Positives

Alles rund um die Sondergemeinschaft Neuapostolische Kirche (NAK), die trotz bedenklicher Sonderlehren (u.a. Versiegelung, Entschlafenenwesen mit Totenmission, Totentaufe, Totenversiegelung und Totenabendmahl, Heilsnotwenigkeit der NAK-Apostel, Erstlingsschaft, ..), weiterhin "einem im Kern doch ... exklusiven Selbstverständnis", fehlendem Geschichtsbewusstsein und Aufarbeitungswillen, speziell für die Zeit des Dritten Reiches, der DDR, der Bischoffs-Botschaft ("... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. ..."), sowie ihrer jüngsten Vergangenheit und unter erheblichem Unmut ehemalicher NAK-Mitglieder, auch Aussteiger genannt, die unter den missbräuchlichen Strukturen und des auf allen Ebenen ausgeprägten Laienamtes der NAK gelitten haben, weiterhin leiden und für die die NAK nach wie vor eine Sekte darstellt, im April 2019 als Gastmitglied in die ACK Deutschland aufgenommen wird.
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rfw

#11 Beitrag von rfw » 29.12.2009, 12:22

Gaby hat geschrieben:Und rfw ... allein vom Evangelium wird der Hungrige nicht satt ...
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und das hätte wer behauptet...?

Dir und den lieben anderen Spontankommentatoren als nett gemeinten Hinweis mitgegeben: Machmal liest man nicht, was da steht, sondern das, was man lesen möchte...

Es hat niemand behauptet, man solle einen Hungrigen nicht mit Nahrung versorgen. Im Gegenteil!

Nur hat das nix mit Evangelium zu tun, auch wenn es irgendwo in der Bibel - oder besser noch - auf neuapostolischen Internetseiten steht.

Nur mal so.

Gaby

#12 Beitrag von Gaby » 29.12.2009, 12:50

Freilich wird niemand in eine tragfähige Gottesbeziehung kommen, der schon am Zwischenmenschlichen scheitert.

rfw ... Du schreibst es selbst .... es ist erst einmal ein Anfang ...

Das Evangelium ist aber keine Sache zwischen den Menschen, es ist eine Sache zwischen Gott und den Menschen.

Für mich ist das Evangelium eine Sache zwischen Gott und dem Menschen, aber auch zwischen Mensch und Mensch ... es gehört beides zusammen.

Dazu möchte ich noch etwas von Augustinus wiedergeben. Auch wenn ich diesem Kirchenmann in vielem kritisch gegenüberstehe, aber hier hat er m.E. etwas gut auf den Punkt gebracht.

"Mögen Sie alle mit dem Zeichen des Kreuzes bezeichnen;
mögen alle 'Amen' sagen;
Mögen alle 'Alleluja' singen;
mögen alle getauft werden, in die Kirche eintreten, dicht gedrängt in der Kirche stehen - der Unterschied zwischen den Kindern Gottes und den Kindern des Teufels liegt einzig in der Liebe.
Wer die Liebe hat, ist aus Gott geboren; wer sie nicht hat, ist nicht aus Gott geboren. Ein großes Zeichen, ein großes Unterscheidungsmerkmal!
Habe, was immer du willst, - hast du diese eine nicht, nützt es dir nichts; und wenn du anderes nicht hast, so habe nur dies; und du hast das Gesetz erfüllt. Denn 'wer den Nächsten liebt, hat das Gesetz erfüllt... Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes.'
Jetzt 'siehst' du Gott nur im Glauben, dereinst wirst du ihn schauend sehen. Und wenn wir schon lieben, was wir nicht sehen, wie werden wir erst jubelnd umfangen, was wir sehen! Aber wie müssen wir uns dafür üben? Durch die Bruderliebe. Du kannst mir sagen: 'Ich habe Gott nicht gesehen'; kannst du mir etwa auch sagen: 'Ich habe keinen Menschen gesehen'? Liebe den Bruder! Wenn du den Bruder liebst, den du siehst, wirst du zugleich auch Gott sehen; denn du wirst die Liebe sehen, und in ihrem Innersten wohnt Gott."

