DEPRESSIONEN...

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Maximin

DEPRESSIONEN...

#1 Beitrag von Maximin » 12.11.2009, 14:22

DERESSIONEN – WOHER KOMMEN DIE...?

Lieben Freunde,
ein nationaler und internationaler Spitzensportler hat sich umgebacht. Nach 24 Stunden wird öffentlich, dass dieser Mann seit Jahren schwer depressiv war. Die Öffentlichkeit reagiert mit Entsetzen und Sprachlosigkeit. Im Trauergottesdienst wird gesagt: „Du gehst deinen Weg niemals allein.“

Er ist seinen Weg, erst recht bis zu dem Gleisbett bei Hannover, nicht allein gegangen. Der Fahrer des heranrasenden Triebwagens sah ihn mit Panik vor sich und hatte doch keine Chance. Sein tonnenschwerer Zug hat den Mann totbringend überrollt und zerfetzt. Danach mussten Nothilfe leistende Einsatzkräfte ihre grausige Arbeit tun...

Im Fernsehen sieht man danach im Trauergottesdienst und im anschließenden Trauermarsch fassungslose Sportfreunde und Fans des Selbstmörders. Weinende Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie sind wie gelähmt. Niedergedrückt.

Depression meint: Niedergedrückt sein (deprimere). Frage: Wer drückt wen womit nieder? Warum lässt sich jemand wovon und von welchen Lebensumständen in eine Ausweglosigkeit wegdrücken?

Wir haben in unserem Forum ja auch einige Sachverständige. Was sind Depressionen und was kann man dagegen tun, außer, sich vor dem vermeintlich letzten Schritt in eine Selbsterlösung zu flüchten?

Nach dem was ich über die seit Jahren fortschreitende Zunahme des Krankheitsbildes Depressionen, abgestuft in verschiedene Stadien, erlebt, gehört und gelesen habe, hängt diese Entwicklung mit einem zunehmendem Druck zusammen, der auf uns Menschen ausgeübt wird. Ich ahne, dass dieser Druck, in allen Lebensbereichen, demnächst überall weiter zunehmen wird.

Brauchen wir massenhaft mehr Psychologen, Psychiater, Psychiatrien, flächendeckende Versorgung mit Antidepressiva – oder was wird gebraucht? Vielleicht brauchen wir auch nur wesentlich weniger Druck – von wem der auch immer ausgeübt wird.

Ein Dampfkessel hält nur so viel Druck aus, wie seine Wände geschmiedet wurden. Unsere Seele scheint wesentlich dünner zu sein als die Wände eines stählernen Druckkessels. Und wenn dann auch noch das Überdruckventil versagt, dann knallt´s! Dann werden von den herumfliegenden Trümmern meist auch noch völlig Unbeteiligte verletzt.

Die Leute in der ehemaligen DDR hatten irgendwann die Schnauze voll. Sie haben das verstopfte Überdruckventil freigepolkt und eigenhändig gründlich Dampf abgelassen. Ich nehme an, dass sich das demnächst hier und da immer häufiger wiederholen wird...

Liebe Grüße, landauf und landab, vom Micha

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Heidewolf
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Hohe Ansprüche

#2 Beitrag von Heidewolf » 12.11.2009, 14:42

Danke Micha für den Einstieg,
wollte eigentlich ein wenig abwarten, bis das Thema Enke abgeflaut ist. Mir geht es eigentlich mehr um den Nächsten, Verwandten, FreundIn, Nachbarn, aber auch um Kinder von Prominenten.
Aber das Stichwort Ventil ist auch in dem Zusammenhang wichtig, wohl noch eher aber Ablenkung und Umlenkung.
Wenn wir es schaffen, sollten wir mal herausarbeiten, wie Glaube bei der Bewältigung helfen kann und wo es die Katastrophe herbeiführt oder unterstützt.
Mit den Ventilen bist du wahrscheinlich Berlingeschädigt. Ich war neulich da. Da gibt es ja fast täglich um die Goldelse herum oder an anderen prominenten Orten angekündigte Demos. Berlin ist mit Sicherheit auch die Hauptstadt der Demos.
Du kannst da nichts für und ich mag die Stadt auch sehr. Aber so ist eben Demokratie.

