NAK Köln: De Kölsche Büttenpredigt von Apostel Otten

Alles rund um die Sondergemeinschaft Neuapostolische Kirche (NAK), die trotz bedenklicher Sonderlehren (u.a. Versiegelung, Entschlafenenwesen mit Totenmission, Totentaufe, Totenversiegelung und Totenabendmahl, Heilsnotwenigkeit der NAK-Apostel, Erstlingsschaft, ..), weiterhin "einem im Kern doch ... exklusiven Selbstverständnis", fehlendem Geschichtsbewusstsein und Aufarbeitungswillen, speziell für die Zeit des Dritten Reiches, der DDR, der Bischoffs-Botschaft ("... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. ..."), sowie ihrer jüngsten Vergangenheit und unter erheblichem Unmut ehemalicher NAK-Mitglieder, auch Aussteiger genannt, die unter den missbräuchlichen Strukturen und des auf allen Ebenen ausgeprägten Laienamtes der NAK gelitten haben, weiterhin leiden und für die die NAK nach wie vor eine Sekte darstellt, im April 2019 als Gastmitglied in die ACK Deutschland aufgenommen wird.
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Dieter

#61 Beitrag von Dieter » 19.02.2010, 12:50

Lieber Cemper,

danke für Ihre ausführliche Darstellung. Zum Teil kann ich sie nachvollziehen, zum Teil fällt es mir etwas schwer. Aber sei es drum. Ich möchte hier auch nicht die 327te Diskussion über das Opfer in der NAK lostreten. Zumal ich seit einigen Jahren ausgetreten und seit einem Jahr Mitglied der Evangelischen Kirche bin.

Doch bitte ich Sie, bei aller eventuell vorgenommenen Verteidigung der NAK zu beachten, daß diese in ihrer Lehre sehr oft mit unterschwelligen Botschaften arbeitet, die eine aussenstehende Person gar nicht erkennt. Ich weiß wovon ich rede, denn ich kenne Personen, die im Erwachsenenalter neuapostolisch wurden und im Prinzip Ihre Argumentation führen. Sie verstehen gar nicht, warum man sich über harmlos klingende Äusserungen aufregen kann. Logisch, ihnen wurde die NAK-Lehre ja auch nicht mit der Muttermilch eingeflösst. Und so kann eine solche Person ganz anders damit umgehen. Oder sie "überhört" diese Botschaften, weil ihr Trigger nicht darauf gesetzt ist.

Daher verteidigen diese Personen (oder Sie) gelegentlich die NAK. Weil es für einen Außenstehenden einfach nicht zu verstehen ist, wie tief verwurzelt das System NAK in einem Menschen sein kann. Und noch weniger, was es dort für Gedankengänge bewirken kann. Deshalb ist es kein Vorwurf an Sie, wenn Sie die NAK auch mal verteidigen. Aber versuchen Sie einmal zu verstehen - Sie sind schon lange in NAK-Foren unterwegs und haben manches mitbekommen - wie ein NAK-Mitglied (ob aktiv oder ausgetreten ist mal nebensächlich) mit Äusserungen eines Herrn Zeidlewicz wohl umgehen bzw. was diese in ihnen auslöst.

Wie gesagt, bei meinem Sohn haben diese Aussagen zur totalen Abwendung geführt. Und andere würden sagen: Jawohl, recht hat der Apostel. Es ist wichtig, erst zu opfern. Ich hab es in meiner Kindheit und Jugendzeit immer und immer wieder gelehert bekommen. Und daher braucht man es nicht immer wieder erklärt bekommen. Ein unterschwelliger Hinweis reicht, um es wieder hochkommen zu lassen und in Erinnerung zu rufen. Und genau das macht Herr Zeidlewicz, indem er das Opfer in Erinnerung ruft. Er muß nicht lange ausführen, daß gute Werke nicht mehr wert sind. Das wurde den Zuhörern schon oft und oft gesagt. Es reicht, wenn er wieder einen kurzen Trigger darauf setzt.

Daß es meiner Ansicht nach unmoralisch ist, gute Werke als weniger wertvoll zu klassifizieren wie eine unpersönliche Spende an eine Institution wie die Kirche, sei gar nicht mal besonders erwähnt. Trotzdem wirkt es auf mich wie wenn Herr Zeidlewicz dem Samariter noch hätte sagen wollen, daß es besser gewesen wäre das Geld in den Tempel zu bringen, als daß er es für einen ihm auch noch Unbekannten ausgegeben hat, nur damit dieser wieder gesund wird.