Ich bin mir aber immer noch nicht ganz sicher, worauf Du mit Deinem Posting dann eigentlich hinaus wolltest. Meinst Du, ein Christ bzw. die Kirche sollte politisch aktiv werden um etwas zu ändern in der Gesellschaft?
Glaubst Du es würde sich in der Politik etwas ändern, wenn es diese Privatinitiativen von Armenspeisungen z. Bsp. nicht geben würde?

rfw

#13 Beitrag von rfw » 29.12.2009, 13:38

Gaby hat geschrieben: Ich bin mir aber immer noch nicht ganz sicher, worauf Du mit Deinem Posting dann eigentlich hinaus wolltest.
Erst mal wollte ich mich nur zu m.E. verkürzten Darstellungen "Ist das nicht gelebtes Evangelium?" äußern.
Ich hielt und halte das immer noch für eine reduzierende Sichtweise und wollte daher darauf aufmerksam machen, dass ich hierin eine Gefahr einer "Verwässerung" sehe. Ferner ist mir bewusst, dass dies eine ganze Reihe von Dilemmata berührt, in denen "wir" gefangen sind.

Dazu später vielleicht mehr.

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agape
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#14 Beitrag von agape » 29.12.2009, 14:39

DANKE, für Eure vielen weiteren Bemerkungen dazu, die ich sehr wichtig finde (rfw, gaby, und alle ...)

Liebe Gaby,
es gilt Gott sei Dank die Leuenberger Konkordie. Alles, was da drüber hinaus geht und auf ein Amt verweist, kann ich nie teilen.
Die SELK macht eine Ausnahme und hat sogar noch die katholisch entlehnte Mund-Kommunion. (Sie wird durch Spenden (also nicht durch Kirchensteuer) unterstützt (wie bei der NAK))

Lieber rfw,
ich denke, dass Deine Einwände im Wesentlichen verstanden wurden, und Dein Einwand ist auch ein ganz wichtiger Beitrag, der in der eigentlichen Sache sicher von niemandem widersprochen wird.

Wie man eine bessere Welt schafft, wie politisch Jesus wirklich war und auch für die Welt grundlegende Beispiele gab, das haben viele religiöse und politische Gemeinschaften schon begriffen, aber in "Sondergemeinschaften mit selbst gewählter Isolation" ist dies wirklich Neuland und darf deswegen sicher positiv benannt werden. ;)

Dein Thema würde ich von Dir gerne vertieft hier mal lesen. :- )

PS: Ein kleiner affront ;) für Dich:
Ja, es ist so, wie Brecht sagt: Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral (wie ich hier schon schreiben durfte). Mancher Apostel, der die NAK-Lehre nicht mehr so ganz mitträgt, kann sich wie Sepers nicht auf seinen Arztberuf zurückbesinnen und wird wegen des lieben Geldes wegen "den NAK-Apostel in der NAK machen". ;)
Oh, ja! C´est la vie!

Lieben Gruß,
agape
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
Nach D.Sölle

Maximin

REDLICHKEIT BÃœTTE...!

#15 Beitrag von Maximin » 29.12.2009, 15:59

:) @ rfw,
volles Verständnis für Deine Gesellschafts- und insofern auch für Deine Christen-Kirchenkritik. - Da wurde mal einer ausgeraubt und halbtot geschlagen. Die Geistlichkeit ließ den, aus welchen niedrigen Beweggründen auch immer, in seinem Elend links liegen. Ein einfacher Normalbürger handelte anders...!

Statt dem das Leben zu retten, hätte der ja auch die Verfolgung der Räuber aufnehmen, für deren Inhaftierung und insofern für Recht und Ordnung sorgen können. Er entschied sich aber für eine umfassende Sofortnothilfe am Mann.

Das Evangelium benennt einige wenige grundmenschliche Verhaltensweisen. Beispielsweise diese hier: „Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist.“ (Matth. 25, 35) Andere Religionen beschreiben übrigens dieselben und weitere ähnliche Grundsätze.

Bedauerlicherweise halten sich wir uns Menschen, wo immer wir auch leben und egal in welchem Kulturkreis wir geprägt wurden, leider nicht immer daran. Übrigens sagt unser hochgelobtes Grundgesetz in seinem Artikel 1, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Auch hier stehen diesem hehren Verfassungsgrundsatz leider erhebliche Vollzugsdefizite im Wege.

Welche? Wer hat sie zu verantworten? Wer muss wen dafür zur Rechenschaft ziehen? Einmal alle 4 Jahre bei der Stimmabgabe für diese oder jene politische Partei? Ersatzweise resignierend aus der Verantwortung flüchtend mit einer Wahlenthaltung nach dem Motto: „Macht doch was ihr wollt, aber bitte ohne mich!“

Ne, ne! Suppenkücheninitiativen oder sogenannte Bedürftigenspeisungen sind hilfreich und gut. Egal, wer sie, aus welchen Gründen auch immer, betreibt.

