#6 Beitrag von agape » 28.04.2010, 15:51

Eben. Sie verhält sich völlig verfassungsgetreu.

Der "Wirbel" ist aus verschiedenen "Strömungen" mal wieder hochgejubelt.
Unnütz und vollkommen am Thema vorbei - sogar von kirchlichen halbwegs sachlichen Nachrichtendiensten. ;)
Leider.
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Re: Islam und Christen haben den gleichen Gott?

#7 Beitrag von shalom » 28.04.2010, 16:43

[color=red][ = > UFONLINE von MYBISCHOFF ][/color] hat geschrieben: »So wahr mir Gott helfe« (28. April 2010)

Hannover. Ein Kreuz soll nicht verpflichtend, aber auch nicht verboten sein. Insofern stellt sich gemäß Karlsruher Kruzifixurteil die Frage nach einem Entfernen erst gar nicht.

Die Gleichsetzung von Allah und Gott ist in Kirchenkreisen unterdessen höchst umstritten.

Werter Helfer, liebe Geholfene,

auch die neuapostolischen Gebietskirchen gehören zu den Kirchenkreisen (die NaKi weniger, denn sie ist ja keine Kirche mit Gläubigen, sondern nur einer der Apostelgeber-Dachverbände). Im Blankeneser Kruzifixurteil der Selbstjustizapostel war die Sache klar und einfach. Kreuz ab. Amen.

Die Gleichsetzung von neuapostolischem Apostelamtskörper und Selbstbildemblemen / Botschaften göttlichen Charakters ist in Kirchenkreisen nicht unumstritten (na-amtliches Versiegelungszeichen).

BfB (Betet für Brinkmann)

shalöm

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Stammapostelgottesdienst am 25. Mai 2006 in Hannover-Mitte

#8 Beitrag von agape » 28.04.2010, 17:03

Emblemkreuz der NAK
Das ja nun sowieso !!! ;)

Hier in H-Mitte soll das Oberhaupt der NAK sinngemäß gesagt haben (ich zitiere aus dem Gedächtnis) :
Jetzt habt ihr auch ein Kreuz am Altar, damit ihr wisst wo ihr seid!
;)

Sorry, für den kleinen unbedeutenden Exkurs ;)
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uhu-uli

Engel der Kulturen

#9 Beitrag von uhu-uli » 28.04.2010, 19:06

Hallo Agape,

die Lösung liegt direkt vor deinen Füßen :-)

Wie wäre es denn mit diesem Engel
Ich finde dieses Symbol sehr gelungen ...

Es verbindet und ermutigt sich vertraut zu machen und kennenzulernen ...

Uli

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Re: Islam und Christen haben den gleichen Gott?

#10 Beitrag von agape » 28.04.2010, 19:38

Liebe Uhu-Uli,

vielen Dank - toller Link - schöne Bilder! : -)
Letztens war ich noch in einer Weltreligionen-Ausstellung.
Im Grunde wird man immer wieder an Küngs "Weltethos" erinnert
und an die Worte von Bischof Tutu.
Die Anschauungen dazu laufen diametral auseinander - besonders bei den Christen.

Ich möchte gerne einen Satz hier hin stellen und Deine /Eure Meinung dazu hören:

"Christinnen und Christen können von Gott nur reden,
indem sie Jesus Christus in den Mittelpunkt stellen.
In ihm hat Gott sich den Menschen gezeigt."


Ist das so?
Quelle
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