Schöne Grüße ins Wochenende
Dieter

Cemper

#62 Beitrag von Cemper » 19.02.2010, 14:27

Dieter - vielen Dank.

Die beschriebenen Mechanismen wird es wohl geben. Ich bestreite das nicht. Nur: Das ist doch ganz natürlich. Diejenigen, die in einer Kirche "von Amts wegen" über das Thema Opfer sprechen, sind von ihrer neuap. Sozialisation geprägt und unterliegen einem innerkirchlichen Konformitätsdruck. Diejenigen, die die Rede hören, erfassen sie entsprechend ihrer religiösen Sozialisation. Oft wird es so sein, dass der Sender nicht anders senden und der Empfänger nicht anders empfangen kann. Wenn der Sender oder der Empfänger diesen Kreislauf verlässt, muss mit Rauschen gerechnet werden. Aber das ist wohl - es sei nochmals gesagt - normal. Es gibt so etwas wie einen "kirchlichen Stallgeruch" und "religiösen Dialekt". Das hängt drin. - In meinem Bekanntenkreis sind zwei Pastoren mit Problemen aus der Kindheit. Sie sind unter dem Einfluss der Großväter aufgewachsen. Beide Großväter waren Laienprediger in kleinen Religionsgemeinschaften. Beide Pastoren haben in einer gewissen Protesthaltung gegenüber den Großvätern Theologie studiert. Und sie setzen sich noch heute - 20 Jahre nach dem Tod der Großväter - mit diesen Männern auseinander.

Sie schreiben, ich sei "schon lange in NAK-Foren unterwegs" und hätte "manches mitbekommen". Ich würde das gern präzisieren: Ich bin durch einen menschlich tragischen Umstand auf das frühere GK-Forum gestoßen. Es gab Probleme mit einem jungen Mann aus der Neuap. Kirche; einige Recherchen hatten dann in dieses Forum geführt - und ich hatte mich dort registriert. Zum Zeitpunkt der Einstellung des alten Forums habe ich aufgehört. Aber dann hat mich einer der Administratoren des Nachfolgeforums einfach freigeschaltet - und dann war ich wieder drin. Und hier - in diesem Forum - habe ich mich dann auch angemeldet; einige der Mitglieder kennt man ja aus dem alten Verein.

Sonst habe ich aber nichts mit der NAK-Forenwelt zu tun. Ich habe mal hier und da reingeschaut und manchmal an einen Pastor gedacht, mit dem ich öfter Gottesdienst-Termine habe (wg. der Organistendienste). Dieser Pastor hat mir mal gesagt: "Heinrich, ich bin immer froh, wenn ich in der Kirche mal vernünftige Leute treffe." Und so ähnlich geht es mir manchmal in der Forenwelt. Da sind ja einige Kameltreiber unterwegs ... das tut ja weh. Aber auch da kann ich nur sagen: So etwas gibt es überall. In der hiesigen Universitätskirche gab es lange Zeit eine Frau mittleren Alters, die regelmäßig die Gottesdienste besucht hat. Von wenigen Ausnahmen abgesehen hat sie den Predigern - meistens kamen die aus der Theologenfakultät - lange Abhandlungen zur Predigt geschickt und schon in der Anrede signalisiert, woher der Geist weht. Etwa so: "Herr Professor X, Sie Mitglied des Otterngeszüchtes, Sie vollgefressener Bauchredner ..." Einmal bin von oben - von der Orgel - nach unten gegangen und wollte mir von unten die Predigt anhören. Zufällig saß ich dann neben dieser Frau. Raten Sie mal, was die während der Predigt gemacht hat - die hat mich immer angefasst und gekratzt. Wie eine kleine Katze.

Nun ja - so ist das manchmal in Kirchen und auch in den Foren.

Ein schönes Wochenende.