Ich fang mal an: Hohe Ansprüche wird oft genannt, und damit verbunden ein zeitweises Scheitern. Kann ich bestätigen, habe ich bei den bekannten Fällen mit festgestellt.

LG, Heidewolf
Das sind die Weisen,
Die durch Irrtum zur Wahrheit reisen.
Die bei dem Irrtum verharren,
Das sind die Narren.

Friedrich Rückert

Hannes

Re: DEPRESSIONEN...

#3 Beitrag von Hannes » 12.11.2009, 16:01

Maximin hat geschrieben: Frage: Wer drückt wen womit nieder? Warum lässt sich jemand wovon und von welchen Lebensumständen in eine Ausweglosigkeit wegdrücken?
Lieber Micha (und Heidewolf),

ich bin kein Sachverständiger - aber ich kenne Depressionen (innen und aussen) ...

Depression ist erst einmal eine Krankheit - die wie alle anderen Krankheiten einfach mal so kommen kann. Bei manchem ist es Rheuma, das es mitbekommen hat, beim anderen ist es die Haut, bei manchem ist es die Psyche. Da hat man etwas mitgekriegt und irgendwann sind die Umstände so, dass da etwas "ausbricht".

Depressionen sind mit einer unendlich großen Scham belegt. "Hab dich doch nicht so", "mach dir doch keine solchen Gedanken", "geh doch mal auf die Krebsstation, da bist du danach wieder ganz zufrieden", und so fort ... es können viele Menschen, die mit einen depressiven Menschen umgehen (müssen, da Familie oder Kollege), mit dieser Krankheit eben nicht umgehen und sagen dann verständlicherweise solche Sätze ... was für den Depressiven dann richtig blöd ist. Denn er/sie kann ja eben nichts machen, weil die Schaltzentrale ausgeschaltet ist.

Depressionen öffentlich zu machen ist fast schon Selbsttötung. Man verliert auch heute noch sehr oft seinen Job, damit sein Ansehen und damit auch (s)einen letzten Anker (Anerkennung, Status, ...). Man verliert u.U. seinen Partner und die Familie, Freunde gehen weg. Gerade in der heutigen wir-müssen-alle-so-glücklich-und-erfolgreich-sein-Gesellschaft.

Und dann ist da noch die Behandlung ... sagt doch einmal jemand laut: Hört mal ihr, ich gehe zu einem Psychiater ... Schublade auf - rein damit - Schublade zu ...

Welche Behandlung und welcher Behandler ist dann noch die Frage, die sich nicht stellt, weil man genau dort erkrankt ist, wo solche Entscheidungen gefällt werden - normalerweise ...

Das nur kurz mal so dahingeschrieben ...

Hannes

_
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#4 Beitrag von _ » 12.11.2009, 16:04

hallo micha,

ich glaube, viele von uns hier (in den industriestaaten, die nicht umsonst so heißen, vgl. lat. industria: betriebsamkeit, fleiß) leben unter einen immerwährenden leistungsdruck. der beschränkt sich längst nicht mehr auf die arbeitsstelle, sondern verfolgt uns in die familien (gute eltern bzw. ehepartner sein) oder sogar bis in's bett. das ist umso mehr der fall, wie man im licht der öffentlichkeit steht.

es würde uns gut tun, manches etwas lockerer zu sehen. warum geht das nicht?

ich möchte mal zur diskussion stellen, inwiefern das auch an der protestantischen arbeitsethik bzw. am biblischen verständnis von segen liegen kann. siehe dazu den aufsatz von max weber, wozu wikipedia ein paar infos hat.

mfg, _

Lobo

#5 Beitrag von Lobo » 12.11.2009, 16:16

Volkskrankheit Depression
...»Die meisten psychischen Erkrankungen sind auf eine Region im Gehirn begrenzt«, sagt Mathias Berger, ärztlicher Direktor der Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Freiburg... ...Die Depression hingegen ist eine Erkrankung des gesamten Gehirns.«

shalom
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#6 Beitrag von shalom » 12.11.2009, 16:33


Tatyana

Re: DEPRESSIONEN...

