Gehören Glaube und Kirche zusammen?

Für Zweifler und andere gute Christen
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Adler

#11 Beitrag von Adler » 04.01.2010, 13:32

Es wird halt immer "zeitgemäß" gepredigt, wobei man sich aber des "Zeitgeistes" zu enthalten hat. :shock: 8)

LG Adler

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#12 Beitrag von autor » 04.01.2010, 14:39

Hallo „Gaby“,

den NAK-Glauben kann ich mir nicht erklären. Unter anderem deswegen habe ich ihn auch nicht. Was du aufgeschrieben hast, wurde und wird geglaubt und kann geglaubt werden, obwohl es für mich und auch für dich unglaublich ist.

Während ich mir vorstelle, wie der eine oder andere Schreiber mit seinem verklärten Bild eines Kuschelevangeliums, das einen ganz doll lieb macht, wenn man an Jesus glaubt und wodurch man sich gleichzeitig auch noch ewiger Glückseligkeit sicher sein kann, die armen neuapostolischen Irrgläubigen bemitleidet, die den Sinn der Schrift noch nicht erkannt haben, mir aber gleichzeitig klarmache, mit welch milder Leichenbittermiene im selben Augenblick eine vor Geisteskraftgewissheit strotzende Neuapostolische die armen, geistlosen, sich, suchend nach Gotteswort, haarspaltend und irrend in den ihnen verschlossenen Texten der Schrift verzehrenden „Namenschristen“ bedauert, so erschließt sich mir nicht der Sinn des Bewertens der Wahrheit von Glauben, zum einen durch die Schrift, zum anderen durch das Beleuchten merkwürdiger kirchlicher, sozialer oder anthropologischer Prozesse (wie z.B. die Frage: „Exklusivität nur wegen Machterhalt?“ etc.).

Nämlich kann ich mir mit der Bibel und meinem Glaubensverständnis auch nicht erklären, warum man hier vor ein paar hundert Jahren mit Kreuz und Schrift in der Hand Frauen und Männer lebendig verbrannt hat. Und wenn das damals galt, warum das heute nicht mehr gelten soll.

Sicher, man ist geneigt, angesichts grausamer oder unverständlicher Handlungen einem Glauben das Prädikat „Falsch“ zuzuschreiben. Das geht aber nicht. Glaube ist dadurch wahr, dass er geglaubt wird. Es gibt keinen falschen oder richtigen Glauben. Vielleicht gibt es menschlichen und unmenschlichen Glauben, was uns dazu führt, was Glaube mindestens zu 90% ist – und zwar geboren aus allem was die Eigenschaften des Menschen sind. Und die unterscheiden sich bekanntermaßen von Mensch zu Mensch und von Zeit zu Zeit.

Grüße

a.

Gaby

#13 Beitrag von Gaby » 04.01.2010, 15:25

Glaube ist dadurch wahr, dass er geglaubt wird.

Dann ist es geglaubter Glaube, hat aber für mich mit dem Evangelium wie ich es verstehe nichts zu tun. Denn das Evangelium sollte nicht nur geglaubt werden, sondern den Menschen auch verändern, sein Leben verändern.
Unmenschlicher Glaube läßt sich nicht mit der geforderten Nächstenliebe und Feindesliebe der Bibel vereinbaren.
Wie Du wohl erkannt haben dürftest, verteidige ich keine Konfession als die EINZIG richtige ....
"Jesus verkündete das Reich Gottes, und gekommen ist die Kirche" (Theologe Alfred Loisy)
Für mich sind ALLE Kirchen auf dem Weg .... aber sie sollten auch bereit sein sich zu prüfen, sich zu reformieren .... immer wieder aufs Neue ....

kann ich mir mit der Bibel und meinem Glaubensverständnis auch nicht erklären, warum man hier vor ein paar hundert Jahren mit Kreuz und Schrift in der Hand Frauen und Männer lebendig verbrannt hat. Und wenn das damals galt, warum das heute nicht mehr gelten soll.

Es gilt heute nicht mehr, weil die katholische Kirche irgendwann bereit war sich zu reformieren ....

autor

#14 Beitrag von autor » 04.01.2010, 15:46

Gaby hat geschrieben:Wie Du wohl erkannt haben dürftest, verteidige ich keine Konfession als die EINZIG richtige ....
Das habe ich erkannt. Ich meine aber verstanden zu haben, dass du deine Sicht des "Evangeliums" auch für andere als "Richtig", als "Annehmungswürdig" vorstellst. Darin unterscheidest du dich nicht allzu sehr von z.B. einem neuapostolischen Apostel. Der tut das nämlich auch.