Ihr Cemper

PS: Es ist uns übrigens gelungen, die Frau an eine andere Kirche zu verfrachten. Jetzt kaspert sie da rum. :roll:

Adler

#63 Beitrag von Adler » 19.02.2010, 16:53

Ein kleiner Einwurf zum Thema NAK-Opfer:

O-Ton eines Bez.evangelisten, im Verlauf eines Familienbesuches:

"Wer nicht zehn Prozent opfert, hat nicht hundert Prozent Glauben ... "


LG Adler

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August Prolle
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#64 Beitrag von August Prolle » 19.02.2010, 16:53

[05.04.2010: Formatierung wiederhergestellt - A.P.]

Exkurs: Opfergrammatik

Manche spenden das Opfer, andere den Opfern. Während beim Opfern somit einige eher den Akkusativ bevorzugen, neigen andere dem Dativ zu. Was ist richtig? - Dieses belanglos erscheinende Grammatikproblem entpuppt sich bei näherer Betrachtung als theologische Grundsatzfrage, die in der hier diskutierten "Büttenpredigt" bekanntlich wie folgt beantwortet wurde:
Es ist wichtig zwischen Opfer und guten Werken zu unterscheiden. Angesichts der gegenwärtigen Naturkatastrophen spenden manche freudig für die Opfer. Solche Spenden sind unzweifelhaft ein gutes Werk. Sie können aber das Opfer nicht ersetzen, sondern nur daneben treten.
Damit zieht der Dativ wieder einmal den Kürzeren: Das Opfer zu geben (Akkusativ) ist ein Muss - den Opfern zu geben (Dativ) hingegen nicht. Die Brisanz dieser Aussage liegt in deren Konsequenz, denn die grammatische Struktur des Segens ist natürlich streng an die des Opfers gebunden: Wer das Opfer gibt, erhält den Segen. (Beides ein Fall des vierten Falles.) Wer jedoch den Opfern (Dativ) gibt, erhält lediglich dem Segen, dem er gibt. In diesem Fall geht der Opferer des Segens verlustig. Da dies zugunsten der Opfer geschieht, muss der Dativ als die uneigennützigere Form der Opferausübung betrachtet werden. - Fazit: Rettet dem Dativ! Und:
  • Opfert das Opfer den Opfern!
:mrgreen:
Zuletzt geändert von August Prolle am 05.04.2010, 19:29, insgesamt 1-mal geändert.

rfw
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#65 Beitrag von rfw » 19.02.2010, 19:14

Cemper hat geschrieben: Nun ja - so ist das manchmal in Kirchen und auch in den Foren.
Ja, manchmal ist das so und so. Manchmal auch anders. Das liegt daran, dass die Dinge anders sind, wenn sie nicht so sind, wie sie sind. Das ist überall so.

Ich dachte daran, dass mir meine NAK ein gefühltes Leben lang in Aussicht gestellt hat, dass wir dermaleinst zum Scheitern verurteilte Namenschristen, wie z.B. Sie, im Tausendjährigen Friedensreich mit eisernem Stabe weiden dürfen. Wenn man so einen Lebenstraum aufgeben muss, wird man schon irgendwie komisch.
Die anderen sind aber immer noch so. Wie überall.

Auch von mir ein schönes Wochenende oder länger.
LG
win
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evah pirazzi
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#66 Beitrag von evah pirazzi » 19.02.2010, 23:18

August Prolle hat geschrieben:...Damit zieht der Dativ wieder einmal den Kürzeren

Wer das Opfer gibt, erhält den Segen. (Beides ein Fall des vierten Falles.)
Dieser vierte Fall, ist er Zufall, oder Verfall, gar ein Unfall, oder vielleicht sogar ein Glücksfall, …?

Im Falle eines Falles heilt "opfern" wirklich alles?
Cemper hat geschrieben:...Ich habe aber manchmal den Gedanken, dass die „Institution Opfer“ einen tieferen Sinn haben könnte und tatsächlich in einem Zusammenhang mit „Segen“ stehen könnte.

Ich erwähne das, weil es menschliche Verhaltensweisen gibt, die nicht gut sind - und darauf liegt dann kein Segen. Ich bin davon überzeugt, dass man Segen oder Nichtsegen wirklich erfahren kann.
Natürlich, logisch, dass nach dem Ursache-Wirkung-Prinzip bestimmte Verhaltensweisen entweder "Segen" oder "Fluch" nach sich ziehen.

