Theodizeefrage

Für Zweifler und andere gute Christen
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Dieter

Theodizeefrage

#1 Beitrag von Dieter » 14.01.2010, 13:48

Liebe Fories,

aufgrund der Erkrankung meines guten Freundes an einem normalerweise kaum zu heilenden Tumor macht man sich über vieles Gedanken. So auch darüber, wie Gott es zulassen kann, daß ein guter Mensch mit einer solchen Krankheit geschlagen ist. Oder wie es sein kann, daß selbst Kinder, die Unschuld in Person, an Krebs erkranken können. Oder wie bei Naturkatastrophen zigtausende Menschen von einem auf den anderen Augenblick vom Leben zum Tode kommen.

Ich möchte jetzt ganz bewußt keinen langen Einstiegsbeitrag abgeben, sondern einfach einmal die Frage in den Raum stellen:

Wie kann Gott Leid zulassen, wenn Er doch die Liebe verkörpern sollte? Und wenn er es nicht verhindert, was sind Seine Gründe dafür?

Gaby

#2 Beitrag von Gaby » 14.01.2010, 14:22

Lieber Dieter,

ich glaube, Cemper stellte folgenden Link irgendwann einmal ein ...

http://www.dober.de/religionskritik/kuengtheodizee.html

Es bleibt uns letztlich nur zu vertrauen, dass alles irgendwie einen verborgenen Sinn hat ... und ...

>>dass Gott auch dann noch, wenn das Leiden scheinbar sinnlos ist, verborgen anwesend bleibt;
dass Gott uns zwar nicht vor allem Leid, wohl aber in allem Leid bewahrt<<

Ich wünsche Dir das nötige Fingerspitzengefühl in der Begleitung Deines Freundes und Deinem Freund genügend Kraft sein Schicksal anzunehmen, wie immer es ausgehen wird.

liebe Grüße

Gaby

Hannes

Re: Theodizeefrage

#3 Beitrag von Hannes » 14.01.2010, 15:26

Dieter hat geschrieben:Wie kann Gott Leid zulassen, wenn Er doch die Liebe verkörpern sollte? Und wenn er es nicht verhindert, was sind Seine Gründe dafür?
Lieber Dieter,

lassen wir jetzt einmal alle Gefühle beiseite, ja. Ich weiß aus eigener jahrelanger Erfahrung, was das heisst ... und jetzt sage ich Dir meine ungeschminkte Glaubens-Wahrheit:

Gott lässt ein sehnlichst gewünschtes Baby sterben, nach 2 Tagen Leben. Er nimmt 3 kleinen Kindern bei einem Autounfall die Eltern. Er sieht zu wie ein Frau 5 Stunden von 6 Männern vergewaltigt wird (endet lebenslang in der Psychiatrie) ... und: dieser Gott lässt seinen Sohn am Kreuz elendiglich verrecken ("Mein Gott, warum hast Du mich verlassen").

Und am Ende dieser Aufzählung (alles Erlebnisse aus meinem Umfeld) sind wir wieder am Anfang: Dieser Gott schaut nur zu ... scheinbar. Aber eben auch nicht - nur ist das alles für uns nicht nachvollziehbar. Sein Plan. Sein Ding.

Dieser Gott ist ein Gott, der, als er Mensch wurde, schon keinen Platz bekam (ausser in einem stinkenden Stall - wo sind wir geboren?), dann als Kleinkind verfolgt wurde (Kinder wurden dafür geopfert) und das Ende war wieder Blut, Dreck, Angst ...

Aber: hinter dem Ende steht er dann ... im günstigsten Fall mit offenen Armen. Das ist die Hoffnung, die trägt - alles andere muss man durchleben. So wie es der menschgewordene Gott auch alles durchleben musste. Mal schönes, mal nicht so schönes, viele Schmerzen ... und das Sterben.

Verstehst Du mich? Wir können (nur) dastehen und den Menschen begleiten und gemeinsam mit den Leidenden Hoffnung und Trost suchen - alles andere sollten wir (möglichst bald) in Gottes Hände legen. So wie Christus: "Aber nicht mein, sondern Dein Wille geschehe." Das beten wir ständig und immer wieder - ganz laut und im Brustton der Überzeugung ... manchmal muss man dann das aber auch machen. Dann wird dieser Gott irgendwo vorkriechen ...

Ich wünsche Euch von ganzem Herzen einzigartige Gottes-Erfahrungen - trotz dieser Umstände!

HG - Hannes


ps: Einmal in Auschwitz, als ein Kind am Galgen einen langen Todeskampf vor Zusehern kämpfte, schrie einer: "Wo ist Gott?" Und ein anderer sagte: "Da vorne hängt er!"

Hannes

#4 Beitrag von Hannes » 14.01.2010, 15:28

Und Dieter, wenn ich das hier gefühlsmäßig betrachte, und das macht Mensch so, dann könnte ich nur noch kotzen und möchte diesen Gott anbrüllen ... er hält das aus!

Maximin

WAS MIR KRAFT GIBT...!

#5 Beitrag von Maximin » 14.01.2010, 16:10

Hannes, in den vielen verschiedenen christlichen Gemeinden wird Sonntag für Sonntag gebetet: „...nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ Ich glaube übrigens nicht, dass alle Leute das ehrlich beten. Ist es nicht vielmehr so, dass wir insgeheim genau etwas anderes haben wollen (?): „...mein Wille geschehe!“

Wenn man die dahinterstehenden Motive aufrichtig und anteilnehmend bedenkt, dann wird das jeder vernünftige Mensch verstehen. Ich übrigens auch! Hat für mich auch viel mit Gottesfurcht, Aufrichtigkeit und Nächstenliebe zu tun.