Gaby hat geschrieben:weil die katholische Kirche irgendwann bereit war sich zu reformieren ...
Schau an. :wink:

Gaby

#15 Beitrag von Gaby » 04.01.2010, 16:32

Autor, ich erwarte nicht, dass jemand GENAU meine Sicht des Evangeliums für richtig hält. Die Sicht ist zugegebnermaßen auch sehr einfach gestrickt. Aber ich weise immer wieder darauf darauf hin, dass es m.E. nicht NUR den EINZIG richtigen Glauben gibt. Und versuche auch immer wieder die unterschiedlichen Sichtweisen zu beleuchten. Jeder muss dann letztlich für sich entscheiden was für ihn der Glaube bedeutet. Natürlich liegt mir am Herzen, dass erst einmal das Christentum sich darauf besinnt, dass unabhängig von der christlichen Konfession alle Brüder und Schwestern im Herrn sind.

Meine Sicht tendiert aber immer mehr hin zu den Gedanken eines indischen Weisen namens Ramakrischna.

Aus dem Buch des Heribert Fischedick "Der Weg des Heldens"

klick

(ganz nach unten scrollen)

Zitat:

Sinn jeder Konfession wäre darum der Dienst an der Vereinigung mit dem Göttlichen, also die ‚re-ligio’, die Wiederrverbindung mit dem Urgrund im Zentrum. Eine Startbasis, die sich selbst wichtiger nimmt als das Ziel, und von der sich darum niemand entfernen darf, verhindert letztlich die Erfahrung, die sie eigentlich ermöglichen sollte.

Gaby

#16 Beitrag von Gaby » 04.01.2010, 16:41

Gaby hat geschrieben:weil die katholische Kirche irgendwann bereit war sich zu reformieren ...
Schau an. :wink:



Autor, was glaubst Du warum sich in den Foren sich so viele die Finger "wund schreiben"?

Damit AUCH die NAK Kirchenleitung einmal die Erleuchtung bekommt, dass es Zeit wird sich zu reformieren ....

autor

#17 Beitrag von autor » 05.01.2010, 15:52

Hallo „Gaby“,

... dass es Zeit wird, sich zu reformieren.“ Ist das so? Und Warum?

Gott, Gotteswort und Evangelium sind doch per se ewige bzw. unveränderliche Dinge. Auch die Sehnsucht der Menschen nach Glück und nach Beantwortung der großen ewigen Fragen ist immer gleich. Kann man es den Menschen verübeln, warum sie an bestimmten Dingen festhalten wollen?

Was sich seit jeher verändert, ist die Art und Weise des Zusammenlebens der Menschen, die Sprache, das Verständnis der Natur etc. – kurz: die Kultur.

Für mich ist Religion nicht rein, nicht losgelöst von Kultur, denkbar. Und weil es eben diese reine Religion nicht gibt, gibt es vom Standpunkt der Beziehung zu Gott auch keine besseren und schlechteren Kirchen. Allenfalls „liegen“ einige Kirchen manchen Menschen mehr, allenfalls „passen“ einige Kirchen besser in diese oder jene Gesellschaft, allenfalls sind manche Kirchen einfach attraktiver als andere.

Kulturelle Veränderungen brechen sich auch in Kirchen regelmäßig Bahn, so es sich denn nicht um völlig abgeschottete „Inseln der Seligkeit“ handelt. Das erkenne ich an unserer schönen abendländischen Geschichte genauso wie an der Entwicklung der NAK in den letzen 20 Jahren. Und weil ich weiß, dass immer, auf der beharrenden genauso wie auf der reformierenden Seite, alles aus Glaubensgründen und mit Bibel und Evangelium begründet wird, habe ich mich davon verabschiedet, dass es überhaupt das richtige, biblisch begründete Glaubensargument gibt – schiene es mir noch so wahr und wichtig, müsste ich doch akzeptieren, dass es für einen anderen nicht mehr als eine Belanglosigkeit ist.