Mir ist es Wurscht, ob die Heilsarmee mit ihrer Goulaschkanone unterwegs ist, oder die Volkssolidarität in der ehemaligen DDR ähnliches macht, oder christliche Gemeinden ihre Türen einladend öffnen, hinter denen Bedürftige sich mal für eine Stunde aufwärmen und ihren Magen mit einem gehaltvollen Essen, wenigstens vorübergehend, füllen können.

Vor einigen Jahrhunderten ist die römisch-katholische Kirche in neue Kontinente aufgebrochen, um die dort lebenden Menschen mit dem Evangelium bekannt zu machen. Statt genau nur das zu tun, haben ihre Missionare grausige Gewalt angewendet.

Da hat man, unter dem Deckmantel der Verbreitung des Evangeliums, große Schuld auf sich geladen. Wer gerecht urteilt, muss zugeben, dass sich selbst Rom unter dieser großen Schuld gedemütigt, alle Welt um Vergebung gebeten und neue Wege eingeschlagen hat.

Nach meinem vorläufigem Eindruck prangerst Du gewisse kirchliche Suppenkücheninitiativen oder Bedürftigenspeisungen usw. deshalb an, weil Du diesem Handeln missionarische Hinterlistigkeiten unterstellst, nur mehr platte Werbeaktionen. Sorry, das halte ich für ungerecht...!

Jedenfalls stimme ich Deinem Urteil so lange zu, wie etwa derart unredlich handelnde Kirchenbetriebe offensichtlich nicht einmal in der Lage sind, ihre eigenen Mitglieder geistlich wahrheitsgemäß und aufrichtig zu versorgen. Denn der Mensch lebt eben nicht von Brot und Suppe allein...!

Na klar werde auch ich stocksauer, wenn gelogen wird und Scheinheiligkeit aus allen Poren sickert. Nur bemühe ich mich eben um Redlichkeit und Fairness. Jedenfalls überall da, wo ich mich, mit meinen Mitteln, einmischen kann. Das ist alles!
LG vom Micha :wink:

P.S.: Liebe Gaby, haste noch´n Resteessen übrig...?
Zuletzt geändert von Maximin am 29.12.2009, 18:53, insgesamt 1-mal geändert.

simpel

#16 Beitrag von simpel » 29.12.2009, 16:23

rfw hat geschrieben:Die frohe Botschaft ist, dass der Himmel leer ist zwischen den Menschen und Gott.
Versteht das denn hier niemand? Man kann doch das Evangelium nicht nur auf den barmherzigen Aspekt herunter reduzieren...

KLICK

shalom
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#17 Beitrag von shalom » 29.12.2009, 17:22

Werte DiskursteilnehmerInnen,

in dem thread [=>Was macht einen neuapostolischen Christen aus?] war ich auf -SEITE 17 – u.v.a. auf das neuapostolische Glaubensweltwirtschaftssystem in Relation zur NRW-Selbstzufriedenheitsumfrage eingegangen.

In dem aktuellen Kontext möchte ich „Positiv-Interessierten“ nochmals den Link zur [->Evangelischen Kirche im Rheinland (Globalisierung, ein Impulsreferat vom 30. Oktober 2007, Fachtagung, Düsseldorf)] empfehlen.

Man erhält durch das Ruhrie-Impulsreferat u. U. eine „Ahnung“ (einen Impuls :wink:), was außerhalb des Werkes unserer Apostel bei deren - zum Scheitern verurteilten -, „Kollegen“ alles so los sein kann. Düsseldorf - die Impulshauptstadt 2010?

Fehlt dazu nur noch ein wilhelminischer (positiver) Impulserhaltungssatz :mrgreen: .

'Es ist genug für alle da' :wink: - shalöm

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evah pirazzi
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#18 Beitrag von evah pirazzi » 30.12.2009, 00:52

simpel hat geschrieben:
rfw hat geschrieben:Die frohe Botschaft ist, dass der Himmel leer ist zwischen den Menschen und Gott.
Versteht das denn hier niemand? Man kann doch das Evangelium nicht nur auf den barmherzigen Aspekt herunter reduzieren...

KLICK
Doch, doch, simpel,

wir verstehen: Die Nächstenliebe, die sich z.B. in der Speisung Bedürftiger äußert, ist nur eine von vielen Folgeerscheineingen richtig verstandenen Evangeliums - obwohl ich glaube, dass wir es nie richtig verstehen werden. Und die tätige Nächstenliebe ist insofern nur ein bescheidener Versuch, sich erkenntlich zu zeigen, einem Gott gegenüber, der die Welt "also geliebt hat, dass er seinen Sohn in diese Welt hinein gab, auf dass alle, die sich zu ihm bekennen wollen, an Ihn glauben, nicht verloren wären". Es ist ein Versuch, wieder gutzumachen, was der Mensch am Anfang der Gott-Mensch-Beziehung falsch gemacht hat: Sich von ihm abgewendet und durch das "Kosten vom Baum der Erkenntnis" - also dem Zuwiderhandeln des göttlichen Gebotes - seinen eigenen Weg gewählt hat - mit Abstand zu Gott.