#7 Beitrag von Tatyana » 13.11.2009, 07:18

Maximin hat geschrieben: Brauchen wir massenhaft mehr Psychologen, Psychiater, Psychiatrien, flächendeckende Versorgung mit Antidepressiva – oder was wird gebraucht? Vielleicht brauchen wir auch nur wesentlich weniger Druck – von wem der auch immer ausgeübt wird.
Meist drücken wir uns doch selbst nieder und/oder erdrücken uns selbst mit unseren Erwartungen an uns selbst und andere. Wie du sagst: dann muss ein Ventil her. Aber wie kann das aussehen?
Ich habe mittlerweile mehrfach im Freundeskreis die Erfahrun gemacht, dass Psychologen und-therapeuten dann gerne hingehen und demjenigen sagen, er/sie solle sich doch mehr auf sich und seine Bedürfnisse konzentrieren und diese verstärkt anmahnen. Darüber aber können Freundschaften und Beziehungen in der Familie ganz schnell zerbrechen. Was dann wieder zu verstärkten Depressionen führt.
Vielleicht sollte das Ventil besser ein anderes sein? Offen sein für den Nächsten, für seine Bedürfnisse, weg von zu viel Selbstreflexion, von zu viel Bauchnabelschau. Dabei soll man sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse keineswegs vernachlässigen, oh nein. Aber wer immer nur die eigene kleine Welt sieht, ist geneigter, darin zu ertrinken als der, der sieht, dass es noch andere Menschen und andere Probleme gibt und dadurch vielleicht lernt, sich selbst nicht ganz so über-wichtig, sich selbst in Relation zu anderen und damit eben...nicht allein zu sehen.
Und wer noch andere Menschen und ihre Bedürfnisse beachtet, der wird feststellen, er wird gebraucht. Wer gebraucht wird, der hat schon wieder einen Teil Sinnhaftigkeit in seinem Leben.

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tosamasi
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#8 Beitrag von tosamasi » 13.11.2009, 09:13

Die Ursachen der Depression sind bis heute unbekannt. Meist müssen mehrere innere und äußere Einflussfaktoren zusammenkommen, damit die Krankheit entsteht. Neben einer genetischen Veranlagung spielen auch psychosoziale Aspekte eine Rolle.
Hier
ein sehr informativer Artikel über diese Krankheit.

Es ist sehr schwer eine Depression, den Depressiven zu verstehen, eben weil man die äußeren Umstände in denen der Kranke lebt, oft nicht negativ einschätzt und hier einen Zusammenhang sucht. Demzufolge kann es lange dauern, bis man begreift, dass es ein vorwiegend endogenes Geschehen ist, das kaum oder gar nicht von Äußerlichkeiten abhängt, habe ich in meinem Umfeld beobachtet.
Zuletzt geändert von tosamasi am 13.11.2009, 09:16, insgesamt 1-mal geändert.
Nur der Einfältige fürchtet die Vielfalt
tosamasi

Hannes

Re: DEPRESSIONEN...

#9 Beitrag von Hannes » 13.11.2009, 09:15

Guten Morgen Tatyana,

recherchiere doch mal sorgfältig (!) zum Thema "Depressionen" im Internet und verfolge ggfls. die aktuellen Diskussionen mit Fachleuten (!) und dann versuche noch einmal etwas dazu zu schreiben. Denn das was Du soeben geschrieben hast ist, wie wir in Bayern sagen, "a Schmarrn".

Du machst nämlich genau das, was die scheinbar allwissenden - aber leider völlig ahnungslosen - Kirchenmenschen gerne machen: Du verwechselst Äpfel mit Drehmomentschlüssel ... und das ist gefährlich!

Gruss - Hannes

Hannes

Re: DEPRESSIONEN...

#10 Beitrag von Hannes » 13.11.2009, 09:37

... :oops:
Zuletzt geändert von Hannes am 13.11.2009, 09:47, insgesamt 1-mal geändert.

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