Auch ich kenne den Eindruck, z.B. beim Lesen der Evangelien, auf etwas sehr wahres gestoßen zu sein, kenne das Gefühl, davon überzeugt zu sein, ja, sogar anderen dieses klar machen zu wollen – Momente, in denen sich der kirchenkulturelle Nebel lichtet. Es ist aber meine feste Überzeugung, dass es nicht der Glaube ist, der Kirchen verändert. Es ist unsere Kultur, die auf die Kirchen einwirkt. Möglicherweise ist es auch gar nicht (nur) der Glaube, der Kirchen am Leben erhält, ich merke gerade, Glaube und Kirche hängen vielleicht gar nicht so eng zusammen, wie man das vermuten sollte.

Grüße

a.

Maximin

STEIN IN DEN BACH...!

#18 Beitrag von Maximin » 05.01.2010, 16:31

:) Mein liebe Autor,
wir kennen uns lange genug, als daß wir einander völlig fremd oder gar feind wären. Fühl mal hin was ich Dir jetzt in aller freundlichen Brüderlichkeit zumute:

Suche Dir mal einen handgroßen Stein und ein offenes, eisfreies Gewässer. Es ist wurscht, ob es sich um einen kleinen Bach, einen Fluß, See oder sogar um einen breiten Strom handelt. Sodann nimm Deinen handgroßen Stein und wirf ihn mit all Deiner Kraft weit hinaus ins Gewässer und beobachte, was danach genau passiert... !

Nach meiner Lebenserfahrung ist, ich habe dasselbe mehrmal erfolgeich auch gemacht, der entscheiden Effekt dieser: Eine Last (den aufgehobenen Stein) auf- und anzunehmen, eigene Kraft aufzuwenden und sich dann von der getragenen Last mit aller Kraft zu befreien.

Was das soll? Probiere es einfach mal selber. Ich meine soviel ist klar: Der handgroße Stein versinkt auf den Gewässergrund. Die getragene Last ist wech. Dem Gewässer schadet es nicht und es ist höchst unwahrscheinlich, dass Dein Dich befreiender Steinwurf eine quicklebendige Forelle erschlägt...
Liebe Grüße vom Micha :wink: :wink:

Gaby

#19 Beitrag von Gaby » 05.01.2010, 19:18

Hallo autor,

wenn ich das so lese, was Du schreibst, empfinde ich, dass Du denkst, die Kirche wäre lediglich ein Verein in dem sich Menschen mit gleicher Gesinnung treffen ... ähnlich einem Kaninzüchterverein oder ähnliches ....
liege ich mit meiner Interpretation richtig, oder liege ich daneben?
Weißt Du, soweit bin ich noch nicht, dass ich DAS glauben will .... damit hätte ich dann m.E. völlig resigniert.

Liebe Grüße

Gaby

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#20 Beitrag von agape » 05.01.2010, 19:39

Gaby hat geschrieben:....die Kirche wäre lediglich ein Verein in dem sich Menschen mit gleicher Gesinnung treffen ... ähnlich einem Kaninzüchterverein oder ähnliches ....

....soweit bin ich noch nicht, dass ich DAS glauben will .... damit hätte ich dann m.E. völlig resigniert.
Liebe Gaby,
ich bin nicht autor ;) , nur mal kurz zu Deinem Satz:

Wenn die Kirche tatsächlich lediglich ein "Verein, in dem sich Menschen mit gleicher Gesinnung treffen ... ähnlich einem Kaninzüchterverein oder ähnliches ....", wäre, dann wäre es schon besser den Tatsachen ins Auge zu sehen und dann müsste man es sogar "glauben" , denken und wissen.

Da "Kirche" nun (auch theologisch) sehr vielfältig definiert wird, bleibt es immer bei der Frage, was "Kirche sei".
Ich halte mich selbst gerne an die Definition, die von "kyriaké" abgeleitet wird, "die dem Herrn anhangen". Die Christen, bei denen der Begriff "Kirche" sowieso nur sinnvoll ist, verstehen in diesem Zusammenhang die "Gemeinschaft aller Glaubenden (und / oder) Getauften.
Wenn diese dann dem Herrn anhangen, dann haben wir eine Glaubensgemeinschaft, die sich dann "Kirche" nennen kann.
Das ist super-ökumenisch ;) definiert und tut niemandem weh.


Außer denen, die jetzt fragen werden, durch wen die Sakramente heilsnotwendig, soteriologisch stimmig und richtig übermittelt/ gespendet werden dürfen. ( :mrgreen: )
Das ist dann der kleine KirchenHorror! ;)
Und das wäre mal eine chicke Frage für den ÖKT unter interessierten Laien. :- )
Zuletzt geändert von agape am 05.01.2010, 19:56, insgesamt 1-mal geändert.
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
Nach D.Sölle

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