Durch sein vorbildhaftes Leben und seine Lehre, aber vor allem durch seinen Tod und seine Auferstehung schließt Jesus Christus diesen Abgrund zwischen Gott und den Menschen wieder - und das ist die eigentliche "Frohe Botschaft": Der Tod, das Getrenntsein von Gott, ist dadurch überwunden worden, der Stachel des Todes stumpf geworden.

Wenn wir uns als Leben von Gott verstehen, das zu Gott zurückkehrt, dann bekommt unser Leben Sinn, wenn wir Ihn erkennen, bzw. sein Uns-Erkennen zulassen. Und da kommt das Mysterium ins Spiel, dass da eben mehr ist zwischen Himmel und Erde, als nur der leere Raum. Leere ist da nur für das leibliche Auge. Dieses Mysterium ist nicht wissenschaftlich erklärbar, aber man kann es manchmal erfühlen und z.T. auch erleben.

Ich stimme mit rfw überein, wenn er klar formuliert anprangert, dass sich das Evangelium nicht auf den barmherzigen Aspekt reduzieren lässt. Es ist nur so, dass man freudig überrascht ist, wenn es barmherzige Aktionen innerhalb der NAK gibt, da man diese nur äußerst selten dort vorfindet, diesen Versuch, das Evangelium in einer seiner Facetten zu leben und zwar nicht nur innerhalb der NAK-Mauern.

:wink:
[i][size=75]"... Ich bin einerseits sehr froh, dass ich diesen Gedanken aussprechen kann, auf der anderen Seite fällt es mir auch nicht schwer..."
(Bap Klingler - Neujahrsgd 2009)[/size][/i]

simpel

#19 Beitrag von simpel » 30.12.2009, 08:20

Hallo evah,

ursprünglich wollte ich als Antwort auf deinen Beitrag in Romanstärke retournieren – ich schenke mir das aber, denn das wäre, á la Kohelet, auch eitel.
Ich habe mich gestern mal ein wenig im www auf der Suche nach der rechten Erklärung für das Evangelium gemacht und bin nach einigen weiterführenden Links bei den Mystikern Johannes Tauler und Meister Eckhart gelandet. Und schon war ich wieder bei dem leeren Himmel…
Die Nächstenliebe, die sich z.B. in der Speisung Bedürftiger äußert, ist nur eine von vielen Folgeerscheineingen richtig verstandenen Evangeliums - obwohl ich glaube, dass wir es nie richtig verstehen werden. Und die tätige Nächstenliebe ist insofern nur ein bescheidener Versuch, sich erkenntlich zu zeigen, einem Gott gegenüber, der die Welt "also geliebt hat, dass er seinen Sohn in diese Welt hinein gab, auf dass alle, die sich zu ihm bekennen wollen, an Ihn glauben, nicht verloren wären". Es ist ein Versuch, wieder gutzumachen, was der Mensch am Anfang der Gott-Mensch-Beziehung falsch gemacht hat: Sich von ihm abgewendet und durch das "Kosten vom Baum der Erkenntnis" - also dem Zuwiderhandeln des göttlichen Gebotes - seinen eigenen Weg gewählt hat - mit Abstand zu Gott.

Und wie ist es bei den Menschen, die einfach nur aus ihrem Menschsein heraus barmherzig sind, denen das ganze ´Kirchengedöns´ auf den Wecker geht, die nicht bergbepredigt sind?
Ich gebe von Herzen gern dem, der meine Hilfe braucht – das ist überhaupt keine Frage!
Nur glaube ich nicht, dass mildtätige Barmherzigkeit der Schlüssel zum Himmel ist (im Sinne einer Zurückzahlung).

