Schönheit, Wohlgefühl und Verbrechen

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Zeroid
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Schönheit, Wohlgefühl und Verbrechen

#1 Beitrag von Zeroid » 31.05.2021, 14:42

Heute gab es Chat-"Streit" mit einer sehr guten Freundin. Ich bin eher der gläubige, (zu) tiefgründige (Ver)Zweifler, was die historisch-gesellschaftlichen Verhältnisse angeht und sie genießt ihr Leben - ohne großartig nach Gott zu suchen, ihn aber auch nicht abzulehnen - in vollen Zügen. Mein Leben ist recht schwierig (Scheidung, Familien-Streitigkeiten, psychische Probleme) verlaufen, ihres in den bekannten Wohlstands-Bahnen. Beide solo. Ich geschieden, mit Kind. Sie nie verheiratet gewesen. Also Negativ- gegen Positiv-Seher, in etwa. Gescheiterter Welt-Retter / Möchtegern-Revoluzzer gegen Welt-Akzeptiererin.

Sie: "Ist es denn ein Verbrechen, sich gut zu fühlen und etwas schön zu finden?"
Ich: "Gute Frage. Muss ich etwas drüber nachdenken".
Nach ein wenig Bedenkzeit.
Ich: "Ist es ein Verbrechen, wenn ich Drogen nehme, um mich gut zu fühlen und Dinge schön zu sehen? Wie steht es dabei um das Bewußtsein des dahinter liegenden Drogenhandels?"
Und weiter ging es.
Ich: "Ist es ein Verbrechen, wenn Du Dich wohlfühlst und Schönes genießt, wohlwissend, dass einige Deiner Geschwister sich in einem Krisengebiet aufhalten, auf der Flucht sind, Hunger leiden, um ihr Leben fürchten und Du nicht etwas bzw. alles in Deiner Macht Stehende tust, sie zu retten?"
Es ging noch weiter. Ich fürchte um unsere Freundschaft.

Sie meint, Welt-Rettung / -Veränderung wär nicht ihr Ding. Fühlt keine Kraft hierzu in sich. Ich meine, es wär eine Entschuldigung bzw. Flucht.
Sie fühlt sich angegriffen, von mir. Ja, dem Widerspruch von Weltbildern komme ich inzwischen recht schnell auf die Spur. Mach mir keine Freunde, damit.

holytux
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Re: Schönheit, Wohlgefühl und Verbrechen

#2 Beitrag von holytux » 31.05.2021, 19:48

Ich würde für längere Zeit jeden Abend Niebuhr`s Gelassenheitsgebet sprechen. Es scheint mir in gewisser Weise Euer beider Gesinnungen zu versöhnen...

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Einen Tag nach dem anderen zu leben,
einen Moment nach dem anderen zu genießen.
Entbehrung als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren.
Diese sündige Welt anzunehmen, wie Jesus es tat,
und nicht so, wie ich sie gern hätte.
Zu vertrauen, dass Du alles richtig machen wirst,
wenn ich mich Deinem Willen hingebe,
sodass ich in diesem Leben ziemlich glücklich sein möge
und im nächsten für immer überglücklich.
Amen.


Freundliche Grüße
"Wenn alle Liebe Ewigkeit will - Gottes Liebe will sie nicht nur, sondern wirkt und ist sie."
Joseph Ratzinger

Zeroid
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Re: Schönheit, Wohlgefühl und Verbrechen

#3 Beitrag von Zeroid » 01.06.2021, 08:21

Nein, es ist kein Verbrechen, das Schöne zu sehen und Wohlgefühl zu erleben.
Es ist jedoch ein Verbrechen, sich nicht zu fragen, warum das nicht beständig und für alle Menschen gleichermaßen gilt. Oder selbst für die ganze Schöpfung.
Wenn man aufhört, sich diese Frage zu stellen ... wird der Abstand zu Gott nicht geringer, meine ich.

holytux
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Re: Schönheit, Wohlgefühl und Verbrechen

#4 Beitrag von holytux » 01.06.2021, 12:00

Nein, es ist keineswegs ein Verbrechen, die Theodizeefrage nicht ständig neu aufzurollen. (Bei allem Respekt, Du hast ein kleines Problem mit dem Verurteilen anderer Lebensentwürfe...)
Wenn ich mich zum christlichen Glauben bekenne, bleibt diese drängende Frage letztlich unbeantwortet.
Dies auszuhalten, ist schwierig. aber die Alternative wäre eine Endlosschleife der Reflektion ohne Hoffnung auf eine Antwort. Als Konsequenz bliebe dann nur seelische Verzweiflung oder ein sich langsam ausbreitender Zynismus im Blick auf die menschliche Existenz.
Das ist eine Entscheidung!
Ich lasse letzte Fragen offen, und setze meine Hoffnung auf den sterbenden Jesus, auf seine Verlassenheit, seine Einsamkeit, seine Not, sein "WARUM HASt DU MICH VERLASSEN?"