Für mich löste sich dieser Glaubenszwiespalt auf, als ich in anderen als der Neuapostolischen Kirche erlebte, wie die versammelte Gemeinde einstimmig die unterschiedlichsten Fürbitten mit den Worten auf den Glaubensaltar niederlegte: „Wir bitte dich, erhören uns...!“

Na klar kann ich dieses Glaubensopfer auch für mich allein in meinem Gartenhaus aussprechen, während gleichzeitig ein mir lieber Angehöriger mit seinen Schmerzen oben im Bett fürchterlich leidet...

Der für mich wichtige Unterschied ist der, dass ich in der Kirchengemeinschaft, welche auch immer, mit meinen Fürbitten nicht alleingelassen bin. Dann, wenn ich die Gemeinschaft, also den Beistand anderer, annehmen kann.

Liebe Grüße vom Micha

Gaby

#6 Beitrag von Gaby » 14.01.2010, 16:51

nicht mein, sondern dein Wille geschehe ...

ich denke in diesem Moment wo das gebetet wird oft ... bitte lass mich Deinen Willen annehmen können ....

Maximin

WAHRHAFTIGKEIT BEURTEILT NUR EINER...!

#7 Beitrag von Maximin » 14.01.2010, 16:56

:) ... ach Gaby! Du bist so erfrischend aufrichtig und ohne Wut. Ich glaube Dir das. Alle heiligen Engel (s) (weiterhin) mit Dir und mit allen die Du liebhast... Micha :wink:
Zuletzt geändert von Maximin am 14.01.2010, 21:45, insgesamt 1-mal geändert.

Hannes

#8 Beitrag von Hannes » 14.01.2010, 18:27

Micha, Du sanfter Haudegen, Du warst doch bestimmt auch im Chor früher (vorletzte Reihe, 4. von links) ... erinnerst Du Dich noch an mein Lieblingslied:

Herr schicke was du will(s)t
ein Liebes oder Leides -
ich bin vergnügt dass beides
aus deinen Händen quillt.


(und das ist jetzt nicht von Bruder August ... Bild)

Mein lieber Herr (Gesangsverein) ...
Hannes

Maximin

BARMHERZIGKEIT...

#9 Beitrag von Maximin » 14.01.2010, 19:05

:) Hannes, ich antworte Dir mit einem NAK-Lied, welches leider aus der oder Mode gekommen ist. Dieses hier:

Barmherzigkeit (von Walter Mienert - Berlin, Juni 1950)

Das Reinste, das die Seele fühlt, was Schmerzen lindert, Wunden kühlt, was mitgeht durch das tiefste Leid, ist Liebe und Barmherzigkeit. Sie sucht nicht Ehre und nicht Rum, sie ist das echte Heldentum.
Refrain: Herr, lass mich folgen deiner Tat, schenk uns von dieser edlen Saat, dass nicht die Pflicht sie uns gebeut, nein, lieben aus Barmherzigkeit.

Sie ist ein selt’nes Himmelsgut, sie fördert Treu und Glaubensmut, der Herr in seiner Erdenzeit übte ewige Barmherzigkeit. Die Sünder, die in Demut nah’ n, Barmherzigkeit von ihm empfah’n.
/: Herr lass mich folgen deiner Tat...

Herr, lehre uns barmherzig sein, die Tugend senk’ ins Herz uns ein, sie ist des heil’gen Geistes Frucht, die nicht das Ihre schafft und sucht. Dem Schwachen helfend beizusteh’ n, ihn im Gebet zu Gott erhöh’n.
/: Herr lass mich folgen Deiner Tat...


Hannes, ich weiß nicht, ob auf diesem Text Urheberrechte lasten. Ist mir auch wurscht. Auf den Inhalt kommt´s an. Jedenfalls hat mich dieses Lied geprägt und bis heute begleitet...!

Ich hab´s unlängst mal einer evangelischen Pastorin vorgesungen. Sie war davon beeindruckt und fragte mich, was das für ein Lied wäre. Meine Antwort: „Das ist ein Lied aus meinen apostolischen Kindertagen.“ Ihre Antwort: „Michael, bewahren sie es gut.“
LG vom Micha :wink:
Zuletzt geändert von Maximin am 14.01.2010, 21:45, insgesamt 2-mal geändert.

rfw
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Re: Theodizeefrage

#10 Beitrag von rfw » 14.01.2010, 19:45

Dieter hat geschrieben: Ich möchte jetzt ganz bewußt keinen langen Einstiegsbeitrag abgeben, sondern einfach einmal die Frage in den Raum stellen:

Wie kann Gott Leid zulassen, wenn Er doch die Liebe verkörpern sollte? Und wenn er es nicht verhindert, was sind Seine Gründe dafür?
Lieber Dieter,

auch wenn ich dich eigentlich trösten möchte, so stelle ich doch eine knappe These neben deine Frage:

Ein Gott, der den Menschen schuf und liebte, könnte dies nicht. Ein Gott, der vom Menschen geschaffen wurde, könnte dies.
LG
win
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"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." (Carl von Ossietzky)

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