Aber anstatt hier zu schreiben, hätte ich vielleicht doch lieber ein Care-Paket packen und einen großen Topf Suppe kochen sollen – Micha hat schließlich auch Hunger. :wink:

In diesem Sinne –

LG, simpel (nomen est omen) :wink:

rfw

#20 Beitrag von rfw » 30.12.2009, 12:56

Auch von mir ein herzliches Dankeschön für die weiteren Beiträge, die einige interessante Fragestellungen eröffnen. :-)

agape hat geschrieben: Lieber rfw,

Wie man eine bessere Welt schafft, wie politisch Jesus wirklich war und auch für die Welt grundlegende Beispiele gab, das haben viele religiöse und politische Gemeinschaften schon begriffen, aber in "Sondergemeinschaften mit selbst gewählter Isolation" ist dies wirklich Neuland und darf deswegen sicher positiv benannt werden. ;)
Liebe agape,

die "bessere Welt", in der ich heute im Vergleich zu früheren Jh. oder Jahrtausenden lebe, habe ich womöglich eher Revolutionären zu verdanken als einer biblischen Botschaft.
Die Frz. Revolution hat für "mich" mehr getan als das Konzil von Nicäa und Bismarck hat für die soziale Sicherheit mehr erreicht als Augustinus. (Die Namen und Ereignisse sind durchaus anders besetzbar.)

Hätten die Hüter, Verwalter und Erklärer des "Evangeliums" das Sagen behalten, wir lebten vermutlich in einer gottestaatlich geordneten Welt, die der des Islam nicht unähnlich sein dürfte. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes würde geklagt, geurteilt, gerichtet und gestraft, was das Zeug hielte. Armut und Hunger wären da unantastbare Gottesurteile und kein Feld für zwischenmenschliche Zuwendungen.

Unsere beherzte Cottbuser Schwester handelt sozial. Und das ist auch gut so.

Mein Einwand bezog sich also nicht darauf, dass es keine positive Meldung über ein positives Ereignis hätte geben dürfen. Ich wende nur ein, dass soziales Handeln nicht vorschnell mit "gelebtem Evangelium" gleichzusetzen ist, (nur) weil ein religiöser Kontext besteht.

Übrigens: Um meinen Nächsten in Not zu versorgen muss ich ihn nicht mal lieben. Evt. gebietet das schon die Vernunft!? Oder aber ein solches Verhalten ist evolutionspsychologisch gut zu begründen!? (Auch das nur als Denkanstoß).


Und um letztlich noch etwas "nachzulegen"... : Mir geht es schon primär um die Frage, was das Evangelium ist. Dabei sehe ich die Gefahr, dass die Grundfragen - auch die des Glaubens im weiteren und des Christentums im engeren Sinne - durch verkürzte moralistische Gefühlsduselei zugekitscht und damit bis zur Unkenntlichkeit verzerrt wird. Manchmal genügt uns die rosarote Brille, durch die Symbol und Wirklichkeit verwechselt werden statt uns einer Realität auszusetzen, deren Beherrschung mehr erfordert, als ein paar gute Gefühle.

Was heisst das konkret? Wenn jemand mit dem Kopf durch die Wand will, dann kann ich ihm nach jedem erfolglosen aber schmerzhaften Versuch ein christlicher Nächstenliebe eine Kopfschmerztablette reichen - oder ich kann mich irgendwann auch mal mit den Ursachen auseinander setzen und fragen, ob ihm Tabletten weiterhelfen.

Bei allem Respekt also: Eine Suppenküche in unserer deutschen Wohlstandsgesellschaft ist ein wenig so, wie eine offene Kühlschranktür als Maßnahme gegen globale Erwärmung: Rührend, aber als Lösung eher ungeeignet.

Sofern es sich um gesellschaftliches Phänomen von existenzieller Not handelt, können auch nur gesamtgesellschaftliche, mithin politische Maßnahmen helfen; das sollte gemeinsames soziales Interesse sein. Auch dazu taugt als Triebfeder ein Evangelium eher bedingt in diesem unsrigen heutigen Kontext.

Im Übrigen ist hier auch die berechtigte Frage zu stellen, ob es tatsächlich um existenzielle Nöte geht, wenn wir von Suppenküchen reden. Wenn ich jemandem eine kostenlose Mahlzeit biete, damit er seine geringen Mittel nicht für Nahrung verwenden muss, dann muss ein Evangeliumsbegriff schon sehr dehnbar sein, um noch auf unsere soziale Wirklichkeit zu passen.

Sollten wir wirklich so tun, als fielen uns täglich vom Tode, Leid und tiefsten Elend Bedrohte vor die Füsse, denen es evangelienkonform zu helfen gelte?

Wenn wir hier und heute von Not reden, dann messen wir an einer gesellschaftlichen Norm (die es u,a, schon als Notlage definiert, wenn jemand nicht regelmäßig ins Kino gehen kann). Auf welche Normvorstellung bezieht sich das Evangelium?

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