Diese meine Entscheidung trägt mich durchs Leben, mal besser - mal schlechter.

Mehr habe ich leider nicht zu bieten.

FG
"Wenn alle Liebe Ewigkeit will - Gottes Liebe will sie nicht nur, sondern wirkt und ist sie."
Joseph Ratzinger

Zeroid
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Re: Schönheit, Wohlgefühl und Verbrechen

#5 Beitrag von Zeroid » 02.06.2021, 08:09

holytux, ich hab nix von Theodizee-Frage geschrieben. Hab mich grad zum ersten Mal damit beschäftigt.
Und, Du liegst leider nicht ganz richtig, denn ich habe kein KLEINES Problem mit dem Verurteilen anderer Lebensentwürfe.
Mein Problem damit ist MEGA-ÜBER-ABNORMAL ... RIESIG.
Lebensentwürfe, die am eigenen Ast, auf dem sie hocken, sägen, sind ... ... ... JA! ... hmm ... Du hast eigentlich vollkommen recht, mein Freund ... BEGRÜßENSWERT. Wenn die runter knallen, ist es endlich aus, damit.

Leider, leider hocke ich selbst noch auf diesem Astzweig sowie alle meine Lieben.

Aber, das lässt sich ja ändern. Ich steig runter vom Baum und mach mich davon. Haben unsere Vorfahren ja schon mal erfolgreich hinbekommen. Warum nicht ein zweites Mal?

So, wie es allerdings ausschaut, muss ich alleine los. Die Anderen wollen nicht. Ich habe Angst, so ganz allein.

Allein? Nein! Gott im Himmel ist bei mir.

Danke, holytux.
Zuletzt geändert von Zeroid am 02.06.2021, 10:23, insgesamt 1-mal geändert.

Zeroid
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Re: Schönheit, Wohlgefühl und Verbrechen

#6 Beitrag von Zeroid » 02.06.2021, 08:37

holytux, spontan fällt mir zur Theodizee-Frage folgendes, irdisches Beispiel ein:

Gott ist ein genialer Tüftler und hat Nachwuchs bekommen. Der kann sich ca. ein Jahr nur auf allen Vieren mühsam bewegen. Also baut der geniale Tüftler eine Maschine, damit das Kind per Gedanken-Steuerung leicht, sprich, ohne Mühen, zum gewünschten Ort gebracht wird.
Lernt es so das eigenständige - von der Maschine unabhängige - Stehen, Gehen, Hüpfen, Springen, Rennen, Tanzen, Schwimmen, etc.? Entwickeln sich die Beine gemäß der natürlichen Anlage? Gewiss nicht.

Interessant, diese Maschinen-Analogie, oder? Ach, wenn ich mich so umschaue ... :D

Es gibt bzw. gab ein Kultur auf diesem Planeten, die über 70.000 Jahre wunderbar mit dem Geistigen sowie Gottes Schöpfung allerbestens zurecht und ohne Maschinen auskam, bis das British Empire 1788 dem ein Ende bereitete und Australien besetzte.
Die praktizieren erfolgreich Sozialismus, Gleichberechtigung der Geschlechter, friedliches Miteinander, Natur-Erhaltung, natürlichen Umgang mit Bevölkerungswachstum, etc. Alles das, wovon wir geträumt und woran wir gescheitert sind.
Zuletzt geändert von Zeroid am 02.06.2021, 09:42, insgesamt 2-mal geändert.

Zeroid
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Re: Schönheit, Wohlgefühl und Verbrechen

#7 Beitrag von Zeroid » 02.06.2021, 09:01

Runter vom Baum.
Durch die Steppe.
Durch die Wüste.
Über die Berge.
Über den Ozean.
Zurück nach Hause.

Ich fürchte tatsächlich, geistig (Unterbewusstsein?) sind wir (Affen-Abkömmlinge?) immer noch nicht vom Baum runter. Nee, nur weil wir jetzt mit Raketen den nahen Weltraum bereisen können oder ein globales, technisches Kommunikations-Netz zur Verfügung haben, ändern diese Maschinen nichts an unserer eigenständigen, geistigen Bewegungs-Behinderung.