Wenn ich Kinder in die Welt setze und sie dem Zufall überlasse, wird es kaum eine segensreiche Entwicklung geben.
Wenn ich entstehenden Abfall nicht entsorge, fängt es an zu stinken, die Wohnung vermüllt und Krankheiten breiten sich aus, der Segen bleibt aus.
Wenn ich mich nicht mehr wasche, mich dem Verfall hingebe, wirkt sich auch das nicht segensreich auf mich, meine Gesundheit und meine Umgebung aus.

Was ich damit andeuten will ist: Es gibt Verhaltensweisen, die Positives bewirken und damit segensreich sind für mich, den Verursacher, aber auch für den Nächsten.

Ob aber die Abgabe des Zehnten von "allem" dazugehört und, außer für den Empfänger, automatisch Segen nach sich zieht, bezweifle ich. Da werden Begriffe (bewusst?) falsch verwendet und das "Ursache-Wirkung-Prinzip" nach dem "Der-Zweck-heiligt-die-Mittel-Prinzip" entfremdet.

Das allein ist immer wieder der Aufreger, nicht die Tatsache, das Geld für die Kirche notwendig ist.

Und ob dieser Beitrag segensreich ist für mich und die, die ihn lesen? Ich weiß es nicht. Fest steht: Ein Opfer war es nicht - für mich... :mrgreen:

Ich werde vielleicht mal versuchs- und verschenweise die Abwandlung eines altbekannten Liedes bei den Um- und Neugestaltern der Chormappe einreichen:

Ich bete an den Fall des Falles…

3. Für dich sei ganz mein Gut und Leben,
Mein süße Kirch’, und ganz mein Zehnt.
Für dich hat’s Gott zuvor gegeben;
Bei dir ruht’s gut, was du ersehnt.
Glücksfall des tiefen, vierten Falles,
Heil dir, denn du bedeutest alles.




Und jetz les’ ich die Brechtrommel von Günther Frass

Bild
[i][size=75]"... Ich bin einerseits sehr froh, dass ich diesen Gedanken aussprechen kann, auf der anderen Seite fällt es mir auch nicht schwer..."
(Bap Klingler - Neujahrsgd 2009)[/size][/i]

shalom
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#67 Beitrag von shalom » 20.02.2010, 08:41

…da gibt es noch den Spezialfall, den "Nakkusativ", ein (Akku), der nie schlapp macht. Bei den wiederaufgerichteten neuapostolischen Opferkultaposteln gibt es – ähnlich wie zu Urzeiten – noch mehr Fälle. Ich vermute, dass der neue neuapostolische Bezirksapostelglauben (DNG) dereinst mit geheiligter siebenfacher Fallzahl daherkommen wird.

Im neuapostolischen Opferkult spielt für die Begünstigten na-türlich der (urkultliche?) Nehmfall eine zentrale wortkirchensprachliche Rolle („Gib mir zuerst“). Im Ablativ können die leibhaftigen Selbstbilder ihr Superpositionsprinzip voll zu Sprache bringen.

Darüber hinaus spielt im Naktionalismus der Vokativ eine zentrale Rolle. O Gott!

Und dann gibt es noch den siebenten neuapostolischen Fall. Das ist der tiefe Fall der Botschaft(er). Ein absoluter Sonderfall, der Klippschule machte („Heil des schweren, tiefen Falles“?).

„Geben und nehmen“ – Kirche im Handel...falls… :wink: .

shalom

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agape
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Bravo!

#68 Beitrag von agape » 20.02.2010, 10:17

Wer ist bei dieser nachhelfenden Deutschstunde von Ap und shalom nicht geneigt, einmal ein zartes "Bravo" zu rufen. ;)
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
Nach D.Sölle

Cemper

#69 Beitrag von Cemper » 20.02.2010, 11:07

Gleichwohl zwei Fragen:
Jesus sprach Aramäisch; gibt es dieses Problem auch in Aramäisch?
Und die andere Frage: Spricht Gott Deutsch?

Knodel

#70 Beitrag von Knodel » 20.02.2010, 12:28

Cemper hat geschrieben:Gleichwohl zwei Fragen:
Jesus sprach Aramäisch; gibt es dieses Problem auch in Aramäisch?
Und die andere Frage: Spricht Gott Deutsch?

Keine Ahnung Cemper, aber hoffentlich Klartext.

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