Theodizeefrage

Für Zweifler und andere gute Christen
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simpel

#11 Beitrag von simpel » 14.01.2010, 20:22

Ich verstehe diesen Gott nicht.
Trotzdem ist er für mich kein Placebo, da ich ihn tausendfach in meiner Wirklichkeit erlebt habe.

Lieber Dieter,
für deinen Freund habe ich gebeten - mehr kann ich nicht.

dietmar
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#12 Beitrag von dietmar » 14.01.2010, 20:57

Lieber Dieter,
aufgrund meiner Erfahrungen,überprüfe ich derzeit das Gottesbild, das mir vermittelt wurde.-deshalb benötige ich auch dafür derzeit kein Haus, keine Organisation. Ich bezweifle , ob all die Dinge, die geschehen, sich ereignen, von Gott zugelassen sind. Sie gehören zu unserem Leben, mit sehr viel Eigenverantwortung der Menschen. Sicher bin ich, dass Gott Kraft gibt, das Leben, auch in seinem Sinn, zu bewältigen.. und zu genießen.

Dankbar sein, dafür wie es war, zufrieden sein, damit wie es ist...
sagt mir meine Ärztin immer wieder..und bedenken,dass keiner hier bleibt. Schauen, was will mir der neue Tag bringen, auch, was will mir Gott mit diesem Tag eventuell sagen, neugierig, lernbegierig..nicht hadernd.Wir haben in allen Situationen genügend Anlass um uns über etwas zu erfreuen. - Soweit Frau Doktor heute am 14.1.2010

Dieter, deine Fragen ergeben sich nur mit/unter einem ganz bestimmten Gottesbild/Gottverständnis. Deshalb kann ich da direkt wenig darauf eingehen und nur eine Zwischenstation auf meinem Weg schildern.

Wir haben oft gesungen,du Dieter,ich u.v.a. Ich bin ein Gast auf Erden,mein bleiben ist nicht hier....usw. Aber dieses Lied in depressiver Grundhaltung,mit negativen ,lebensfeindlichen Äusserungen singe ich nicht mehr,mags nicht mehr hören.

Aber ich bin ein Gast, ja ein Gast und dies gerne, geniese diesen Gaststatus, aber bin mir bewusst dies ist nicht von Dauer..Wie lange? weiß ich nicht..Aber im Gastland gefällt es mir, viele Jahre konnte ich geniessen. zur Zeit weniger...Bin dennoch gerne Gast und wenn mein Gastaufenthalt endet, morgen, nächste Woche, in vielen Jahren, dann war es gut hier gewesen zu sein. Vielleicht sagen das auch ein paar von mir, war gut dass er hier war.

In der Zuversicht, dass danach ...was auch immer..das kommt, was Gott für mich bereitet hat. Und darüber kann ich mich auch heute freuen..auch in den schweren Situationen des Lebens..hoffe du verstehst ein wenig....
vielleicht ein andermal mehr..liebe Grüße

42

#13 Beitrag von 42 » 15.01.2010, 00:22

Dieter, diese Frage kann einen sehr beschaeftigen. Ganz besonders beschaeftigt sie jemanden, der sehr unmittelbar von einer solchen Situation betroffen ist oder mit so jemandem eng verbunden ist.

In der Dogmatik koennen Theologen herleiten, dass kein Widerspruch zur Annahme eines allguetigen Gottes besteht. Ich kann jedoch nicht behaupten, dass solche stringente Logik - oder der Versuch dazu - einem so dringend fragenden Menschen die rechte Antwort liefert. Diese Herleitungsschritte entsprechen eher dem Schema einer mathematischen Beweisfuehrung. Ein promovierter Mathemetiker versteht dies bestimmt viel leichter als der gemeine Glaeubige.

Andere Theologen stehen wie Du und ich vor einer im Grunde ungeloesten Frage. Und nun?

Ich ahne, dass es nur zwei Alternativen gibt: das Vertrauen in Gott "dennoch" zu bewahren versuchen, oder es verlieren. Ich wuensche jedem, der sich mit dieser Frage beschaeftigt, dass er sein Vertrauen bewahren kann.
Zuletzt geändert von 42 am 15.01.2010, 10:38, insgesamt 1-mal geändert.

Dieter

#14 Beitrag von Dieter » 15.01.2010, 08:11

@all

ich danke Euch für Eure mutmachenden Beiträge und die Gebete. Es hat mich wirklich bewegt, Eure Anteilnahme zu verspüren.

Ich möchte noch dazu Stellung nehmen, doch fehlt mir im Moment die Zeit dazu. Aber ich möchte mich wirklich bei jedem von Euch für Eure Anteilnahme bedanken. Es fällt manches Mal schwer, den Glauben an einen guten und gerechten Gott nicht zu verlieren und das Vertrauen zu behalten. Aber ich arbeite daran.

Vielen Dank euch allen und ein schönes Wochenende
wünscht Euch
Dieter

Anne

#15 Beitrag von Anne » 15.01.2010, 16:15

Lieber Dieter,

deine Zeilen sind mir zu Herzen gegangen; ein bisschen kenne ich dich ja nun schon und weiß, wie du mit Anderen mitgehst und mitfühlst...

Vorhin habe ich ein langes Gespräch mit einer Pastorin geführt, die ich immer "Wonne-Pastorin" nenne, weil man ihr in vielerlei Hinsicht so gut begegnen kann. Sie hat ein unglaublich mitfühlendes Herz und zugleich einen so scharfen Verstand, dass es einem schon mal die Sprache verschlagen kann. Und weißt du, in ihrem Mitfühlen, ihrem Mitgehen mit unzähligen Menschen, die sich an sie wenden, habe ich jetzt schon einige Male erlebt, wie sie fast (sinngemäß) auf den Boden gestampft hätte. Es sind die Momente, in denen Unrecht spürbar wird; die Momente, in denen man nach Gott fragt und das "Warum!?" laut wird. Es sind die Momente eigener Fassungslosigkeit - gerade dann, wenn man sich so bemüht hat.

Dieter, mir ist es so sympathisch, wenn bei allem Glauben das menschliche (Mit-)Empfinden nicht verloren geht, wenn die menschliche Seele sich regt und auch mal protestiert. Und manchmal denke ich, dass es diese glaubenden und sich regenden Männer und Frauen braucht, die nicht alles akzeptieren, sondern aufstehen und...

Ich weiß nicht, war es Dorothee Sölle, die davon schrieb, dass sie Gott gerne manchmal "am Kragen gepackt hätte"...?

Wie auch immer - in deiner / eurer Situation werdet ihr irgendwann wissen, ob ihr kämpfen und streiten könnt/solltet, oder ob für euch mehr Hilfe darin liegt, Gott wieder zu suchen ... oder ihn nur (wieder) zu "empfangen" - wie auch immer es weitergeht.

Alles Liebe und viel Kraft für dich und alle, die dich umgeben,
Anne

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