Manche von uns sind schon etwas weiter gekommen, z.B. ins "dunkle", europäische Mittelalter. Ich bin mehr als einmal vom autokratischen Online-Community-Herrscher auf dem öffentlichen "Marktplatz" an den "Pranger" gestellt und verbal "ausgepeitscht" worden. Nee, das ist nicht zynisch, holytux, das ist ... "lustig". Wir sollten einfach mehr über uns (Affen) selbst lachen. Warum sollte dies Gott nicht gefallen? Ich glaub, er tut das auch.

Humor ist unsere Rettung, nicht Zynismus. Darin gebe ich Dir recht.

Zeroid
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Re: Schönheit, Wohlgefühl und Verbrechen

#8 Beitrag von Zeroid » 02.06.2021, 10:59

holytux hat geschrieben:
01.06.2021, 12:00
Wenn ich mich zum christlichen Glauben bekenne, bleibt diese drängende Frage letztlich unbeantwortet.
Dies auszuhalten, ist schwierig. aber die Alternative wäre eine Endlosschleife der Reflektion ohne Hoffnung auf eine Antwort. Als Konsequenz bliebe dann nur seelische Verzweiflung oder ein sich langsam ausbreitender Zynismus im Blick auf die menschliche Existenz.
Das ist eine Entscheidung!
Ich lasse letzte Fragen offen, und setze meine Hoffnung auf den sterbenden Jesus, auf seine Verlassenheit, seine Einsamkeit, seine Not, sein "WARUM HASt DU MICH VERLASSEN?"
Warum bekommen wir Menschen es nicht hin, mal etwas weiter zurück, in der Historie, zu schauen?
Geschichte ist doch kein umumkehrbarer Prozess, oder? Lande ich in einer Sackgasse oder stehe vor einem Abgrund, drehe ich mich um und nehme an der nächsten Weg-Gabelung eben den alternativen Weg. Der christliche Glaube und seine Kirche ist ein Kind der neolithischen (sesshaften) Kultur. Gilt ebenso für andere Glaubens-Richtungen. Kämpfen alle mit denselben Problemen.
Dabei hat Jesus selbst gesprochen: "Der Menschen-Sohn hat keine feste Bett-Statt." Seine Abwesenheit - zwischen dem 12. und 30. Lebensjahr - lässt eine weit-reichende Wanderschaft vermuten, die ihn Einiges gelehrt haben dürfte. Wo ist er gewesen? Was hat er von anderen Kulturen - geistigen statt materiellen oder nicht-sesshaften - gelernt?
Vielleicht erlöst uns dies aus Deiner "Endlos-Schleife der Reflektion, ohne Hoffnung auf Antwort". Bisher hat - nach meinem geringen Wissensstand - noch niemand diese Frage aufgeworfen.
Mancher scheint inzwischen gewillt, in den Abgrund zu hüpfen oder sich stoßen zu lassen.

fridolin
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Re: Schönheit, Wohlgefühl und Verbrechen

#9 Beitrag von fridolin » 02.06.2021, 16:05

Zeroid
Seine Abwesenheit - zwischen dem 12. und 30. Lebensjahr - lässt eine weit-reichende Wanderschaft vermuten, die ihn Einiges gelehrt haben dürfte. Wo ist er gewesen?
He, steht doch alles in der Bibel. Jesus hat vom 12-30. Lebensjahr keine eigenständigen langjährigen Wanderschaften gemacht. Der war die ganze Zeit zu Hause. Sein Tempelerlebnis mit 12 Jahren hat auch nur einen Tag
gedauert, dann haben seine Eltern den kleinen Knabe der ausgebüxt war, wieder mit nach Hause genommen. Irgendwann, wohl im jugendlichen Alter, hat er eine Zimmermannslehre gemacht und ist wahrscheinlich mit seinem irdischen Vater der auch Zimmermann war, täglich auf den Baustellen malochen gegangen. Wie heute auch üblich. Wieviel Stunden die pro Woche die beiden arbeiten mussten ist uns unbekannt. Vielleicht waren die beiden auch als selbstständige Handwerker unterwegs. Erst mit dem 30. Lebensjahr erfolgten die Änderungen in seinem irdischen Daseins. Mit 30 Jahren hat er sein Elternhaus verlassen und hat auf das Zimmermannshandwerk gepfiffen und ist auf Wanderschaft gegangen. Erst dann, hat er seine Lehrtätigkeit als Jesus Christus aufgenommen. Und wie das 3 Jahre später mit 33 Jahren endete, ist uns allen bekannt.
Zuletzt geändert von fridolin am 02.06.2021, 18:55, insgesamt 2-mal geändert.

fridolin
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Re: Schönheit, Wohlgefühl und Verbrechen

#10 Beitrag von fridolin » 02.06.2021, 18:38

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